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Gynäkologie

Prävention, Therapie, Pflege

Vaginal- und Blaseninfektionen natürlich behandeln

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard

30.8.2021

Nicht immer muss eine vaginale Infektion gleich antibiotisch abgedeckt werden. Dieser Beitrag gibt Hinweise auf Möglichkeiten der pflanzlichen Behandlung und Tipps zur Therapie bei rezidivierenden Harnwegsinfekten.

Scheideninfektionen entstehen in der Regel auf der Basis einer gestörten Vaginalflora mit einer reduzierten Zahl an H2O2-produzierenden Lactobazillen (Abb. 1). Definitionsgemäß gilt die Diagnose einer bakteriellen Vaginose als gesichert, wenn mindestens drei der folgenden vier Befunde im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung erhoben werden können:

• dünnflüssiger, homogener Fluor

• pH-Wert in der Scheide > 4,5

• Amingeruch des Fluors (insbesondere nach Alkalisierung mit 10%iger KOH)

• Nachweis von Clue cells im Nativpräparat.

Gardnerella vaginalis vermehrt sich besonders auf mangelhaft aufgebauter Scheidenschleimhaut. Diese Infektion kommt in der Postmenopause oder unter niedrig dosierten KOK vor. Der Ausfluss ist eher klar und dünnflüssig und riecht nach Fisch. Juckreiz kann, muss aber nicht auftreten.

Aromatherapie

Bei rezidivierenden Infekten im Vaginalbereich sind ätherische Öle im Zusammenhang mit einer ganzheitlichen Behandlung durchaus eine wertvolle Hilfe. In Deutschland unterscheidet man die Aromapflege und die Aromamedizin durch ihre Dosierung. Aromapflege befindet sich im Bereich der ätherischen Öle von 1–2 %, die Aromamedizin ist oft höher dosiert und sollte nur mit erfahrenen Therapeuten zusammen praktiziert werden. Dabei ist es sinnvoll, ein Aromatogramm anzulegen und nach diesen Ergebnissen eine individuelle Zubereitung herzustellen. Dazu wird ein Abstrich von der Vaginalschleimhaut in ein entsprechendes Labor geschickt und wie beim Antibiogramm wird getestet, welche ätherischen Öle den Keimrasen der Kultur hemmen. Nach der Hemmhofgröße wird die Wirksamkeit der ätherischen Öle auf diesen Keim bestimmt. Das Aromatogramm ist immer spezifisch für eine Patientin und einen Keim, in der Praxis gibt es aber einen klaren Bezug zwischen der Bakterienspezies und dem hemmenden Öl. Nach den Ergebnissen des Aromatogramms können individuelle Zubereitungen als Vaginalzäpfchen, Einreibung, Sitzbad oder Tropfen/Kapseln zum Einnehmen erstellt werden. Bei anaeroben Keimen ist ein Aromatogramm nicht so einfach möglich. Zusatznutzen bringt z. B. Lavendel, der neben einer antibiotischen Wirkung auch beruhigend wirkt und den Juckreiz stillt. Lavendel kann daher immer mit eingesetzt werden. Spezialisierte Apotheken wie die Eisbär-Apotheke in Karlsruhe haben im Laufe der Jahre eine Datenbank aufgebaut, mit deren Hilfe man im Bedarfsfall auch eine Rezeptur ohne Aromatogramm erstellen kann, und solche Apotheken haben häufig einige Aromazäpfchen vorrätig, z. B.

• bei Candida albicans mit Lemongrass, Palmarosa, Rosengeranie und Teebaum,

• bei ß-hämolysierenden Streptokokken B mit Lemon­grass, Rosengeranie, Lavendel und Neroli oder bei

• Escherichia coli mit Lemongrass, Neroli, Teebaum und Thymian ct. linalool bzw.

• bei Gardnerella mit Lavendel, Lemongrass, Niauli und Rosengeranie.

Bei rezidivierenden Infekten ist es sinnvoll, den Partner mit zu behandeln.

Stabilisierung

Nach überstandener Akutinfektion bieten sich unterstützende Maßnahmen an, z. B. die vaginale Applikation von Vitamin C. Unter dem Einfluss des Vitamin C kann sich die eigene Scheidenflora wieder regenerieren und auch mit Milchsäurebakterien lässt sich das Scheidenmilieu verbessern. Diese Bakterien werden nicht unbedingt sesshaft. Sie können das Vaginalmilieu aber so positiv verbessern, dass die körpereigene verbliebene Restflora sich dadurch wieder ausbreiten kann. Ich empfehle darüber hinaus auch nicht nur eine postakute Nachbehandlung, sondern danach eine langfristige Dauerbehandlung mit Döderleinkeimen und Vitamin C, um das Scheidenmilieu anzusäuern. Diese Dauerbehandlung kann z. B. so aussehen, dass einmal in der Woche (z. B. Mittwoch) Milchsäurebakterien eingeführt werden und einmal in der Woche Vitamin C (z. B. am Wochenende) – und das über mindestens vier Monate. Bei Anzeichen für einen Estrogenmangel kann es erforderlich sein, Estriol vaginal zu verabreichen. Dies ist in jedem Alter möglich und auch bei Zustand nach Mammakarzinom. Zusätzlich zu empfehlen ist der Verzicht auf Tampons während der Periode. Tampons trocknen den Vaginalfilm ein und beeinträchtigen so die Vaginalflora. Bei den ersten Anzeichen einer erneuten Infektion soll die Patientin sich ozonisiertes Olivenöl abends einführen. Es ist bakterizid und fungizid, fördert die Durchblutung und Wundheilung. Frei verkäufliche Fertigzubereitungen haben häufig einen relativ geringen Gehalt an eingebrachtem Ozon, Zubereitungen mit höheren Konzentrationen sind nur als Praxisbedarf ohne Handelszulassung zu beziehen. Diese hoch konzentrierten Zubereitungen sind in kaltem Zustand fest wie Palmin und in warmem Zustand flüssig. Es empfiehlt sich, für die Vaginalanwendung das ozonisierte Olivenöl im Kühlschrank aufzubewahren. Man kann dann bei Bedarf mit einem Holzspatel ein Stück aus dem festen Block herausbrechen und dieses gut vaginal einführen. Dort wird es durch die Körpertemperatur wieder flüssig und benetzt somit vollständig die Schleimhäute. Ein kurzfristiges Brennen ist je nach Entzündungszustand der Schleimhäute möglich. In schweren Fällen kann zusätzlich eine systemische Unterstützung des Immunsystems mit Colostrum erwogen werden.

Die richtige Hygiene

Der Wunsch der Patientinnen, im Intimbereich besonders „rein“ zu sein und gut zu riechen, führt leider häufig dazu, dass zu intensiv und mit zu vielen Mitteln gearbeitet wird. Das A und O ist es, die richtige und falsche Intimpflege immer wieder mit den Patientinnen zu besprechen, da diese Informationen gerne mal ignoriert werden. Zum Reinigen sollte ein- bis zweimal am Tag eine spezielle Waschlotion verwendet werden. Am besten eignen sich Produkte, die den Säureschutzmantel stärken, beispielsweise Deumavan Waschlotion sensitiv.  Pflegende Salben nach dem Waschen sind unbedingt zu empfehlen, da sie die Haut glätten, vor Austrocknung schützen, Beschädigungen verhindern und dafür sorgen, dass weniger Darmbakterien auf der Haut verbleiben.

Rezidivierende Harnwegsinfektionen

Zu den unkomplizierten HWIs zählen die akute unkomplizierte Zystitis sowie die akute unkomplizierte Pyelonephritis. Während einer akuten Zystitis ist E. coli in der Lage, sich in die obersten Zellschichten der Blasenwand einzunisten. Dort entsteht ein Reservoir aus inaktiven Bakterien, die sich nicht vermehren, aber länger überdauern können – auch unter Antibiotikatherapie. Gardnerellen können bei einer späteren Infektion – etwa nach Geschlechtsverkehr – in der Blase die obersten Zellen der Blasenwand zerstören und so die inaktiven E.-coli-Bakterien freisetzen (Abb. 2). Da die eingenisteten E.-coli-Bakterien sowohl vor Antibiotika als auch dem Immunsystem geschützt sind, ist es das Ziel einer nachhaltigen Therapie, Gardnerella vaginalis zu beseitigen. Dabei kann ein neuer CystitisCheck helfen, der im MVZ Institut für Mikroökologie in Herborn entwickelt wurde. Er weist als erster Urintest nicht nur die aktiven, sondern auch die inaktiven E. coli und zusätzlich Gardnerella vaginalis nach. Ist der Nachweis für Gardnerella im Urin positiv, ist ein Abstrich sinnvoll. Danach kann über ein Antibiogramm ein wirksames Antibiotikum oder über ein Aromatogramm ein wirksames ätherisches Öl ermittelt werden. Die Leitlinien zur Therapie stammen aus dem Jahr 2017. Spezifische Ziele der Aktualisierung waren der rationale Einsatz antimikrobieller Substanzen, die Reduktion eines unangemessenen Einsatzes bestimmter Antibiotikaklassen und damit die Vermeidung der Entwicklung von Resistenzen.[1] Im Kapitel zur Prävention rezidivierender Harnwegs­infektionen heißt es: „Bei häufig rezidivierender Zystitis der Frau soll vor jeder medikamentösen Langzeitprävention eine ausführliche Beratung der Patientin zur Vermeidung von Risikoverhalten erfolgen (Ib-A). Wurden diese Präventionsmaßnahmen adäquat umgesetzt und bestehen weiterhin rezidivierende HWIs, sollte vor Beginn einer antibio­tischen Langzeitprävention das Immunprophylaktikum Uro-Vaxom® (OM-89) oral über drei Monate eingesetzt werden (Ia-B), ebenfalls kann das Immunprophylaktikum StroVac® parenteral mit drei Injektionen in wöchentlichen Abständen verwendet werden (Ib-C). Bei häufig rezidivierender Zystitis der Frau kann darüber hinaus Mannose empfohlen werden (Ib-C).“ Alternativ empfiehlt die Leitlinie als Phytotherapeu­tika Präparate aus Bärentraubenblättern, Kapuzinerkressekraut / Meerrettichwurzel (Ib-C). Präparate mit Bärentraubenblättern enthalten verschiedene Stoff­gruppen, die für die Bekämpfung unkomplizierter HWIs relevant sind. Das Phenolglucosid Arbutin wirkt dabei beispielsweise antibakteriell. Die enthaltenen Tannine verhindern das Andocken der Bakterien an die Urothelzellen und vermindern so deren Virulenz. Gleichzeitig fördern Bärentraubenblätter das Ausspülen der Erreger mit dem Harnstrahl. Bärentraubenblätter sind allerdings lebertoxisch, sie dürfen nur vorübergehend (eine Woche) genommen werden und sind nicht für Schwangere, Stillende und Kinder geeignet.

Sommer, Sonne, Scheideninfektion

Eine erhöhte Ansteckungsgefahr droht im Sommer durch Schwimmbäder, nasse Badesachen und gemeinsam benutzte, feuchte Handtücher. Im Urlaub kann die zu intensive Sonneneinstrahlung das Immunsystem schwächen. Auch ungewohnte Speisen oder ein Zuviel an bestimmten Nahrungsmitteln oder Alkohol belasten den Organismus vermehrt. Last, but not least ist für viele im Urlaub endlich mal Zeit ­für häufigen Sex, der ebenfalls die Scheidenschleimhaut und das Scheidenmilieu verändert.

Die Autorin

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard
Albert-Überle-Straße 11
69120 Heidelberg

www.netzwerk-frauengesundheit.com

[1] Kranz J et al., Urologe 2017; 56: 746–758

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