„Diese Medikamente können insbesondere im ersten Jahr zu einem deutlichen Gewichtsverlust führen“, sagt Dr. med. Juan Franco von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er leitet die Düsseldorfer Cochrane Evidence Synthesis Unit (ESU), eine Arbeitsgruppe, die systematische Übersichtsarbeiten erstellt – und hat als Autor an allen drei jetzt veröffentlichten Cochrane Reviews mitgearbeitet. „Nach jahrzehntelangen erfolglosen Versuchen, wirksame Behandlungen für Menschen mit Adipositas zu finden, ist das ein bemerkenswerter Schritt nach vorn.“
Die drei Wirkstoffe wurden ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt und beeinflussen auch die Appetitregulation. Liraglutid und Semaglutid sind so genannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Tirzepatid hat einen etwas anderen Wirkungsmechanismus und wird als dualer GLP-1 und GIP-Rezeptor-Agonist bezeichnet. Inzwischen sind die Mittel auch zugelassen, um Menschen mit einem Body-Mass-Index ab 30 kg/m² beim Abnehmen zu unterstützen – allerdings nur in Kombination mit mehr körperlicher Aktivität und kalorienreduzierter Ernährung. Wenn Übergewichtige an einer Begleiterkrankung wie Diabetes, Bluthochdruck oder obstruktiver Schlafapnoe leiden, ist die Therapie schon ab einem Body-Mass-Index von 27kg/m² zugelassen. Hierzulande gelten die „Abnehmspritzen“ als Lifestylemittel; die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
Alle drei neuen Cochrane Reviews vergleichen den Effekt der „Abnehmspritzen“ mit Placebo. Sie zeigen folgendes:
Eine Studie über dreieinhalb Jahre mit 1.023 Teilnehmenden legt nahe, dass die Menschen ihr Gewicht wahrscheinlich auf diesem Niveau halten können, wenn sie die Therapie so lange fortsetzen. Allerdings ist Tirzepatid eine Substanz mit einem neuen Wirkungsmechanismus („Twincretin“) – und es gibt dementsprechend noch kaum Daten zur Langzeitsicherheit.
Die Analyse von zwei Studien mit 17.908 übergewichtigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die fast alle bereits eine Herz-Kreislauferkrankung hatten und bis zu viereinhalb Jahre lang Semaglutid bekamen, zeigte zudem: Mit dieser Therapie kommt es bei diesen Risiko-Patientinnen und -Patienten wahrscheinlich etwas seltener zu erneuten, schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. Im Studienzeitraum (bis zu viereinhalb Jahre) erlitten nur etwa 64 von 1000 Betroffenen erneut solche ernsten Herz-Kreislauf-Probleme. Zum Vergleich: Ohne Semaglutid – also mit einer Placebo-Spritze – waren es 78 von 1.000 Risiko-Patientinnen und Patienten. Diesen kleinen Unterschied bewerten die Cochrane-Autorinnen und -Autoren aber als wahrscheinlich klinisch kaum oder gar nicht relevant.
Das Gewicht um mindestens 5% zu verringern, gilt in Leitlinien als wichtiges Ziel für Adipositas-Betroffene, um die Gesundheit zu verbessern.
Die Nebenwirkungen der Therapie
Bei allen drei Mitteln treten vermehrt leichte bis moderate Verdauungsprobleme wie Übelkeit und Erbrechen auf. Wahrscheinlich sorgen diese unerwünschten Wirkungen bei einigen Semaglutid-Anwenderinnen und -Anwendern auf lange Sicht für Therapieabbrüche. Für die beiden anderen Wirkstoffe reichten die Daten nicht aus, um diese Frage ausreichend verlässlich zu klären. Auch zu etwaigen schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen der „Abnehmspritzen“ können die Cochrane-Autorengruppe auf der aktuellen Datenbasis keine sicheren Aussagen treffen.
Die drei Reviews zeigen auch: Im Augenblick laufen zu allen drei Wirkstoffen noch zahlreiche Studien. Insgesamt bleiben momentan einige Fragen offen. So fordern die Cochrane-Autor:innen mehr randomisiert kontrollierte Studien zu Langzeitwirksamkeit und Langzeitsicherheit der Präparate – und auch dazu, wie sich die Mittel langfristig auf die Herzkreislaufgesundheit auswirken. Damit soll klarer werden, welche Rolle die Medikamente bei der langfristigen Gewichtskontrolle spielen können. Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass herstellerunabhängige Studien notwendig sind, um Mediziner und Gesundheitspolitiker besser für ihre Entscheidungen zu informieren.Die drei Übersichtsarbeiten wurden im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO erstellt. Sie sollen in die geplante WHO-Leitlinie zur Behandlung von Adipositas einfließen
Prostatakrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Standardtherapien wie Operation oder Radiotherapie können den Tumor zwar beseitigen, führen aber nicht selten zu Miktionsbeschwerden oder Erektionsstörungen. Die „Fokale Therapie“ verfolgt einen anderen Ansatz: Sie zerstört nur den erkrankten Bereich und belässt den Rest der Prostata unversehrt. Bei der Hochintensitäts-Fokussierten Ultraschalltherapie (HIFU) wird der Tumor mithilfe von Magnetresonanztomografie und Echtzeit-Ultraschall millimetergenau erhitzt und zerstört. Bislang gilt diese Methode laut den Leitlinien der European Association of Urology als experimentell – unter anderem, weil aussagekräftige prospektive Daten fehlten. Die aktuelle Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL Krems, Österreich) und von klinischen Partnern in St. Pölten, Baden und Korneuburg liefert die notwendige Evidenz zu diesen Themen.
Maßgeschneiderte Krebsbekämpfung
„Anstatt die gesamte Drüse zu entfernen oder zu bestrahlen, behandeln wir nur den erkrankten Teil, gesteuert durch MRT und Echtzeit-Ultraschall“, erklären OA Dr. Gábor Rosta und Prim. Prof. Dr. Harun Fajkovic von der Klinischen Abteilung für Urologie und Andrologie am Universitätsklinikum St. Pölten, einem Lehr- und Forschungsstandort der KL Krems. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieser fokussierte Ansatz bei ausgewählten Patienten den Krebs wirkungsvoll kontrollieren und die Nebenwirkungen herkömmlicher Behandlungen signifikant senken kann.“
Für die prospektive Machbarkeitsstudie wurden zwischen 2021 und 2024 insgesamt 51 Männer mit neu diagnostiziertem, lokal begrenztem Prostatakarzinom niedrigen oder mittleren Risikos behandelt (Tumormarker PSA ≤ 15 ng/mL, Stadium ≤ T2). Bei allen wurde die erkrankte Region gezielt mittels MRT-gestütztem HIFU abgetragen. Die Studienteilnehmer wurden über zwei Jahre nachbeobachtet – mit vierteljährlichen PSA-Kontrollen, MRT-Untersuchungen nach 12 und 24 Monaten sowie anschließenden Biopsien.
Nach zwei Jahren benötigten über 94 % der Männer keine zusätzliche Therapie. In den Kontrollbiopsien ein Jahr nach dem Eingriff zeigte sich bei mehr als 80 % der Patienten kein vitales Tumorgewebe mehr. Der Tumormarker PSA sank bei den Teilnehmern nach 3 Monaten um 69 % ab und blieb während der gesamten Nachbeobachtung stabil. Die Nebenwirkungen waren nicht ausgeprägt und traten nur vorübergehend auf: Etwa ein Fünftel der Patienten hatte kurzzeitig obstruktive und irritative Beschwerden beim Wasserlassen. Schwere Komplikationen wurden nicht beobachtet.
Spürbarer Therapieerfolg
Auch die funktionellen Ergebnisse sowie die Berichte der Patienten über die Lebensqualität sind vielversprechend. Die Erektionsfähigkeit, gemessen mit dem International Index of Erectile Function (IIEF-5), nahm zunächst leicht ab, erholte sich jedoch innerhalb von sechs bis zwölf Monaten vollständig – und lag nach zwei Jahren sogar über dem Ausgangsniveau. Dazu behielten Männer, die vor der Behandlung eine gute Miktion aufwiesen, diese auch danach, während Patienten mit bereits bestehenden Beschwerden beim Wasserlassen eine deutliche Besserung erfuhren. Insgesamt blieben die Werte zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (SF-36) in allen Bereichen stabil.Diese Resultate bestätigen und erweitern frühere Einzelergebnisse aus Europa und Nordamerika, stellen jedoch die erste koordinierte Untersuchung der fokalen HIFU-Therapie innerhalb des österreichischen Spitalswesens dar. „Unsere Arbeit zeigt, dass sich fokussierter Ultraschall bei sorgfältiger Patientenauswahl und präziser Ausführung sicher in die klinische Routine integrieren lässt“, betont das Studienteam. Die Forschenden verweisen zugleich auf die Notwendigkeit längerer Nachbeobachtungen und randomisierter Studien, bevor die Methode Eingang in Leitlinien finden kann. Dennoch deutet sich bereits jetzt ein Paradigmenwechsel an – hin zu organerhaltenden Tumorbehandlungen, mit denen viele Männer eine sichere Deeskalation der Tumortherapie erhalten können.
Die Fingernagelproben wurden mittels Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry (ICP-MS) analysiert, einer leistungsfähigen Methode zur Multi-Element Bestimmung. Beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Oecotrophologie, Informatik und Public Health.
„Es gibt bislang nur wenig Forschung zum Mineralstoffgehalt als Biomarker für die Bewertung von Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten“, erläutert Dr. Marc Birringer (Fulda) „Nagelproben werden hauptsächlich für toxikologische Untersuchungen auf Schwermetalle verwendet. Wir dagegen wollten wissen, inwieweit sich diese auch für das Gesundheitsmonitoring einsetzen lassen.“
Fingernägel speichern Mineralstoffmuster
Die Ergebnisse der in der Fachzeitschrift BioFactors veröffentlichten Studie zeigen: Fingernägel speichern charakteristische Mineralstoffmuster, die Rückschlüsse auf Ernährungs- und Lebensstilfaktoren ermöglichen. So wiesen die Nägel von Personen, die Selenpräparate einnahmen, rund 20 % höhere Selengehalte auf. Wer sich omnivor ernährte, also ohne Einschränkungen, hatte einen höheren Selengehalt als Personen mit einem veganen und vegetarischen Speiseplan. Auffällig waren zudem bestimmte Nagelveränderungen, etwa brüchige Nägel, Längsrillen oder weiße Flecken, die mit Abweichungen im Kalium-, Kalium- und Natrium- bzw. Chromgehalt einhergingen. Analysen zu den Mineralstoffpaaren Kalium und Natrium sowie Calcium und Phosphor sollen künftig weitere Erkenntnisse zum Ernährungsverhalten und Lebensstil liefern.
„Wir können zeigen, dass Fingernagelanalysen eine kostengünstige, nicht-invasive und alltagstaugliche Methode für die Ernährungs- und Präventionsforschung sind“, sagt Birringer. Perspektivisch sollen die in Fulda erhobenen Daten mit KI-gestützter Bildanalyse von Nageloberflächen verknüpft werden, um Risiken für Mikronährstoffdefizite frühzeitig zu erkennen.