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Gynäkologie

Benigne gynäkologische Erkrankungen

Naturheilkundliche Ansätze gegen Endometriose und Myome

Gunnar Carl Römer

30.8.2021

Endometriose und Uterusmyome sind häufige gynäkologische Erkrankungen mit wachsender ­Bedeutung für naturheilkundliche Ansätze. Während die Phytotherapie der Endometriose bereits gut erforscht ist, ist beim Myom oft die Operation das Mittel der Wahl. Vor allem die chinesische ­Kräutermedizin macht betroffenen Frauen aber Hoffnung auf eine schonendere Behandlung.

Rund 10–15 % aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter Endometriose mit Beckenschmerzen und Dysmenorrhoe. In den vergangenen 15 Jahren gewannen naturheilkundliche Ansätze als Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie zunehmend an Bedeutung. Frauen und Ärzte gleichermaßen überzeugt hierbei insbesondere die geringe Nebenwirkungsrate. Neben komplementärmedizinischen Verfahren wie Akupunktur und Mikrowellen-Physiotherapie ist es besonders die auf Kräutern basierende Phytotherapie, die zunehmend Einzug in die gynäkologische Praxis hält.[1]

Phytotherapie wirksam bei Endometriose

Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit phytotherapeutischer Maßnahmen gegen die Endometriose. Genutzt werden pflanzliche Formeln, zumeist bestehend aus zehn bis zwanzig verschiedenen Inhaltsstoffen, ausgewählt aus mehreren hundert Kräuterarten. Die Darreichung erfolgt in Form von Tabletten, Kapseln, gekochtem Sud oder Trockenextrakten. Ein umfassendes wissenschaftliches Review aus dem Jahr 2014 beleuchtete den Status quo der damals gängigen Lehrmeinung über die Phytotherapie einer Endometriose. Bis heute existiert eine Vielzahl an Untersuchungen, die das naturheilkundliche Potenzial in Bezug auf folgende Eckpunkte hin analysiert[1]:

• endometriotische Läsionsgröße

• Laborparameter (besonders Immunregulation, Antiangiogenese und Zellproliferation)

• klinische Symptomatik

Curcumin, der Inhaltsstoff der tropischen Pflanze Kurkuma (Curcuma longa), besitzt nachgewiesenermaßen antioxidative, entzündungshemmende und antiproliferative Eigenschaften. Zudem regt Curcumin die lokale Mikrozirkulation an. Endometriose-Patientinnen, die mit der Verbindung behandelt wurden, zeigten in vielen Studien eine signifikante Symptomreduktion.[1] In Laboruntersuchungen an Ratten konnte überdies nachgewiesen werden, dass sowohl die Zahl der Mikrogefäße als auch die Proteinexpression von VEGF im ektopischen Endometrium der Nager signifikant sank.[2] Curcumin führte weiterhin zu einer verminderten Sekretion von Interleukin-6 und -8 sowie des chemotaktischen Monozytenproteins-1 (MCP-1). Zudem erfolgte eine Unterdrückung des Transkriptionsfaktors NF-kB in humanen endometriotischen Stromazellen als Folge einer Curcumin-Behandlung.[3]

Im Tiermodell (Mäuse) konnte nachgewiesen werden, dass Curcumin das Wachstum der Endometriose dosisabhängig verlangsamt bzw. deren weitere Proliferation stoppt. Hier war die abgeschwächte Wirkung von MMP-9 mit einer reduzierten Expression des Tumornekrosefaktors-alpha (TNF-alpha) während der Remissionsphase assoziiert; ein entscheidender Hinweis auf den antiinflammatorischen Effekt von Curcumin. Schlussendlich konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass eine Curcumin-Vorbehandlung die Lipidperoxidation und Proteinoxidation in endometriotischen Geweben verhindern kann.[4]

„Pflanzenstoffe können MMP-9-Aktivität modulieren“

Eine wichtige Bedeutung in der Phytotherapie der Endometriose kommt auch dem Isoflavonoid Puerarin zu. Gewonnen wird die Verbindung aus der Kopoubohnenwurzel (Radix puerariae). Sie ist häufiger Bestandteil der chinesischen Kräutermedizin und besitzt eine schwach estrogene Wirkung durch Bindung an Estrogenrezeptoren (Phytoestrogen).[1] Puerarin vermochte in Unter­suchungen die Invasivität endometriotischer Stromazellen zu reduzieren. Diese ist bedingt durch eine erhöhte MMP-9-Aktivität bei gleichzeitig reduzierter Akkumulation der Metalloproteinase-1 (TIMP-1). Puerarin kehrte diese Effekte in signifikantem Maße um. Auch hemmt der Pflanzenstoff die Angiogenese im endometriotischen Gewebe; sogar nachdem die Gefäßproliferation zuvor experimentell durch Estradiol (E2) stimuliert wurde.[5] Puerarin konnte in Ratten, denen zuvor Endometriumgewebe implantiert wurde, die Spiegel von Estradiol und Prostaglandin E2 (PGE2) senken und weiteres Wachstum des endometriotischen Gewebes verhindern.[6]

Das Polyphenol Resveratrol ist Bestandteil einiger verbreiteter Lebensmittel wie Erdnüsse und Trauben. Aufgrund seiner stark antioxidativen Eigenschaften wird es von verschiedenen Studien zur natürlichen Therapie der Endometriose empfohlen. Es existieren vermehrt Hinweise darauf, dass Resveratrol die Wirkung von oralen Kontrazeptiva in der Linderung einer Endometriose-bedingten Dysmenorrhoe verstärkt. Auf biochemischer Ebene erfolgt dies durch Hemmung der Aromatase-­Aktivität und der COX-2-Expression im Endometrium.[1] Ein 2017 publiziertes Review spricht in Zusammenhang mit Resveratrol und seiner günstigen Eigenschaft auf die Endometriose gar von einer „Breitspektrum-Wirksamkeit“. Ähnlich wie bei Puerarin konnte überdies eine reduzierte Invasivität endometriotischer Stammzellen nachgewiesen werden.[7]

Das Catechin-Monomer Epigallocatechingallat (EGCG) ist ein Hauptbestandteil des grünen Tees (Trockenextrakt) und spielt pharmakologisch eine Schlüsselrolle in der Antioxidation und der Antiangiogenese. Auf diese Weise hemmt der Naturstoff die Funktion der Mikrogefäße innerhalb endometriotischer Läsionen, wodurch diese an Volumen und Gewicht einbüßen. Darüber hinaus inhibiert EGCG selektiv die Expression des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors C (VEGF-C) und des Tyrosinkinase-Rezeptors VEGF-Rezeptor 2 (VEGFR-2). Eine zweiwöchige Behandlung mit EGCG resultierte in einer Studie in einer exzentrischeren und kleinflächigeren Verteilung der Endometriose-Herde, was auf niedrigere Spiegel angiogener Wachstumsfaktoren und Mitose-aktivierender Enzyme (Proteinkinase 1) zurückzuführen sein dürfte. Insgesamt sind die phytotherapeutischen Ansätze in der Behandlung der Endometriose wissenschaftlich fundiert, weitere spezifische Studien aber essenziell.[1]

Myome: Naturprodukte verringern das Erkrankungsrisiko

Uterusmyome sind die häufigsten benignen Neubildungen von Frauen im gebärfähigen Alter. Kräutertherapien werden nicht selten als Ergänzung und Alternative zu chirurgischen Eingriffen empfohlen.[8] Allerdings ist die Forschung hier noch nicht so weit fortgeschritten wie bei der Endometriose. Ein Grund mag sein, dass die Pathogenese von Myomen noch nicht umfassend entschlüsselt ist.[9]

Als sicher gilt, dass sich die Ernährung nicht unerheblich auf das Risiko einer Myom-Erkrankung auswirkt: So ist die Inzidenz von Uterusmyomen bei all jenen Frauen erhöht, die in großen Mengen rotes Fleisch (z. B. Rindfleisch), Schinken und Alkohol konsumieren. Auch regelmäßiger Biergenuss erhöht das Risiko um bis zu 50 %. Umgekehrt treten Myome seltener auf, wenn regelmäßig Milch getrunken wird. Hieraus schließen Wissenschaftler auf einen Einfluss von Magnesium, Calcium und Phosphor auf die Pathogenese der benignen Tumor­erkrankung. Auch Zitrusfrüchte verringern das Risiko an einem Uterusmyom zu erkranken, vermutlich Resultat einer antiproliferativen Wirkung der enthaltenen Flavonoide.[10]

Die chinesische Kräutermedizin setzt in vielfältiger Weise auf Isoflavone. Insbesondere in Sojabohnen und anderen Hülsenfrüchten kommen die Flavonoid-­Abkömmlinge reichlich vor. Nicht verwunderlich also, dass die Isoflavon-Aufnahme in Asien um ein Vielfaches höher ist als im Westen (Faktor 25). 50 mg konsumieren die Asiaten jeden Tag.[10] Hierzu ist festzuhalten, dass die größte Prävalenz für ein Myom bei Frauen afrikanischer Ethnie und die geringste bei asiatischen Frauen liegt.[11]

Isoflavone enthalten geringe Mengen an Phytoestrogenen, wirken aber je nach Zelltyp unterschiedlich. So entfalten sie an manchen Zellen auch einen antiestrogenen Effekt. Überdies wirken sie antioxidativ. Bestimmte Flavone, insbesondere Luteolin, Apigenin und Quercetin fördern die Apoptose von Uterus-Myomzellen.[10] Ein Zusammenhang besteht auch zwischen der Myomgröße und dem Serumspiegel an Vitamin D. Interessanterweise wurde bei allen Ethnien – außer bei Afrikanerinnen und Kaukasierinnen – eine Korrelation zwischen niedrigen Serumpegeln und großen Myomen aufgezeigt. Lediglich bei den genannten Volksgruppen war dies umgekehrt. Ebenfalls untersucht wurden die Vitamine A, C und E. Die beiden Letztgenannten zeigten dabei trotz ihrer antioxidativen Eigenschaften keinen Zusammenhang mit der Prävalenz einer Myomentstehung.[10]

Wie schon bei der Endometriose zeigt sich auch beim Uterusmyom das Epigallocatechingallat (EGCG) als therapeutisch effektiv. Im Rahmen einer kleinen randomisierten Studie konnte herausgefunden werden, dass EGCG das Volumen der benignen Raumforderungen signifikant reduzierte und darüber hinaus auch die Leitsymptome Anämie und Blutverlust verbesserte.[11,12] Die volumenverkleinernde Wirkung schreiben Forscher dem hemmenden Einfluss auf die Catechol-O-Methyltransferase (COMT) zu. Das Enzym ist innerhalb der Myome in erhöhtem Maße anzutreffen und nachweislich an dessen Entstehung beteiligt. Günstiger Nebeneffekt: Eine häufige genetische Variante der COMT ist zudem mit dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen und Bluthochdruck assoziiert. Es werden gewissermaßen die berühmten „zwei Fliegen mit einer Klappe“ geschlagen.[10]

[1] Kong S et al., Evid Based Compl Alternat Med 2014; 146383
[2] Zhang Y et al., Int J Molec Med 2011; 27: 87–94
[3] Kim K-H et al., Phytotherap Res 2012; 26: 1037–1047
[4] Swarnakar S et al., Indian J Biochem Biophys 2009; 46: 59–65
[5] Wang D et al., PLoS One 2011; 6: e25011
[6] Yu J et al., Evid Based Complement Alternat Med 2015; 269138
[7] Kolahdouz MR et al., Biomed Pharmacother 2017; 91: 220–228
[8] Liu JP et al., Cochrane Database Syst Rev. 2013; (4): CD005292
[9] Islam MS et al., Pharmacol Rep 2017; 69: 57–70
[10] Dalton-Brewer N, Curr Obstet Gynecol Rep 2016; 5: 110–118
[11] Okolo S, Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol 2008; 22: 571–588
[12] Roshdy E et al., Int J Womens Health 2013; 5: 477–486

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