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Dermatologie

Ivermectin Aristo® als 6-mg-Tablette

Hochdosierte orale Therapie bei Skabies

22.5.2026

Die Leitlinienlage bei Skabies ist differenzierter als die traditionelle „Permethrin immer zuerst“-Formel. Ivermectin Aristo® 6 mg bietet eine flexible Dosierungsoption für Skabies, die bisher nicht verfügbar war. Dies ermöglicht eine individuellere Therapie und kann dazu beitragen, die Therapietreue zu verbessern.

Skabies ist eine kontagiöse Ektoparasitose durch ­Sarcoptes scabiei var. hominis. Die Transmission erfolgt überwiegend über engen, prolongierten Haut-zu-Haut-Kontakt; in bestimmten Konstellationen, insbesondere bei Scabies crustosa, kann auch eine indirekte Übertragung über kontaminierte Textilien oder Hautschuppen relevant werden. Bei älteren Menschen, immunsupprimierten Patienten sowie bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen kann die Klinik atypisch, diskret oder oligosymptomatisch sein, was die Dia­gnostik verzögert und Transmission begünstigt [1–7].

Pathophysiologisch beruht die Symptomatik überwiegend auf einer verzögerten Immunreaktion gegen Milben, deren Eier und Kotballen. Relevante Komplikationen sind bakterielle Superinfektionen, Impetiginisierung, Ekzematisierung und in vulnerablen Populationen erhebliche Ausbruchsereignisse.

Die WHO führt Skabies seit 2017 als vernachlässigte Tropenkrankheit. Global ist sie mit erheblicher Krankheitslast assoziiert [2,5]. Skabies zählt in Deutschland zu den wieder zunehmend relevanten parasitären Dermatosen. Sekundärdaten und Routine­daten­ana­lysen zeigen seit etwa 2009, insbesondere aber ab 2014, einen deutlichen Anstieg der Krankheitslast. In der vertragsärztlichen Versorgung nahm die Zahl der Behandlungsfälle zwischen 2010 und 2015 um 52,8 % auf etwa 128.000 zu. Stationär wurden zuletzt mehr als 11.000 Fälle jährlich dokumentiert [8]. Eine Analyse von Krankenkassendaten für 2009 –2018 ­beschrieb einen neunfachen Anstieg der Diagnosen und einen 14-fachen Anstieg der Skabizid-Verordnungen [9]. Insgesamt spricht die Evidenz für eine Reemergenz der Skabies in Deutschland mit regionalen Clustern, Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen und anhaltend hohem Versorgungs­bedarf [1,10].

Für die Versorgungspraxis ist wesentlich, zwischen gewöhnlicher Skabies und Scabies crustosa zu unterscheiden, da Letztere durch eine extreme Milbenlast, hohe Infektiosität und einen deutlich intensiveren therapeutischen sowie hygienischen Interventionsbedarf gekennzeichnet ist [1,3,6,7].

Therapeutisch ist Skabies nicht nur eine Individualerkrankung, sondern häufig ein Managementpro­blem von Kontakten und Settings. Der Behandlungserfolg hängt nicht allein von der Wirksamkeit des Akarizids ab, sondern in hohem Maß von simul­taner Mitbehandlung enger Kontaktpersonen, korrekter Applikation bzw. Einnahme, Hygieneinstruktion und ausreichender organisatorischer Koordi­nation. Persistierender Pruritus über Tage bis Wochen nach ­erfolgreicher Eradikation ist häufig und nicht automatisch Ausdruck eines Therapieversagens [1–3,7].

Therapeutische Optionen

Für die Behandlung der gewöhnlichen Skabies stehen topische und systemische Antiskabiosa zur Verfügung. In deutschsprachigen und europäischen Leitliniendokumenten [1,3] gilt Permethrin 5 % als etablierte Standardtherapie, vor allem bei guter ­Applizierbarkeit und erwartbar hoher Adhärenz.

Oral verabreichtes Ivermectin ist eine zugelassene, evidenzbasierte Alternative mit hoher praktischer Relevanz; weitere Optionen wie Benzylbenzoat, ­Crotamiton oder Schwefelpräparate kommen je nach Alter, Schwangerschaft, Verträglichkeit, Verfügbarkeit und lokaler Praxis ergänzend infrage [1,3,4,6].

Ivermectin wird gewichtsadaptiert mit 200 µg/kg oral gegeben. Bei ausgedehnter Skabies oder Scabies crustosa sind wiederholte Gaben und die Kombination mit topischer Therapie häufig erforderlich [1,6]. Für Scabies crustosa empfehlen Leitlinien ausdrücklich eine Kombination aus oralem Ivermectin und topischem Skabizid, oft ergänzt um keratolytische Maßnahmen [1,3,6].

Die Evidenzlage ist differenziert: Ein Cochrane-­Review zeigte nach zwei Wochen keine klaren Wirksamkeitsunterschiede zwischen Permethrin und systemischem Ivermectin, bei insgesamt wenigen und überwiegend milden Nebenwirkungen [4]. Der SCRATCH-Trial von 2026 stützt Permethrin als First-Line bei unkomplizierter klassischer Skabies [11]. Diese Daten verändern aber nicht die hohe Bedeutung von Ivermectin in komplexen Versorgungssituationen, in denen praktische Durchführbarkeit und kollektive Eradikationsfähigkeit klinisch entscheidend sind [7,11].

Wann orales Ivermectin „de facto“ First-Line sein kann

Der zentrale Punkt ist: Bei Skabies entscheidet nicht nur die intrinsische Wirksamkeit eines Wirkstoffs, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass eine vollständige, zeitgleiche und korrekte Behandlung tatsächlich umgesetzt wird. Für die klassische, unkomplizierte Skabies eines kooperativen, mobilen Einzelpatienten mit sicher möglicher Ganzkörperapplikation ist Permethrin weiterhin der leitlinienkonforme Standard [1,3,11].

Topische Therapie setzt voraus, dass der gesamte Körper – je nach Alter und Lokalisation inklusive schwer einsehbarer Areale – suffizient behandelt wird, dass die Einwirkzeit eingehalten wird und dass Kontaktpersonen synchron mitbehandelt werden. Genau diese Voraussetzungen fehlen ­häufig in ­Pflegeheimen, Einrichtungen mit Demenz­schwerpunkt, Geflüchtetenunterkünften, Haft- oder Sammelunterkünften, großen Haushalten mit multi­plen Kontakten, bei sozialer Desorganisation oder bei Personen mit ausgeprägter Mobilitäts­ein­schränkung [7,12].

Für Pflegeheime und andere Langzeitpflegeeinrichtungen ist die Problemlage besonders klar beschrieben: Die klinische Präsentation ist im Alter oft atypisch, manche Betroffene – insbesondere mit kognitiver Einschränkung – können Juckreiz nicht adäquat ­kommunizieren, und die topische Behandlung ist in dieser Population intrusiv, personalintensiv und orga­ni­satorisch störanfällig [7]. Die UK Health ­Security Agency (UKHSA) hebt ausdrücklich hervor, dass eine orale Therapie unter realen Bedingungen oft die ­höhere Umsetzbarkeit und damit die höhere effektive Wirksamkeit besitzt. Dasselbe gilt für Ausbrüche in Sammeleinrichtungen oder großen Haushalten. Dort ist die zeitgleiche Behandlung aller Fälle und enger Kontakte essenziell, um Reinfestationszyklen zu unterbrechen [5,7].

In der Versorgungsrealität sind viele Skabiesfälle ­keine „Lehrbuchfälle“, sondern eingebettet in Ausbruchsgeschehen, institutionelle Strukturen, pflegerische Abhängigkeit oder eingeschränkte Therapieadhärenz. In solchen Konstellationen kann Ivermectin oral faktisch die sinnvollere Primärstrategie darstellen [7,12].

Vorteile der 6-mg-Wirkstärke

Die neue 6-mg-Dosierung bietet nun vor allem galenisch-logistische und adhärenzrelevante Vorteile. Da Ivermectin bei Skabies gewichtsadaptiert mit 200 µg/kg dosiert wird, ist die absolute Dosis bei Erwachsenen häufig im Bereich von 9 –18 mg pro Gabe (Tab. 1). Mit 3-mg-Tabletten führt dies rasch zu einer hohen Tablettenanzahl; eine 60- bis 65-kg-Person benötigt beispielsweise 12 mg, also vier 3-mg-Tabletten, während dies mit 6-mg-Wirkstärke durch zwei Tabletten realisiert werden kann.

Die 6-mg-Tablette (Snap-Tab) lässt sich in dosisgleiche Hälften teilen und unterstützt so die individuelle Dosierung im Alltag [13]. Zudem ergeben sich durch die optimierte Dosierung potenzielle Kostenvorteile pro Behandlung.

Weniger Tabletten bedeuten in der Ausbruchssituation weniger Verteilungsfehler, weniger Zählfehler, geringere Verwechslungsgefahr und meist höhere Einnahmeakzeptanz. Das ist insbesondere relevant, wenn zahlreiche Personen an einem Termin behandelt werden müssen, etwa in Einrichtungen, Wohnverbünden oder Haushaltsclustern [7,12]. Weniger Tabletten erleichtern pflegerisches Handling, Dokumentation und Medikationskontrolle [7].

In der Regel handelt es sich um eine einmalige Einnahme. Eine wiederholte Gabe innerhalb von zwei Wochen kann bei Auftreten spezifischer Läsionen indiziert sein oder wenn der parasitologische Befund zu diesem Zeitpunkt positiv ist. Bei Skabies crustosa kann eine erneute Behandlung nach 8–15 Tagen erforderlich sein, damit potenziert sich der Vorteil der geringeren Tablettenlast über die gesamte Behandlungsserie. Dies kann in komplexen Settings die Wahrscheinlichkeit eines vollständig abgeschlossenen Regimes erhöhen.

Skabies bleibt eine relevante parasitäre Dermatose mit steigender Krankheitslast. Leitlinien sehen Permethrin 5 % bei klassischer, unkomplizierter Skabies als Standard, während orales Ivermectin eine evidenzbasierte Alternative darstellt. Besonders in komplexen Settings – etwa Pflegeheimen, Gemeinschaftseinrichtungen, großen Haushalten oder bei eingeschränkter Adhärenz – kann Ivermectin wegen der einfacheren praktischen Umsetzung de facto zur bevorzugten Strategie werden. Die neue Tablette in der 6-mg-Wirkstärke reduziert die Tablettenlast, erleichtert gewichtsadaptierte Schemata und kann so Adhärenz und Versorgungsabläufe verbessern.

Ivermectin Aristo 3 mg Tabletten, Ivermectin Aristo 6 mg Tabletten (Rp)
Wirkstoff: Ivermectin

Zus.: Jede Tbl. enth.: 3 mg/6 mg Ivermectin. Sonst. Bestandt.: Mikrokristalline Cellulose, Citronensäure, Butylhydroxyanisol (Ph. Eur.), Vorverkleisterte Stärke (Mais), Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat (Ph. Eur.) [pflanzlich]. Anw.: Beh. v. gastrointestinalen Strongyloidiasis  (Anguillulosis); Beh.e. vermuteten od. diagnostizierten Mikrofilarämie b. Pat.m. durch Wucheria bancrofti verursachten lymphatischen Filiarose; Beh.d.Skabies (verursacht durch Sarcoptes scarbei) b. Menschen. Die Behandlung ist gerechtfertigt, wenn die Diagnose der Scabies klinisch und/oder durch parasitologische Untersuchungen gesichert ist. Ohne eine gesicherte Diagnose stellt ein Pruritus allein keine Indikation dar. Gegenanz.: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Nebenwirk.: Häufig: Transaminasen erhöht, Leukopenie, Lymphadenopathie; Anorexie; Somnolenz; Schwindelgefühl, Vertigo, Tremor; Abdominalschmerz, Schmerzen im Oberbauch, Diarrhoe, Übelkeit, Erbrechen, epigastrischer Schmerz, Stuhlinkontinenz; Pruritus, Ausschlag, Urtikaria. Selten: Encephalopathie. Sehr selten: Stevens-Johnson Syndrom; Toxisch epidermale Nekrolyse. Nicht bek.: Konjunctivitis, Chorioretinitis; Anämie, Lymphadenitis; Asthma; exzessives Schwitzen; Ödem; Gemütszustand verändert, Verwirrtheit, Stupor; Gangstörung, Koma, Kopfschmerzen; okuläre Hyperämiea, subkonjunktivale Blutung, Iridozyklitis, Limbitis, Keratitis, Choroiditis, anteriore Uveitis, Augenlidödem, abnormale Sinnesempfindung des Auges; Tachykardie; Orthostasesyndrom; Husten, respiratorisches Unbehagen, Exazerbation des Asthmas, rauer Hals, Dyspnoe; anale Inkontinenz, Konstipation , Schmerzen im Oropharynx; Hypereosinophilie,  Lebererkrankung, akute Hepatitis, Hyperbilirubinämie, Leberfunktionstest anomal; Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Myalgie, Arthralgie, Schüttelfrost; Harninkontinenz; Hämaturie, Hodenschmerz; Dysstasie, Lethargie, Asthenie, Fieber, Hyperhidrosis, Unbehagen, diffuse Schmerzen, Gefühle der Schwäche, Gehschwierigkeiten; Leberenzyme erhöht (ALAT/ALP). (verschreibungspflichtig). (Stand April 2026). Aristo Pharma GmbH, Wallenroder Straße 8-10, 13435 Berlin.

  1. Sunderkötter C et al. S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Skabies. AWMF-Registernummer: 013-052
  2. Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Skabies (Krätze). Stand: 27.05.2025
  3. Salavastru CM et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; 31: 1248–53
  4. Rosumeck S et al. Ivermectin and permethrin for treating scabies. Cochrane Database Syst Rev 2018; 4: CD012994
  5. WHO. Scabies. Fact sheet. WHO 2023
  6. Uzun S et al. Int J Dermatol 2024; 63: 1642–56
  7. UK Health Security Agency. UKHSA guidance on the management of scabies cases and outbreaks in communal residential settings. Stand: April 2025
  8. Augustin M et al. Hautarzt 2021; 73: 61–6
  9. Reichert F et al. Emerg Infect Dis 2021; 27: 1693–6
  10. Sunderkötter C et al. Dtsch Arztebl Int 2021; 118 (41): 695–704
  11. Boralevi F et al. BMJ 2026; 392: e086277
  12. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Merkblatt zum Umgang mit Krätze (Skabies) in Gemeinschaftsunterkünften. https://www.lgl.bayern.de/downloads/gesundheit/hygiene/doc/merkblatt_kraetze_gemeinschaftsunterkuenfte.pdf
  13. Fachinfo Ivermectin Aristo® Tabletten 6 mg aktueller Stand

Impressum
Bericht I Redaktion I Konzept: Dr. rer. nat. Reinhard Merz
MiM Verlagsgesellschaft mbH (Neu-Isenburg)
Mit freundlicher Unterstützung der Aristo Pharma GmbH (Berlin)

Bildnachweis: privat

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