Viele Menschen fühlen sich von der Menge an Gesundheitsinformationen im Netz eher erschlagen als gestärkt; vor allem der Schritt der Bewertung fällt schwer. Sundi, ein gemeinsames Projekt des Bosch Health Campus und der Charité, wissenschaftlich flankiert vom schwedischen Karolinska Institutet, versucht, diese Unsicherheit abzufedern. Der Chatbot gibt alltagsnahe Empfehlungen, ermutigt zu kleinen Gewohnheitsänderungen und hält die Schwelle bewusst niedrig. Schlaf, Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung bilden die thematischen Eckpfeiler, wobei die Nutzerinnen und Nutzer eigene Ziele definieren können – ein Ansatz, der Verhaltensänderung realistischer macht als pauschale Vorgaben.
Die Inhalte entstehen in einem interdisziplinären Redaktionsteam aus Ärztinnen, Medizinjournalisten und Forschenden. Ein wissenschaftlicher Beirat prüft alle Materialien. Im Unterschied zu vielen Chatbots, die auf unklaren Datenquellen basieren, legt Sundi Wert auf Transparenz: Der digitale Assistent kann seine Quellen benennen, und die Antworten werden durch sogenanntes Prompt Engineering eingehegt, damit sie fachlich sauber bleiben. Dieser Fokus auf Nachvollziehbarkeit soll Vertrauen schaffen.
Verwandte Projekte im Ausland
Der Blick ins Ausland zeigt, dass es durchaus verwandte Projekte gibt, aber selten in vergleichbarer Ausrichtung. In Frankreich arbeitet „Mon Sherpa“ mit einer Mischung aus App-basierten Inhalten und menschlichen Gesundheitscoaches; allerdings ist das Angebot stark auf psychische Gesundheit fokussiert und weniger skalierbar. Aus Kanada ist „Wellness Compass“ bekannt, allerdings fest eingebettet in primärärztliche Versorgung und nicht als unabhängiges Präventionsportal konzipiert. In Deutschland existieren einzelne Programme der Krankenkassen, meist themenbezogen - Schritte-Apps, Schlafratgeber, Ernährungscoaches. Doch ein umfassendes, kostenfreies, werbefreies und wissenschaftlich abgestütztes Präventionsangebot speziell für Menschen ab 55 Jahren, ergänzt durch einen transparenten KI-Assistenten, findet sich bislang nicht. Sundi besetzt damit eine erkennbare Lücke.
Sundi ist kostenlos und werbefrei. Die Plattform ist browserbasiert und für mobile Geräte optimiert, spätere Erweiterungen werden geprüft. Der langfristige Erfolg hängt letztlich davon ab, ob Menschen sich durch Sundi verstanden fühlen und ob der digitale Coach tatsächlich hilft, kleine Schritte in Richtung eines gesünderen Alltags zu gehen – unspektakulär vielleicht, aber nachhaltig genug, um im Leben etwas zu verschieben.
Bei über 880 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) oder metastasiertem Melanom war die Gabe eines mRNA-Impfstoffs innerhalb von 100 Tagen um den Beginn einer Immun-Checkpoint-Blockade (ICI) mit einem deutlich verlängerten Gesamtüberleben assoziiert. Im NSCLC-Kollektiv stieg die mediane Überlebenszeit von 20,6 auf 37,3 Monate (adjustierte HR 0,51), beim Melanom von 26,7 Monaten auf einen nicht erreichten Median (HR 0,37). Auch das progressionsfreie Überleben verbesserte sich signifikant. Die Ergebnisse blieben robust in Propensity-Matchings und Sensitivitätsanalysen und traten ausschließlich bei ICI-Behandlung auf, nicht bei Chemotherapie.
Im Mausmodell bestätigten sich die Befunde: mRNA-Lipid-Nanopartikel (RNA-LNPs) induzierten eine massive Ausschüttung von Typ-I-Interferon, aktivierten dendritische Zellen und Makrophagen in lymphatischen Organen und führten zu einer verstärkten Antigenpräsentation tumorassoziierter Peptide. Diese Aktivierung ermöglichte ein Epitop-Spreading und eine Expansion tumorspezifischer CD8-T-Zellen. Blockade des Interferon-Signalwegs hob den therapeutischen Effekt vollständig auf. Parallel zeigten sich deutliche Anstiege der PD-L1-Expression auf Tumorzellen – ein klassischer Fluchtmechanismus, der die Wirksamkeit der parallel gegebenen Checkpoint-Inhibitoren erst voll zur Entfaltung brachte.
Spezifische immunmodulatorische Eigenschaft der mRNA-Plattform?
Bemerkenswert ist der Überlebensvorteil auch bei immunologisch „kalten“ Tumoren mit geringer PD-L1-Expression (< 1 %). In dieser Subgruppe erreichten geimpfte NSCLC-Patienten Überlebensraten, die sonst nur bei höheren PD-L1-Scores beobachtet werden. Influenza- oder Pneumokokken-Impfungen zeigten keinen vergleichbaren Effekt, was auf eine spezifische immunmodulatorische Eigenschaft der mRNA-Plattform hindeutet. Trotz der beeindruckenden Daten mahnen Experten zur Zurückhaltung bei der Kausalinterpretation: Patientinnen und Patienten, die fit genug für eine Impfung sind, könnten zwar bereits günstigere Ausgangsbedingungen haben. Randomisierte Studien seien jedoch nötig, um den immunstimulatorischen Beitrag der Impfung unabhängig zu belegen. Gleichwohl eröffnet die Arbeit die Perspektive, dass mRNA-Impfstoffe künftig nicht nur Infektionen verhindern, sondern auch den Erfolg onkologischer Immuntherapien gezielt verstärken könnten.
Hintergrund: mRNA-Impfstoffe in der Onkologie
* mRNA-basierte Therapeutika haben sich in der Krebsimmuntherapie vom experimentellen Konzept zu einer klinisch greifbaren Plattform entwickelt. Laut einer aktuellen Übersichtsarbeit aus den USA zeichnen sich insbesondere personalisierte Neoantigen-mRNA-Impfstoffe als vielversprechender Ansatz ab, um tumorspezifische T-Zell-Antworten zu verstärken.
* In frühen Studien beim Melanom, Pankreas- und Lungenkarzinom wurden robuste CD8-T-Zell-Antworten und Hinweise auf verlängerte progressionsfreie Überlebenszeiten beobachtet, vor allem in Kombination mit Checkpoint-Blockern wie PD-1- oder CTLA-4-Inhibitoren. Die mRNA-Plattform erlaubt eine rasche Anpassung an individuelle Mutationsprofile und die simultane Kodierung mehrerer Neoantigene, wodurch auch heterogene Tumoren adressierbar werden.
* Zentrale Herausforderungen bleiben die Optimierung der mRNA-LNP-Formulierungen, die Überwindung des immunsuppressiven Tumormilieus und der Nachweis eines konsistenten klinischen Zusatznutzens in größeren Phase-3-Studien.
Quelle: Makkar SK: Advances in RNA-based therapeutics: current breakthroughs, clinical translation, and future perspectives. Front Genet. 2025 Oct 24;16:1675209 (DOI 10.3389/fgene.2025.1675209).
Mittels Einzelzell-Sequenzierungen an Gehirnen von ausgeruhten und schlafentzogenen Tieren fanden die Forschenden, dass in bestimmten Neuronen, den dFBNs, nach Schlafentzug fast ausschließlich Gene hochreguliert wurden, die für Proteine der Atmungskette und der ATP-Synthese kodieren. Diese Genantwort war einzigartig für diese Zellgruppe.
Energieüberschuss als Auslöser von Schlafdruck
Nach Wachphasen zeigten die Mitochondrien in diesen Neuronen Fragmentierung, vermehrte Kontakte zum endoplasmatischen Retikulum und Anzeichen beschleunigten Abbaus – alles reversibel nach Erholungsschlaf. Entscheidend war die Beobachtung, dass während des Wachseins in den dFBNs der ATP-Spiegel anstieg, weil dieser durch Wachreize gehemmt waren und weniger Energie verbrauchten. Dadurch kam es zu einer Überfüllung der Elektronentransportkette mit NADH und Coenzym Q, was vermehrt reaktive Sauerstoffspezies entstehen ließ. Genau dieser Elektronenüberschuss erwies sich als treibende Ursache des Schlafdrucks. Wurde dieser Überschuss über die Expression einer alternativen Oxidase abgeleitet oder die Atmungskette künstlich entkoppelt, sank der Schlafdruck signifikant.
Umgekehrt löste die künstliche Erzeugung eines Protonengradienten an den Mitochondrien – unabhängig vom Elektronenfluss – Schlaf aus. Die gezielte Veränderung der Mitochondrienform beeinflusste ebenfalls den Schlaf: Fusion verlängerte ihn, Fission verkürzte ihn. Parallel änderte sich die elektrische Erregbarkeit dieser Neuronen, was ihre Rolle als zentrale Schaltstelle bestätigte.
Die Daten deuten darauf hin, dass Schlaf ein unvermeidlicher Preis für aeroben Stoffwechsel ist. Die schlafregulierenden Neuronen wirken wie ein Frühwarnsystem, das die Notwendigkeit einer Betriebspause signalisiert, sobald die zellulären Kraftwerke überlastet sind und mit den Nebenprodukten der Energiegewinnung kämpfen. Diese Form mitochondrialer Ermüdung könnte damit der lange gesuchte physiologische Mechanismus sein, der den fundamentalen Drang zu schlafen erklärt.