Die Diagnoseverzögerung bei der Endometriose beträgt oft etliche Jahre. Das liegt zum einen an der hohen Zahl der möglichen Differenzialdiagnosen, zum anderen am Fehlen eines verlässlichen Tests. Aktuelle Studien zeigen, dass ein validierter Fragebogen das Potenzial hat, diese Lücke zu schließen.
Die Probleme der Diagnostik der Endometriose sind vielfältig und beruhen zu einem Großteil auf dem Fehlen eines verlässlichen nicht-invasiven Tests. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation gebessert und es gibt mehrere nicht-invasive Testverfahren, z. B. den Endotest (Nachweis von Endometriose-typischen miRNAs im Speichel), der nach einiger Kritik mittlerweile ausreichend validiert wurde und eine hohe Sensitivität (97,3 %) und Spezifität (94,1 %) aufweist, mit einer positiven Vorhersage von 98,2 % und negativen Vorhersage von 91,3 % [1].
Ein weiterer Test ist der ENDOSURE, wo mittels eines Tricorders das elektrische Signal der glatten Muskulatur des Dünndarms erkannt wird. Erste Publikationen zeigten sehr hohe Werte von 95 % Sensitivität und 96 % Spezifität, aber das Kollektiv war nicht sehr groß [2]. Auch eine Kombination von 10 Proteinmarkern im Blut erlaubt eine sehr gute Vorhersage mit 96 % Sensitivität und 98 % Spezifität [3]. Vergleicht man aber symptomatische Patientinnen – Frauen mit Menstruationsbeschwerden ohne Endometriose und Endometriose-Patientinnen – liegen die Werte mit 73 % Sensitivität und 67 % Spezifität deutlich niedriger. Der Bluttest soll als PromarkerEndo demnächst eingeführt werden.
Bisher hat jedoch keines der Verfahren Einzug in den klinischen Alltag gefunden auch wenn die bisherigen Daten vielversprechend zu sein scheinen. Ein weiteres Problem besteht zurzeit darin, dass die Kosten noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Fragebögen zur Erfassung der Beschwerden von Frauen werden zwar mittlerweile von einigen Kliniken und auch niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen bei Verdacht auf Endometriose genutzt, aber nicht zur Vorhersage eingesetzt [4].
Hohe Wahrscheinlichkeit der Vorhersage
Wir konnten zeigen, dass es möglich ist, bei etwa 9 von 10 Frauen sowohl das Vorhandensein einer Endometriose als auch den Ausschluss der Erkrankung mittels eines Fragebogens korrekt vorherzusagen [5]. Der Fragebogen erfasst viele allgemeine und spezielle Beschwerden und Parameter, etwa:
Zur Erfassung der neuropathischen Schmerzen wird der PainDETECT Fragebogen verwendet [6]. Patientinnen brauchen ca. 15–20 Minuten zum Ausfüllen. Der Fragebogen ist online abrufbar [7].
Die Typologie des Schmerzes
Die durch den Fragebogen erstellte Diagnose wurde durch eine Operation pathohistologisch gesichert. Dabei konnte gezeigt werden, dass es nicht „den“ Endometriose-typischen Schmerz gibt, sondern Schmerz-Muster [5,7]. Frauen mit Endometriose wiesen im Vergleich zu Gesunden ca. 2- bis 3-fach häufiger und in der Summe auch stärkere Schmerzen auf. Im Zusammenhang mit z. B. Blasen-Schmerzen und/oder ausstrahlenden Schmerzen in die Oberschenkel bzw. Beine ergab sich eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit der Vorhersage von über 95 %.
Bei den abgefragten Schmerzadjektiven waren u. a. die Beschreibungen krampfend, reißend, ziehend und blitzartig häufig genannt und deuten darauf hin, dass der Uterus bei vielen Frauen neben den Läsionen einen nicht unerheblichen Beitrag zu den Menstruationsschmerzen beisteuern kann. Die Abfrage nach neuropathischen Schmerzen ergab ebenfalls höhere Werte für Frauen mit Endometriose im Vergleich mit Gesunden, aber es waren weniger als 9 % der Frauen betroffen.
Fragebogen online verfügbar unter: https://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_gyn/4121.html

Fragebögen können ein wichtiges und kostenneutrales diagnostisches Hilfsmittel zur nicht-invasiven Diagnose der Endometriose sein. Die Auswertung erfolgt automatisch und beinhaltet eine einseitige Zusammenfassung der wichtigsten Beschwerden. Danach erfolgt eine klinische Untersuchung entsprechend der Leitlinie. Bei Verdacht auf eine tief infiltrierende Endometriose wird ein MRT veranlasst. Ein breiter Einsatz der Fragebögen zur Diagnostik könnte dabei helfen, die gravierende diagnostische Verzögerung der Endometriose deutlich zu verkürzen.

Der Autor
PD Dr. rer. nat. Lutz Konrad
Justus-Liebig-Universität
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
35390 Gießen
Lutz.Konrad@gyn.med.uni-giessen.de