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17.5.2022

Langfristiger Therapieerfolg

Hohe Abbruchraten: GLP-1-Therapie bei Adipositas

Neue S3-Leitlinie

Sechs Monate vollstillen, mindestens ein Jahr stillen

17.5.2022

Elektronische Patientenakte

Viel Potential, bislang wenig Nutzen

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7.4.2026

Hohe Abbruchraten: GLP-1-Therapie bei Adipositas

In die retrospektive Kohortenstudie gingen mehr als 125.000 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas ein, die zwischen 2018 und 2023 erstmals Liraglutid, Semaglutid oder Tirzepatid erhielten. Als Therapieabbruch galt eine Versorgungslücke von mindestens 60 Tagen. Innerhalb eines Jahres beendeten 53,6 % der Patienten und Patientinnen die Behandlung, nach zwei Jahren waren es 72,2 %. Besonders ausgeprägt war die Diskontinuität bei Personen ohne Typ-2-Diabetes, von denen 64,8 % bereits im ersten Jahr ausstiegen, verglichen mit 46,5 % bei Patienten mit Diabetes.

Die Analyse bestätigt bekannte Einflussfaktoren, liefert aber auch für die Praxis relevante Differenzierungen. Ein stärkerer Gewichtsverlust während der Behandlung war konsistent mit einer geringeren Abbruchwahrscheinlichkeit assoziiert: Pro Prozent Gewichtsreduktion sank das Risiko um etwa 3 %. Umgekehrt erhöhten moderate bis schwere gastrointestinale Nebenwirkungen das Abbruchrisiko. Milde Beschwerden wie Übelkeit wurden allerdings in den Routinedaten nur unzureichend erfasst und dürften unterschätzt sein.

Ein weiterer zentraler Befund betrifft soziale Determinanten. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen höherem Einkommen und besserer Therapietreue. Dies verweist auf strukturelle Zugangsprobleme, insbesondere dort, wo GLP-1-RA zur Adipositasbehandlung nicht regelhaft erstattet werden.

Chronischer Charakter der Erkrankung

Bemerkenswert ist das Muster nach Therapieabbruch. Etwa die Hälfte der Patienten und Patientinnen nahm die Behandlung innerhalb von zwei Jahren wieder auf. Eine erneute Gewichtszunahme war dabei ein wesentlicher Prädiktor für die Reinitiation. Dieses „Stop-and-go“-Muster unterstreicht den chronischen Charakter der Erkrankung und die begrenzte Nachhaltigkeit kurzfristiger Therapieansätze.

Für die hausärztliche Versorgung ergeben sich daraus mehrere Konsequenzen. Adipositas sollte konsequent als chronische Erkrankung kommuniziert und behandelt werden – mit einer entsprechend langfristigen therapeutischen Perspektive. Die Erwartung einer zeitlich begrenzten „Kur“ ist mit den vorliegenden Daten nicht vereinbar. Gleichzeitig kommt der frühen Therapiephase besondere Bedeutung zu: Initialer Gewichtsverlust und ein strukturiertes Nebenwirkungsmanagement scheinen entscheidend für die Persistenz. Ebenso sollten finanzielle Aspekte frühzeitig adressiert werden, da sie die Adhärenz maßgeblich beeinflussen können.

Die Studie ist methodisch durch den Einsatz von Electronic Health Records-(EHR-)Daten und Zeit-zu-Ereignis-Analysen robust, bleibt jedoch durch typische Limitationen von Registeranalysen eingeschränkt. Dennoch zeichnet sie ein klares Bild: Der klinische Nutzen der GLP-1-Therapie hängt weniger von ihrer Wirksamkeit als von ihrer langfristigen Umsetzbarkeit im Versorgungsalltag ab.

7.4.2026

Frühe Prävention der Adipositas

Ziel müsse es sein, gesunde Lebensbedingungen zu schaffen, gesundheitsförderndes Verhalten zu erleichtern und Hochrisikogruppen frühzeitig zu identifizieren. Zudem sei Prävention wichtig, die in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren ansetze, z. B. über Programme in Kindergärten und Schulen. Die Leopoldina fordert aber auch staatliche Maßnahmen wie eine Zuckersteuer, eine verminderte Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und Werbeverbote für ungesunde Produkte, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Auch seien therapeutische Ansätze essenziell, um Betroffene zu behandeln und ihre Lebensqualität zu verbessern.

7.4.2026

Umweltbelastung ist für viele Todesfälle verantwortlich

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) unterstützt dies: Aus Sicht der Inneren ­Medizin sind vor allem Luftverschmutzung, Hitze sowie Lärm zentrale gesundheitliche ­Risikofaktoren im gesamten Spektrum internistischer Erkrankungen – allesamt Faktoren mit teilweise weiterhin steigender Belastung.

Als Konsequenz fordert die DGIM deshalb, Umweltbelastungen systemisch in Prävention, Krankenversorgung und politische Entscheidungen stärker einzubeziehen als das bisher der Fall ist – wissenschaftsbasiert, patientenorientiert und mit Blick auf vulnerable Bevölkerungsgruppen.

Die ­aktuelle DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. med. ­Dagmar Führer-Sakel (Essen) äußerte sich dazu wie folgt: „Gesundheit ist ein Zusammenspiel aus inneren und äußeren Faktoren. Umweltstressoren erhöhen das Risiko nicht nur für Herz-Kreislauf-­Erkrankungen, sondern auch für Krebs, Diabetes und Adipositas sowie viele weitere internistische Erkrankungen.“

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