Mit der Einführung oraler GnRH-Antagonisten hat sich das therapeutische Spektrum in der gynäkologischen Praxis bei Uterusmyomen und Endometriose deutlich erweitert. Linzagolix stellt dabei eine neue medikamentöse Option dar, die sowohl bei myomassoziierten Symptomen als auch bei Endometriose eingesetzt werden kann.
Der Wirkstoff ist für die Behandlung moderater bis schwerer Symptome von Uterusmyomen bei Frauen im reproduktiven Alter sowie für die symptomatische Therapie der Endometriose nach vorausgegangener medikamentöser oder chirurgischer Behandlung zugelassen. Pharmakologisch handelt es sich um einen selektiven, oral verfügbaren GnRH-Rezeptorantagonisten, der eine dosisabhängige Suppression der Ovarialfunktion und damit des Serumestradiols bewirkt. Ziel der Therapie ist ein Estradiolbereich von etwa 30 – 50 pg/ml („estrogen threshold“), der einerseits eine Kontrolle der Symptome ermöglicht, andererseits aber hypoestrogene Nebenwirkungen und Knochendichteverluste minimiert.
Ein praktischer Vorteil von Linzagolix besteht in der flexiblen Dosierung. Zur Verfügung stehen 100 mg und 200 mg einmal täglich. In der Praxis wird häufig initial eine Therapie mit 200 mg eingesetzt, insbesondere bei ausgeprägten Blutungsstörungen oder bei sekundärer Anämie. Diese Dosierung kann rasch zu einer deutlichen Reduktion der Menstruationsblutung und zu einem Anstieg des Hämoglobinwertes führen. Aufgrund der stärkeren Estrogensuppression ist die Anwendung ohne Add-back-Therapie jedoch zeitlich begrenzt. Anschließend kann auf 100 mg als Erhaltungstherapie oder auf eine Kombination mit Add-back-Therapie umgestellt werden. Prof. Dr. med. Thomas Römer (Köln) präsentierte Praxisfälle, die zeigen, dass diese Strategie insbesondere bei Patientinnen mit erhöhtem Operationsrisiko oder bei Wunsch nach Organerhalt relevant sein kann.
Auch im Kontext der Endometriose eröffnet Linzagolix neue Möglichkeiten, vor allem in der Zweitlinientherapie nach unzureichendem Ansprechen auf Gestagene wie Dienogest. Studien zeigen eine relevante Reduktion endometrioseassoziierter Schmerzen sowie eine Verbesserung der Lebensqualität, sodass Linzagolix insgesamt eine individualisierbare und effektive Therapieoption für beide Entitäten darstellt. Durch variable Dosierung und flexible Add-back-Strategien kann die Behandlung an klinische Situation, Komorbiditäten und Patientinnenpräferenzen angepasst werden.
Meet the Expert „Praxiserfahrungen mit Linzagolix – Fälle aus der Myom- und Endometriose-Sprechstunde“ (Veranstalter: Theramex Germany GmbH)