Ziel müsse es sein, gesunde Lebensbedingungen zu schaffen, gesundheitsförderndes Verhalten zu erleichtern und Hochrisikogruppen frühzeitig zu identifizieren. Zudem sei Prävention wichtig, die in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren ansetze, z. B. über Programme in Kindergärten und Schulen. Die Leopoldina fordert aber auch staatliche Maßnahmen wie eine Zuckersteuer, eine verminderte Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und Werbeverbote für ungesunde Produkte, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Auch seien therapeutische Ansätze essenziell, um Betroffene zu behandeln und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) unterstützt dies: Aus Sicht der Inneren Medizin sind vor allem Luftverschmutzung, Hitze sowie Lärm zentrale gesundheitliche Risikofaktoren im gesamten Spektrum internistischer Erkrankungen – allesamt Faktoren mit teilweise weiterhin steigender Belastung.
Als Konsequenz fordert die DGIM deshalb, Umweltbelastungen systemisch in Prävention, Krankenversorgung und politische Entscheidungen stärker einzubeziehen als das bisher der Fall ist – wissenschaftsbasiert, patientenorientiert und mit Blick auf vulnerable Bevölkerungsgruppen.
Die aktuelle DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel (Essen) äußerte sich dazu wie folgt: „Gesundheit ist ein Zusammenspiel aus inneren und äußeren Faktoren. Umweltstressoren erhöhen das Risiko nicht nur für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch für Krebs, Diabetes und Adipositas sowie viele weitere internistische Erkrankungen.“
Im Lauf des Lebens erkrankt fast jeder zweite Mann (49 %) und erkranken mehr als zwei von fünf Frauen (43 %) an Krebs, etwa jede sechste Frau und jeden siebten Mann trifft die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr. Die altersstandardisierten Inzidenzraten für das maligne Melanom sind z. B. steigend: Die Rate zwischen 1999 und 2023 stieg von 19,3 auf 32,2 pro 100 000 Personen bei Männern und von 18,8 auf 29,5 bei Frauen. Beim Gebärmutterhalskrebs gibt es einen leicht rückläufigen Trend: Bei den 20- bis 34-Jährigen ist die Rate von 7,8 pro 100 000 Frauen (2015) auf 4,3 (2023) gesunken. Bei der nächsthöheren, ungeimpften Atersgruppe (35 – 49 Jahre) zeigt sich im gleichen Zeitraum kein eindeutiger Trend. Auch bei Lungenkrebs gibt es bei den Neuerkrankungsraten zwischen den verschiedenen Altersgruppen Unterschiede: Bei den 40- bis 59-Jährigen ist seit etwa 2014 ein Rückgang zu verzeichnen, während die Raten bei Frauen in höheren Altersgruppen zunahmen.