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17.5.2022

Antikörper und Selbstwirksamkeit

Wie lässt sich das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen?

17.5.2022

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Gewichtheben schlägt Laufrad bei Fettmasse und Insulinresistenz

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Neurologische Krankheiten

Jeder Dritte ist betroffen, Maßnahmen sind erforderlich

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3.12.2025

Wie lässt sich das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen?

Alzheimer ist eine Volkskrankheit, in Deutschland bekommen jedes Jahr fast 450.000 Menschen diese Diagnose. Der demografische Wandel lässt zudem einen nennenswerten Anstieg der Demenz-Diagnosen befürchten. „Umso mehr sollten wir uns Gedanken machen, wie wir einerseits den Aufwärtstrend stoppen und andererseits Betroffenen helfen können, möglichst lange bei hoher Lebensqualität mit dieser Erkrankung leben zu können“, erklärt Prof. Dr. med. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

Zwei Antikörpertherapien gegen Alzheimer sind nun verfügbar

Seit diesem Jahr sind zwei Antikörper verfügbar, Lecanemab und Donanemab. Letzterer ist erst seit Anfang November auf dem deutschen Markt erhältlich. „Damit können wir erstmals kausal in den Krankheitsmechanismus eingreifen“, so Berlit. Die Medikamente entfernen die krankheitstypischen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, die mit zum kognitiven Abbau führen. So kann mit den Antikörpern eine Progressionsverlangsamung von etwa 30 % erreicht werden. „Das ist ein effektiver Gewinn an qualitativer Lebenszeit. Da die Antikörper nur in den Frühstadien eingesetzt werden, verlängern sie die Phase der Erkrankung, in der die Betroffenen kaum oder wenig beeinträchtigt sind.“

Der Experte räumt allerdings auch ein, dass die Therapie ihren Preis hat. Damit meint er weniger die tatsächlichen Kosten – man geht im Moment von Jahrestherapiekosten von ca. 24.000-26.000 Euro aus – als vielmehr die Kosten im übertragenen Sinne: Denn die Therapie habe Nebenwirkungen, nicht selten komme es zu „Amyloid-related Imaging Abnormalities“ (ARIA): Ödembildungen und kleinen Blutungen im Gehirn. Diese machten sich zwar mehrheitlich klinisch kaum bemerkbar, in seltenen Fällen, insbesondere bei erhöhtem Blutungsrisiko und bei Personen mit zwei Kopien eines bestimmten Risikogens (APOE4), könnten sie jedoch gefährlich werden, z. B. zu schweren Hirnblutungen führen. Diese homozygoten Trägerinnen und Träger des Gens wurden daher von der Therapie ausgeschlossen. Hinzu kommen weitere Gegenanzeigen, z. B. MRT-Hinweise auf früher stattgehabte intrazerebrale Hämorrhagien oder ausgeprägte Schädigungen der kleinen Hirngefäße, eine laufende Therapie mit Antikoagulantien oder eine schlecht eingestellte Hypertonie – und andere. „Man bemerkt schnell, dass darunter viele Diagnosen sind, die in der älteren Population sehr häufig sind. Für den klinischen Alltag bedeutet das, dass wir die neuen Antikörper nur bei einem Teil der Patientinnen und Patienten einsetzen können“, so Berlit. Hinzu kommen all jene Erkrankten, deren Alzheimer-Pathologie bereits zu weit fortgeschritten ist, um die Therapie zu beginnen. „Die Mehrheit der Betroffenen kommt zum heutigen Zeitpunkt nicht für die innovativen Medikamente infrage“, lautet das Fazit von Berlit.

Mit Lebensstilanpassungen lässt sich ein noch besserer Effekt erreichen

Dennoch bedeute das nicht, dass es ansonsten keine Möglichkeiten zur Progressionsverlangsamung gebe – im Gegenteil: „Mit einem aktiven und gesunden Lebensstil lässt sich der kognitive Abbau um Jahre verzögern“, betont Berlit. Erst vor wenigen Tagen wurde beispielsweise in „Nature Medicine“ eine wegweisende Studie [DOI 10.1038/s41591-025-03955-6] publiziert, in der bei 296 kognitiv unbeeinträchtigten Personen longitudinal über einen Zeitraum von bis zu 14 Jahren die mittels Schrittzähler gemessene körperliche Aktivität, Aß- und Tau-PET-Daten sowie die Ergebnisse der jährlichen kognitiven Untersuchung ausgewertet wurden. Analysiert wurde, ob körperliche Aktivität mit einem langsameren kognitiven und funktionellen Rückgang durch unterschiedliche Ausprägung der Aß- und Tau-Akkumulation verbunden ist. Diese Hypothese bestätigte sich im Ergebnis. Es zeigte sich eine „dosisabhängige“ Wirkung von Bewegung bei einem täglichen Pensum von 5.000 bis 7.500 Schritten, und der Effekt dieses im Verhältnis moderaten Bewegungspensums war enorm: Im Vergleich zu inaktiven Personen war der kognitive Abbau bei steigender körperlicher Aktivität um 40 % bis 51 % geringer. „Das ist spektakulär. Es bedeutet, allein mit regelmäßiger moderater Bewegung lässt sich der kognitive Abbau nahezu halbieren“, betont Berlit.

Über 40 % Risikoreduktion durch weitere Lebensstilmaßnahmen

Bereits 2020 hatte eine in „Lancet“ publizierte Studie [DOI 10.1016/S0140-6736(20)30367-6] gezeigt, dass gut 40 % des Demenz-Risikos auf modifizierbare Faktoren zurückzuführen sind. In den mittleren und höheren Lebensjahren sind das Schwerhörigkeit, traumatische Hirnverletzungen, Bluthochdruck, Alkohol, Adipositas, Rauchen, Depression, soziale Isolation, Bewegungsarmut, Luftverschmutzung und Diabetes. 2024 ergänzte die Lancet-Kommission dann noch Sehschwäche und hohe Cholesterinwerte. Bewegungsarmut nimmt in dieser älteren Studie nur einen Risikoanteil von 2 % ein, in der neu publizierten „Nature“-Studie konnte das Progressionsrisiko jedoch um über 40 % allein durch Sport gesenkt werden – ein großer Unterschied also. Der ist aber nach Ansicht des Experten nicht unbedingt ein Widerspruch.

„Regelmäßiger Sport hat auch einen positiven Einfluss auf die anderen Risikofaktoren. Wer körperlich aktiv ist, hat in der Regel weniger Gewichtsprobleme, seltener Bluthochdruck, erhöhte Lipidwerte oder Diabetes mellitus Typ 2. Auch ist bekannt, dass Sport bei Depression hilft, und oft ist Sport ja auch ein sozialer Event und bringt Menschen zusammen, wie z. B. bei Lauftreffs oder beim Tanzen. Ideal ist ohnehin, wenn körperliche und geistige Stimulation zusammenkommen.“

Und von einer Demenz Betroffene können sogar noch mehr tun, als die „Lancet-Kommission“ empfiehlt. Die S3-Leitlinie „Demenzen – Living Guideline“ (AWMF-Nr. 038-013), an der die DGN federführend beteiligt war, rät zu kognitivem Training, das in der Regel von Neuropsychologen oder Ergotherapeuten durchgeführt wird. Auch eine Musiktherapie wird empfohlen. Das Erlernen und Praktizieren von Fremdsprachen kann ebenfalls einen wesentlichen Beitrag leisten, wie eine aktuelle Studie zeigt: Personen mit Multilingualität haben ein deutlich niedrigeres Demenz-Risiko.

Sehr gut belegt ist auch der Nutzen einer gesunden Ernährung. Berlit rät zur mediterranen oder zur nordischen Diät mit einem hohen Salat-, Frucht- und Gemüseanteil. Wichtig sind dabei frisch zubereitete Speisen, denn verschiedene Studien haben gezeigt, dass hochverarbeitete Lebensmittel den kognitiven Abbau verstärken [DOI 10.1007/s00415-023-12033-1]. Nicht zuletzt sind der Verzicht auf Nikotin und Alkohol und ausreichender Schlaf wichtige Faktoren für die Hirngesundheit.

„Das Wichtige ist, dass all diese Maßnahmen auch dann noch helfen, wenn bereits erste Gedächtnisstörungen vorliegen. Nimmt man all das zusammen, lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung signifikant verlangsamen – und zwar ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen.“

Antikörper, Lebensstil - bestenfalls kein „oder“, sondern ein „und“!

Der Experte möchte aber nicht missverstanden werden: „Die modernen Therapien und ein gesunder Lebensstil spielen sich nicht gegenseitig aus.“ Klar sollte aber werden, dass der wahrscheinlich größere Effekt durch Lebensstiländerungen erzielt wird und jeder Betroffene diese konsequent umsetzen sollte, und zwar unabhängig davon, ob er oder sie für eine Antikörpertherapie geeignet ist oder nicht. „Bestenfalls addieren sich die positiven Effekte.“

3.12.2025

Gewichtheben schlägt Laufrad bei Fettmasse und Insulinresistenz

Bei der Glukosehomöostase fiel die Trennung klarer aus. Im Glukosetoleranztest normalisierte Gewichtheben die HFD-bedingte Hyperglykämie nahezu vollständig, während Laufen dies nur teilweise verbesserte. Im Insulintoleranztest war die insulininduzierte Glukoseabnahme unter Krafttraining ausgeprägter als unter Ausdauer. Der berechnete Insulinresistenzindex (HOMA-IR) verschob sich unter Widerstandstraining signifikant in Richtung besserer Insulinsensitivität, gegenüber der Referenzgruppe. Diese Effekte traten auf, obwohl weder die kontraktilen Eigenschaften der untersuchten Unterschenkelmuskulatur noch kardiale Funktionsparameter messbar verbessert wurden; Zuwächse an Muskelfasergewicht zeigten sich in dieser Konstellation nur unter Ausdauertraining. Das spricht dafür, dass die glykämischen Vorteile des Widerstandstrainings nicht auf Kraftzuwachs oder Leistungssteigerung beruhen, sondern eher auf einer gesteigerten anabolen Sensitivität des Skelettmuskels gegenüber metabolischen Signalen.

Für die Translation heißt das: Unter Adipositasbedingungen liefert Krafttraining im Mausmodell  den stärkeren Hebel zur Verbesserung von Fettverteilung und Insulinsensitivität als reines Ausdauertraining, ohne dass hierfür ein Zuwachs an Muskelkraft notwendig wäre. Ausdauer bleibt wichtig für Leistungsfähigkeit und möglicherweise thermogene Anpassungen, ändert aber den metabolischen Phänotyp im HFD-Kontext weniger stark. Angesichts methodisch sauberer Trainingsparadigmen und konsistenter Effekte könnte die Botschaft als Praxisperspektive lauten: Krafttraining sollte fester Bestandteil der Bewegungstherapie bei adipositasassoziierten Stoffwechselstörungen sein.

13.11.2025

Jeder Dritte ist betroffen, Maßnahmen sind erforderlich

Dabei ist ein Großteil neurologischer Krankheiten auf beinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen, strukturierte Präventionsmaßnahmen könnten die steigenden Erkrankungsraten also nachhaltig senken – und damit perspektivisch auch die Gesundheitsausgaben. Nun braucht es den politischen Willen, die Empfehlungen der WHO konsequent umzusetzen, stellt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) fest.

In ihrem Report macht die Weltgesundheitsbehörde WHO eindringlich auf neurologische Krankheiten als ein globales Gesundheitsproblem aufmerksam. Über 40 % der Weltbevölkerung leben mit einer neurologischen Erkrankung, z. T. mit massiven Einschränkungen der Lebensqualität und der gesellschaftlichen Teilhabe. Zu den neurologischen Erkrankungen, die laut WHO mit der höchsten Krankheitslast durch Behinderung oder vorzeitigen Tod („Disability-adjusted life years“ - DALY), verbunden sind und in Deutschland eine hohe Relevanz haben, zählen u. a. Schlaganfall, Migräne, Alzheimer-Krankheit und andere Demenzerkrankungen, diabetische Neuropathie und idiopathische Epilepsie.

Neben dem persönlichen Leid bringen neurologische Erkrankungen erhebliche soziale und wirtschaftliche Belastungen mit sich, denn viele Betroffene sind nur eingeschränkt arbeitsfähig, viele sind auf Pflege angewiesen und die Kosten für moderne Therapien belasten die Gesundheitssysteme erheblich.

Neurologische Krankheiten nehmen zu

Die WHO hat Strategien erarbeitet, um die Versorgung und Lebensqualität von Menschen mit neurologischen Krankheiten nachhaltig zu verbessern und die Prävention neurologischer Krankheiten zu stärken. Um das umzusetzen, hat sie im Jahr 2022 zehn Einzelziele formuliert, die möglichst alle Länder innerhalb der nächsten 10 Jahre umsetzen sollen. Sie umfassen die Bereiche Versorgung, Forschung, aber auch Information der Bevölkerung und Kampagnenarbeit. Im „Global Status Report on Neurology“ wird turnusmäßig der Status quo der Zielerreichung dokumentiert.

„Es ist ein wichtiger Schritt, dass die WHO die Prävention neurologischer Erkrankungen zu einem politischen Handlungsfeld erklärt hat, und wir hoffen, dass auch die deutsche Gesundheitspolitik dieses Thema priorisieren und gemeinsam mit uns Strategien für Deutschland erarbeiten wird, um die neurologische Krankheitslast zu senken“, erklärt Prof. Dr. med. Peter Berlit, DGN-Generalsekretär. „Denn neurologische Erkrankungen sind nicht nur häufig, sie nehmen auch kontinuierlich zu, und zwar in einem höheren Ausmaß als es allein der demographische Wandel erklären kann.“

Während in Ländern des globalen Südens der flächendeckende Zugang zu einer neurologischen Versorgung die größte gesundheitspolitische Herausforderung darstellt, sei Deutschland diesbezüglich im internationalen Vergleich gut aufgestellt, auch wenn  Betroffene oft länger auf einen Facharzttermin warten müssen. Aber die Qualität der Versorgung sei sehr hoch, die Patientinnen und Patienten würden in Deutschland nach höchstem medizinischen Standard therapiert.

Nachholbedarf bei der Prävention

Einen großen Nachholbedarf sieht die DGN hingegen beim Thema Prävention: „Fast die Hälfte aller Demenzen und zwei Drittel aller Schlaganfälle wären vermeidbar – doch  darüber wird in Deutschland kaum aufgeklärt, noch wird eine gesundheitsbewusste und damit präventive Lebensweise incentiviert“, erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. med. Daniela Berg. Dabei lautet eines der zehn von der WHO formulierten Ziele, dass 80 % der Länder bis 2031 mindestens ein funktionierendes sektorenübergreifendes Programm zur Förderung der Gehirngesundheit und zur Prävention neurologischer Erkrankungen anbieten sollen. Bisher fehlt allerdings ein solches Programm in Deutschland, es gibt auch keinen das Spektrum der neurologische Erkrankungen umfassenden Nationalen Strategieplan.

„Jedes Jahr erleiden 270.000 Menschen einen Schlaganfall und 360.000 erkranken neu an einer Demenz. Hinzu kommt die zunehmende Zahl von Parkinson-, MS- und ALS-Betroffenen sowie die vielen Menschen, die mit einer Epilepsie, neuropathischen Schmerzen und anderen neurologischen Erkrankungen leben. Neurologische Krankheiten sind also allgegenwärtig und das macht deutlich, wie dringend wir strukturierte Präventionsprogramme benötigen. Wir suchen nun intensiv das Gespräch mit der Politik, um auch in Deutschland die von der WHO gesteckten und in vielen anderen Ländern schon angegangenen und z. T. realisierten Ziele zeitnah umsetzen zu können“, so Berg.

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