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Gynäkologie

Studien-Update

Erkrankungen des Uterus

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

14.8.2026

Transzervikale Myomablation vs. minimalinvasive Myomektomie +++ Vilaprisan bei symptomatischen Uterusmyomen: ASTEROID 5 +++ DETECT: 99mTc-Maraciclatid-SPECT/CT zur Endometriose-Diagnostik +++ tiefe vs. ovarielle Endometriose +++ Dienogest bei Adenomyos

Transzervikale Myomablation vs. minimalinvasive Myomektomie

Diese randomisierte Studie aus Tübingen adressiert eine hochrelevante Praxisfrage: Wie rasch erholen sich Patientinnen nach transzervikaler Myomablation im Vergleich zur minimalinvasiven Myomektomie? Einbezogen wurden prämenopausale Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren mit symptomatischen Uterusmyomen. Randomisiert wurde zu transzervikaler Fibroid-Ablation (TFA) oder minimalinvasiver Myomektomie (MIM), wobei die MIM-Gruppe laparoskopisch und bei submukösen Myomen zusätzlich hysteroskopisch behandelt wurde. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Rückkehr zu normalen Alltagsaktivitäten. Der primäre Endpunkt fiel klar zugunsten der TFA aus: Die mediane Rückkehr zu normalen Aktivitäten lag bei 5,5 Tagen versus 13 Tagen nach MIM. Auch die Eingriffszeit war kürzer, die postprozeduralen Schmerzen waren geringer, die Opioidnutzung niedriger und die Entlassungsbereitschaft wurde früher erreicht. Einschränkend bleibt die vergleichsweise kurze Nachbeobachtung von 7 Wochen.

Fazit: Für Patientinnen ohne akuten Kinderwunsch, bei denen eine möglichst kurze Ausfallzeit im Vordergrund steht, liefert die Studie ein starkes Argument für die transzervikale Ablation.

Neis F et al., BJOG 2026; 133: 618–25

Vilaprisan bei symptomatischen Uterusmyomen: ASTEROID 5

ASTEROID 5 untersuchte den selektiven Progesteronrezeptor-Modulator Vilaprisan bei Frauen mit symptomatischen Uterusmyomen und starker Menstruationsblutung und verglich Vilaprisan mit Placebo und Ulipristalacetat. Unter Vilaprisan erreichten 62,9 % der Patientinnen vollständige Blutungsfreiheit bis zum Ende der 12 Wochen, gegenüber 0 % unter Placebo und 55,4 % unter Ulipristalacetat. Die definierte Response für starke Menstruationsblutung wurde bei 95,7 % vs. 86,5 % unter Ulipristalacetat erreicht. Auch das Myomvolumen nahm ab (Vilaprisan: 29,9 %, Ulipristalacetat: 23,8 %, Placebo: Zunahme). Relevante Sicherheitssignale wurden nicht berichtet.

Fazit: Klinisch unterstreicht die Studie die Wirksamkeit des Progesteronrezeptor-Modulationsansatzes bei myombedingter Hypermenorrhö. Da das Entwicklungsprogramm von Vilaprisan aus Sicherheitsgründen beendet wurde, sind die Daten eher wissenschaftlich. 

Gemzell-Danielsson K et al., J Clin Med 2026; 15: 3246

DETECT: 99mTc-Maraciclatid-SPECT/CT zur Endometriose-Diagnostik

DETECT ist eine kleine Phase-II-Studie zur nicht invasiven Endometriose-Bildgebung. Untersucht wurde 99mTc-Maraciclatid, ein gamma-emittierender Radiotracer, der an αvβ3-Integrine bindet. Diese Integrine sind im Kontext der Angiogenese hochreguliert – einem zentralen Prozess für Etablierung und Persistenz endometriotischer Läsionen. Entscheidend war die Übereinstimmung zwischen Bildgebung und operativem Befund. In 16 von 19 auswertbaren Fällen stimmte die Bildgebung mit der chirurgischen Diagnose überein. Endometriose wurde bei 14 von 17 chirurgisch positiven Patientinnen bildgebend erkannt; falsch-positive Befunde wurden nicht berichtet, entsprechend einer Spezifität von 100 % in dieser kleinen Kohorte. Besonders relevant ist der Befund bei superfizieller peritonealer Endometriose, die mit konventioneller Sonografie oder MRT häufig nicht zuverlässig detektiert wird. Die Methode visualisierte auch Läsionen, die in der Routinediagnostik übersehen werden können. Die Verträglichkeit wurde als gut beschrieben, schwere Tracer-bezogene unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.

Fazit: Die Studie markiert einen potenziellen Paradigmenwechsel: Endometriose könnte künftig stärker funktionell-molekular statt ausschließlich morphologisch oder chirurgisch diagnostiziert und monitoriert werden. 

Gibbons T et al., Lancet Obstet Gynaecol Womens Health 2026; doi:10.1016/S3050-5038(26)00048-8

Tiefe vs. Ovarielle Endometriose

Diese prospektive Beobachtungsstudie untersuchte, wie sich die Anwendung der aktualisierten internationalen Definition der tiefen Endometriose auf die berichtete Läsionsverteilung auswirkt. Eine Läsion wurde als tiefe Endometriose klassifiziert, wenn mindestens 2 von 3 Modalitäten übereinstimmten. Der zentrale Befund: Die Prävalenz tiefer Endometriose steigt deutlich, wenn die neue Definition angewendet wird und nicht mehr der frühere Schwellenwert von > 5 mm Infiltration maßgeblich ist. Ovarielle Endometriome fanden sich bei 45,4 % der Patientinnen, tiefe Endometriose bei 64,1 %. Besonders eindrücklich ist der Definitionseffekt: An den Sakro­uterinligamenten stieg die Prävalenz tiefer Endometriose von 22,9 % auf 52,7 %, in den pararektalen Räumen von 10,7 % auf 16,8 %. Endometriome und tiefe Endometriose koexistierten in mehr als 90 % der Endometriomfälle.

Fazit: Was als „tiefe“ Endometriose gilt, hängt stark von der Definition ab. Für die Praxis spricht die Arbeit für eine standardisierte multimodale Kartierung, insbesondere vor komplexer Endometriosechirurgie. 

Freger SM et al., Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2026; 318: 114947

Dienogest bei Adenomyose

Diese retrospektive monozentrische Studie erweitert die Evidenz zur medikamentösen Langzeitbehandlung der Adenomyose. Analysiert wurden 102 Patientinnen mit symptomatischer Adenomyose, die Dienogest 2 mg täglich erhielten. Erfasst wurden klinische Symptome, Uterusvolumen, CA-125 sowie unerwünschte Ereignisse zu Baseline und nach 3, 6, 12, 18 und 24 Monaten.

Bei Patientinnen mit Dysmenorrhö berichteten 79,5 % eine Symptomverbesserung; die mittlere Zeit bis zur Verbesserung lag bei 7,18 Monaten. Eine Verbesserung starker Menstruationsblutungen wurde bei 88,3 % beobachtet, im Mittel nach 5,44 Monaten. Das Uterusvolumen nahm signifikant ab, allerdings erst nach längerer Therapie – ab etwa 18 Monaten.

Fazit: Klinisch stützt die Studie Dienogest als ­relevante Uterus-erhaltende Option bei symptomatischer Adenomyose, insbesondere wenn Schmerzen und Blutungsstörungen dominieren und eine Operation vermieden werden soll. 

Kwon Y et al., J Clin Med 2026; 15: 2763

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