Eine Infektion mit dem respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) ist nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Immunsupprimierte oder Personen mit Diabetes und Herzerkrankungen besonders gefährlich. Bei der Entscheidung für eine Impfung sollte man immer das Gesamtrisiko betrachten.
Inzwischen wissen wir, dass eine Infektion mit dem RSV nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene treffen kann, insbesondere ältere Menschen. „Für mich als Hausarzt und natürlich auch für meine Patienten ist es besonders wichtig, eine Klinikaufnahme zu verhindern“, sagte Prof. Dr. med. Jörg Schelling (Martinsried). Zu den Risikofaktoren für eine Hospitalisierung gehören nicht nur Lungenerkrankungen wie die COPD, sondern z. B. auch Diabetes und Herzkrankheiten wie Herzinsuffizienz und koronare Herzerkrankung. In mehreren Studien konnte belegt werden, dass bis zu 22 % der Teilnehmenden mit einer laborbestätigten RSV-Infektion kardiovaskuläre Komplikationen wie Exazerbationen einer Herzinsuffizienz, Arrhythmien, Vorhofflimmern, Myokardinfarkt oder akutes Herzversagen entwickeln. Denn durch die Infektion erhöht sich die Koagulabilität und es kommt zur Plaque-Destabilisierung. Auch Personen mit Diabetes erkranken häufiger an einer schweren RSV-Infektion und müssen stationär behandelt werden. Es gibt zudem – auch durch die modernen Antikörpertherapien – immer mehr Menschen mit einer Immunsuppression, gab Schelling zu bedenken. Auch sie erkranken häufiger durch RSV und an damit assoziierten Komplikationen. Davon abgesehen, dass diese Personen von einer Impfung profitieren, ergibt bei ihnen auch der Schutz der nahen Bezugspersonen Sinn, betonte der Experte. Dies wird derzeit allerdings von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht generell empfohlen. Besonders gefährdet sind Menschen mit hämatologischen Malignomen. Bei ihnen führt eine RSV-Infektion zu einer erhöhten Mortalität, längeren Krankenhausaufenthalten und Komplikationen wie Lungenentzündung und akutem Atemversagen.
Effektivität und Empfehlungen
Schelling stellte Daten zur Real-World-Evidence des RSV-Impfstoffs RSVpreF vor. Ihnen zufolge ließ sich auch in der zweiten Saison nach der Impfung eine hohe Effektivität nachweisen. Bei Personen ab 60 Jahren betrug die Effektivität beim Schutz vor einer RSV-bedingten Hospitalisierung oder Behandlung in der Notaufnahme 75 %, in der ersten Saison hatte sie bei 81 % gelegen. Vor schweren Erkrankungen der unteren Atemwege konnte RSVpreF in der zweiten Saison noch mit einer Effektivität von 75 % schützen, in der ersten Saison mit 85 %. Diverse Fachgesellschaften raten zu einer RSV-Impfung bei allen Personen ab 60 Jahren und darüber hinaus jeden Alters bei schweren pulmonalen oder kardiovaskulären Vorerkrankungen und bei deutlicher Einschränkung der Immunabwehr. Die STIKO empfiehlt die Impfung ab dem 75. Lebensjahr als Standardimpfung, zwischen 60 und 74 bei bestimmten Grunderkrankungen. Grundsätzlich ist eine Impfung aber auch außerhalb dieser Empfehlungen möglich, ist dann aber ggf. eine Selbstzahlerleistung.
Meet the Experts „RSV-Schutz: Nicht nur für die Lunge“ (Veranstalter: Pfizer Pharma GmbH)