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17.5.2022

Phytopharmaka-Datenbank

Praktische Orientierung, begrenzte Evidenzhilfe

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Länger leben, länger krank?

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Cannabis: Vorrang neu ausgelegt

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15.10.2026

Praktische Orientierung, begrenzte Evidenzhilfe

Für Praxis und Apotheke liegt der Nutzen primär im schnellen Produkt- und Statuscheck: Welche Präparate mit einer bestimmten Arzneipflanze sind als Arzneimittel verfügbar, und welche Anwendung ist für das konkrete Produkt angegeben? Die Verknüpfung zum Arzneipflanzenlexikon der Kooperation liefert ergänzende Basisinformationen.

Als Grundlage einer evidenzbasierten Therapieentscheidung ist das Angebot dagegen nicht konzipiert. Es bewertet weder Qualität und Übertragbarkeit klinischer Studien noch Effektgrößen, Extraktspezifikationen, relevante Interaktionen, Therapiealternativen oder den Leitlinienstatus. Eine weitergehende wissenschaftlich-regulatorische Einordnung bieten die EU-Herbal-Monographien des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) einschließlich der zugehörigen Assessment Reports. Sie unterscheiden unter anderem zwischen „well-established use“ mit ausreichenden Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten und „traditional use“, bei dem die Registrierung auf langjähriger Anwendung und plausibler Wirksamkeit beruht. Zudem ist „registriert“ regulatorisch nicht mit einer Zulassung auf Basis eines umfassenden Wirksamkeitsnachweises gleichzusetzen.

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Nützlicher Arzneimittelfinder

Ausdrückliche kritische Stellungnahmen unabhängiger ärztlicher Fachgesellschaften zu dem neuen Angebot sind öffentlich nicht verfügbar. Positiv rezipiert wird es vor allem durch phytotherapie- und apothekennahe Akteure: Die Gesellschaft für Phytotherapie betont die zentrale, strukturierte Übersicht, PTAheute den Nutzen bei der Produktsuche; Pharma Deutschland beschreibt die Datenbank als geprüft und fortlaufend aktualisiert. Diese Beiträge sind jedoch keine unabhängigen Nutzenbewertungen.

Die Kooperation Phytopharmaka verfolgt nach eigener Darstellung das Ziel, den Stellenwert pflanzlicher Arzneimittel zu stärken, und unterstützt Mitgliedsunternehmen bei Nachweisen von Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Das ist für die Einordnung des Angebots relevant, ohne dessen Ordnungsfunktion infrage zu stellen: Die Plattform ist ein nützlicher Arzneimittelfinder, aber weder Leitlinie noch unabhängiges therapeutisches Entscheidungsinstrument. Das grundsätzliche Problem einer je nach Präparat und Indikation sehr unterschiedlichen Evidenzbasis der Phytotherapie kann auch eine gut gemachte Datenbank nicht lösen.

15.10.2026

Länger leben, länger krank?

Die Autoren und Autorinnen sehen darin eine Verlängerung der in eingeschränkter Gesundheit verbrachten Lebensphase: Längeres Leben geht bislang nicht mit einem entsprechenden Gewinn an gesunden Lebensjahren einher.

Deutschland lag 2023 mit 11,9 Jahren im internationalen Vergleich auf Rang 34. Im Jahr 1990 betrug der Morbiditätsabstand 10,1 Jahre; damit erhöhte er sich um 1,8 Jahre oder 18,1 %. Die Daten sprechen somit nicht für eine Kompression von Morbidität, bei der Erkrankungen und funktionelle Einschränkungen in eine kürzere Lebensphase am Ende des Lebens verschoben würden. Allerdings handelt es sich um modellierte bevölkerungsbezogene Schätzungen; die Unsicherheitsintervalle einzelner Länderwerte überlappen teilweise.

Mehr als die Hälfte der weltweit in eingeschränkter Gesundheit verbrachten Jahre entfiel 2023 auf fünf überwiegend nicht tödliche Krankheitsgruppen: muskuloskelettale Erkrankungen, insbesondere Kreuzschmerz, psychische Erkrankungen, Erkrankungen der Sinnesorgane wie altersbedingter Hörverlust, unbeabsichtigte Verletzungen, vor allem Stürze, sowie weitere nicht übertragbare Erkrankungen. Frauen lebten in allen Entwicklungsstufen länger, verbrachten jedoch zugleich mehr Jahre bei eingeschränkter Gesundheit als Männer: global 12,1 gegenüber 9,3 Jahren.

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Bedeutung einer frühzeitigen und langfristigen Prävention

Für die hausärztliche Prävention unterstreicht die Studie die Bedeutung einer frühzeitigen und langfristigen Prävention chronischer Erkrankungen. Als wesentliche, prinzipiell beeinflussbare Risikofaktoren identifiziert die Analyse erhöhte Nüchternglukose, hohen Body-Mass-Index und Tabakkonsum. In Ländern mit hohem soziodemografischem Entwicklungsindex spielen insbesondere metabolische und verhaltensbezogene Risiken eine große Rolle. Aus den führenden Ursachen der Morbiditätslast lassen sich zudem Konsequenzen für die Praxis ableiten: psychische Erkrankungen früh erkennen und behandeln, Stürze vermeiden sowie Mobilität und Sinnesfunktionen möglichst lange erhalten.

Die Autoreninnen und Autoren plädieren deshalb dafür, den Erfolg von Gesundheitssystemen nicht nur an sinkender Sterblichkeit und steigender Lebenserwartung zu messen. Entscheidend sei ebenso, ob es gelingt, die Zahl der in schlechter Gesundheit verbrachten Jahre zu verringern. Fortschritte beim gesunden Altern erfordern danach mehr Prävention, Rehabilitation, Versorgung psychischer und chronischer Erkrankungen sowie eine konsequente Reduktion modifizierbarer Risiken.

Die Aussagekraft der Studienergebnisse bleibt jedoch durch GBD-typische Modellannahmen begrenzt: Die Schätzungen beruhen unter anderem auf Daten zur Krankheitslast, Behinderungsgewichten und statistischer Modellierung. Verbesserte Diagnostik, erweitertes Screening und veränderte Krankheitsklassifikationen können zeitliche Trends zusätzlich beeinflussen. Zudem bilden nationale Mittelwerte weder individuelle Verläufe noch regionale und soziale Unterschiede vollständig ab. rb

15.10.2026

Cannabis: Vorrang neu ausgelegt

Für einen erstmaligen Therapieversuch schreibt die neue Regelung einen sechsmonatigen Vorrang cannabishaltiger Fertigarzneimittel vor. Nach anfänglicher gemeinsamer Auffassung von KBV und GKV-Spitzenverband sollte dieser Vorrang nur gelten, wenn ein Fertigarzneimittel für die jeweilige Indikation zugelassen ist.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vertritt nach erneuter rechtlicher Prüfung inzwischen eine weitergehende Position: Bei jeder Erstverordnung müsse zunächst ein cannabishaltiges Fertigarzneimittel eingesetzt werden – auch außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebietes. Erst bei erfolglosem Therapieversuch oder Unverträglichkeit könne zu anderen Cannabisarzneimitteln, etwa standardisierten Extrakten oder Rezepturen, gewechselt werden. Der Therapieversuch kann dabei auch vor Ablauf der sechs Monate abgebrochen werden. Ein zweites Fertigarzneimittel muss nach KBV-Auslegung nicht erprobt werden.

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Umstellung auf anderes Cannabisarzneimittel

Der GKV-Spitzenverband hält laut KBV weiterhin an der früheren, indikationsbezogenen Lesart fest. Damit ist die Rechtsauslegung für neue Cannabistherapien außerhalb zugelassener Anwendungsgebiete derzeit strittig; die KBV erwartet eine Klarstellung durch das Bundesgesundheitsministerium.

Bestehende Behandlungen mit Cannabisextrakten oder Rezepturen können nach Angaben der KBV fortgeführt werden; der sechsmonatige Therapieversuch betrifft diese Patientinnen und Patienten nicht. Wer bisher Cannabisblüten erhielt, kann ohne vorherigen Fertigarzneimittelversuch auf ein anderes Cannabisarzneimittel umgestellt werden. Dafür ist grundsätzlich eine erneute Genehmigung der Krankenkasse erforderlich, sofern die verordnende Ärztin oder der Arzt nicht vom Genehmigungsvorbehalt befreit ist.

Hinweis: Die Themenseite „Cannabisarzneimittel“ der KBV fasst aktuell die für die Verordnung zulasten der GKV relevanten Regelungen zusammen (https://www.kbv.de/praxis/verordnungen/arzneimittel/cannabis). rb

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