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Kongress-Ticker

Virtuell – April 2021

Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V.

Angelika Ramm-Fischer

21.4.2021 16:21

Inhalt:

  1. Kongress-Ticker
    - Skabies auf dem Vormarsch – Wiederholungstherapie sinnvoll
    - Hygiene verstärkt Handekzem
    - Epidermales Keratoakanthom vs. Spinaliom – teils unnötige Exzision
    - Kuhpocken – Gefahr für Immunsupprimierte
  2. DDG-Kongressberichterstattung
    - Psoriasis
    - Atopische Dermatitis
    - Allergologie und Klimawandel

1. Kongress-Ticker

Skabies auf dem Vormarsch – Wiederholungstherapie sinnvoll

Zwar scheinen die Pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen die Inzidenz der Krätze-Infektionen gesenkt zu haben, dennoch gehen Experten wie Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter (Halle) davon aus, dass insgesamt die Zahl der Skabies-Fälle in Deutschland steigt. Eine Meldepflicht für Skabies gibt es nur für Skabies-Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen wie Heimen. Allerdings gibt es indirekte Hinweise: So verzeichnen z. B. die Diagnosedaten der KV Nordrhein einen 200%igen Anstieg der Skabies-Inzidenz zwischen 2014 und 2016. Des Weiteren stieg auch die Zahl der Patienten mit Krätze, die vollstationär in ein Krankenhaus aufgenommen wurden. Auch bei den Verordnungen von Anti­skabiosa ist bei den Krankenkassen ein Anstieg registriert worden. Schätzungen gehen derzeit von mehreren Tausend Neuerkrankten pro Jahr aus. Als Ursache für den Anstieg sehen die Experten Anwendungsfehler bei der doch komplexen Lokalbehandlung und den ­Hygienemaßnahmen – vor allem bei Kindern. Kinder seien eine unterschätzte Infektionsquelle, so ­Sunderkötter. Bei ihnen wird Skabies eher spät erkannt und sie übertragen durch engen ­Körperkontakt, z. B. beim Kuscheln, die Krätze­milben. Weil auch eine Resistenzbildung gegen das Mittel der ersten Wahl, Permethrin, nicht mehr ausgeschlossen werden kann, empfiehlt Sunderkötter – anders als in der Fachinformation oder Leitlinie angegeben – eine Wiederholungsbehandlung.

Digitale Auftakt-Pressekonferenz

Hygiene verstärkt Handekzem

Händewaschen, vor allem mit Seife, tötet zwar ­Keime ab, schädigt aber auch die Haut. Das steigert die Gefahr eines irritativen Kontaktekzems. Unter Corona-Hygieneregeln verstärkt sich das Problem: Schon wenige Monate nach Beginn der Pandemie gab es Berichte über eine Zunahme von Handekzemen in Hausarztpraxen. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums München mit 114 Beschäftigten aus OP und Intensivstation bestätigt nun, dass unter den verschärften Handhygienemaßnahmen die Ekzeme signifikant zunahmen. 90 % der Studienteilnehmer zeigten klinische Symptome eines Handekzems: So wiesen  83,2 % Hauttrockenheit auf, gefolgt von Erythem bei 38,6 %, Juckreiz (28,9 %), Brennen (21,1 %), Schuppung (18,4 %), Fissuren (9,6%) und Schmerzen (4,4 %). Aus arbeitsmedizinischen Untersuchungen ist bekannt, dass Detergenzien-Effekte sich durch das anschließende Tragen von Handschuhen verstärken. „Bei alkoholischen Lösungen ist dies nicht der Fall“, erklärte Prof. Dr. med. Peter Elsner (Jena). Mit einer intensiven Hautpflege lässt sich den Ekzemen entgegensteuern, zumal dadurch nicht die antiseptische Wirkung der alkoholischen Desinfektionsmittel vermindert wird, so Elsner.

Digitale Auftakt-Pressekonferenz

Epidermales Keratoakanthom vs. Spinaliom – teils unnötige Exzision

Konservativ oder operativ behandeln? Diese Frage stellt sich besonders bei Lippen- und Gesichtstumoren. Denn mit der operativen Maßnahme geht oft auch ein großer, häufig entstellender Gewebedefekt einher. So z. B. beim Keratoakanthom − ein epidermaler Tumor, der sich bevorzugt an sonnenexponierten Hautarealen wie der Lippe bildet, schnell wächst und sich spontan zurückbilden kann. Der kraterartige Tumor ähnelt makroskopisch und histologisch einem bösartigen Plattenepithelkarzinom (Spinaliom), so Prof. Dr. med. Roland Kaufmann (Frankfurt am Main). Weil das Keratoakanthom so schnell wachse, werde es nicht selten unter der (Verdachts-)Diagnose eines Plattenepithelkarzinoms leitlinienkonform mit ­großem Sicherheitsabstand operativ entfernt. Für Kaufmann ist das nicht der richtige Weg: „Diese Fehleinschätzungen von Tumoren führen zu unnötig großen Exzisionen, die oft aufwendige plastische Rekonstruktionen nach sich ziehen. Dabei hätten es einfache Verfahren oder konservative Therapien ebenfalls getan.“ Mithilfe einer Querschnittsbiopsie könne man das Keratoakanthom auch histologisch gut von einem bösartigen Lippenkarzinom abgrenzen und die richtigen Weichen stellen. Dann lassen sich  z. B. durch Injektionen oder weniger ausgedehnte Operationen die Funktionalität und Integrität der Lippe erhalten, so Kaufmann.

Digitale Auftakt-Pressekonferenz

Kuhpocken – Gefahr für Immunsupprimierte

Für Immunsupprimierte kann eine Infektion mit dem Kuhpocken-Virus lebensgefährlich werden. Das Erregerreservoir für Orthopoxviren stellen heut­zutage nicht mehr Kühe dar, sondern wildlebende Nager
− hauptsächlich Mäuse − wie PD Dr. med. Sibylle ­Schliemann (Jena) berichtete. Auf den Menschen werden die Kuhpocken meist durch Katzen, die ins Freie dürfen, übertragen. Schliemann stellte einen Fall vor, bei dem ein Nierentransplantierter von seiner Katze gebissen worden war und daraufhin eine Schwellung sowie disseminiert wenige kleine genabelte Bläschen und Papeln entwickelt hatte. Trotz eingehender Diagnostik und Behandlung verstarb der Patient an Herzversagen. Schliemann wies darauf hin, dass ­Patienten mit Immunsuppression keine Haustiere halten sollten, weil diese immer ein ­Reservoir für Keime sind. Insgesamt werde ein ­Anstieg der Kuh­pocken-Infektionen seit den 1980er-Jahren ­registriert. Ursache sei vermutlich eine sinkende (Herden-)Immunität gegen die Viren, nachdem in den 1970er-Jahren die Impfung gegen humane Pocken eingestellt wurde.

Session Globale Dermatologie in Zeiten des Klimawandels, Vortrag „Nicht immer ist die Globalisierung verantwortlich – 2 Fallbeispiele“

2. Kongressberichterstattung

Psoriasis

Entstigmatisierung und Patientenzufriedenheit

Patienten leiden nicht nur unter den Symptomen der Psoriasis, sondern auch unter der Stigmatisierung im Alltag. Dr. rer. biol. hum. Rachel Sommer berichtete über ein neues Psoriasis-Entstigmatisierungskonzept und klärte über die Patientenzufriedenheit unter einer Secukinumabtherapie im europäischen Vergleich auf.

„In der ECHT-Studie haben wir eine Intervention zur Entstigmatisierung entwickelt. ECHT bedeutet Entstigmatisierung bei sichtbaren chronischen Haut­erkrankungen“, erklärte Dr. rer. biol. hum. Rachel Sommer (Hamburg) das Studienvorhaben. Die ECHT-Studie ist vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert und die Laufzeit betrug drei Jahre (2018– 2020). Ziel ist es, mehr über Stigmatisierung in Deutschland herauszufinden und effektive Maßnahmen abzuleiten. Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Projektphasen. In der ersten Phase wurde die wissenschaftliche Evidenz aufgearbeitet. Auf Basis der Evidenz wurden zwei gezielte Interventionsformate, eines für angehende Mediziner und eines für angehende Pädagogen, entwickelt. In der Phase 3 wurde ein Langzeitkonzept zur Verstetigung der Projektergebnisse entwickelt. Sommer stellte die Phase 2 Studienergebnisse der Medizinstudenten vor. 127 Medizinstudenten wurden zu Beginn zufällig in zwei randomisierte Gruppen eingeteilt: die ­Interventions- (IG, n = 72) und die Kontrollgruppe (KG, n = 55). Die Probanden füllten unmittelbar vor, unmittelbar nach und 12 Wochen nach der Inter­vention einen Evaluationsbogen aus. Anschließend wurden die Ergebnisse miteinander verglichen. Die Intervention bestand aus drei Teilen: den Übungs-, den Theorie- und den Begegnungsteil. Primäre Endpunkte waren der Wunsch nach sozialer Distanz, die Zustimmung zu negativen Stereotypen, die Zustimmung zu krankheitsbedingten Falschannahmen und intendiertes Verhalten. Bei den ersten drei primären Endpunkten konnte eine signifikante Reduktion in der IG über die Zeit festgestellt werden. Ebenfalls wurde eine signifikante Veränderung des intendierten Verhaltens in der IG über die Zeit beobachtet. „Wir konnten in ­allen primären Endpunkten signifikante Veränderungen durch dieses Seminar in der Interventions­gruppe erreichen. Zudem hat die Interventionsgruppe das Seminar signifikant besser bewertet als die Kontrollgruppe“, berichtete Sommer abschließend. Red.

Das Expertenstatement

Dr. rer. biol. hum. Rachel Sommer
Leitung Personenzentrierte
Versorgungsforschung
Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf
20251 Hamburg
r.sommer@uke.de

Welche Ergebnisse zeigt die PROSE-Studie im europäischen Vergleich?
„Die PROSE-Studie hat gezeigt, dass die Patientenbedürfnisse sich innerhalb der europäischen Regionen signifikant unterscheiden, Secukinumab jedoch einen hohen Therapienutzen zeigt. So berichten Patienten aus Westeuropa (WE) einen höheren Bedarf an der Reduktion physischer Belastungen als Patienten in Südeuropa (SE). Diese wiederum berichten einen ­höheren Bedarf an der Reduktion der Belastungen durch die Therapie als Patienten in Nordeuropa (NE) und WE. Patienten in Osteuropa berichten im Patient Benefit Index (PBI) einen höheren Therapienutzen als Patienten in WE und SE. Im TSQM (Treatment Satisfaction Questionnaire for Medication) berichten jedoch Patienten aus NE eine höhere Effektivität und Gesamtzufriedenheit mit der Behandlung als Patienten in SE.“

Industriesymposium „Therapietreue bei Psoriasis. Wie zufrieden ist der Patient?“ (Veranstalter: Novartis Pharma GmbH)

Atopische Dermatitis

Welche Zytokine triggern den Verlauf?

Die Ursachen für die Entstehung der atopischen Dermatitis (AD) sind vielfältig. Neben genetisch bedingten Hautbarrieredefekten spielt auch eine Typ-2-Inflammation eine Rolle. Dabei werden Typ-2-Zellen inklusive Helferzellen (Th2-Zellen) aktiviert und es kommt zu einer vermehrten Expression von Interleukinen.

Die proinflammatorischen Zytokine Interleukin(IL)-4 und IL-13 gelten als Schlüsselmediatoren der Typ- 2-Inflammation bei AD-Patienten. Während bei gesunden Menschen Zytokine wie IL-4 und IL-13 ­wesentliche und schützende Bestandteile der Typ- 2-Immunantwort sind, liegt bei AD-Patienten infolge einer Überaktivierung von inflammatorischen Typ-2-Zellen ein „Zuviel davon“ vor. Es kommt zu einer chronischen Hautentzündung und einer geschwächten Hautbarriere. Allergene, Reizstoffe und sonstige Erreger können leichter eindringen, wodurch es zu einer allergischen Reaktion kommen kann. Hautinfektionen und quälender Juckreiz sind die Folge.
Kratzen führt zu weiteren Infektionen, ein Teufelskreis entsteht [1,2]. Die verstärkte Aktivierung von IL-4 und IL-13 kann durch das Immunthera­peutikum Dupilumab unterbunden werden. Der ­Antikörper hemmt gezielt die Signalwege dieser ­Interleukine, indem es an die gemeinsame Rezeptoruntereinheit IL-4R bindet [3,4]. Studien konnten ein anhaltendes Ansprechen mit signifikanter Verbesserung von Hautläsionen, Juckreiz und Lebensqualität belegen [4,5,6]. Das Biologikum ist bereits seit September 2017 zur Therapie von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen, zugelassen. Im August 2019 wurde die Zulassung in dieser Indikation auf Jugendliche ab 12 Jahren erweitert [4,7]. Der nächste Schritt folgte im November 2020: Hier wurde der Antikörper als systemische Therapieoption für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren mit einer schweren atopischen Dermatitis, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen, zugelassen [2,3]. ee

Yosipovitch G et al., Curr Allergy Asthma Rep 2008; 8: 306–311
Gittler JK et al., J Allergy Clin Immunol 2012; 130(6): 1344–1354
Gandhi NA et al., Nat Rev Drug Discov 2016; 15: 35–50
DUPIXENT® Fachinformation, Stand: Januar 2021
Blauvelt A et al., Lancet 2017; 389(10086): 2287–2303
Silverberg JI et al., J Am Acad Dermatol 2020; 82(6): 1328–1336
Aktualisierung „Systemtherapie bei Neurodermitis“ zur Leitlinie Neurodermitis; https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/013_D_Dermatologische_Ges/013-027l_S2k_Neurodermitis_Aktualisierung-Systemtherapie_2020-06.pdf, Stand: 22.04.2021

Digitales Meet-the-Expert „Dupilumab bei AD: Erfahrungen in der Langzeitbehandlung“ (Veranstalter: Sanofi Genzyme)

Allergologie und Klimawandel

Wandelt sich die Allergie durch den Klimawandel?

Der Pollenflug und die Wetterlage verändern sich durch den Klimawandel und können gesundheitliche Folgen, insbesondere bei Allergikern, verursachen. Ebenso spannend wie der Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit ist das erwartete Update der SIT-Leitlinie, die voraussichtlich noch dieses Jahr veröffentlicht wird.

Der Klimawandel im Verbund mit der Umweltverschmutzung beeinflusse die Gesundheit, so Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann (Augsburg) anlässlich der 51. virtuellen DDG-Tagung. Damit steigt das Risiko für Erkrankungen und für Infektionen. Angetrieben wird der Klimawandel durch anthropogenetische Effekte, besonders durch Emissionen und Umweltschadstoffe. Dass dadurch auch der Pollenflug beeinflusst wird, zeigte sich in den vergangenen 40 Jahren: Neue Pollen wie die der Ambrosia breiten sich aus und die Konzentration von Pollen und Sporen in der Luft steigt. Der Grund: Ein hoher CO2-Gehalt in der Atmosphäre, der die Konzentration an Pollen erhöht und die Allergenität steigert. Das zeigte sich am Beispiel von „high CO2-Pollen“, die im In-vitro-Modell die Interleukin(IL)-10 vermittelte Toleranz verringerten und die IgE-Konzentration erhöhten. Im Mausmodell wurde nach „high CO2-Pollen“ eine erhöhte Entzündungsaktivität in der Lunge festgestellt. Auch eine veränderte Wetterlage wirkt sich auf die Gesundheit aus. So wurde in der Region Augsburg ein Zusammenhang zwischen schweren Gewittern, dem Pollenaufkommen und einer Verschlimmerung von Asthmaanfällen festgestellt. Pollen als Allergenträger steigern zudem konzentrationsabhängig die Empfindlichkeit für rhinovirale Infektionen. Das gilt sowohl für Allergiker als auch für Nichtallergiker. Denn bei einer hohen Pollenkonzentration werden die antiviral wirkenden Typ-1-Interferone in der Nase herunterreguliert. Ist die Pollenkonzentration dagegen gering, regulieren sich die Interferone herauf. Die Empfehlung: Bei starkem Pollenflug, also bei ­circa 500–1 000 Pollen pro Kubikmeter, sollten Allergiker auch draußen FFP2-Masken tragen.

Pollen und Pandemie

Auch die SARS-CoV-2-Pandemie steht mit dem ­Klimawandel in Beziehung. So ist ein Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration und der Infektionsrate bekannt. Hier wirken Pollen als Triggerfaktoren, neben der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und ultrafeinen Partikeln in der Luft. Dass Pollen die SARS-CoV-2-Infektion antreiben, wurde aus Daten europäischer Pollenmessstationen von Februar bis April 2020 deutlich. Gibt es überhaupt eine sichere Umgebung für Allergiker? Schonende Umweltbedingungen herrschen beispielsweise in Davos, wo sich im Vergleich zu ­München weniger Schadstoffe, Bakterien, Pilzsporen und Birkenpollen in der Atemluft befinden.

SIT-Leitlinie – was ist zu erwarten?

Bei einer allergischen Rhinitis besteht ein 3,5-fach erhöhtes Risiko, innerhalb von zehn Jahren an ­Asthma bronchiale zu erkranken, so Prof. Dr. med. Bettina Wedi (Hannover).Dennoch gebe es eine Unterversorgung bei der allergenen Immuntherapie (AIT), weil die Beschwerden in über 50 % als nicht gewichtig genug eingeordnet würden. Die AIT ist jedoch die einzige kausal-systemische Therapie, die präventive und langfristige Effekte bietet. Entsprechend wurde die aktuelle deutsche AIT-Leitlinie von 2014 international am besten bewertet. Ein Update (S2k) wird in 2021 erwartet. Obwohl Metaanalysen eine gute Wirksamkeit der AIT bei aller­gischer Rhinokonjunktivitis, allergischem Asthma und Insektengiftallergie dokumentieren, wird eine Aktualisierung bzw. Aufwertung auf S3k aufgrund der Heterogenität der Studien und der Diversität der Therapieallergene nicht möglich sein. Generell ist die individuelle AIT effektiv, wenn der geeignete Patient und das klinisch relevante Allergen ausgewählt wird, mit dem wirksamen Allergenextrakt behandelt wird, die geeignete Applikationsform gefunden ist und eine Adhärenz an die mehrjährige Therapie gegeben ist. Erfolgsfaktoren für die klinische Wirksamkeit sind:

  • kurze Erkrankungsdauer,
  • geringe Beteiligung der unteren Atemwege,
  • junges Lebensalter,
  • gute Compliance und Adhärenz sowie
  • eine hohe kumulative Dosis der SIT.


Eine individuelle Entscheidung ist die Auswahl des Extraktes. Zugelassene oder verkehrsfähige Therapie­allergene sind in den Online-Tabellen von dgki.de oder pei.de aufgeführt, die regelmäßig aktualisiert werden. Bei seltenen Allergenen kommen Individualrezepturen zum Einsatz, für die keine Zulassungspflicht besteht. Bei jeder therapeutischen Einzelfallentscheidung sollte jedoch die klinische Relevanz nachgewiesen werden.

Eine Woche Impfabstand

Bei der allergischen Rhinitis gilt der Therapiealgorithmus: Indikation, Kontraindikation, produktspezifische Bewertung des Therapieallergens bzw. Identifikation der ein bis zwei klinisch relevantesten Allergene, damit die AIT starten, Patientenschulung und Teamschulung, AIT einleiten, regelmäßige Kontrollen, AIT-Stop bei schweren Systemreaktionen oder nach 3–5 Jahren Therapie. Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist jedoch ­immer eine ärztliche Tätigkeit allergologisch weitergebildeter Mediziner. So ist bei der subkutanen spezifischen Immuntherapie (SCIT) eine Überwachung über 30 Minuten erforderlich, bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) sollte die erste Anwendung immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Schließlich ein aktueller Hinweis: Bei einem positiven Coronatest sollte eine SCIT/SLIT unterbrochen werden. Bei der SIT mindestens eine Woche Abstand zu einer Impfung einhalten.

Fazit:

Der Klimawandel beeinflusst das Wetter, den Pollenflug und in der Folge auch die Gesundheit. Denn die Allergenität und die Empfindlichkeit für rhinovirale Infektionen können durch hohe Pollenkonzentration gesteigert werden. Ebenso steht die Pollenkonzentration und die Infektionsrate von SARS-CoV-2 im Zusammenhang, denn die Pollen wirken als Triggerfaktoren und können die SARS-CoV-2-Infektion antreiben. Noch in diesem Jahr wird ein Update zur ­S2k-Leitlinie SIT erwartet. dcr

Session „Wie wandelt sich die Allergie durch den Klimawandel?“ der Sektion der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) und Arbeitsgemeinschaft Allergologie

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