Aktuelle News
17.5.2022

Digitaler Schlaganfall-Zwilling

Potential, Evidenz und Grenzen eines neuen Simulationsansatzes

17.5.2022

Prävention

Neues digitales Gesundheitsangebot

17.5.2022

Immunantwort

mRNA-Impfung verstärkt Checkpoint-Therapie bei „kalten“ Tumoren

- Anzeige -
Aktuelle Kongressberichte
- Anzeige -
Aktuelle Kongresse
- Anzeige -
Abrechnung
- Anzeige -
- Anzeige -
GO-ON Anzeige MIM Pharma Hyaluronsäure
- Anzeige -
Aktuelle Podcasts
Aktuelle Podcasts

Gyncast

Gyncast Januar 2026: Blick zurück nach vorn

Gyncast

Gyncast Dezember 2025: Neues aus der Menopause-Forschung

Gyncast

Gyncast November 2025: Die Highlights vom ESMO 2025

Aktuelle Ausgaben
Medizin
Management
News-Ticker
3.12.2025

Potential, Evidenz und Grenzen eines neuen Simulationsansatzes

Der digitale Schlaganfall-Zwilling beschreibt ein patientenspezifisches Simulationsmodell der zerebralen Hämodynamik, das aus Routinedaten wie CT- oder MR-Angiographie, extrakranieller Duplexsonographie, systemischem Blutdruck und Laborparametern wie dem Hämatokrit erzeugt wird. Ziel dieses Ansatzes ist es, die Perfusionssituation einzelner Patientinnen und Patienten genauer abzuschätzen, als dies mit statischen Bildgebungen oder pauschalen Leitlinienempfehlungen möglich ist. Das virtuelle Gefäßmodell wird dreidimensional rekonstruiert und anschließend mit numerischen Strömungssimulationen berechnet. Dabei werden die Gefäßstrukturen in viele kleine Volumenelemente unterteilt, in denen Gleichungen für Druck, Flussgeschwindigkeit und Viskosität gelöst werden. Neu ist weniger die Rekonstruktion an sich, sondern die Kombination aller verfügbaren klinischen Parameter, die so ein umfassenderes Bild über Flussvolumina, Druckgradienten und mechanische Belastungen der Gefäßwände liefert.

Die Validierung erfolgte durch den Vergleich der simulierten intrakraniellen Flussparameter mit Messwerten der transkraniellen Duplexsonographie. In drei Patientengruppen – ischämische Schlaganfälle ohne relevante Makroangiopathie, ischämische Schlaganfälle mit komplexen Stenosen und intrazerebrale Blutungen – zeigten sich durchweg signifikante Übereinstimmungen. Die Intraklassen-Korrelationskoeffizient (ICC) lagen bei mindestens 0,75 mit p < 0,001, während die mittleren Abweichungen der Flussgeschwindigkeiten bei Patienten ohne Stenosen unter 10 cm/s und bei komplexeren Stenosen unter 15 cm/s lagen. Für ein solches numerisches Modell sind diese Abweichungen, so Prof. Dr. Ilko Maier (Universitätsmedizin Göttingen), gering und klinisch nachvollziehbar. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die Validierung gegen eine ebenfalls fehleranfällige und untersucherabhängige Methode wie den transkraniellen Ultraschall erfolgte. Eine Validierung gegen invasive Referenzwerte oder Goldstandards steht noch aus, was die Aussagekraft der bisherigen Ergebnisse begrenzt.

Prospektive Studien fehlen bislang

In einer Kohorte von 55 Patientinnen und Patienten mit komplexen extrakraniellen und intrakraniellen Stenosen wurde untersucht, inwieweit die Simulation relevante Perfusionsminderungen aufzeigen kann. Tatsächlich zeigte sich bei knapp der Hälfte der Fälle eine Hypoperfusion mindestens eines intrakraniellen Gefäßes, wenn die simulierten Werte mit bekannten Normdaten verglichen wurden. Außerdem ergaben sich Hinweise darauf, dass eine Anpassung des systemischen Blutdrucks in der Simulation zu einer Verbesserung des Flussvolumens um durchschnittlich etwa 1,5 ml/s führen kann, wenn der systolische Blutdruck um etwa 30 mmHg erhöht wird. Diese Befunde zeigen, wie sensibel die intrazerebrale Perfusion auf Blutdruckveränderungen reagieren kann. Sie sind jedoch rein modellbasiert und dürfen nicht ohne weitere klinische Evidenz zu therapeutischen Entscheidungen führen. Prospektive Studien fehlen bislang.

Auch bei Patientinnen und Patienten mit intrazerebraler Blutung ergaben sich auffällige Muster. Die Simulation zeigte in typischen Fällen deutlich erhöhte Wandscherkräfte in der Arteria cerebri media der betroffenen Seite im Vergleich zur Gegenseite. Biologisch ist das plausibel, weil hohe Scherkräfte mit einer vermehrten Belastung der Gefäßwand und damit möglicherweise mit Rupturrisiken oder Mikroaneurysmen assoziiert sein können. Derzeit handelt es sich aber um explorative Beobachtungen ohne nachgewiesenen prognostischen Wert. Eine klinische Ableitung – etwa zur Risikoabschätzung oder Therapieplanung – wäre daher verfrüht.

Die Göttinger Forschungsgruppe betont selbst verschiedene methodische Grenzen. Die cerebrovaskuläre Resistance lässt sich bislang nur grob schätzen, ebenso die individuelle Gefäßcompliance. Die Mikrozirkulation wird im Modell nicht abgebildet, sodass Aussagen auf größeren Hirngefäßen beruhen. Die Autoregulation kann nur teilweise erfasst werden. Eine Echtzeitverarbeitung wäre zwar wünschenswert, befindet sich aber erst im Entwicklungsstadium, etwa durch KI-beschleunigte Verfahren.

Für die praktische Medizin ergibt sich ein klares Bild: Der digitale Schlaganfall-Zwilling ist ein vielversprechendes Instrument zur ergänzenden Diagnostik und zur Veranschaulichung hämodynamischer Zusammenhänge, insbesondere bei komplexen Stenosen oder unklarer Perfusionslage. Er ersetzt jedoch weder etablierte diagnostische Verfahren noch kann er derzeit therapeutische Entscheidungen wie die Blutdrucksteuerung oder die Indikationsstellung bei asymptomatischen Karotisstenosen beeinflussen. Die klinische Evidenz steht am Anfang, und es braucht größere, prospektive Studien, um die tatsächliche Relevanz für Behandlungsentscheidungen zu klären. Als anschauliches Werkzeug in spezialisierten neurovaskulären Zentren kann das Konzept bereits jetzt sinnvoll sein; für die breite Versorgung bleibt es ein Forschungsansatz mit hohem Potenzial, aber klaren Grenzen.

3.12.2025

Neues digitales Gesundheitsangebot

Viele Menschen fühlen sich von der Menge an Gesundheitsinformationen im Netz eher erschlagen als gestärkt; vor allem der Schritt der Bewertung fällt schwer. Sundi, ein gemeinsames Projekt des Bosch Health Campus und der Charité, wissenschaftlich flankiert vom schwedischen Karolinska Institutet, versucht, diese Unsicherheit abzufedern. Der Chatbot gibt alltagsnahe Empfehlungen, ermutigt zu kleinen Gewohnheitsänderungen und hält die Schwelle bewusst niedrig. Schlaf, Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung bilden die thematischen Eckpfeiler, wobei die Nutzerinnen und Nutzer eigene Ziele definieren können – ein Ansatz, der Verhaltensänderung realistischer macht als pauschale Vorgaben.

Die Inhalte entstehen in einem interdisziplinären Redaktionsteam aus Ärztinnen, Medizinjournalisten und Forschenden. Ein wissenschaftlicher Beirat prüft alle Materialien. Im Unterschied zu vielen Chatbots, die auf unklaren Datenquellen basieren, legt Sundi Wert auf Transparenz: Der digitale Assistent kann seine Quellen benennen, und die Antworten werden durch sogenanntes Prompt Engineering eingehegt, damit sie fachlich sauber bleiben. Dieser Fokus auf Nachvollziehbarkeit soll Vertrauen schaffen.

Verwandte Projekte im Ausland

Der Blick ins Ausland zeigt, dass es durchaus verwandte Projekte gibt, aber selten in vergleichbarer Ausrichtung. In Frankreich arbeitet „Mon Sherpa“ mit einer Mischung aus App-basierten Inhalten und menschlichen Gesundheitscoaches; allerdings ist das Angebot stark auf psychische Gesundheit fokussiert und weniger skalierbar. Aus Kanada ist „Wellness Compass“ bekannt, allerdings fest eingebettet in primärärztliche Versorgung und nicht als unabhängiges Präventionsportal konzipiert. In Deutschland existieren einzelne Programme der Krankenkassen, meist themenbezogen - Schritte-Apps, Schlafratgeber, Ernährungscoaches. Doch ein umfassendes, kostenfreies, werbefreies und wissenschaftlich abgestütztes Präventionsangebot speziell für Menschen ab 55 Jahren, ergänzt durch einen transparenten KI-Assistenten, findet sich bislang nicht. Sundi besetzt damit eine erkennbare Lücke.

Sundi ist kostenlos und werbefrei. Die Plattform ist browserbasiert und für mobile Geräte optimiert, spätere Erweiterungen werden geprüft. Der langfristige Erfolg hängt letztlich davon ab, ob Menschen sich durch Sundi verstanden fühlen und ob der digitale Coach tatsächlich hilft, kleine Schritte in Richtung eines gesünderen Alltags zu gehen – unspektakulär vielleicht, aber nachhaltig genug, um im Leben etwas zu verschieben.

  • Projektinformationen gibt es hier: https://www.sundi.eu/about-us und https://www.sundi.eu/about-this-project
  • Die Nutzung ist einerseits personalisiert mit einem Konto möglich, aber andererseits auch ohne Anmeldung: https://www.sundi.eu/explore
3.12.2025

mRNA-Impfung verstärkt Checkpoint-Therapie bei „kalten“ Tumoren

Bei über 880 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) oder metastasiertem Melanom war die Gabe eines mRNA-Impfstoffs innerhalb von 100 Tagen um den Beginn einer Immun-Checkpoint-Blockade (ICI) mit einem deutlich verlängerten Gesamtüberleben assoziiert. Im NSCLC-Kollektiv stieg die mediane Überlebenszeit von 20,6 auf 37,3 Monate (adjustierte HR 0,51), beim Melanom von 26,7 Monaten auf einen nicht erreichten Median (HR 0,37). Auch das progressionsfreie Überleben verbesserte sich signifikant. Die Ergebnisse blieben robust in Propensity-Matchings und Sensitivitätsanalysen und traten ausschließlich bei ICI-Behandlung auf, nicht bei Chemotherapie.

Im Mausmodell bestätigten sich die Befunde: mRNA-Lipid-Nanopartikel (RNA-LNPs) induzierten eine massive Ausschüttung von Typ-I-Interferon, aktivierten dendritische Zellen und Makrophagen in lymphatischen Organen und führten zu einer verstärkten Antigenpräsentation tumorassoziierter Peptide. Diese Aktivierung ermöglichte ein Epitop-Spreading und eine Expansion tumorspezifischer CD8-T-Zellen. Blockade des Interferon-Signalwegs hob den therapeutischen Effekt vollständig auf. Parallel zeigten sich deutliche Anstiege der PD-L1-Expression auf Tumorzellen – ein klassischer Fluchtmechanismus, der die Wirksamkeit der parallel gegebenen Checkpoint-Inhibitoren erst voll zur Entfaltung brachte.

Spezifische immunmodulatorische Eigenschaft der mRNA-Plattform?

Bemerkenswert ist der Überlebensvorteil auch bei immunologisch „kalten“ Tumoren mit geringer PD-L1-Expression (< 1 %). In dieser Subgruppe erreichten geimpfte NSCLC-Patienten Überlebensraten, die sonst nur bei höheren PD-L1-Scores beobachtet werden. Influenza- oder Pneumokokken-Impfungen zeigten keinen vergleichbaren Effekt, was auf eine spezifische immunmodulatorische Eigenschaft der mRNA-Plattform hindeutet. Trotz der beeindruckenden Daten mahnen Experten zur Zurückhaltung bei der Kausalinterpretation: Patientinnen und Patienten, die fit genug für eine Impfung sind, könnten zwar bereits günstigere Ausgangsbedingungen haben. Randomisierte Studien seien jedoch nötig, um den immunstimulatorischen Beitrag der Impfung unabhängig zu belegen. Gleichwohl eröffnet die Arbeit die Perspektive, dass mRNA-Impfstoffe künftig nicht nur Infektionen verhindern, sondern auch den Erfolg onkologischer Immuntherapien gezielt verstärken könnten.

Hintergrund: mRNA-Impfstoffe in der Onkologie

* mRNA-basierte Therapeutika haben sich in der Krebsimmuntherapie vom experimentellen Konzept zu einer klinisch greifbaren Plattform entwickelt. Laut einer aktuellen Übersichtsarbeit aus den USA zeichnen sich insbesondere personalisierte Neoantigen-mRNA-Impfstoffe als vielversprechender Ansatz ab, um tumorspezifische T-Zell-Antworten zu verstärken.

* In frühen Studien beim Melanom, Pankreas- und Lungenkarzinom wurden robuste CD8-T-Zell-Antworten und Hinweise auf verlängerte progressionsfreie Überlebenszeiten beobachtet, vor allem in Kombination mit Checkpoint-Blockern wie PD-1- oder CTLA-4-Inhibitoren. Die mRNA-Plattform erlaubt eine rasche Anpassung an individuelle Mutationsprofile und die simultane Kodierung mehrerer Neoantigene, wodurch auch heterogene Tumoren adressierbar werden.

* Zentrale Herausforderungen bleiben die Optimierung der mRNA-LNP-Formulierungen, die Überwindung des immunsuppressiven Tumormilieus und der Nachweis eines konsistenten klinischen Zusatznutzens in größeren Phase-3-Studien.

Quelle: Makkar SK: Advances in RNA-based therapeutics: current breakthroughs, clinical translation, and future perspectives. Front Genet. 2025 Oct 24;16:1675209 (DOI 10.3389/fgene.2025.1675209).

123-nicht-eingeloggt