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Dermatologie

COVID-19 und Haut

Hautreaktionen durch Maskentragen

Dr. med. Viktor Alexander Czaika

24.11.2021

In der Praxis stellen sich immer wieder Patienten vor, bei denen durch das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken Hautirritationen auftreten. Denn diese sind aus Kunststoffmaterial und können durch reibende Relativbewegungen zur Haut, unterhalb der Nase, aber auch nasolabial, zu ersten Hautbarrieredefekten führen.

Durch das Zurückhalten der feuchten und warmen Atemluft kommt es zu einer chronischen Durchfeuchtung und Überwärmung der Epidermis. Es besteht je nach Dichtigkeit und Hautabstand der Maske eine „feuchte Kammer“. Diese begünstigt die Vermehrung von kommensalen Bakterien und Pilzen. Gerade das untere Mittelgesicht ist betroffen. So kann durch diese Mechanismen eine bestehende Acne vulgaris oder eine Rosacea papulopustulosa verschlimmert werden. Bei Patienten mit atopischer Dermatitis kann sich ein bestehendes Ekzem verschlechtern, ­allergische Reaktionen gegen Bestandteile oder Duftstoffe in der Maske sind möglich, ebenso wie auch eine erst stattfindende Sensibilisierung. Ganz häufig sind bei Atopikern Entzündungen des Lippenrots bis zur nässenden Cheilitis mit Angulus infectiosus.


Überpflegung intensiviert Treibhauseffekt auf der Haut

Aber auch die normalgesunde Haut kann leiden. Auf Nachfrage berichten viele Patienten, dass sie dem entstehenden Trockenheitsgefühl durch rückfettende Tages- und Nachtcremes begegnen wollen. Diese Überpflegung der Haut intensiviert den Treibhauseffekt auf der Haut, sodass sich rasch eine periorale Dermatitis einstellen kann. Fissuren und Rhagaden sowie reflektorisches Reiben oder Kratzen können auch schlimmere Dermatosen erzeugen wie Pyodermien in Form von Follikulitiden oder von Gesichts- bzw. Ohrerysipelen. Insbesondere im Bereich der bei den FFP2-Masken oft sehr eng sitzenden Ohrriemen können durch chronisches Scheuern Eintrittspforten für gefährliche Bakterien wie Streptococcus pyogenes oder Staphylococcus aureus entstehen. ­Furunkel im Mittelgesicht stellen ein hohes Risiko für die Komplikation einer potenziell letalen Sinusvenenthrombose dar. Für Patienten mit floridem Herpes labialis recidivans werden durch die Maskenreibung Schmerzen verstärkt, und die Virusinfektion kann sich dadurch weiter in der Umgebung ausbreiten. Bei ­Diabetikern können sich durch periorifizielle Durchfeuchtung auch Candida­infektionen z. B. vom Erregerreservoir der Mund­höhle ausbreiten.

Therapiemöglichkeiten abseits der Maskenbefreiung

Die Behandlung gestaltet sich grundsätzlich als schwierig, da Hauterkrankungen nicht in der Liste der eine Maskenbefreiung begründenden Erkrankungen erfasst sind. Dabei wäre die Maskenkarenz die erste sinnvolle Maßnahme für den Heilungsprozess. Grundsätzlich sollte auch bei Trockenheits- oder Irritationsgefühl die Anwendung stark rückfettender Cremes oder gar reichhaltiger Salben gemieden werden. Bei Akne, Rosacea oder perioraler Dermatitis sind läsional lokale Antibiotika wie Erythromycin oder Clindamycin bzw. Metronidazol empfohlen. Gerade bei ­Rosacea oder perioraler Dermatitis können Schwarzteeumschläge und Azelainsäure-Gel hilfreich sein. Bei schweren Fällen ist eine systemische Antibiose mit Doxycyclin angeraten. Bei Candidainfektionen ist die Applikation von kombinierten Externa aus Antimykotikum und Steroid am schnellsten erfolgreich. Sehr gute Erfahrungen bestehen hier in der Kombination aus Miconazol und Flupredniden. Durch die gleichzeitige Wirkung des Triazols als Breitbandantimykotikum und als Antibiotikum gegen grampositive Bakterien kann initial auch bei differenzialdiagnostischer Unsicherheit gut geholfen werden. Bei ausgeprägten Pyodermien sollte systematisch antibiotisch behandelt werden. Herpes­infektionen sollten lokal mit Aciclovir-haltiger Creme und bei ausgeprägtem Befund und hoher Rezidivquote mit systemischem Aciclovir behandelt werden.

Ein Fall aus der Praxis

Anamnese:
Die 83-jährige Heimbewohnerin hat nach längerem Tragen der Atemschutzmaske im Rahmen der COVID-19-Prävention ein heftig juckendes Ekzem im Mundbereich entwickelt. Zunehmend käme es auch zur Schwellung im Lippenrotbereich.

Hautbefund :
Perioral ein deutliches entzündliches, eher flächiges Infiltrat (Abb. 1), teils feinlammelär schuppend, teils mit einzelnen gelblichen Krusten (Abb. 2). Unscharfe Zeichnung und Ödembildung im Übergang zum Lippenrot. Vereinzelte Rhagaden (Abb. 3).

Mikrobiologie:
Abstrich perioral: Staphylococcus aureus ++,
Candida albicans +.

Therapie und Verlauf:
Es bietet sich der Aspekt eines periorifiziellen Ekzems. Die Genese kann gut mit dem permanenten Tragen der Atemschutzmaske erklärt werden. Durch die Okklusion mit Rückhalt der feuchten warmen Atemluft („feuchte Kammer“) kam es zu einer Durchfeuchtung der perioralen Hautpartien. So konnten sich Hautkommensalen wie gram­positive Kokken, aber auch Sprosspilze aus dem endogenen oralen Erregerreservoir optimal vermehren. Durch die chronische Durchfeuchtung der Epidermis entstand ein Barrieredefekt, der auch zur Rhagaden­bildung führte. Letztlich entstand ein mikrobiell superinfiziertes irritativ-toxisches periorales Ekzem, das ohne Millieuänderung weiter progredient gewesen wäre. Wichtige Maßnahme war zunächst der vorüber­gehende Verzicht auf die eng anliegende Maske und der Wechsel zu einem Gesichtsvisier. Außerdem kam über einen Zeitraum von sieben eine Creme aus Flupredniden und Miconazol zur Anwendung. Hier ging es um ein tatsächlich polypragmatisches initiales Behand­lungskonzept. Das Steroid Flupredniden wirkte gegen das Ekzem, das Antimykotikum Miconazol gegen die Hefe und gegen die Staphylo­kokken, denn Miconazol hat auch eine antibakterielle Aktivität auf grampositive Bakterien. Wichtig ist die differenzialdiagnostische Unter­scheidung von der klassischen perioralen Dermatitis. Hier besteht im Grunde eine Überpflegung der Haut mit zumeist reichhaltigen Tages- und Nachtcremes mit der Folge der Entstehung von perioral angeordneten Papeln und Pusteln. Frauen sind zumeist betroffen („Stewardessenkrankheit“), und aufgrund der überwiegend anaeroben Hautkeime ist dann Metronidazol-Creme oder -Gel Therapie der Wahl.

FAZIT:

Bedingt durch das Schutzmaskentragen haben die Fälle dermatologischer Erkrankungen längst Einzug in den Praxisalltag erhalten. Wichtig ist die differenzialdiagnostische Abklärung. Anschließend wird je nach Hauterkrankung symptomatisch behandelt.

Der Autor

Dr. med. Viktor Alexander Czaika
Facharzt für Dermatologie,
Venerologie und Innere Medizin
Bruno-Bügel-Weg 16
12439 Berlin

viktor.czaika@gmx.de

Literatur beim Autor

Bildnachweis: Dr. med. Viktor A. Czaika, privat

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