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17.5.2022

Digitalisierung

Weniger als ein Viertel nutzt die elektronische Patientenakte

17.5.2022

Fastenforschung

Moderate Kalorienbremse statt Diätstress: Neue CALERIE-Daten stärken das Geroscience-Konzept des „gesunden Fastens“

17.5.2022

Saisonale Atemwegsrisiken

Zwei-in-eins-Impfstoff gegen Grippe und COVID-19

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22.5.2026

Weniger als ein Viertel nutzt die elektronische Patientenakte

Zwar hat sich die Nutzung damit nahezu verdoppelt, dennoch greift nur rund insgesamt jeder Vierte auf die elektronische Patientenakte zurück.

„Ein Jahr nach Einführung der ePA ist ein Anteil von Nutzerinnen und Nutzer unter 25 % kein guter Wert. Wir sind noch weit davon entfernt, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Vorteile der ePA kennt und sie im Alltag nutzt. Damit geht Potential verloren, das wir gerade jetzt im Gesundheitssystem dringend brauchen“, erklärt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.

Die aktuellen Daten zeigen zudem weiterhin Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. So nutzen Männer die ePA häufiger als Frauen (25,2 % gegenüber 21,7 %). Auch regional bleibt ein Gefälle bestehen: In den ostdeutschen Bundesländern liegt die Nutzungsrate mit 28,9 % über der im Westen (22,2 %).

Besonders aktiv ist die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen mit einer Nutzungsquote von 28,8 %. In den übrigen Altersgruppen bewegt sich die Nutzung auf einem etwas niedrigeren, aber vergleichbaren Niveau: 30-39-Jährigen (27,1 %), 40- bis 49-Jährige (21,6 %), 50- bis 64-Jährige (24,5 %) sowie Menschen ab 65 Jahren (20,9 %).

Pharma Deutschland bewertet die ePA als wichtigen Fortschritt für die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die e-Akte kann den Umgang mit der eigenen Gesundheit deutlich vereinfachen. Wichtige medizinische Informationen sind gebündelt verfügbar, Behandlungen können besser abgestimmt und Risiken früher erkannt werden. Gleichzeitig bieten die Daten eine wichtige Grundlage für Forschung und passgenaue Therapien.

Hintergrund: In dem Dossier „Digitalisierung – Chancen nutzen, Hürden abbauen“ betont die KBV, die ePA sei „zentrales Element einer digitalen Versorgung“, fordert aber, dass sie reibungslos funktionieren, vollständig in die Praxisverwaltungssysteme integriert sein und ohne zusätzliche Bürokratie nutzbar werden müsse. Zugleich verlangt sie konsequenten Schutz sensibler Daten: Krankenkassen und Dritte dürften keinen Zugriff auf medizinische Inhalte erhalten, die ePA dürfe „kein Instrument für Kasseninteressen“ werden. Aktuelle KBVInformationen zur ePA (inkl. Patienteninfo und FAQs) bietet die Seite „Elektronische Patientenakte – Überblicksseite der KBV“ (https://www.kbv.de/praxis/digitalisierung/anwendungen/elektronische-patientenakte).

22.5.2026

Moderate Kalorienbremse statt Diätstress: Neue CALERIE-Daten stärken das Geroscience-Konzept des „gesunden Fastens“

Die Autoren und Autorinnen der aktuellen Nature-Aging-Arbeit werten dies als Hinweis auf einen bislang unterschätzten Entzündungsschalter des biologischen Alterns: Wird die chronische Komplementaktivierung gedämpft, könnte auch das altersassoziierte inflammatorische Grundrauschen sinken.

Ganz neu ist die Grundidee allerdings nicht. Seit Jahrzehnten zeigen tierexperimentelle Arbeiten, dass Kalorienrestriktion zu den robustesten nicht pharmakologischen Interventionen zur Verlängerung von Lebens- und Gesundheitsspanne zählt. Auch verschiedene Formen des intermittierenden Fastens adressieren offenbar ähnliche Stressadaptationsprogramme. So hat Mark P. Mattson wiederholt beschrieben, dass zeitlich begrenzte Nahrungszufuhr, alternate-day fasting oder periodische Fastenintervalle metabolische Switching-Prozesse aktivieren: Zelluläre Reparaturmechanismen nehmen zu, inflammatorische Signalachsen werden herunterreguliert, die metabolische Flexibilität verbessert sich. Die jetzt publizierten C3a-Daten liefern dafür einen weiteren mechanistischen Baustein. Nicht nur die Kalorienmenge, sondern offenbar der wiederkehrende Zustand relativer Energieknappheit könnte ein evolutionär konserviertes Langlebigkeitsprogramm anschalten.

Weniger Gewichtsreduktion als Entzündungsmodulation

Bemerkenswert an der neuen Arbeit ist, dass der beobachtete Rückgang von C3a nach Angaben der Autoren und Autorinnen nicht einfach eine lineare Folge des Gewichtsverlusts war. Gerade dieser Punkt macht die Studie für die Primärversorgung interessant: Die biologische Wirkung moderater Kalorienrestriktion erschöpft sich möglicherweise nicht im Abnehmen, sondern reicht bis in zentrale immunologische Regulationssysteme hinein. Die begleitende Yale-Kommunikation spricht deshalb bereits von einem potentiell klinisch nutzbaren „inflammaging checkpoint“ – also einem therapeutisch adressierbaren Kontrollpunkt chronischer Altersentzündung.

Was heißt das für die hausärztliche Praxis?

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das nicht, dass künftig zweijährige CALERIE-Protokolle mit Küchenwaage verordnet werden müssten. Wohl aber stützt die Studie die pragmatische Vorstellung, dass bereits moderate, langfristig durchhaltbare Formen des Energieentzugs biologisch relevant sein können: etwas kleinere Portionen, konsequente Reduktion energiedichter Zwischenmahlzeiten, begrenzte Essfenster oder intermittierende Fastentage. Solche Strategien werden seit Jahren unter dem Dach des intermittierenden Fastens diskutiert; die neue Arbeit liefert nun zusätzliche Hinweise, dass sich dahinter mehr verbirgt als bloße Gewichtsdisziplin.

Geroscience statt Diätratgeber

Es geht somit weniger um die klassische Botschaft „weniger essen, um schlanker zu werden“, sondern um die plausiblere und oft motivierendere Perspektive, durch moderate Kalorienbremse chronische stille Entzündungsprozesse und damit möglicherweise biologische Alterungsdynamiken zu beeinflussen. Weitere Langzeitdaten zu Morbidität und Mortalität beim Menschen fehlen weiterhin. Doch die Summe aus CALERIE, Fastenforschung und tierexperimenteller Langlebigkeitsliteratur macht den Ansatz zunehmend anschlussfähig: Nicht jede Form des Fastens ist Wellnessmode – manches davon könnte tatsächlich in die Nähe einer alltagstauglichen Anti-Aging-Basisintervention rücken.

22.5.2026

Zwei-in-eins-Impfstoff gegen Grippe und COVID-19

Der Impfstoff vereint die Antigenkomponenten der saisonalen Influenza (A/H1N1, A/H3N2, B/Victoria) mit einem SARS-CoV-2-mRNA-Baustein. Nach positiver Bewertung durch den Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur wurde am 20. April 2026 die EU-weite Zulassung für die aktive Immunisierung gegen beide Infektionen erteilt. Ob und in welchem Umfang der Impfstoff in nationale Impfprogramme übernommen wird, bleibt allerdings den jeweiligen Fachgremien vorbehalten.

Zulassung auf Basis immunologischer Bridging-Daten

Die Zulassung stützt sich im Wesentlichen auf immunologische Vergleichsdaten. In einer zentralen Phase-3-Studie mit mehr als 8.000 Probandinnen und Probanden ab ≥ 50 Jahren erzielte mCombriax Antikörpertiter gegen Influenza und SARS-CoV-2, die den Titern nach gleichzeitiger Gabe etablierter Einzelimpfstoffe nicht unterlegen waren. Klinische Endpunkte wie die tatsächliche Verhinderung von Infektionen oder Hospitalisierungen waren dagegen nicht primärer Zulassungsmaßstab. Der potentielle Nutzen des Präparats liegt damit zunächst weniger in einem immunologischen Zusatzgewinn als in der Bündelung zweier saisonaler Schutzimpfungen in einem einzigen Impftermin.

Die Nebenwirkungsrate war gegenüber den Vergleichsimpfungen etwas höher, blieb jedoch überwiegend mild und kurz anhaltend. Sehr häufig berichtet wurden Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Myalgien, Arthralgien, Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Fieber sowie Übelkeit oder Erbrechen. Die Beschwerden begannen meist innerhalb von zwei Tagen und klangen nach rund drei Tagen wieder ab. Bei zuvor gegen COVID-19 geimpften Personen soll der neue Impfstoff frühestens drei Monate nach der letzten Coronaimpfung eingesetzt werden.

Hohe Indikationsbreite trifft auf reale Impflücken

Formal ist er für alle Erwachsenen ab ≥ 50 Jahren zugelassen. Besonders relevant erscheint das Präparat jedoch für jene Gruppen, die sowohl für Influenza als auch für COVID-19 ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe tragen: ältere Menschen, chronisch Kranke und Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Genau hier bestehen seit Jahren deutliche Versorgungslücken. Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts lag die Influenza-Impfquote bei den ≥ 60-Jährigen in der Saison 2024/2025 nur noch bei rund 34 %; angestrebt werden mindestens 75 %. Auch die von der STIKO empfohlenen COVID-19-Auffrischimpfungen für ältere und vulnerable Personen werden bislang nur unzureichend umgesetzt.

Die STIKO spricht sich grundsätzlich dafür aus, empfohlene Impfungen nach Möglichkeit in wenigen Injektionen oder mit Kombinationsimpfstoffen umzusetzen, sofern keine Empfehlung dagegen steht. Eine spezifische deutsche Empfehlung zum neuen Impfstoff liegt derzeit noch nicht vor. Das Präparat trifft jedoch auf ein Versorgungsszenario, in dem weniger die grundsätzliche Impfbereitschaft als vielmehr organisatorische Hürden und zunehmende Ermüdung bei wiederkehrenden Auffrischimpfungen zum Problem geworden sind.

Pragmatischer Hebel statt Impfstoffrevolution

Simultanimmunisierungen werden von STIKO und Fachgesellschaften seit Jahren befürwortet, ohne dass relevante Sicherheitsprobleme beobachtet wurden. Neu ist deshalb weniger das immunologische Prinzip als die logistische Vereinfachung: Influenza- und COVID-19-Prophylaxe lassen sich mit einem Aufklärungsgespräch, einem Impftermin und einer Injektion zusammenführen. Gerade im hausärztlichen Setting könnte das die Chance erhöhen, dass empfohlene saisonale Schutzimpfungen tatsächlich vollständig umgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Impfstoff weniger als medizinische Revolution denn als praktisches Instrument gegen eine bekannte Schwäche der Präventionsrealität: Viele Schutzimpfungen scheitern nicht an fehlender Empfehlung, sondern an alltäglicher Aufschiebung. Wenn ein einziger Termin zwei relevante Atemwegsrisiken abdeckt, könnte das in der kommenden Impfsaison ein durchaus spürbarer Vorteil sein.

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