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Studien-Update

Studien-Update

Haut & Klima

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

27.2.2026

Metaanalyse zu atopischer Dermatitis: Klima und Schadstoffe +++ Temperaturtrend-definierte „Jahreszeiten“ Bei Psoriasis +++ Temperatur-Wechsel schadet +++ UV-Index und Melanom

Metaanalyse zu atopischer Dermatitis: Klima und Schadstoffe

Diese Metaanalyse adressiert die Frage, inwieweit klimatische Bedingungen (Temperatur-Extreme, ­Niederschlag, Luftfeuchte, Sonnenscheindauer) und Luftschadstoffe mit Prävalenz bzw. Krankheitsaktivität der atopischen Dermatitis (AD) assoziiert sind. Methodisch handelt es sich um eine systematische Evidenzsynthese mit Metaanalyse (Random-Effects) und Bewertung der Evidenzsicherheit mittels GRADE. Eingeschlossen wurden 42 Beobachtungsstudien (Erwachsene ≥ 18 Jahre). Primäre Endpunkte waren AD-Prävalenz sowie Surrogatmarker der Krankheitslast und Severity-Parameter.

Konsistent zeigte sich eine Zunahme AD-assoziierter Arztkontakte pro Anstieg klassischer Luftschadstoffe: pro +10 µg/m³ PM10 stieg das relative Risiko (RR) auf 1,008 (95%-KI 1,003–1,012; hohe Evidenzsicherheit). Für PM2,5 ergab sich RR 1,013 (95%-KI 0,999–1,027; moderat), für SO2 RR 1,029 (95%-KI 1,020 –1,039; hoch) und für NO2 RR 1,014 (95%-KI 0,999–1,030; moderat). Neben Luftschadstoffen waren Temperatur-Extreme (Hitze wie Kälte) mit einer erhöhten AD-bezogenen Inanspruchnahme assoziiert.

Fazit: Die Arbeit stützt ein „Exposom“-Paradigma: Klimavariabilität und Luftschadstoffe wirken als externe Stressoren, die Barrierefunktion und Typ-2-­Inflammation aggravieren können. Hauptsächliche Limitation bleibt die Heterogenität der Studien ­(Expositionsmessung, Endpunkte). 

Park M et al., JAMA Dermatol 2025; 161: 828–39, doi:10.1001/jamadermatol.2025.1790

Temperaturtrend-definierte „Jahreszeiten“ Bei Psoriasis

Die Studie untersucht, ob nicht nur absolute meteorologische Werte (Temperatur, UV, Feuchte), sondern dynamische Temperaturtrends („warming/transition/cooling“) das Ansprechen systemischer Psoriasistherapien modulieren. Datengrundlage war das prospektive, multizentrische Register SPEECH, das Real-World-Effektivität von Biologika (u. a. Adalimumab, Ustekinumab, Secukinumab, Ixekizumab), konventionellen Systemtherapien (Acitretin, Methotrexat) und Phototherapie erfasst.

In der 3-Monats-Analyse zeigte die „cooling“-Gruppe signifikant niedrigere Chancen auf klinische Response gegenüber „warming“: PASI 75 OR 0,70 (95%-KI 0,61–0,80; p < 0,001), PASI 90 OR 0,68 (0,59 – 0,79; p < 0,001), PGA 0/1 OR 0,65 (0,57– 0,75; p < 0,001) und DLQI-MID OR 0,86 (0,75– 0,99; p = 0,032). Die „transition“-Gruppe lag meist intermediär. Wesentlich ist, dass die Assoziationen unabhängig von mittleren (statischen) Temperatur-, UV- und Feuchtewerten während des Behandlungszeitraums bestanden – die „Trendkomponente“ fungiert damit als eigenständiger Stressor bzw. Krankheitsmodifikator.

Fazit: Die Arbeit hat unmittelbare Implikationen für Studiendesign und Versorgung: Saison-/Trend-Stratifizierung könnte Effektabschätzungen in Real-World-Analysen und klinischen Studien präzisieren; in der Praxis sind adaptive Strategien (Monitoring, Eskalationsbereitschaft) in „abkühlenden“ Perioden plausibel. Limitationen betreffen Generalisierbarkeit (subtropisches Monsunklima Shanghai), nicht-randomisierte Therapiezuweisung und Fokus auf Kurzzeitendpunkte (2–3 Monate). 

Song X et al., Front Immunol 2025; 16: 1641225, doi:10.3389/fimmu.2025.1641225

Temperatur-Wechsel schadet

Diese experimentelle Studie adressiert, wie wiederholte Schwankungen der Umgebungstemperatur die kutane Barriereintegrität beeinflusst. Probanden und Probandinnen wurden wiederholten Temperaturwechseln ausgesetzt (z. B. 25 °C, 10 °C, 35 °C über definierte Zeitfenster) und objektive Barriereparameter (transepidermaler Waserverlust TEWL, Hautfeuchtigkeit, pH-Wert) und inflammatorische Marker im Hautoberflächenfilm wurden vor und nach Exposition gemessen. Parallel wurde eine Kontrollgruppe unter konstant temperierten Bedingungen untersucht. ­Wiederholte Temperaturfluktuationen führten zu einem signifikanten Anstieg des TEWL im Vergleich zur Kontrollgruppe, was auf eine ­gestörte Barrierefunktion hindeutet. Barrierever­änderungen persistierten über mehrere Tage nach Exposition, was auf mangelnde Kompensationsmechanismen hindeutet. Hautoberflächenmarkern zufolge kam es zu einer milden proinflammatorischen Aktivierung.

Fazit: Diese Studie liefert die ersten kontrollierten experimentellen Daten zur Wirkung von Temperaturfluktuationen auf die menschliche Hautbarriere. Die Befunde unterstützen ein mechanistisches Modell, wonach Barriereinsuffizienz und „low-grade“-Entzündung durch sich schnell ändernde thermische Expositionen vermittelt werden. 

Hui-Beckman JW et al., J Investig Dermatol 2025; 145: 2626–8, doi: 10.1016/j.jid.2025.02.154

UV-Index und Melanom

Die Studie quantifiziert Zusammenhänge zwischen sich verändernder bodennaher UV-Strahlung und Inzidenz des malignen Melanoms (MM) über den Zeitraum 1990 –2021. Global zeigte sich ein allgemeiner Anstieg der UV-Strahlung mit deutlichen regionalen Disparitäten. Besonders hohe relative Risiken bzw. starke Assoziationen zwischen UV-Zunahme und MM-Inzidenz wurden für Nordafrika/Nahost sowie Europa berichtet; auf Länderebene zeigten 49 Länder signifikante Zusammenhänge.

Fazit: Für Europa ergab die Subgruppenanalyse, dass UV-Strahlung das Melanomrisiko über Geschlechter und Altersgruppen > 15 Jahre hinweg erhöht, mit ausgeprägter Vulnerabilität bei Männern und insbesondere bei Hochaltrigen (> 85 Jahre). 

Feng F et al., Sci Rep 2025; 15: 39300, doi:10.1038/s41598-025-23066-z

Bildnachweis: Jobalou (iStockphoto)

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