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Allgemeinmedizin

Vitamin D

Vorteilhafte Effekte bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Dr. phil. nat. Miriam Neuenfeldt

17.5.2022

Vitamin D hat antiinflammatorische Eigenschaften und unterstützt die Integrität der intestinalen Barriere. Daher spielt das Vitamin eine wichtige Rolle bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Eine Studie bestätigt nun den Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und der gesteigerten Erkrankungsaktivität bei CED.[1]

Vitamin D ist im Gastrointestinaltrakt an der Darmimmunität und den Mikrobiotika sowie an der Integrität der intestinalen Epithelbarriere beteiligt.[2] Vitamin-D-Rezeptoren werden somit im Darm zahlreich exprimiert. Eine dem Vitamin D zugeschriebene Funktion ist der Erhalt der Integrität der intestinalen Barriere, indem Proteine der Tight Junctions wie Claudin-1 unterstützt werden.[3] Die Dysfunktion der intestinalen Barriere spielt eine zentrale Rolle in der Pathogenese chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED), denn sie führt zur Aktivierung inflammatorischer Signalkaskaden und verursacht letztlich die intestinale Inflammation.[4] Dabei spielt auch die Dysbiose des intestinalen Mikrobioms eine wesentliche Rolle. Orale Gaben von Vitamin D können die bakterielle Zusammensetzung im Darm von Morbus-Crohn-Patienten dann positiv beeinflussen.[5]

Vitamin-D-Mangel bei CED-Patienten häufig

Bekannt ist, dass ein Vitamin-D-Mangel bei CED-Patienten relativ häufig auftritt.[6] CED-Patienten weisen im Vergleich zu Gesunden eine 64 % höhere Wahrscheinlichkeit auf, ein Defizit auszubilden.[7] Zudem kann ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für CED steigern.[8] Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass ein Vitamin-D-Mangel mit einer erhöhten Erkrankungsaktivität im Zusammenhang steht, wohingegen eine Supplementierung von Vitamin D zu einer reduzierten Erkrankungsaktivität führen kann.[8,9] Angesichts der zunehmenden Evidenz zu vorteilhaften Effekten von Vitamin D bei CED wird die Supplementierung – sofern sie indiziert ist – in der CED-Leitlinie der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) empfohlen. Es fehlen jedoch evidenzbasierte Empfehlungen über Zielspiegel, Dosierung und Dauer einer Vitamin-D-Supplementierung für CED-Patienten.

Ergebnisse der aktuellen Studie

Mediziner und Wissenschaftler vom Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt am Main untersuchten daher im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen dem 25-Hydroxyvitamin-D (25-OH-D3)-Spiegel und der Erkrankungsaktivität bei CED. Zudem definierten sie einen Schwellenwert, der zur Unterscheidung von aktiver Erkrankung und Remission geeignet ist.[1] Insgesamt wurden in der Studie 470 CED-Patienten eingeschlossen. Davon waren 257 Patienten weiblich. Das mediane Alter der gesamten Patientenpopulation lag bei 41 Jahren. Bei über der Hälfte der Patienten (57,9 %) war Morbus Crohn diagnostiziert und bei 42,1 % Colitis ulcerosa. Die mediane 25-OH-D3-Serumkonzentration der gesamten Studienpopulation betrug 26 ng/ml. Bei 60,2 % der Patienten wurde ein Vitamin-D-Defizit festgestellt – definiert als 25-OH-D3-Werte unter 30 ng/ml (s. Tab.).[1] Patienten mit Morbus Crohn hatten signifikant geringere 25-OH-D3-Spiegel im Vergleich zu Colitis-ulcerosa-Patienten (25,5 vs. 28,0 ng/ml; p = 0,049). Diese Beobachtung wird durch Ergebnisse einer Schweizer und norwegischen Studie gestützt.[10,11]

Unzureichende Supplementierung

Über die Hälfte der Studienteilnehmer (53,6 %) erhielt eine orale Vitamin-D-Supplementierung – 20.000 IU Cholecalciferol täglich über zehn Tage, gefolgt von 20.000 IU einmal wöchentlich. Trotz der Supplementierung war weiterhin bei 45,7 % der Patienten ein Vitamin-D-Mangel nachweisbar. Demzufolge sollte die Vitamin-D-Supplementierung optimiert und ein geeignetes Monitoring eingeführt werden.

Höhere 25-OH-D3-Serumspiegel in Remission

Auffällig waren in der Studie signifikant geringere mediane 25-OH-D3-Serumspiegel bei Patienten mit aktiver Erkrankung im Vergleich zu Patienten in Remission (23 ng/ml vs. 29 ng/ml; p = 0,04).[1] Zwei prospektive Studien aus Norwegen und den USA zeigen ebenfalls eine inverse Assoziation zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und der Erkrankungsaktivität bei CED-Patienten.[9,11] Als optimaler Schwellenwert zur Unterscheidung zwischen aktiver Erkrankung und Remission wurde bei den Frankfurter CED-Patienten ein 25-OH-D3-Serumwert von 27,5 ng/ml ermittelt.[1]

FAZIT

Ein Vitamin-D-Mangel ist bei CED-Patienten relativ häufig und steht mit einer erhöhten ­Erkrankungsaktivität im Zusammenhang. Daher befürworten die Autoren der Studie ein sorgfältiges Monitoring der Vitamin-D-Spiegel und eine ­adäquat angepasste Supplementierung bei Patienten mit CED.1

Die Autorin

Dr. phil. nat. Miriam Neuenfeldt
Wissenschaftliche
Autorin & Referentin
18439 Stralsund

info@phar-med.de
www.phar-med.de

[1] Hausmann J et al., J Clin Med 2019; 8 (9), pii: E1319
[2] Fletcher J et al., Nutrients 2019; 11: 1019
[3] Kong J et al., Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol 2008; 294: G208–G216
[4] Shih DQ et al., World J Gastroenterol 2008; 14: 390–400
[5] Schaffler H et al., J Dig Dis 2018; 19: 225–234
[6] Chetcuti Zammit S et al., Eur J Gastroenterol Hepatol 2018; 30: 1297–1303
[7] Del Pinto R et al., Inflamm Bowel Dis 2015; 21: 2708–2717
[8] Ananthakrishnan AN et al., Gastroenterology 2012; 142: 482–489
[9] Kabbani TA et al., Am J Gastroenterol 2016; 111: 712–719
[10] Caviezel D et al., Inflamm Intest Dis 2018; 2: 200–210
[11] Frigstad SO et al., Scand J Gastroenterol 2017; 52: 100–106

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