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17.5.2022

Viele Klicks, wenig Wahrheit

Falsche Diagnosen auf TikTok

17.5.2022

Jodmangel

Lugolsche Lösung ist kein Lebensmittel!

17.5.2022

Gewichtszyklus

Jojo-Effekt weniger schädlich als oft vermutet

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26.6.2026

Falsche Diagnosen auf TikTok

Für die Studie analysierten die Forschenden 177 deutschsprachige TikTok-Videos zu ADHS, Depression, Autismus, Narzissmus und posttraumatischer Belastungsstörung. Die Videos kamen zusammen auf mehr als 94 Millionen Aufrufe.

„Dass wir problematische Inhalte finden würden, hatten wir erwartet“, sagt Aaron Mroß, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie II der UW/H. „Dass aber so viele Videos falsche Informationen verbreiten, hat uns doch überrascht.“ Konzentrationsprobleme würden auf TikTok etwa schnell mit ADHS gleichgesetzt, obwohl sie viele Ursachen haben können.

Besonders viele falsche Inhalte zu Narzissmus auf TikTok

Am schlechtesten schnitten Videos über Narzissmus ab. Kein einziges der analysierten Videos wurde als korrekt bewertet. Viele Inhalte zeichneten Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung pauschal als kalt, manipulativ oder beziehungsunfähig. „Das wird den Betroffenen nicht gerecht“, sagt Mroß. „Viele dieser Menschen haben selbst schwere, belastende Erfahrungen gemacht.“ Deutlich verlässlicher waren Videos über posttraumatische Belastungsstörungen. Hier veröffentlichten häufiger Expert:innen Inhalte, außerdem seien Ursache und Symptome oft leichter zu erklären.

Viel Reichweite, wenig Expertise

Nur rund 18 % der analysierten Videos stammten überhaupt von Fachleuten wie Psychologinnen oder Ärzten. Die meisten Inhalte kamen von Betroffenen oder Laien.

Die Forschenden warnen deshalb davor, alltägliche oder unspezifische Symptome vorschnell als selbstdiagnostizierte psychische Erkrankung oder Störungsbilder zu deuten. Gleichzeitig könne der Austausch auf Social Media helfen, Erfahrungen sichtbar zu machen und Stigmata abzubauen – solange persönliche Erlebnisse nicht als medizinische Fakten dargestellt werden.

Der Rat der Autorinnen und Autoren daher: solche Informationen auf Social Media kritisch zu hinterfragen und besonders darauf zu achten, wer die Videos produziert. Wer den Verdacht hat, selbst betroffen zu sein oder Unterstützung benötigt, sollte sich an Experten wenden – etwa an Psychotherapeutinnen oder Psychiater. Hilfestellen sind beispielsweise die Terminservicestellen der Krankenkassen, das Zentrum für Psychische Gesundheit und Psychotherapie (ZPP) oder in akuten Fällen psychiatrische Kliniken.

26.6.2026

Lugolsche Lösung ist kein Lebensmittel!

Das Erzeugnis erfülle nicht die Anforderungen, die in der EU und in Deutschland an Nahrungsergänzungsmittel und damit an Lebensmittel gestellt werden.

„Der Jodgehalt in der Lugolschen Lösung ist außerordentlich hoch. Die Einnahme geringer Mengen kann zu schweren unerwünschten Effekten auf die Schilddrüse führen“, erklärt Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl, Präsidentin des BVL. „Erzeugnisse, denen wie bei der Lugolschen Lösung elementares Jod zugesetzt wird, sind nicht als Lebensmittel verkehrsfähig.“

Im Internet werden Produkte wie die Lugolsche Lösung häufig nicht direkt als Nahrungsergänzungsmittel bzw. zum Verzehr angeboten, um regulatorische Einschränkungen zu umgehen. So finden sich bei den entsprechenden Angeboten Bezeichnungen wie „technische Lösung“, „kein Lebensmittel“, „nicht zum Verzehr geeignet“ oder „nicht für die innerliche Anwendung“. Wie das BVL mitteilt, sind diese Produkte aber auch dann als Lebensmittel und damit als nicht zulässig anzusehen, wenn eine orale Aufnahme durch Menschen nicht ausgeschlossen werden kann.

Nahrungsergänzungsmittel mit höchstens 100 µg Jod pro Tagesdosis

Bereits in einem Tropfen der Lugolschen Lösung sind mehr als 6.000 Mikrogramm (µg) Jod enthalten. Die Einnahme dieser Menge kann zu einer erheblichen Überschreitung der empfohlenen täglichen Jodzufuhr führen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wird damit die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene abgeleitete tolerierbare Obergrenze für die Zufuhr von Jod aus allen Quellen (Tolerable Upper Intake Level, UL) von 600 µg pro Tag um das Zehnfache überschritten, so das BfR.

Menschen, die über die tägliche Ernährung hinaus Jod zuführen, sollten auf Nahrungsergänzungsmittel mit höchstens 100 µg Jod pro Tagesdosis zurückgreifen. Diese Höchstmenge empfiehlt das BfR, um sicher zu stellen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher eine angemessene Menge supplementieren können und dabei nicht zu viel Jod aufnehmen. Das BVL rät darauf zu achten, dass Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden, die ausschließlich die zugelassenen und durch die EFSA als sicher bewerteten Jod-Verbindungen Natriumjodid, Natriumjodat, Kaliumjodid und Kaliumjodat enthalten (§ 3 (1) der Nahrungsergänzungsmittelverordnung in Verbindung mit Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG). Erzeugnisse, in denen sich elementares Jod wie in der Lugolschen Lösung befindet, sind als Nahrungsergänzungsmittel nicht verkehrsfähig.

26.6.2026

Jojo-Effekt weniger schädlich als oft vermutet

Die Autoren und Autorinnen aus Dänemark und Deutschland werteten Daten aus Beobachtungsstudien, Interventionsstudien und Tierexperimenten aus. Ihr Fazit: Für einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Weight Cycling und langfristigen Verschlechterungen von Körpergewicht, Körperzusammensetzung, Ruheumsatz oder Glukosestoffwechsel gibt es bislang keine überzeugenden Belege. Vielmehr sprechen zahlreiche Befunde dafür, dass beobachtete Zusammenhänge häufig durch andere Faktoren erklärt werden können – etwa ein höheres Ausgangsgewicht, eine längere Adipositasdauer, Alterungsprozesse, Grunderkrankungen oder unbeabsichtigten Gewichtsverlust.

Besondere Bedeutung messen die Autoren und Autorinnen der Unterscheidung zwischen intentionalem und unbeabsichtigten Gewichtsverlust bei. Beobachtungsdaten zeigen, dass unbeabsichtigter Gewichtsverlust – beispielsweise im Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs oder Gebrechlichkeit – mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sein kann. Für intentionalen Gewichtsverlust finden sich dagegen keine Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit; vielmehr wird in mehreren Analysen sogar eine Reduktion des Mortalitätsrisikos beschrieben.

Keine Sorge vor Jojo-Effekt

Für die hausärztliche Praxis ergibt sich daraus eine wichtige Botschaft: Patientinnen und Patienten sollten nicht aus Sorge vor einem vermeintlich schädlichen Jojo-Effekt von erneuten Gewichtsreduktionsversuchen abgehalten werden. Die Autoren und Autorinnen argumentieren, dass Phasen geringeren Körpergewichts und verbesserter metabolischer Parameter – etwa bei Blutdruck, Lipidprofil oder Glukosekontrolle – wahrscheinlich mehr Nutzen als Schaden bringen, selbst wenn später wieder Gewicht zugenommen wird.

Zwar gehen viele der erreichten metabolischen Verbesserungen mit der Gewichtszunahme teilweise wieder verloren. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Betroffene anschließend schlechter dastehen als vor dem ursprünglichen Gewichtsverlust. Die langfristigen Risiken scheinen vielmehr vor allem mit dem Ausmaß und der Dauer der Adipositas verbunden zu sein als mit der Anzahl erfolgloser Diätversuche.

Für die Beratung im Praxisalltag lassen sich daraus pragmatische Konsequenzen ableiten: Realistische Gewichtsziele, eine ausreichende Proteinzufuhr und regelmäßige körperliche Aktivität können helfen, Muskelmasse während der Gewichtsreduktion zu erhalten. Gleichzeitig spricht die aktuelle Evidenz dafür, dass spätere Gewichtszunahmen zwar häufig und für Betroffene frustrierend sind, nach heutigem Kenntnisstand jedoch keinen eigenständigen Risikofaktor darstellen.

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