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Fokus Naturmedizin

Lebensstilberatung, Phytotherapie und TCM

Die sechs Säulen der natürlichen Prävention für Frauen

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard

27.7.2021

Durch einfache Maßnahmen können Frauen ihre Gesundheit fördern – wenn sie den Zusammenhang zwischen Lebensstil und Gesundheit verstehen. Wir stellen die sechs wichtigsten Lebensstilmaßnahmen vor, die sowohl in Studien als auch in der Erfahrungsmedizin Einfluss auf die Gesundheit und Beschwerden der Frauen haben.

Gerade im Zuge der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass Frauen unter deutlich stärkerem Druck als Männer stehen. Da sie viermal so häufig in Teilzeit arbeiten wie Männer, sind sie es, die häufiger im Homeoffice zusätzlich für Kinder und Haushalt zuständig sind. Psychische und körperliche Erschöpfung mit Krankheitsfolgen sind vorprogrammiert. Es ist deshalb sicher sinnvoll, Frauen dabei zu unterstützen, dass sie auf Alarmsignale ihres Körpers hören, dass sie unterrichtet werden, wie sie durch einfache Maßnahmen ihre Gesundheit fördern können. Sechs Lebensstilmaßnahmen haben sowohl in Studien als auch in der Erfahrungsmedizin Einfluss auf die Gesundheit und Beschwerden der Frauen.

1. Umweltbelastungen reduzieren

Die Umwelt hat sich in den vergangenen rund 150 Jahren extrem verändert. Umweltschadstoffe haben dramatisch zugenommen. Über Wasser, Nahrung und Luft nehmen wir sie auf, ohne dass unser Körper es spürt. Feinster Staub gelangt über die Lungenbläschen in den Blutkreislauf, aus Getränken und Lebensmitteln nimmt der Darm Gifte auf, und auch über die Haut dringen sie ein. Diese Umweltgifte können genetische und epigenetische Veränderungen bewirken, die an die nächsten Generationen weitergegeben werden, die früher und schwerer erkranken. Das gilt auch für die Gifte im Zigarettenrauch. Für Frauen besonders belastend sind endokrin disruptive Chemikalien (EDC), zu denen viele Schwermetalle, Pestizide, Industriechemikalien und Kosmetika gehören, und natürlich die Hormone, die wir über tierische Lebensmittel aufnehmen. Sie können den Aufbau und Abbau körpereigener Hormone und deren Ausscheidung beeinflussen und eine Vielzahl von Genen an- und abschalten. Neben diesen Chemie-Cocktails kommt Elektrosmog eine zunehmende Bedeutung zu. Besonders hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) haben Wellenlängen, die in derselben Größenordnung liegen wie die, mit der sich unsere Körperzellen gegenseitig informieren. Die Blut-Hirn-Schranke wird geöffnet, sodass chemische Gifte leichter ins Gehirn eindringen können. Um sich wenigstens teilweise zu schützen, hilft nur genügend Wissen und Energie, notwendige Änderungen im Lebensstil und im eigenen Umfeld durchzusetzen.

2. Lebensmittel mit Wert

Es bestehen viele Missverständnisse, was frau sich unter einer gesunden Ernährung vorzustellen hat. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bietet eine hervorragende Übersicht im Ernährungsdschungel. Wenn man sich an deren zehn Regeln hält, sollte es nicht so schwerfallen, die Gesundheit zu erhalten. Letztlich hängt es von der Zusammensetzung und Qualität unserer Nahrungsmittel ab, ob ein gesundes Mikrobiom durch Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe aufgebaut und erhalten werden kann, um seine inzwischen hochgeschätzte Arbeit für das Immunsystem, das hormonelle Gleichgewicht sowie den psychischen und geistigen Zustand bewältigen zu können. Eine gute Darmfunktion bedeutet gleichzeitig Leberschutz. Eine eingehende Ernährungs­anamnese lohnt sich bei Frauen immer, die Zyklusstörungen haben, PCOS, PMS, Uterusmyome, Endo­metriose, unerfüllten Kinderwunsch oder Wechseljahresbeschwerden. Ein Zuviel an einfachen Kohlenhydraten, tierischem Eiweiß und tierischen Fetten (besonders Joghurt, Käse), Obst oder auf der anderen Seite zu viele Vollkorngetreide, zu viel Salat können individuell unverträglich sein. Mikronährstoffanalysen und gezielte Supplementierung fördern die rasche Symptomfreiheit und die Motivation der Frau, ihre Ernährung zu optimieren.

3. Bewegung: es darf ruhig etwas mehr sein

Fachleute sind inzwischen der Meinung, dass Bewegung viel wichtiger für die Gesundheit ist als das gesunde Essen. Durch die überwiegende Arbeit in Innenräumen und am Computer, Arbeitswege, die mit Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, und Erschöpfung nach getaner Arbeit kommen Bewegung und Sport in unserem Leben zu kurz. Ohne regelmäßiges Kreislauftraining, Gleichgewichtsübungen, Muskel- und Knochenbelastungen drohen Über­gewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Osteoporose und psychische Störungen.

4. Freude an Eustress / Abbau von Distress

Unser Körper ist gewohnt, mit kurzen Phasen der körperlichen und geistigen Anspannung umzugehen, vorausgesetzt, es wird ihm auch eine genügend lange Entspannungsperiode gegönnt. Frauen, die sich überbelasten, bekommen Zyklusstörungen, PMS, haben unerfüllten Kinderwunsch, vorzeitige starke Wechseljahresbeschwerden und gleiten in die Erschöpfung und psychische Störungen. Durch hormonelle Kontrazeption entfällt dieses Alarmsignal. Ein zielführender Schritt  ist es, Frauen diese Zusammenhänge klar zu machen, die familiäre und berufliche Situation zu entlasten und sie zu motivieren, Entspannungstechniken und Meditation zu erlernen. Pflanzliche Heilmittel, Homöopathie und Schüßlersalze können eine sanfte Unterstützung sein.

5. Guter Schlaf hält jung und schön

Etwa jede dritte Frau leidet unter Ein- oder Durchschlafstörungen. Vor allem die Tiefschlafphasen sind wichtig für die Regeneration des Körpers und des Gehirns. Wenn kein Licht mehr über die Netzhaut ins Auge fällt, wird das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet. Kein Wunder also, dass das Schlafen nicht gelingt, wenn frau noch spätabends am Computer arbeitet oder fernsieht. Brillen mit einem effektiven Blaulichtschutz können neben Einschlafritualen den Tag-Nacht -Rhythmus wieder verbessern. Dies ist besonders wichtig, wenn Frauen unter Zyklusstörungen, unerfülltem Kinderwunsch, Schilddrüsenstörungen, chronischen Infektionen leiden oder ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Denn Melatonin wirkt normalisierend auf andere Hormone, antientzündlich und schützt vor Krebs.

6. Gesunde Sexualität leben

Die beste Voraussetzung für ein erfülltes Sexualleben ist das Erlernen der eigenen Bedürfnisse und Erfahren des eigenen Körpers. In der Sexualität gibt es kein Richtig und Falsch. Alles ist willkommen und nichts muss – solange es im Einklang stimmig ist. Enttäuschungen sind vorprogrammiert, wenn Erektion und Orgasmushäufigkeit im Mittelpunkt einer sexuellen Begegnung stehen. Beim Sex werden jede Menge Hormone ausgeschüttet, bspw. Estrogen, Progesteron, Dopamin, Endorphine, Oxytocin, Serotonin und Prolaktin. Sie wirken auf Muskulatur, Nerven, Gefäße, lösen Verspannungen und reduzieren die Schmerzschwelle. Sexuelle Störungen verbergen sich häufig hinter rezidivierenden Scheiden- und Blasenentzündungen, unerfülltem Kinderwunsch, psycho-vegetativer Symptomatik und starken Wechseljahresbeschwerden.

FAZIT:

Der Lebensstil treibt viele Frauen in die Krankheit. Natürlich sollen die Erfolge der modernen medikamentösen Therapie oder der Impfprogramme nicht geschmälert werden. Jedoch ist es meine Erfahrung aus der Praxis, dass gerade Frauen gerne bereit sind, sich um ihre Gesundheit zu kümmern, wenn ihnen nur gesagt wird, wie. Schon im Kindergarten und in der Schule könnten die Grundlagen für einen gesunden Lebensstil gelegt werden. Gerade in der Pubertät werden viele hormonelle Weichen gestellt. So gibt es Hinweise, dass bereits bei der Brustentwicklung das Risiko für Krebs durch die Ernährung und Bewegung erhöht oder gesenkt werden kann. Frau ist nie zu alt, ihr Wohlbefinden durch natürliche Maßnahmen zu verbessern. Ärzte und Therapeuten sind gefragt, gezielte Lebensstilberatung auf Augenhöhe anzubieten. Natürliche Prävention ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wie betont mein geschätzter Kollege Prof. Dr. Jörg Spitz von der Akademie für Ganzheitsmedizin: „Wir brauchen keine bessere Medizin, wir brauchen eine neue Gesundheitskultur.“

Literatur bei der Autorin

Bildnachweis: privat

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