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17.5.2022

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Akupunktur bei Migräne evidenzarm gegenüber moderner Prophylaxe

17.5.2022

Alzheimer-Antikörper

Wahrscheinlich ohne relevante Wirkung

17.5.2022

metBMI besser als BMI

Neuer Ansatz zum Bestimmen individueller Risiken für Stoffwechselerkrankungen

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21.5.2026

Akupunktur bei Migräne evidenzarm gegenüber moderner Prophylaxe

Derzeit erhalten Personen, die unter häufigen Migräneattacken leiden, verschiedene Medikamente zur Prophylaxe, z. B. Propranolol und Metoprolol (Betablocker), Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin oder ein Botulinumtoxin. Wenn diese Prophylaxe nicht ausreichend hilft, stehen seit 2019 als Zweitlinientherapie auch Antikörper zur Verfügung, die am Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP) ansetzen. Unterstützt werden kann die Prophylaxe durch nicht medikamentöse Methoden, z. B. verhaltenstherapeutische oder psychologische Maßnahmen. Die Akupunktur ist schon seit vielen Jahren als alternative Prophylaxe im Gespräch: Bereits vor rund 20 Jahren ließen mehrere gesetzliche Krankenkassen im Rahmen der GERAC-Modellvorhaben umfangreiche randomisierte Akupunkturstudien durchführen.

Der jetzt veröffentlichte Abschlussbericht zeigt: Für einen Großteil der Anwendungsbereiche der manuellen Akupunktur zur Migräneprophylaxe gibt es keine relevanten Studien. Das gilt für die Anwendung sowohl bei Patientinnen und Patienten, bei denen eine medikamentöse Therapie nicht (mehr) infrage kommt, als auch bei solchen, bei denen die medikamentöse Therapie mit klassischen Wirkstoffen keine ausreichende Symptomkontrolle ermöglicht und eine Zweitlinientherapie mit CGRP-gerichteten Therapien durchgeführt oder erwogen wird. Für diese beiden Anwendungsbereiche gibt es daher keinen Nachweis eines Nutzens der manuellen Akupunktur mit Nadeln.

Eingeschränkte Übertragbarkeit auf deutschen Versorgungskontext

Aussagekräftige Studien gibt es lediglich zum Vergleich der manuellen Akupunktur mit einzelnen klassischen Wirkstoffen – konkret mit den älteren Präparaten Flunarizin und Topiramat. Da der Einsatz von Topiramat und Flunarizin in der Praxis jedoch aus verschiedenen Gründen eingeschränkt ist, lässt sich aus diesen Studien nur für einen kleinen Anwendungsbereich der Akupunktur ein Vorteil ableiten. Studien, die Akupunktur mit anderen klassischen zugelassenen Medikamenten wie Betablockern, Amitriptylin oder Onabotulinumtoxin A vergleichen, fehlen.

Schon im Vorbericht hatte das IQWiG auf die eingeschränkte Übertragbarkeit des Bewertungsergebnisses auf den deutschen Versorgungskontext hingewiesen, da Vergleichsstudien zu den hierzulande häufig eingesetzten Betablockern und auch zu den neueren CGPR-Antikörpern fehlen. Auf solche Studien wurde auch in den Stellungnahmen nicht hingewiesen. „Die Akupunktur-Forschung wurde ein Stück weit abgehängt,“ deutet Stefan Sauerland, Leiter des IQWiG-Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren, die Datenlage. „Man hat es versäumt, in Studien zu untersuchen, ob die Akupunktur auch mit anderen und moderneren Varianten der medikamentösen Migräneprophylaxe Schritt halten kann.“

21.5.2026

Wahrscheinlich ohne relevante Wirkung

Quasi zeitgleich mit dem aktuellen Cochrane Review hat der Gemeinsame Bundesausschuss im April einen Beschluss zur Bewertung des Zusatznutzens zu einem der sieben untersuchten Antikörper veröffentlicht („Der Privatarzt“ berichtete),

Die systematische Cochrane-Übersichtsarbeit „Monoklonale Antikörper gegen Amyloid-Beta für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Alzheimer-Demenz im Frühstadium“ hat die Ergebnisse aus 17 klinischen Studien mit insgesamt sieben verschiedenen Antikörpern gegen das Eiweiß Beta-Amyloid gemeinsam ausgewertet. Insgesamt flossen in die Übersichtsarbeit die Daten von 20.342 Teilnehmenden ein, deren mittleres Alter bei 70 bis 74 Jahren lag. Die Antikörper wurden intravenös verabreicht – meist alle 2–4 Wochen. Die verschiedenen Antikörper-Therapien wurden in den Studien jeweils mit Placebo-Behandlungen verglichen. Die Vermutung war, dass die Wirkstoffe im Frühstadium der Erkrankung bei Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigung oder leichter Alzheimer-Demenz eher wirken, als wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist.

Zu den untersuchten sieben Wirkstoffen zählten auch Lecanemab und Donanemab. Beide sind in der EU zur Behandlung von Alzheimer-Demenz im Frühstadium zugelassen. Bereits im Februar 2026 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) auf Basis von Studiendaten der Hersteller festgestellt, dass für Lecanemab im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard kein Zusatznutzen belegt ist. Das Gleiche gilt für den Mitte April veröffentlichten G-BA-Beschluss zu Donanemab, der besagt, dass sich auch für diesen Antikörper-Wirkstoff kein Zusatznutzen feststellen lässt. Die Beschlüsse des G-BA sind hierzulande die Grundlage für die Verhandlungen zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und den Herstellern über den Preis der Arzneimittel.

Wirksamkeit deutlich unter klinisch relevant

Der jetzt veröffentlichte Cochrane-Review zeigt bei der gemeinsamen Auswertung aller gesammelten Studienergebnisse: Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren war die Wirksamkeit der Antikörper-Medikamente gegen den Abbau der geistigen Fähigkeiten und der Fähigkeiten zur Alltagsbewältigung wahrscheinlich entweder gar nicht vorhanden oder so gering, dass sie nicht als klinisch relevant eingestuft werden konnte.

„Leider legt die Evidenz nahe, dass diese Medikamente für die Erkrankten keinen klinisch bedeutsamen Unterschied machen“, sagt der Erstautor des Reviews Francesco Nonino, Neurologe und Epidemiologe am IRCCS Institut für Neurologische Wissenschaften in Bologna (Italien). Einige wenige der im Review ausgewerteten Studien hatten statistisch signifikante Unterschiede gezeigt. „Aber es ist wichtig, zwischen der statistischen Signifikanz und der klinischen Relevanz der Ergebnisse zu unterscheiden“, so Nonino.

ARIA als zentrales Sicherheitsproblem

Mit Blick auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen stellt die Übersichtsarbeit fest, dass die Antikörper-Medikamente wahrscheinlich das Risiko von speziellen Hirnschwellungen und kleinsten Blutungen im Gehirn erhöhen (ARIA; Amyloid-Related Imaging Abnormalities). Solche Veränderungen wurden in den Studien mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen – häufig ohne dass bei den Patientinnen und Patienten entsprechende Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Übelkeit, Schwindel, Seh- und Gangstörungen erkennbar waren. Über alle sieben Wirkstoffe insgesamt betrachtet stieg beispielsweise die Zahl der Hirnschwellungen (ARIA E) – asymptomatische und symptomatische – wahrscheinlich von 12 pro 1.000 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern ohne Antikörper-Therapie bzw. mit Placebo auf rund 119 pro 1.000 Teilnehmende mit Antikörper-Therapie (11 Studien mit 13.595 Teilnehmenden und 18 Monaten Laufzeit, Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: moderat). Wie sich diese beobachteten Veränderungen im Gehirn langfristig auswirken, lässt sich wegen mangelnder Daten nicht sagen.

Künftige Forschung sollte andere Ansatzpunkte verfolgen

Die Autorinnen und Autoren des neuen Cochrane Reviews betonen, dass mit den Antikörper-Wirkstoffen zwar Beta-Amyloid-Protein erfolgreich aus dem Gehirn entfernt werden kann, aber daraus kein klinisch bedeutsamer Nutzen entsteht. Sie empfehlen daher, dass der Fokus zukünftiger Alzheimer-Forschung auf anderen Mechanismen liegen sollte. Mehrere solcher Studien laufen bereits.

„Ich sehe jede Woche in meiner Sprechstunde Patientinnen und Patienten mit Alzheimer-Demenz und wünschte, ich könnte ihnen eine wirksame Behandlung anbieten“, sagt Edo Richard, Professor für Neurologie am Radboud Universitätsklinikum in Nijmegen (Niederlande) und Mitautor des Cochrane Reviews. „Die bereits zugelassenen Medikamente bieten einigen Betroffenen einen gewissen Nutzen, aber es besteht weiterhin ein großer Bedarf an wirksameren Behandlungen. “

21.5.2026

Neuer Ansatz zum Bestimmen individueller Risiken für Stoffwechselerkrankungen

Personen mit Normalgewicht und einem hohen metabolischen BMI haben laut der Studie ein bis zu fünfmal höheres Risiko für Stoffwechselerkrankungen. Genetische Faktoren sind demnach für den metBMI weniger wichtig als der Lebensstil und die Umwelt.

Der herkömmliche Body-Mass-Index aus Körpergröße und Gewicht zeigt zwar Übergewicht an, erfasst jedoch nicht, wie gesund oder krank das Körperfett wirklich ist. Bis zu 30 % der Menschen gelten laut BMI als normalgewichtig, zeigen aber bereits gefährliche Veränderungen des Stoffwechsels. Umgekehrt gibt es Personen mit erhöhtem BMI, deren Stoffwechsel weitgehend unauffällig bleibt. Diese Diskrepanz kann dazu führen, dass Risikopatientinnen und -patienten zu spät erkannt und behandelt werden.

Für die aktuelle wissenschaftliche Arbeit nutzte das internationale Forschungsteam Daten von zwei großen schwedischen Bevölkerungsstudien mit insgesamt fast 2.000 Teilnehmer:innen. Neben klassischen Gesundheits- und Lebensstilmerkmalen wurden umfangreiche Laborwerte aus dem Blut und dem Darmmikrobiom erhoben. Auf dieser Grundlage entwickelten die Forscher:innen ein Rechenmodell, das den metabolischen BMI vorhersagt. „Unser metabolischer BMI deckt eine versteckte Stoffwechselstörung auf, die auf der Waage nicht immer sichtbar ist. Zwei Menschen mit dem gleichen BMI können je nach Funktion ihres Stoffwechsels und ihres Fettgewebes völlig unterschiedliche Risikoprofile aufweisen“, sagt PD Dr. med. Rima Chakaroun, Forscherin der Universitätsmedizin Leipzig und Erstautorin der Studie.

Zusammenhang mit Darmbakterien

Die Ergebnisse zeigen, dass ein unerwartet hoher metabolischer BMI (metBMI) mit einem bis fünfmal höheren Risiko für eine Reihe von Krankheiten und Beschwerden verbunden ist: Fettleber, Diabetes, Fettansammlung um die inneren Organe, Insulinresistenz. Zudem verloren Menschen mit hohem metBMI 30 % weniger Gewicht nach sogenannten bariatrischen Operationen, also Eingriffen an Magen und Darm, die eine nachhaltige Gewichtsreduktion bewirken. Diese Patientinnen und Patienten wurden am Universitätsklinikum Leipzig operiert, dadurch konnten für die Studie umfassende Daten gewonnen werden.

Ein wichtiger Befund der Forschungsarbeit war die enge Beziehung zwischen dem metabolischen Profil und der Zusammensetzung der Bakterien im Darm. Menschen mit höherem metBMI hatten eine geringere bakterielle Vielfalt und ein vermindertes Potential ihrer Darmflora, Ballaststoffe in gesundheitsfördernde Fettsäuren wie Buttersäure umzuwandeln. Die Studie hebt auch hervor, dass genetische Faktoren für den metBMI weniger wichtig sind als der Lebensstil und die Umwelt.

Der von den Forscherinnen und Forschern entwickelte metabolische BMI basiert auf umfassenden Messungen von hunderten kleinen Molekülen im Blut, die den Zellstoffwechsel widerspiegeln. Aus ursprünglich über 1.000 analysierten Stoffwechselprodukten ließ sich einreduziertes Panel aus nur 66 Metaboliten identifizieren, das nahezu die gleiche Aussagekraft behielt. Diese Moleküle reflektieren vor allem den engen Austausch zwischen körpereigenem Stoffwechsel und Darmbakterien.

Bedeutung für die Medizin der Zukunft

„Der traditionelle BMI übersieht oft Menschen, die normalgewichtig sind, aber ein hohes Stoffwechselrisiko haben. Der metBMI kann zu einer faireren und genaueren Einschätzung des Krankheitsrisikos beitragen“, sagt Chakaroun. Somit kann das Modell helfen, Betroffene früher zu identifizieren, die Auswahl für chirurgische oder medikamentöse Interventionen zu präzisieren und therapeutische Entscheidungen zu personalisieren. Künftig sollen die Modelle weiter verbessert werden, indem dynamische Marker zur Insulinsekretion berücksichtigt und experimentelle Studien zur DarmmikrobiomMetabolitenAchse gestartet werden.

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