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Fokus Naturmedizin

Impfreaktionen

Möglichkeiten und Grenzen einer komplementären Behandlung

Dr. rer. nat. Christine Reinecke

30.1.2026

Frisch geimpft. Doch manchmal treten Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit und Fieber auf. Welche Möglichkeiten eröffnet die naturheilkundliche Impfbegleitung? Dass Impfreaktionen auch auf den Nocebo-Effekt zurückzuführen sind, wird unter anderem in einer Metaanalyse deutlich [1].

Kommt es nach einer Impfung zu vorübergehenden, lokalen oder systemischen Reaktionen, sind das erwünschte Auseinandersetzungen des Immunsystems mit dem Impfstoff. Die Symptomatik hängt davon ab, gegen welchen Erreger geimpft wurde.

So können nach einer Influenza-Impfung Fieber und Schüttelfrost oder grippeähnliche Beschwerden auftreten. Auch Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Reizbarkeit, Unwohlsein und Schwindelgefühl werden beschrieben.

Typisch für eine Tetanus-Impfung sind dagegen ­Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle. Nach einer Varizella-zoster-Impfung dominieren Muskelschmerzen im geimpften Arm. Da diese Vakzination sehr reaktogen ist, können auch Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schüttelfrost folgen. Zeitlich verzögert nach einer Masern-Mumps-Röteln- oder Varizella-Impfung kann die Parotis leicht anschwellen, dazu kommen kurzzeitige Gelenkschmerzen oder ein flüchtiges Exanthem. Milde gastrointestinale Beschwerden stehen hingegen mit der oralen Rotavirus- oder Typhus-Impfung im Zusammenhang [2,3].

Wenn der Körper reagiert

Diese temporär auftretenden Impfreaktionen deuten darauf hin, dass der Körper auf die Injektion, den Impfstoff oder auf zugesetzte Adjuvanzien reagiert. Impfreaktionen sind nicht zu verwechseln mit dauerhaften Impfschäden. Dieser juristische Begriff wird definiert als „gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Schädigung durch die Schutzimpfung“.

Im Hinblick auf Impfreaktionen spielt es auch eine Rolle, ob Lebend- oder Totimpfstoffe eingesetzt werden. Beim Totimpfstoff werden inaktivierte Viren oder Bakterien, inaktive Bestandteile oder inaktive Untereinheiten des Erregers verwendet. So wird die Bildung von IgG-Antikörpern und T-Gedächtniszellen angeregt. Impft man mit Totimpfstoffen, erhält man eine schwächere Immunantwort. Eine Auffrischungsimpfung ist nötig. Beispiele: Hepatitis, Polio, Pneumokokken, Herpes zoster, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Eventuelle Impfreaktionen treten meist am 1. oder 2. Tag post vaccinationem auf. Totimpfstoffe sind prinzipiell mit allen anderen Impfungen kombinierbar.

Seltener werden Lebendimpfstoffe verimpft, die niedrige Dosen an abgeschwächten Erregern enthalten. Die Immunität besteht lebenslang. Zum Beispiel bei der Influenza-Impfung mit Nasenspray für Kleinkinder und Jugendliche, die bei einer Spritzenphobie oder bei Gerinnungsstörungen indiziert ist.

Schluckimpfungen werden gegen schwere gastrointestinale Infektionserkrankungen eingesetzt, beispielsweise mit abgeschwächten Poliomyelitis- und Rotaviren. Hier können Impfreaktionen erst Tage später auftreten [3,4,5].

Seit 2021 sind mRNA-Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2-Virus erhältlich. Verabreicht wird die virale Ribonukleinsäure, die im Kern der Wirtszelle in Desoxyribonukleinsäure transkribiert wird; nach der Translation wird das Virus-Antigen produziert, gegen das eine Immunantwort gewünscht wird.

Phytotherapeutische Behandlung nach dem Impfen

Aus der Phytotherapie werden traditionell Pflanzen eingesetzt, die antientzündliche, schmerzlindernde und hautschützende Eigenschaften aufweisen. Die Extrakte, Tinkturen oder Cremes werden lokal aufgetragen oder als Umschlag angewandt.

  • Kamille wirkt antiphlogistisch und reizlindernd, als Auflage (3–10 %), Creme oder Salbe ein- bis dreimal täglich dünn auftragen
  • Ringelblume – antiinflammatorisch und antiödematös, als Umschlag (Tinktur 1 : 6 ) zweimal täglich oder als Salbe
  • Hamamelis wirkt antiphlogistisch und leicht oberflächlich anästhesierend, Fluidextrakt (1 : 3) als Umschlag einmal dünn auftragen, Salbe einmal dünn auftragen
  • Bei Schmerzen an der Impfstelle Arnika-Salbe (30 %) mehrmals täglich dünn auftragen, Arnika-Essenz (1 : 10) als nächtlicher Umschlag, bei ­Kopfschmerzen Arnika-Essenz als Kopfumschlag.

Arnica montana ist auch ein traditionelles homöopathisches Arzneimittel, das Ödeme und Hämatome nach medizinischen Eingriffen verringert. Der Einsatz von Arnika ist weitverbreitet, jedoch sind nur limitierte Daten verfügbar [6].

Bewährte Allgemeinmaßnahmen zum Lindern von Impfreationen

Bewährt hat sich die Schonung am Tag der Impfung. Bei einer Lebendimpfung sollte man Anstrengungen noch etwas länger vermeiden, da die Symp­tome erst nach mehreren Tagen auftreten können. Sofortmaßnahme: Den betroffenen Arm ruhig halten und schmerzende Stelle kühlen (Kühlpack aus dem Kühlschrank; eiskaltes Pack in ein dünnes Handtuch einwickeln). Starke körperliche Anstrengung und Sport am Tag der Impfung vermeiden, weil dadurch Impfreaktionen ausgelöst werden können. Ungeübte Saunagänger sollten auf die ­Sauna verzichten.

Aus naturheilkundlicher Sicht ist eine erhöhte Körpertemperatur eine natürliche Reaktion, die nicht unterdrückt werden sollte. Erst ab 39 °C mit kühlen, nicht eiskalten Wadenwickeln behandeln. Dann eventuell mit gängigen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol weiterbehandeln. Eine prophylaktische Einnahme der Antipyretika wird nicht empfohlen, da das die Impfwirkung und damit die Antikörperbildung beeinträchtigen kann. Nach der Impfung sollte grundsätzlich auf Alkohol verzichtet werden [7].

Impfbegleitung mit spagyrischen Globuli

Spagyrische Arzneimittel werden in einem mehrstufigen labortechnischen Aufbereitungsprozess von Gärung, Destillation und Kalzination hergestellt. Die erhaltene Substanz soll heilkräftiger und therapeutisch wirksamer sein als ihr Ausgangsmaterial. Globuli mit spagyrischen Essenzen sollen etwaige Schmerzen verringern und das Immunsystem nach einer Impfung unterstützen. Empfohlen wird, mit der Einnahme eine Woche vor der Impfung zu beginnen und anschließend bis zu 2 Wochen weiterzuführen (Tab.).

Allerdings liegen für eine Impfbegleitung mit spagyrischen Globuli keine randomisierten kontrollierten Studien, systematischen Reviews oder immunologischen Untersuchungen vor. Entsprechende Anwendungen basieren auf erfahrungsmedizinischen ­Konzepten ohne gesicherte Evidenz.

Homöopathische Arzneimittel [8]

Silicea (Acidum silicicum) D6, auch als Schüßler-Salz:

  • bei Entzündungen, Erkältungen, Hautausschlägen, häufig bei Impfreaktionen empfohlen; mehrmals täglich 3 Globuli, nicht öfter als fünfmal am Tag

Thuja (Thuja occidentalis) D6:

  • kann Schwellungen, Hautreaktionen und Muskelschmerzen lindern; soll die Wirkung der Impfung unterstützen; dreimal täglich 5 Globuli
  • Zur Vorbeugung vor Impfreaktionen: eine Stunde nach der Impfung zweimal 3 Globuli D30 einnehmen.

Sepia (Sepia officinalis) D6 oder D12:

  • u. a. bei Erkältungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Hautausschlag
  • 3 Globuli mehrmals täglich einnehmen, nicht öfter als sechsmal. Hochpotenzen nach Anamnese und Verordnung.

Bei einer Verschlimmerung sollte unbedingt die homöopathische Behandlung unterbrochen werden.

Impf-Nosoden [9]

Besonders für Babys und Kinder wird in der Homöopathie die Begleitung mit Impf-Nosoden empfohlen. Die nach dem Gleichheitsprinzip wirkenden Nosoden enthalten den entsprechenden Impfstoff/Erreger in tief oder mittel potenzierter Form (Globuli in C7, C15 und C13). Es gibt Kombisets für alle von der Stiko empfohlenen Impfungen (von 0 bis 18 Jahren). Für Erwachsene sind Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Polio-Nosoden sowie Herpes-zoster-Nosoden erhältlich, ebenso Nosoden für COVID-19-Impfstoffe.

Wichtig: Nosoden ersetzen keine Impfung, sie sollen Impfreaktionen vermeiden oder reduzieren. Eingesetzt auch zur Ausleitungstherapie bei chronischen Hautveränderungen oder chronischen Infekten, die mit einer Impfung in Zusammenhang gebracht ­werden können.

Placebo und Nocebo bei der COVID-19-Impfung

Von unerwünschten Wirkungen in der Placebo-Gruppe nach einer COVID-19-Impfung berichten Forscherinnen und Forscher der Harvard Medical School, der Philipps-Universität Marburg, des Edincott College in Beverly, Massachusetts, sowie des Weill Cornell Medical College in New York [1].

Wie das systematische Review mit Metaanalyse zeigte, traten bei 35,2 % (95%-KI 26,7 %– 43,7 %) der Placebo-Gruppe nach der 1. Impfung (Kochsalzlösung ohne Adjuvanzien) unerwünschte systemische Wirkungen auf; in der Wirkstoff-Gruppe bei 46 %. Nach der 2. Impfung waren es unter Placebo noch 31,8 % (95%-KI 28,7 %–35,0 %). Diese Zahlen sollten in Impfprogrammen berücksichtigt werden, so die Autoren und Autorinnen, gerade weil Bedenken zu Nebenwirkungen ein Grund für zögerliches Impfen sind.

Die Daten im Einzelnen: Eingeschlossen wurden 12 Studien mit 45 380 Teilnehmenden. Zu den unerwünschten Wirkungen gehörten hauptsächlich Kopfschmerzen (19,3 %; 95%-KI 13,6 %–25,1 %) und Fatigue (16,7 %; 95%-KI 9,8 %–23,6 %). Das Verhältnis zwischen Placebo- und Wirkstoff-Gruppe zeigte, dass die Nocebo-Antwort 76,0 % der systemischen unerwünschten Wirkungen nach der 1. Dosis ausmachte, sowie 51,8 % nach der 2. Dosis. Schmerzen an der Injektionsstelle waren in der Wirkstoff-Gruppe häufiger und stärker.

Nach der 2. Impfung traten in der Wirkstoff-Gruppe häufigere unerwünschte Wirkungen auf als in der Placebo-Gruppe. Dafür gebe es 2 Erklärungen, so die Autoren und Autorinnen: Ein robusteres Immunsystem mit entsprechend stärkeren Impfreaktionen oder aber ein höherer Anteil an erwarteten unerwünschten Wirkungen nach der 2. Impfung bei denjenigen Teilnehmenden, die bereits Nebenwirkungen nach der 1. Impfung berichtet hatten.

Naturheilkundliche Verfahren können eine Impfung begleiten und unterstützen. Geeignet sind physikalische Maßnahmen wie Kühlen sowie Lokalbehandlungen mit pflanzlichen Umschlägen oder Salben – traditionell mit Kamille, Ringelblume und Arnika. In der homöopathischen Behandlung werden Globuli mit Silicea, Thuja und Sepia verwendet. Laut einem systematischen Review ist – zumindest bei der COVID-­19-Impfung – mit einem substanziellen Anteil von Impfreaktionen zu rechnen, auch wenn diese von vornherein (als Nocebo-Effekt) erwartet wurden.

  1. Haas JW et al., JAMA Network Open 2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.43955
  2. https://www.forum-impfen.de/ (Stand: 16.12.2025)
  3. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/impfen-node.html (Stand: 24.11.2025)
  4. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/AllgFr_AllgemeineFragen/FAQ-Liste_AllgFr_Impfen.html#entry_16870678 (Stand: 28.11.2025)
  5. https://www.infektionsschutz.de/impfen/wissenswertes-zum-impfen/sicherheit-von-impfungen/ (Stand: 16.12.2025)
  6. Sherban A et al., J Cosmet Dermatol 2021; 20: 2062–8
  7. https://dgk.de/fachleute/impffragen-aus-der-praxis-kompetent-beantwortet/wie-sollte-man-sich-nach-einer-impfung-verhalten.html (Stand: 16.12.2025)
  8. Van Zandvoort R. Complete Repertory: Das umfangreichste Repertorium der homöopathischen Arzneimittel. Exklusives Taschenformat mit Daumenregister. 1st ed. Kandern, Germany: Narayana; c2007
  9. https://oskar-ziethen-apotheke.de/nosoden/impf-nosoden/ (Stand: 28.11.2025)
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