- Anzeige -
Allgemeinmedizin

Vorsicht, Mücken und Salzwasser!

Klimawandel leistet Infektionskrankheiten Vorschub

2.2.2026

Die Bedingungen für verschiedene mückenübertragene Viren und Vibrionen haben sich aus Sicht der Erreger in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Wie der Countdown-Bericht darlegt, sind hierbei die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke und wärmeres Wasser wichtige Faktoren [1].

Änderungen bei Temperatur, Niederschlag, Tageslänge und Bevölkerungsdichte haben wie ein Turbo auf die Infektionsdynamik von Viren wie Dengue oder Chikungunya gewirkt. Anhand von Modellen errechneten die Forschenden, dass jede einzelne Infektion mit diesen Viren heute 1,5-mal mehr weitere Infektionen nach sich zieht als in den 1950er-Jahren. Diese Zahl gilt für eine Übertragung durch die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Bei der nahe verwandten Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) als Vektor – sie überträgt ebenfalls Dengue-Viren, aber auch z. B. das Zika-Virus – war der Anstieg mit knapp 12 % zwar geringer. „Bei einer exponenziellen Ausbreitung hat aber auch eine scheinbar kleine Änderung einen großen Effekt“, so Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Er betont, dass die aus Rechenmodellen stammenden Zahlen in dieselbe Richtung weisen wie das tatsächlich beobachtete Infektionsgeschehen: 7,6 Millionen Dengue-Infektionen wurden allein zwischen Januar und April 2024 an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet – dreimal so viele wie im selben Zeitraum des Vorjahres. 16 000 dieser Fälle wurden als schwer eingestuft, >3 000 Menschen starben.

Welche Weltgegenden geeignete Bedingungen für die Ausbreitung von Aedes-Mücken und Viren bieten, war nicht Gegenstand des diesjährigen Berichts. „Wir beobachten jedoch seit Jahren, dass Infektionen mit Chikungunya-, Dengue- und West-Nil-Viren zunehmend auch im Süden Europas auftreten und sich weiter Richtung Norden bewegen“, so Jelinek.

Für Malaria lag der Fokus des Berichts genau darauf: Wie sich das potenzielle Ausbreitungsgebiet für die beiden häufigsten Erreger Plasmodium vivax und falciparum entwickelt. Weltweit betrachtet nahmen geeignete Gebiete seit den 1950er-Jahren um ca. 2 % zu, mit 13–14 % viel stärker aber in Höhenlagen > 1 500 m, die früher als fast malariafrei galten.

Von der Erwärmung profitieren auch Vibrionen, Bakterien, die im küstennahen Salzwasser vorkommen. Sie dringen direkt über Wunden in den Körper ein und können vor allem bei Immungeschwächten schwere Infektionen auslösen. Wie es im Bericht heißt, ist die Zahl der Küstenkilometer mit sie geeigneten Bedingungen weltweit zwischen 2023 und 2024 um 3,2 % gewachsen – ­seit den 1990er-Jahren um 36 %, auf heute ca. 91 200 km. „Auch hier korrespondieren die aus Temperatur und Salzgehalt abgeleiteten Daten mit dem Anstieg der Vibrionen-Infektionen, die im Jahr 2024 auf über 722 000 geschätzt wurden“, so Jelinek. Auch an der Ostsee mit ihrem geringen Salzgehalt und relativ hohen Temperaturen kommt es zu teils schweren Infektionen.

Vor einer Reise sollten stets aktuelle Informationen zur Lage am Zielort eingeholt werden. „Am besten geschieht dies im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung“, so Jelinek. Diese sollte mindestens 6 Wochen vor Reiseantritt erfolgen, damit noch Zeit für Impfungen bleibt. Auch Malariaprophylaxe ist ein Thema. Wer in Gebiete mit hohem Infektionsrisiko fährt, sollte auch am Tag auf Mückenschutz achten.

  1. Romanello M et al. The 2025 report of the Lancet Countdown on health and climate change, https://doi.org/10.1016/S0140-6736(25)01919-1

Pressemeldung des CRM Centrum für Reisemedizin, November 2025

Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

123-nicht-eingeloggt