Aktuelle News
17.5.2022

Tuberkuloseprävention

Zwischen Übersehen und Überdiagnostik: TB-Screening richtig einsetzen

17.5.2022

Langfristiger Therapieerfolg

Hohe Abbruchraten: GLP-1-Therapie bei Adipositas

Neue S3-Leitlinie

Sechs Monate vollstillen, mindestens ein Jahr stillen

- Anzeige -
Aktuelle Kongressberichte
- Anzeige -
Aktuelle Kongresse
- Anzeige -
Abrechnung
- Anzeige -
- Anzeige -
GO-ON Anzeige MIM Pharma Hyaluronsäure
- Anzeige -
Aktuelle Podcasts
Aktuelle Podcasts

Gyncast

Gyncast Mai 2026 Was die Gyn-Praxis mit Pflege zu tun hat

Gyncast

Gyncast April 2026: Frauengesundheit

Gyncast

Gyncast März 2026 Die Zukunft der Prävention

Aktuelle Ausgaben
Medizin
Management
News-Ticker
7.4.2026

Zwischen Übersehen und Überdiagnostik: TB-Screening richtig einsetzen

„Die derzeitige nationale Strategie zur Tuberkulosekontrolle ist nicht ausreichend“, unterstreicht die federführende Autorin, Dr. med. Brit Häcker, Pneumologin und ärztliche Mitarbeiterin für das DZK sowie Wissenschaftlerin in der Abteilung „Epidemiologie“ am HZI. „Wir schlagen deshalb mit unserer S3-Leitlinie eine komplette Neustrukturierung des aktuellen Vorgehens vor.“

So weisen Häcker und Kolleginnen sowie Kollegen darauf hin, dass aktuell jeder Zugewanderte per Gesetz einer Untersuchung auf Tuberkulose unterzogen werde, wenn dieser in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht sei. „Da keinerlei Begleitumstände berücksichtigt werden, erfolgen aber einerseits viele unnötige Untersuchungen in den Gemeinschaftsunterkünften und fehlen andererseits Untersuchungsangebote für alle Menschen in anderen Unterkünften“, erklärt die Pneumologin und Tuberkuloseexpertin. Es sei wichtig, die Begleitumstände der neu zugewanderten Menschen zu berücksichtigen, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Screening bei Menschen aus Ländern mit hoher Tuberkulose-Inzidenz anbieten

Entsprechend lauten die neuen Empfehlungen: Insbesondere neu zugewanderten Menschen aus Ländern mit einer Tuberkulose-Inzidenz von mehr als 100 pro 100.000 Einwohnern soll eine Untersuchung auf Tuberkulose angeboten werden. Für Menschen bis 35 Jahre soll zusätzlich eine Untersuchung auf eine Infektion mit Tuberkulose (TBI) erfolgen. Wird diese nachgewiesen, soll zudem ein Angebot für eine präventive medikamentöse Therapie gemacht werden.

Auch sollen Risikofaktoren wie Begleit- und Vorerkrankungen, Mangelernährung oder erschwerte Fluchtumstände berücksichtigt werden, um Menschen mit dem höchsten Risiko für eine Tuberkulose oder TB-Infektion eine zielgerichtete Untersuchung anzubieten. „Hierdurch können wir vorhandene Mittel viel effizienter und zielgerichteter einsetzen“, so Häcker.

Kontrollstrategien verbessern, bedarfs- und zielgerechte Angebote unterbreiten und vorhandene Mittel besser verwenden

So richtet sich die wissenschaftliche Leitlinie nicht nur an Ärzt:innen, sondern ebenso an die Politik. „Mit dieser Empfehlung haben wir eine in Europa einmalige evidenzbasierte Grundlage für die Prävention und Behandlung von Tuberkulose bei zugewanderten Menschen geschaffen“, ist die wissenschaftliche Leiterin der Leitlinie, Prof. Dr. med. Berit Lange, überzeugt. Die DZIF-Wissenschaftlerin ist Leiterin der Abteilung „Epidemiologie“ am HZI und Professorin für Infektionsepidemiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und appelliert gen Berlin: „Nutzen sie diese von vielen Expertinnen und Experten erstellte Empfehlung, um nicht nur individuelles Leid zu verhindern, sondern auch die weitere Verbreitung von Tuberkulose zu verhindern!“

Deutschland bietet sich mittelfristig durch die in der neuen S3-Leitlinie dargestellte Strategie sogar die Chance, als eines der ersten Länder der Welt TB-frei zu werden. Diesem internationalen Ziel – der EndTB-Strategie – hat die deutsche Politik sich im Rahmen von High-level-Treffen der Vereinten Nationen zur Tuberkulose bereits 2018 und 2023 verschrieben. „Wir zeigen auf, wie es möglich wird“, sprechen Häcker und Lange für das gesamte Autoren-Team. „Die Expertise liegt auf dem Tisch!“

Online steht zur Verfügung die „S3-Leitlinie Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen (TB-Risk)“ (https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-029)

Hintergrund: „TB-Screening: Wen testen, wie vorgehen?“

* Risikogruppen gezielt screenen
Kein generelles Screening: Testung v. a. bei neu Zugewanderten aus Hochinzidenzländern, altersabhängig differenziert.

* Anamnese vor Testung obligat
TB-Risikofaktoren, Herkunft, Exposition und Vorerkrankungen systematisch erfassen.

* Kombinierte Diagnostik einsetzen
Symptom-Screening allein reicht nicht - empfohlen wird die Kombination mit Thoraxröntgen.

* Auffällige Befunde konsequent abklären
Verdacht auf TB erfordert immer weiterführende Diagnostik inklusive mikrobiologischer Sicherung.

* Präventive Therapie individuell abwägen
Nutzen (Verhinderung von Erkrankung/Transmission) gegen Risiken und Nebenwirkungen abwägen - keine Automatismen.

7.4.2026

Hohe Abbruchraten: GLP-1-Therapie bei Adipositas

In die retrospektive Kohortenstudie gingen mehr als 125.000 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas ein, die zwischen 2018 und 2023 erstmals Liraglutid, Semaglutid oder Tirzepatid erhielten. Als Therapieabbruch galt eine Versorgungslücke von mindestens 60 Tagen. Innerhalb eines Jahres beendeten 53,6 % der Patienten und Patientinnen die Behandlung, nach zwei Jahren waren es 72,2 %. Besonders ausgeprägt war die Diskontinuität bei Personen ohne Typ-2-Diabetes, von denen 64,8 % bereits im ersten Jahr ausstiegen, verglichen mit 46,5 % bei Patienten mit Diabetes.

Die Analyse bestätigt bekannte Einflussfaktoren, liefert aber auch für die Praxis relevante Differenzierungen. Ein stärkerer Gewichtsverlust während der Behandlung war konsistent mit einer geringeren Abbruchwahrscheinlichkeit assoziiert: Pro Prozent Gewichtsreduktion sank das Risiko um etwa 3 %. Umgekehrt erhöhten moderate bis schwere gastrointestinale Nebenwirkungen das Abbruchrisiko. Milde Beschwerden wie Übelkeit wurden allerdings in den Routinedaten nur unzureichend erfasst und dürften unterschätzt sein.

Ein weiterer zentraler Befund betrifft soziale Determinanten. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen höherem Einkommen und besserer Therapietreue. Dies verweist auf strukturelle Zugangsprobleme, insbesondere dort, wo GLP-1-RA zur Adipositasbehandlung nicht regelhaft erstattet werden.

Chronischer Charakter der Erkrankung

Bemerkenswert ist das Muster nach Therapieabbruch. Etwa die Hälfte der Patienten und Patientinnen nahm die Behandlung innerhalb von zwei Jahren wieder auf. Eine erneute Gewichtszunahme war dabei ein wesentlicher Prädiktor für die Reinitiation. Dieses „Stop-and-go“-Muster unterstreicht den chronischen Charakter der Erkrankung und die begrenzte Nachhaltigkeit kurzfristiger Therapieansätze.

Für die hausärztliche Versorgung ergeben sich daraus mehrere Konsequenzen. Adipositas sollte konsequent als chronische Erkrankung kommuniziert und behandelt werden – mit einer entsprechend langfristigen therapeutischen Perspektive. Die Erwartung einer zeitlich begrenzten „Kur“ ist mit den vorliegenden Daten nicht vereinbar. Gleichzeitig kommt der frühen Therapiephase besondere Bedeutung zu: Initialer Gewichtsverlust und ein strukturiertes Nebenwirkungsmanagement scheinen entscheidend für die Persistenz. Ebenso sollten finanzielle Aspekte frühzeitig adressiert werden, da sie die Adhärenz maßgeblich beeinflussen können.

Die Studie ist methodisch durch den Einsatz von Electronic Health Records-(EHR-)Daten und Zeit-zu-Ereignis-Analysen robust, bleibt jedoch durch typische Limitationen von Registeranalysen eingeschränkt. Dennoch zeichnet sie ein klares Bild: Der klinische Nutzen der GLP-1-Therapie hängt weniger von ihrer Wirksamkeit als von ihrer langfristigen Umsetzbarkeit im Versorgungsalltag ab.

7.4.2026

Frühe Prävention der Adipositas

Ziel müsse es sein, gesunde Lebensbedingungen zu schaffen, gesundheitsförderndes Verhalten zu erleichtern und Hochrisikogruppen frühzeitig zu identifizieren. Zudem sei Prävention wichtig, die in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren ansetze, z. B. über Programme in Kindergärten und Schulen. Die Leopoldina fordert aber auch staatliche Maßnahmen wie eine Zuckersteuer, eine verminderte Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und Werbeverbote für ungesunde Produkte, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Auch seien therapeutische Ansätze essenziell, um Betroffene zu behandeln und ihre Lebensqualität zu verbessern.

123-nicht-eingeloggt