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17.5.2022

Neuropathische Schmerzen

Wirksamkeit von Cannabis-basierten Arzneimitteln bei Nervenschmerzen unklar

17.5.2022

Gesundheitsoutcomes

Tägliche Schrittzahl als alltagsnahe Orientierungsgröße in Beratung und Prävention

17.5.2022

Digital Disconnetion

Pausen von digitalen Medien können Wohlbefinden fördern

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20.2.2026

Wirksamkeit von Cannabis-basierten Arzneimitteln bei Nervenschmerzen unklar

Chronische neuropathische Schmerzen entstehen nicht durch eine akute Verletzung, sondern weil geschädigte Nerven selbst unkontrolliert Schmerzsignale erzeugen. Das kann sich als Brennen, Stechen, plötzlich einschießende Schmerzen, Berührungsschmerz, Kälte- oder Wärmeschmerz äußern. Ursachen können unter anderem Diabetes, Bandscheibenvorfälle, Gürtelrose, Chemotherapien oder Schlaganfälle sein. Wenn Standard-Arzneimittel nicht ausreichend helfen, setzen manche Schmerzpatient:innen ihre Hoffnung auf Cannabis-basierte Medikamente.

Für den aktualisierten Cochrane Review wurden 21 randomisierte Studien mit 2.187 Erwachsenen ausgewertet. Die Teilnehmenden erhielten Cannabis-basierte Präparate oder Placebo über Zeiträume von zwei bis 26 Wochen. Nur vier Studien erfüllten die Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA von mindestens 12 Wochen Laufzeit. Untersucht wurden folgende Wirkstoffgruppen:

  • Präparate mit überwiegend Tetrahydrocannabinol (THC) - einem psychoaktiven Inhaltsstoff der Cannabispflanze
  • Präparate mit überwiegend Cannabidiol (CBD) - einem nicht psychoaktiven Inhaltsstoff der Cannabispflanze
  • Kombinationspräparate mit ausgewogenen Anteilen an THC und CBD

In einer Studie wurde der Dampf von erhitztem pflanzlichem Cannabis eingeatmet. In den übrigen Studien kamen ein Mundspray mit definierten THC-/CBD-Mengen pro Hub, Präparate zum Schlucken sowie Cremes oder Pflaster zum Einsatz.

Studien zeigten methodische Mängel

Über alle Wirkstoffgruppen hinweg fanden die Forschenden keine verlässlichen Belege, dass Cannabis-haltige Arzneimittel neuropathische Schmerzen besser lindern als ein Placebo: In Studien mit THC- oder CBD-dominanten Präparaten ließ sich kein positiver Effekt nachweisen bzw. die Studien wiesen erhebliche methodische Mängel auf. Mit Blick auf Kombinationspräparate mit ausgewogenen Anteilen THC und CBD fanden die Forschenden folgendes heraus: Von 1.000 Patientinnen und Patienten, die ein solches Kombi-Präparat genommen hatten, schätzten am Studienende 268 ihren Zustand als „viel besser“ ein. Zum Vergleich: Bei Patientinnen bzw. Patienten, die ein Placebo verabreicht bekommen hatten, waren es 197 (gemessen mit dem „Patient Global Impression of Change“-Fragebogen in sieben Studien mit 1145 Teilnehmenden, die zwischen zehn und 105 Tagen dauerten). Die Cochrane-Autoren halten diesen Unterschied für gering. Zudem ist die Vertrauenswürdigkeit dieses Ergebnisses aus verschiedenen Gründen niedrig: So schlossen die meisten Studien Menschen mit psychischen Erkrankungen – auch in der Vergangenheit –  sowie mit schweren Begleiterkrankungen von vornherein aus. Deshalb bleibt unklar, wie gut die Befunde auf den typischen Schmerzpatienten übertragbar sind. Außerdem ist die methodische Qualität und die Zahl der Teilnehmenden pro Studie in den meisten Untersuchungen unzureichend.

Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien sehr unterschiedlich erfasst und berichtet. Welche Nebenwirkungen gefunden wurden und wie häufig sie auftraten, hing stark davon ab, wie die Daten erhoben wurden. Insgesamt lässt sich die Sicherheit von Cannabis-haltigen Medikamenten bislang nicht verlässlich beurteilen –  unter anderem wegen verschiedener Schwächen in den Studien. Allerdings zeigt der aktuelle Cochrane Review einige Signale für Verträglichkeitsprobleme: So berichteten beispielsweise die Patienten bzw. Patientinnen mit den THC/CBD-Kombi-Präparaten von deutlich mehr unerwünschten Wirkungen auf das Nervensystem als Patient:innen, die ein Placebo erhalten hatten. Dazu zählten Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Schläfrigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen (annähernd zwei Drittel in den THC/CBD-Gruppen versus gut einem Viertel unter Placebo). „Psychiatrische Nebenwirkungen“ wie Verwirrtheit, psychotische Symptome (etwa Halluzinationen) oder Hinweise auf Abhängigkeitsentwicklung wurden bei rund 11 % der Teilnehmenden in den THC/CBD-Gruppen und rund 3 % in den Placebo-Gruppen berichtet. Wegen unerwünschter Wirkungen brachen zudem in der THC/CBD-Gruppe deutlich mehr Teilnehmende die Therapie ab als in der Kontrollgruppe: nämlich 118 von 1.000 im Vergleich zu 68. All diese Zahlen sind nach Ansicht der Cochrane Forschenden allerdings mit einer hohen oder sogar sehr hohen Unsicherheit behaftet (Einstufung im GRADE-System: low bzw. very low).

Weil die meisten Studien nur wenige Wochen dauerten und das nach EMA-Einschätzung für diese chronische Erkrankung zu kurz ist, lässt sich nicht zuverlässig beurteilen, welchen potentiellen Nutzen oder Schaden Cannabis-Medikamente haben, wenn Patient:innen mit Nervenschmerzen sie langfristig anwenden.

Die Cochrane-Forscher:innen fordern daher qualitativ hochwertigere Untersuchungen. Die Forschenden empfehlen auch jeweils mindestens 150 Teilnehmer:innen pro Behandlungsarm. Zudem schlagen sie vor, dass verschiedene Formen neuropathischer Schmerzen separat untersucht werden. Die Forschenden gehen davon aus, dass solche Studien die bisherigen Einschätzungen zu Wirkung und Risiken von Cannabis-Medikamenten bei Nervenschmerzen noch mal verändern würden.

Zum Hintergrund: Seit 2017 dürfen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland medizinisches Cannabis –  also Extrakte, aber auch die Blüten der Pflanze –  in schwerwiegenden Fällen ohne indikationsspezifische Zulassung verordnen, wenn es keine andere geeignete Therapieoption mehr gibt. Sie tun das laut einer fünfjährigen Begleiterhebung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in mehr als drei Viertel der gemeldeten Fälle wegen chronischer Schmerzen. Seit einer Gesetzesänderung 2024 muss medizinisches Cannabis nicht mehr auf einem Betäubungsmittel-Rezept verordnet werden. Seitdem werden über Online-Plattformen zunehmend Cannabis-Privatrezepte ausgestellt. Die Einfuhr von medizinischen Cannabisblüten ist seitdem sprunghaft gestiegen. Expertinnen und Experten vermuten allerdings, dass nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch viele Freizeitkonsumenten auf diese Weise ihren Cannabis-Bedarf decken. Deshalb wird gerade auf bundespolitischer Ebene darüber diskutiert, die Vorschriften für Online-Verordnungen zu verschärfen.

20.2.2026

Tägliche Schrittzahl als alltagsnahe Orientierungsgröße in Beratung und Prävention

Die Ergebnisse zeigen über mehrere Outcomes hinweg einen konsistenten inversen Zusammenhang zwischen der täglichen Schrittzahl und dem Erkrankungs- bzw. Mortalitätsrisiko. Als Referenz diente eine Schrittzahl von 2.000 Schritten pro Tag, die als untere Grenze des üblichen Aktivitätsbereichs gilt. Bereits im Vergleich dazu waren höhere Schrittzahlen mit deutlichen gesundheitlichen Vorteilen assoziiert. Bei etwa 7.000 Schritten pro Tag zeigte sich für viele Endpunkte eine substanzielle Risikoreduktion. So lag das gepoolte Hazard Ratio für die Gesamtsterblichkeit bei 0,53, entsprechend einer Reduktion um 47 %. Für die Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen betrug das Hazard Ratio 0,75, für die kardiovaskuläre Mortalität ebenfalls 0,53. Auch für weitere Outcomes wie Typ-2-Diabetes, Krebssterblichkeit, Demenz und depressive Symptome wurden bei dieser Schrittzahl signifikante Risikominderungen beobachtet.

Die Analyse der Dosis-Wirkungs-Kurven verdeutlicht, dass gesundheitliche Effekte bereits bei niedrigen Schrittzahlen einsetzen und der Nutzen mit zunehmender Aktivität zunächst deutlich ansteigt. Für viele Outcomes flacht der Zugewinn pro zusätzlichem 1.000-Schritte-Inkrement ab einer Größenordnung von etwa 7.000 Schritten pro Tag ab. Für einzelne Endpunkte, darunter Krebsinzidenz, kardiovaskuläre Mortalität, Typ-2-Diabetes und Stürze, zeigte sich statistisch kein signifikanter zusätzlicher Nutzen gegenüber 7.000 Schritten, ohne dass damit ein fehlender Nutzen höherer Aktivität impliziert wäre. Für Gesamtsterblichkeit und kardiovaskuläre Inzidenz nahm das Risiko auch jenseits dieses Bereichs weiter ab, jedoch mit geringerer Steigung.

Subgruppenanalysen weisen darauf hin, dass die Form der Dosis-Wirkungs-Beziehung altersabhängig sein kann. Während sich bei jüngeren Erwachsenen überwiegend nicht-lineare Verläufe mit Plateau-Effekten zeigten, bestand bei älteren Erwachsenen ab 65 Jahren für die Gesamtsterblichkeit ein annähernd linearer Zusammenhang ohne erkennbare Abflachung, was auf einen fortgesetzten Nutzen auch höherer Schrittzahlen hindeutet.

Die Ergebnisse liefern eine belastbare empirische Grundlage für die Bewegungsberatung in Prävention und hausärztlicher Praxis. Die tägliche Schrittzahl stellt eine leicht verständliche, niedrigschwellige und alltagsnahe Kenngröße dar, mit der körperliche Aktivität unabhängig von Intensitätsstufen oder Zeitvorgaben kommuniziert werden kann. Insbesondere für Personen, die zeitbasierte Bewegungsempfehlungen als schwer umsetzbar empfinden, kann eine schrittbasierte Orientierung den Zugang zu mehr körperlicher Aktivität erleichtern. Die zentrale Botschaft, dass jeder zusätzliche Schritt zählt, wird durch die Daten gestützt, da bereits eine Steigerung von 2.000 auf 4.000 Schritte pro Tag mit einer deutlich geringeren Gesamtsterblichkeit assoziiert war. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die Schrittzahl bestimmte Aktivitätsformen wie Radfahren nicht abbildet und ihre Aussagekraft bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität begrenzt sein kann.

20.2.2026

Pausen von digitalen Medien können Wohlbefinden fördern

Zwar existieren nach Angaben von Alicia Gilbert, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), bereits einige Studien zum Thema Digital Disconnection, doch seien diese oft als Interventionsstudien angelegt. Dabei geben die Forschenden genau vor, auf welche Weise und in welchem Ausmaß auf digitale Medien verzichtet werden soll. „Es wird derzeit jedoch stark diskutiert, ob dieses Studiendesign die Ergebnisse beeinflusst, da sich die Teilnehmenden durch die Vorgaben im Alltag eingeschränkt fühlen könnten“, erläutert Gilbert. Gestützt wird diese Vermutung durch die widersprüchlichen Ergebnisse, zu denen bisherige Studien kamen: Von einer Besserung des Wohlbefindens über keinen messbaren Einfluss bis hin zu Stressgefühlen durch Digital Disconnection ist alles vertreten.

Die Forschenden der JGU und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zogen ihre Studie daher anders auf: Statt konkrete Anweisungen zu geben, beobachteten sie, wie und in welchem Maße junge Menschen Digital Disconnection in ihrem Alltag bereits anwenden und wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Dazu befragten sie die Teilnehmenden zwei Wochen lang mehrmals täglich nach aktuellen Digital-Disconnection-Handlungen sowie dem persönlichen Befinden. Insgesamt 237 Personen zwischen 18 und 35 Jahren nahmen an der Studie teil, in Summe berichteten sie über 12.407 Situationen. Zu den Strategien, die die Forschenden abfragten, gehörten nicht nur die komplette Abstinenz etwa von Social Media, sondern auch kleinere Ansätze wie das Stummschalten von Benachrichtigungen oder das zeitweise Einschalten des Flugmodus. „Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden vielfach auch in Situationen, in denen sie angaben, von einem digitalen Medium zu disconnecten, andere digitale Medien weiterhin nutzten – etwa wenn sie das Smartphone weglegten, aber gerade am Laptop arbeiteten. Digital Disconnection und Mediennutzung fanden somit vielfach gleichzeitig statt“, berichtet Gilbert.

Druck ist kontraproduktiv

Dennoch stieg die Stimmung der Teilnehmenden – dieser Zusammenhang war allerdings klein und hielt nur etwa zwei bis drei Stunden an. Und wie stark der positive Zusammenhang mit der Stimmung war, hing außerdem mit dem Grund für die Abstinenz zusammen: „Basiert die Digital Disconnection auf einer eigenen Entscheidung oder wird sie als solche wahrgenommen, ist der Benefit für das Wohlempfinden höher“, so Gilbert. „Wird den Leuten dagegen vorgeschrieben oder von ihnen erwartet, dass sie sich von ihrem Handy fernhalten, kann sich dies sogar negativ auf die Stimmungslage auswirken. Es ist also durchaus wichtig, die Mediennutzung frei gestalten zu können.“

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