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Long-COVID: Wie real ist das Syndrom?

17.5.2022

Die „wahre Natur“ des sehr diffusen, symptomatisch äußerst heterogenen Long-COVID-Syndroms hat eine französische Arbeitsgruppe aufzudecken versucht. Ihre jetzt im Fachblatt „JAMA Internal Medicine“ publizierten, irritierenden Ergebnisse deuten an, dass das Syndrom (anhaltende Symptome wie Müdigkeit, Atemnot oder eingeschränkte Aufmerksamkeit) weitaus mehr vom Glauben der Betroffenen abhängt, COVID-19 gehabt zu haben, als von einer laborbestätigten COVID-19-Infektionskrankheit.

An der Querschnittsanalyse nahmen 26.823 befragte Personen aus der größten epidemiologischen Kohortenstudie CONSTANCES in Frankreich teil. Zwischen Mai und November 2020 wurden mittels ELISA Anti-SARS-CoV-2-Antikörper-Tests durchgeführt. Zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 gaben die Teilnehmer an, ob sie glaubten, eine COVID-19-Infektion erlitten zu haben und in den vergangenen vier Wochen körperliche Symptome gehabt zu haben, die mindestens acht Wochen anhielten. Teilnehmer, die eine Erstinfektion mit COVID-19 erst nach Abschluss der serologischen Untersuchung angaben, wurden ausgeschlossen.

Bei rund 75% der Befragten lagen vollständige Daten vor, diese wurden in die Analyse eingeschlossen (mittleres Alter 49,4 Jahre; SD 2,9 Jahre; 51,2% Frauen). Es zeigte sich, dass selbstberichtete Infektionen positiv mit anhaltenden körperlichen Symptomen assoziiert waren, mit einer Odds Ratio im Bereich von 1,39 (95%-KI 1,03‒1,86) bis 16,37 (95%-KI 10,21‒26,24), ausgenommen Hörstörungen (OR 1,45; 95%-KI 0,82‒2,55) und Schlafprobleme (OR 1,14; 95%-KI 0,89‒1,46). Ein positives serologisches Testergebnis für SARS-CoV-2 war hingegen nur mit anhaltender Anosmie (OR 2,72; 95%-KI 1,66‒4,46) positiv assoziiert, selbst wenn die Analysen auf Teilnehmer beschränkt wurden, die ihre Symptome auf eine COVID-19-Infektion zurückführten. Auch bei Datenadjustierung nach selbst eingeschätzter Gesundheit oder depressiven Symptomen zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Signifikante Interaktionen bezüglich der Überzeugung, an COVID-19 erkrankt gewesen zu sein, und serologischen Testergebnissen gab es nicht.

Die Ergebnisse dieser Querschnittsanalyse legen nahe, dass anhaltende körperliche Symptome nach einer COVID-19-Infektion eher mit dem Glauben, mit SARS-CoV-2 infiziert zu sein, als mit einer laborbestätigten COVID-19-Infektion zu tun haben. Die Autoren betonen, dass angesichts der von „Long-COVID“-Patienten geäußerten Symptome weitere medizinische Untersuchungen erforderlich sein könnten, um andere Erkrankungen zu identifizieren, die sich hinter dem Syndrom fälschlicherweise verstecken.

Matta J et al., JAMA Intern Med 2021 Nov 8: e216454, DOI 10.1001/jamainternmed.2021.6454, PMID 34747982

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