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Fokus Naturmedizin

Medizinische Woche Baden-Baden 2025

Neues aus der Komplementärmedizin

Prof. Dr. med. Harald Meden

13.2.2026

Komplementärmedizin war eines der Hauptthemen bei der Medizinische Woche in Baden-Baden. In einer wissenschaftlichen Vortragsveranstaltung wurden häufige Erkrankungen der Gynäkologie thematisiert, unter anderem das klimakterische Syndrom.

Dr. med. Reinhild Georgieff, Universitätsfrauenklinik Leipzig, berichtete über hormonfreie Therapiemöglichkeiten bei klimakterischem Syndrom. Hintergrund der zunehmend nachgefragten hormonfreien Therapiemöglichkeiten ist die in letzter Zeit gewachsene Zurückhaltung, sowohl seitens der Patientinnen als auch ärztlicherseits, gegenüber hormonellen Therapien.

Die Menopause ist ein erwartetes Ereignis im Leben jeder Frau. Das mediane Alter in Deutschland beträgt 51 Jahre. Nur ein Teil der perimenopausen Frauen hat einen Leidensdruck, der eine Behandlung erforderlich macht. Zur Behandlung von Frauen mit moderaten bis schweren vasomotorischen Symptomen (VMS), die mit der Menopause assoziiert sind, sind Fezolinetant und Elinzanetant als hormonfreie Option in der EU zugelassen. Zum Leberstoffwechsel als limitierender Faktor für den Einsatz von Fezolinetant wurde ein Rote-Hand-Brief veröffentlicht [1]. Vor Einleitung einer Behandlung mit Fezolinetant sind daher Leberfunktionstests erforderlich, ebenso nach Beginn der Therapie.

Phytoestrogene

Phytoestrogene sind nicht-steroidale Verbindungen, die aus Pflanzen gewonnen werden. Sie können als Agonisten oder Antagonisten von Estrogenrezeptor-Isoformen wirken. Zu den Phytoestrogenen gehören Isoflavone, Lignane, Cumestane, Stilbene, Flavanone, Flavonole und Flavone.

Lignane sind in Leinsamen, Sesam, Roggen und Sonnenblumenkernen enthalten. Zu den Flavonoiden gehören u. a. Genistein und Daidzein. Sie sind in Soja und Rotklee enthalten. Auch Hopfen enthält Flavonoide, ebenso rote Trauben in Form von Resveratrol.

Bei Frauen mit leichten klimakterischen Beschwerden reichen oft Modifikationen des Lebensstils, um eine Linderung herbeizuführen. Hierzu gehören Stressreduktion und die Optimierung von Bewegung und Ernährung. Bei Frauen mit mittleren klimakterischen Beschwerden hilft oft eine Phytotherapie. Wichtig ist der Hinweis, dass die Wirkung nicht schnell eintritt, aber nach spätestens 6 Wochen bemerkbar sein sollte. Danach individuell über die Dauer der Fortsetzung entscheiden. Nach 3 Monaten sollte eine ärztliche Beratung erfolgen.

Bei Frauen mit starken klimakterischen Beschwerden besteht rascher Handlungsbedarf. In dieser Situation sollte eine Hormontherapie eingesetzt werden, ­sofern keine Kontraindikation besteht. Nach Besserung der Symptome kann eine Phytotherapie ergänzt werden. Beim Ausschleichen der Hormontherapie ist eine überlappende Fortsetzung der Phytotherapie hilfreich.

Zur Phytotherapie gibt es zu Extrakten aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) die meisten wissenschaftlichen Daten. Die Wirkung ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt und evidenzbasiert. Die Inhaltsstoffe entfalten eine ­dopaminerge Wirkung im Gehirn.

Scheinbar widersprüchliche Studienresultate zur Wirksamkeit basieren auf unterschiedlichen Formen der Herstellung: Cimicifuga-Präparate können als Nahrungsergänzungsmittel oder als pflanzliches Arzneimittel hergestellt werden und sind somit in unterschiedlichen Kategorien im Handel. Hinweisen auf eine mögliche Hepatotoxizität von Cimicifuga-Präparaten wurde gezielt nachgegangen. Diese Hinweise haben sich dabei nicht bestätigt, sollten jedoch bedacht werden. Die Anwendung bei Brustkrebs-Patientinnen gilt als onkologisch sicher.

Unter den pflanzlichen Therapieoptionen gegen Hitzewallungen sind Extrakte aus der Wurzel von Rhapontikrhabarber wirksam. Der Wirksamkeitsnachweis gegenüber Placebo zeigte sich in Studien hochsignifikant (Präparat ERr 731® im Vergleich zu Placebo am Tag 84, p < 0,0001.) Parallel dazu reduzierten sich mit ERr 731® die Anzahl und der Schweregrad der Hitzewallungen, der Schweregrad der Ängstlichkeit und Depressionen sowie weiterer klimakterischer Beschwerden. Es wurden keine Endometriumhyperplasie (Biopsien) und keine Zunahme der Brustdichte (Mammografie) unter ERr 731® festgestellt. Bei Hitzewallungen zeigten sich die Wirkintensität und der Zeitpunkt des Wirkeintritts identisch zu niedrigdosierter Hormontherapie.

Es konnte gezeigt werden, dass der Trockenextrakt aus Salbeiblättern die übermäßige Schweißproduktion um bis zu 50 % reduzieren kann. Studien zeigen auch, dass bei Frauen in der Menopause Hitzewallungen durch die Gabe von Salbei in 66 % der Fälle unterbleiben und bei weiteren 25 % deutlich weniger werden.

Beim Einsatz von Salbei sind Präparate, die als pflanzliches Arzneimittel hergestellt wurden, am wirksamsten. Ein Beispiel ist die Anwendung von Salbeiblätter-Trockenextrakt (300 mg/Filmtablette), dreimal täglich eine Filmtablette. Ein weiteres Beispiel für Salbei in Form eines pflanzlichen Arzneimittels ist die Anwendung von Salbeiblätter-Fluidextrakt (800 mg/1g Flüssigkeit und Salbeiöl, 1 mg/1g Flüssigkeit) bei übermäßiger Schweißabsonderung. Aufgrund des Thujongehalts sollte die Flüssigkeit nicht länger als 14 Tage eingenommen werden.

Schlafstörungen und innere Unruhe

Bei Schlafstörungen und innerer Unruhe können eingesetzt werden:

  • Johanniskraut
  • Passionsblume
  • Baldrian
  • Rosenwurz, Ashwagandha
  • Lavendel (anxiolytisch wie 20 mg Paroxetin)
  • Hopfen

Zur kombinierten Behandlung stehen Kombinationspräparate zur Verfügung, z. B. methanolischer Baldrian- und Hopfenextrakt, Spezialextrakt Ze 91019. Er hat einen nachgewiesenen Wirkmechanismus und die klinische Effektivität ist belegt. Die Einschlafzeit wird verkürzt, das Durchschlafen verbessert und die Lebensqualität erhöht. Aufgrund guter Verträglichkeit ist eine Langzeitanwendung möglich. Es gibt keine bekannten Wechselwirkungen, kein Gewöhnungseffekt und kein Abhängigkeitspotenzial sowie keine Überhang-Wirkung.

Johanniskraut kann als Monotherapie oder in Kombination mit Cimicifuga-Extrakten bei leichten und mittelschweren Depressionen eingesetzt werden. Die Inhaltsstoffe Hyperosid und Rutosid zählen zu den Flavonoiden und wirken zudem stärkend auf die Blutgefäße, lösen Krämpfe und hemmen Entzündungen. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen wird eine Tagesdosis von 850 mg Johanniskraut­extrakt empfohlen. Nicht bei laufender Chemo- oder antihormoneller Therapie einsetzen!

In mehreren Studien wurde die Wirksamkeit von Pollenextrakt zur Behandlung von Frauen mit vasomotorischen Symptomen beschrieben. Es handelt sich nicht um ein Phytoestrogen. In vivo und in vitro konnte keine Aktivität an ERα- und β-Rezeptoren nachgewiesen werden. Weitere Charakteristika:

  • keine Aktivität auf Cytochrom P450, keine Wechselwirkung z. B. mit Tamoxifen möglich
  • keine Wirkung auf das Endometrium
  • Wirkung auf die Serotonin-Hypothalamus-Achse

Somit ist dieser Ansatz als hormonfreie therapeutische Alternative zur Behandlung von Frauen mit Mammakarzinom eine Option.

Vaginale Trockenheit

Bei vaginaler Trockenheit können lokale oder systemische Therapien eingesetzt werden.

Als lokale Therapieoptionen kommen Hyaluronsäure allein, Hyaluronsäure in Kombination mit Hopfen, Vitamin E und Liposomen, Hyaluronsäure in Kombination mit Sanddornextrakt, Lecithin, Milchsäure und Rosmarinöl infrage. Weitere lokale Therapieoptionen sind PEA (Palmitoylethanolamid), Leinsamenextrakt, Granatapfelsamen-Öl, Carbomer 934P und Aloe vera. Systemisch können Omega-Fettsäuren, β-Carotin und Vitamin E eingesetzt werden.

Gelenkbeschwerden

Bei Gelenkbeschwerden, insbesondere unter Aroma­tasehemmern, hat sich Folgendes bewährt:

  • viel körperliche Bewegung (Schwimmen, Walking)
  • Teufelskralle: wirkt abschwellend, blutverdünnend, entzündungshemmend, schmerzlindernd
  • Proteolytische Enzyme: Sie wirken antiphlogistisch, blutverdünnend, entzündungshemmend, schmerzlindernd und antirheumatisch. Zudem haben sie eine Wirkung auf den Zytokinspiegel.

Der Autor

Prof. Dr. med. Harald Meden
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Swiss Institute for New Concepts and Treatments (SINCT)

meden@bluewin.ch

  1. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2025/rhb-fezolinetant.pdf?__blob=publicationFile

Literatur beim Autor

Bildnachweis: privat

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