Körperliche Aktivität gilt als zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils und spielt auch während der Schwangerschaft eine wichtige Rolle für die mütterliche und fetale Gesundheit. Dennoch zeigen epidemiologische Daten, dass weltweit etwa ein Viertel der Erwachsenen die Empfehlungen zur körperlichen Aktivität nicht erreicht. Diese generelle Tendenz spiegelt sich auch in der Schwangerschaft wider, wie Dr. Nina Ferrari (Köln) erläuterte. Untersuchungen zeigen, dass viele Schwangere die empfohlenen Aktivitätsniveaus nicht erreichen.
Die gesundheitsfördernden Effekte von Bewegung werden zunehmend auf sogenannte Exerkine zurückgeführt. Dabei handelt es sich um durch körperliche Aktivität induzierte Signalmoleküle, die von verschiedenen Geweben freigesetzt werden und systemische Effekte vermitteln. Die Moleküle wirken auf verschiedene Organsysteme, darunter das kardiovaskuläre System, den Energiestoffwechsel und entzündliche Signalwege. In der Schwangerschaft könnte dieses Netzwerk eine wichtige Rolle bei der metabolischen Anpassung der Mutter sowie bei der fetalen Entwicklung spielen.
Erste klinische Studien liefern Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität während der Schwangerschaft auch langfristige Effekte auf das Kind haben kann. In der TOP-Studie an schwangeren Frauen mit Adipositas zeigte sich, dass Veränderungen an spezifischen genomischen Regionen mit der Körperzusammensetzung der Neugeborenen assoziiert waren. Kinder aus der Interventionsgruppe wiesen eine höhere fettfreie Masse bei Geburt auf. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass körperliche Aktivität während der Schwangerschaft möglicherweise epigenetische Prozesse beeinflusst, die die spätere Körperzusammensetzung des Kindes modulieren.
Trotz klarer Empfehlungen bestehen weiterhin Barrieren für körperliche Aktivität während der Schwangerschaft. Daher kommt der motivationalen Beratung im Zuge der Schwangerschaftsvorsorge eine wichtige Rolle zu. Die Schwangerschaft stellt häufig ein Zeitfenster mit erhöhter Motivation für Verhaltensänderungen dar und bietet somit eine wichtige Chance, langfristig gesundheitsförderliche Lebensstiländerungen zu etablieren – sowohl für die Mutter als auch für das Kind.
Frühstückssymposium „Beyond weight – Adipositas in der Gynäkologie“ (Veranstalter: Novo Nordisk Pharma GmbH)