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17.5.2022

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Adipositas verschiebt das Darmkrebsrisiko nach vorn

17.5.2022

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Aktualisierte Living Guideline Lungenkarzinom

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28.7.2026

Adipositas verschiebt das Darmkrebsrisiko nach vorn

Grundlage der Untersuchung waren Daten einer aktuellen Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index (BMI) und frühem kolorektalem Karzinom (early-onset CRC, eoCRC) sowie populationsbezogene Krebsregisterdaten aus den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Italien. Auf dieser Basis berechneten die Forschenden, in welchem Alter Menschen mit Adipositas dasselbe 5-Jahres-Risiko für ein kolorektales Karzinom erreichen wie übergewichtige Personen an den heute üblichen Screening-Startpunkten. Dabei gingen sie im Hauptmodell davon aus, dass die populationsbezogenen Registerrisiken näherungsweise das Risiko einer übergewichtigen Durchschnittspopulation abbilden.

Die Ergebnisse fielen über alle untersuchten Länder hinweg weitgehend konsistent aus. Personen mit Adipositas erreichten das Risikoniveau eines übergewichtigen 45-Jährigen bereits mit 41 bis 42 Jahren. Das Risikoniveau eines übergewichtigen 50-Jährigen wurde je nach Land mit 46 bis 47 Jahren erreicht. Für Deutschland ergaben sich entsprechende Altersgrenzen von 42 beziehungsweise 47 Jahren. Sensitivitätsanalysen bestätigten die grundsätzliche Tendenz, dass Menschen mit Adipositas mehrere Jahre früher dieselbe kumulative Darmkrebswahrscheinlichkeit erreichen.

Risikoadaptierte Früherkennungsstrategien

Für die Versorgungspraxis bedeutet dies zunächst keine unmittelbare Änderung bestehender Empfehlungen. Die Studie zeigt nicht, dass ein früherer Screeningbeginn bei Adipositas tatsächlich die Prognose verbessert, sondern modelliert den Zeitpunkt, zu dem vergleichbare Risikoschwellen erreicht werden, und kann damit eher als Ausgangspunkt für weitere Modellierungen verstanden werden. Die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass Menschen mit Adipositas das für die derzeitigen Screeninggrenzen relevante Erkrankungsrisiko im Durchschnitt 3–4 Jahre früher erreichen als übergewichtige Durchschnittspatienten und -patientinnen.

Die Arbeit reiht sich damit in die zunehmende Diskussion um risikoadaptierte Früherkennungsstrategien ein. BMI wäre hierfür ein besonders pragmatischer Risikofaktor, da er einfach verfügbar und routinemäßig dokumentiert ist. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren des DKFZ, dass das Darmkrebsrisiko von zahlreichen weiteren Faktoren beeinflusst wird, darunter genetische Prädispositionen, Lebensstilfaktoren, Familienanamnese und Begleiterkrankungen. Ob daraus künftig tatsächlich BMI-basierte Startalter für Stuhltests oder Koloskopien abgeleitet werden sollten, müssen weitere Modellierungen, gesundheitsökonomische Analysen und letztlich gesundheitspolitische Entscheidungen zeigen.

28.7.2026

Aktualisierte Living Guideline Lungenkarzinom

„Auch 2026 gibt es zahlreiche neue und überarbeitete Empfehlungen, die dazu beitragen, moderne Therapien noch gezielter einzusetzen und die Versorgung unserer Patienten weiter zu verbessern“, erklärt Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte (Halle-Dölau).   Als Living Guideline wird die Leitlinie seit 2024 fortlaufend aktualisiert und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.

Operabilität erstmals systematisch in drei Dimensionen bewertet

Ein Schwerpunkt der Aktualisierung betrifft die Therapieentscheidung beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom in den Stadien II und III. Die Leitlinie empfiehlt weiterhin die Operation als bevorzugten kurativen Ansatz, sofern diese möglich ist. Neu ist eine strukturierte Bewertung der Resektabilität und Operabilität anhand technischer, funktioneller und onkologischer Kriterien. „Die Frage, ob ein Tumor operiert werden kann, lässt sich heute nicht mehr mit einem einzelnen Parameter beantworten“, erläutert Dr. med. Sylvia Gütz (Leipzig). „Die neuen Empfehlungen schaffen eine fundierte Grundlage für individuelle Therapieentscheidungen und stärken die Rolle interdisziplinärer Tumorboards.“

Ergänzt wurden zudem standardisierte diagnostische Abläufe zur Beurteilung der Operabilität sowie Empfehlungen zu multimodalen Therapiekonzepten. Das Lebensalter allein soll künftig nicht mehr als Ausschlusskriterium für eine Operation herangezogen werden.

Große Fortschritte in der Systemtherapie des SCLC inkludiert

Auch für das kleinzellige Lungenkarzinom wurden wichtige Neuerungen aufgenommen. Für Patienten und Patientinnen im fortgeschrittenen Stadium kann laut neuer Leitlinie das gute Ansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie durch eine Erhaltungschemotherapie konsolidiert werden. „Durch die Einführung des T-Cell-Engagers Tarlatamab nach Versagen der ersten Therapielinie gibt es eine vollkommen neue Therapieoption, die ein langfristiges Ansprechen in dieser bisher schwierigen Behandlungssituation ermöglicht“, sagte Schütte.

Darüber hinaus wurden die Empfehlungen durch die Zulassung neuer Substanzen und Substanzkombinationen in der Behandlung früher und fortgeschrittener Stadien des NSCLC aktualisiert.

Neue Empfehlungen unterstützen eine noch individuellere Therapieplanung

„Die Therapie des Lungenkarzinoms wird immer individueller“, betont Dr. med. Wiebke Nehls (Berlin). „Die aktualisierte Leitlinie unterstützt dabei, Therapieentscheidungen noch stärker an den individuellen Bedürfnissen und Zielen der Patientinnen und Patienten auszurichten.“

Die aktualisierte S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“ steht online zur Verfügung bei

https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-007OL und https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom .

28.7.2026

Wenn die Stimme nicht herunterregelt

Grundlage der Analyse waren Daten aus der LIFE Child Studie mit 1.460 Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 18 Jahren. Neben umfangreichen demografischen und gesundheitlichen Angaben wurden standardisierte Stimmaufnahmen erhoben. Die Ausprägung von Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit wurde mithilfe der Elternversion der Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ)-Skala erfasst. Die Kinder absolvierten verschiedene Sprechaufgaben mit vorgegebenen Lautstärken sowie eine anhaltende Vokalisation. Analysiert wurden unter anderem Lautstärke, Grundfrequenz, maximale Phonationsdauer, Jitter und ein Dysphonie-Index.

In den statistischen Analysen zeigten sich konsistente Zusammenhänge zwischen höheren Hyperaktivitäts-/Unaufmerksamkeitswerten und einer lauteren sowie höherfrequenten Sprechstimme. Besonders auffällig war ein sogenannter Voice-Reset-Test: Nachdem die Kinder zunächst normal oder laut gesprochen hatten, sollten sie anschließend wieder möglichst leise sprechen. Gerade in dieser Situation blieben Kinder mit höheren Symptomwerten tendenziell lauter und sprachen mit höherer Grundfrequenz als Gleichaltrige mit niedrigeren Werten. Andere Stimmparameter wie Jitter, maximale Phonationsdauer oder Dysphonie-Index waren dagegen nicht mit den Symptomwerten assoziiert. Die beobachteten Zusammenhänge beschränkten sich damit vor allem auf Lautstärke und Grundfrequenz.

Ergänzend prüften die Forschenden mithilfe eines Machine-Learning-Ansatzes, ob sich die Symptomstärke aus Stimmmerkmalen und Basisdaten vorhersagen lässt. Die Modelle erreichten eine statistisch signifikante, aber nur begrenzte Vorhersagegenauigkeit. Alter, Geschlecht und sozioökonomischer Status erwiesen sich dabei als die wichtigsten Einflussgrößen. Das Einbeziehen von Stimmparametern verbesserte die Vorhersageleistung jedoch zusätzlich, die insgesamt erklärte Varianz blieb aber begrenzt.

Messbarer Ausdruck von Verhaltens- und Regulationsprozessen

Für die Praxis ergibt sich daraus noch keine neue diagnostische Methode. Interessant ist die Arbeit vor allem deshalb, weil sie eine klinisch vertraute Beobachtung objektivierbar macht: Kinder mit ausgeprägteren ADHS-typischen Symptomen scheinen Schwierigkeiten zu haben, ihr Sprechverhalten an situative Anforderungen anzupassen und nach erhöhter Aktivierung wieder „herunterzuregeln“. Die Stimme erscheint damit weniger als Biomarker einer Erkrankung als vielmehr als messbarer Ausdruck von Verhaltens- und Regulationsprozessen.

Die Aussagekraft der Ergebnisse bleibt allerdings begrenzt. Die Studie basiert auf einem Screening-Instrument und nicht auf klinisch gesicherten ADHS-Diagnosen. Zudem wurden ausschließlich standardisierte Sprachaufgaben untersucht, die den spontanen Dialog im Alltag nur bedingt abbilden. Ob Stimmparameter in der ADHS-Diagnostik tatsächlich einen relevanten Zusatznutzen bieten, müssen Studien in klinischen ADHS-Kollektiven erst noch zeigen.

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