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Gynäkologie

Kasuistik

Individualisierte Behandlung eines symptomatischen Uterus myomatosus

Prof. Dr. med. Thomas Römer

19.6.2026

Uterusmyome gehen häufig mit einer erheblichen Symptomlast für die betroffenen Patientinnen einher. Diese Kasuistik beschreibt die individuelle Therapie mit verschiedenen Dosierungen des GnRH-Rezeptorantagonisten Linzagolix bei einer Patientin mit thromboembolischem Risikoprofil.

Uterusmyome zählen zu den häufigsten benignen gynäkologischen Erkrankungen bei Frauen im reproduktiven Alter. Insbesondere starke Menstruationsblutungen, Schmerzen, Drucksymptome, Anämie und Einschränkungen der Lebensqualität stehen klinisch im Vordergrund [1,2].

Vorgestellt wird der Fall einer 47-jährigen Patientin mit rezidivierenden Menorrhagien bei großem Uterus myomatosus mit multiplen Myomen. Anamnestisch bestanden bereits eine Hysteroskopie und Abrasio mit Polypresektion. Zusätzlich lagen mehrere relevante Begleiterkrankungen vor, darunter eine venöse Thromboembolie unter Anwendung kombinierter oraler Kontrazeptiva, eine Sarkoidose sowie eine idiopathische Thrombozytopenie. In der gynäko­logischen Untersuchung zeigte sich ein deutlich vergrößerter Uterus myomatosus. Laborchemisch bestand eine sekundäre Anämie mit einem Hämoglobinwert von 10,1 g/dl. Die Patientin äußerte wegen der Risikofaktoren den klaren Wunsch, eine Hysterektomie möglichst zu vermeiden.

Überlegungen zur Therapie

Für die Behandlung moderater bis schwerer myombedingter Beschwerden stehen neben chirurgischen und ablativen Methoden auch die medikamentöse Therapie mit einem oralen selektiven GnRH-Rezeptor-antagonisten zur Verfügung. Durch kompetitive Blockade der hypophysären GnRH-Rezeptoren kommt es dabei dosisabhängig zu einer partiellen oder vollständigen Suppression der Ovarialhormonproduktion [3,4]. Vor diesem Hintergrund wurde eine Therapie mit Linzagolix in einer Dosierung von 200 mg einmal täglich begonnen. Diese Dosierung ist insbesondere für eine rasche Symptomkontrolle und für die Reduktion des Myomvolumens von Bedeutung [3,4].

Therapieverlauf

Bereits nach einem Monat war ein Blutungsstopp erreicht. Bei der Kontrolle nach 3 Monaten zeigten sich klinisch und sonografisch ein gutes Ansprechen mit Anstieg des Hämoglobinwertes auf 12,5 g/dl sowie einer Reduktion des Myomvolumens um etwa 20 %. Unerwünschte Wirkungen wurden nicht berichtet, sodass die Therapie für weitere 3 Monate fortgeführt wurde.

Nach 6 Monaten bestand keine klinisch relevante Blutung mehr, lediglich 2 Tage Schmierblutungen bei einer Endometriumdicke von 2 mm. Sonografisch zeigte sich eine weitere Volumenabnahme der Myome. Anschließend erfolgte der Wechsel auf Linzagolix 100 mg täglich. Unter dieser Erhaltungstherapie traten nur noch minimale Schmierblutungen auf (6 bis 7 Tage Spottings innerhalb von 90 Tagen). Ein erneutes Wachstum der Myome wurde nicht beobachtet. Die Behandlung mit 100 mg Linzagolix ­wurde daher fortgesetzt.

Diskussion

Der vorliegende Fall illustriert einen wesentlichen therapeutischen Vorteil von Linzagolix: die Verfügbarkeit von 2 klinisch einsetzbaren Dosierungen. Linzagolix 200 mg führt zu einer vollständigen Suppression des Serumestradiols, während 100 mg täglich eine partielle Suppression bewirkt [3,4].

Diese pharmakodynamische Abstufung hat unmittelbare praktische Relevanz. Die 200-mg-Dosierung ­eignet sich dann, wenn eine schnelle und ausgeprägte Kontrolle der Hypermenorrhö erforderlich ist und zusätzlich möglichst eine Volumenreduktion der Myome angestrebt wird. Auch in diesem Fall war aufgrund der ausgeprägten Blutungssymptomatik und der bereits manifesten sekundären Anämie ein zügiges therapeutisches Ansprechen notwendig.

Die PRIMROSE-1- und -2-Studien belegen die klinische Wirksamkeit dieses Ansatzes eindrucksvoll. Nach 24 Wochen zeigten unter Linzagolix 200 mg bis zu 77,7 % der Patientinnen eine signifikante Reduktion des menstruellen Blutverlusts; viele Patientinnen erreichten bereits innerhalb der ersten 4 Wochen eine Blutungsreduktion von mehr als 50 % [4]. Darüber hinaus war die 200-mg-Dosierung mit einer signifikanten Reduktion des Uterus- und Myomvolumens assoziiert. Hier wird eine Abnahme von bis zu 49 % beschrieben [5]. Zusätzlich verbesserten sich unter Linzagolix sekundäre Endpunkte wie Amenorrhö-­Rate, myombedingte Schmerzen, Hämoglobinwerte und gesundheitsbezogene Lebensqualität [4,6].

Von besonderem Interesse für die gynäkologische Praxis ist die 100-mg-Dosierung. Die partielle Estradiolsuppression eröffnet die Möglichkeit einer längerfristigen Therapie ohne routinemäßige hormonelle Add-back-Therapie und stellt damit eine relevante Option für Frauen dar, die Hormone nicht einnehmen können, für die eine hormonelle Begleittherapie nicht empfohlen wird oder die diese vermeiden möchten [3,4]. Gerade auch Frauen mit Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse können von einem sequenziellen Vorgehen mit initial 200 mg zur raschen Kontrolle und anschließendem Wechsel auf 100 mg profitieren [5]. In unserem Fall hatte die Patientin bereits eine venöse Thromboembolie unter kombinierter hormoneller Kontrazeption erlitten. Die Möglichkeit, nach initial intensiver Symptomkontrolle auf eine niedrigere Dosierung zur Langzeitstabilisierung zu deeskalieren, erlaubt somit ein individualisiertes Management ohne therapeutischen Wirkverlust.

Diese Kasuistik zeigt, dass Linzagolix bei symptomatischem Uterus myomatosus auch bei Patientinnen mit komplexer Komorbidität und erhöhtem thromboembolischem Risiko eine hochrelevante organerhaltende Therapieoption darstellen kann. Im vorliegenden Fall führte die Initialbehandlung mit 200 mg Linzagolix zu einem raschen Blutungsstopp, einer Korrektur der Anämie und einer Reduktion des Myom­volumens. Der anschließende Wechsel auf 100 mg ermöglichte eine anhaltende klinische Stabilisierung ohne erneutes Myomwachstum.

Pflichttext

Yselty 100 mg Filmtabletten; Yselty 200 mg Filmtabletten

Wirkstoff: Linzagolix (als Cholinsalz). Zusammensetzung: Jede Filmtablette enth. 100 mg oder 200 mg Linzagolix. Sonst. Bestandt.: Tablettenkern: Lactose-Monohydrat, mikrokristalline Cellulose, niedrig substituierte Hydroxypropylcellulose, Hydroxypropylcellulose, Croscarmellose-Natrium, Magnesiumstearat. Filmüberzug: Macrogol-Poly(vinylalkohol)-Pfropfcopolymer (E1209), Talkum (E553b), Titandioxid (E171), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172). Anwendungsgebiete: Bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Symptome v. Uterusmyomen. Zur symptom. Behandl. d. Endometriose b. Frauen, deren Endometriose zuvor medizinisch oder chirurgisch behandelt wurde. Gegenanzeigen: Überempf.-keit gg. d. Wirkstoff od. e. d. sonst. Bestandteile; Schwangerschaft od. Stillzeit; bekannte Osteoporose; Genitalblutungen unbekannter Ätiologie; bei gleichzeit. Gabe v. Add-Back-Therapie (ABT) sind die Gegenanzeigen im Zusammenhang mit ABT zu beachten. Nebenwirkungen: Sehr häufig: Hitzewallung; Häufig: Gemütsstörungen, wie Stimmungsumschwünge, Affektlabilität (d. h. schnelle Veränderungen der Emotionen), Angst, Depression, Reizbarkeit, emotionale Störungen; übermäßige, unregelmäßige oder länger anhaltende Blutungen aus der Gebärmutter (Uterusblutungen); vulvovaginale Trockenheit; Beckenschmerzen; Arthralgie; Kopfschmerzen; Verringerung d. Knochenmineraldichte od. Knochenstärke; erh. Leberenzymwerte i. Blut; Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen; Obstipation; Libido vermindert; Asthenie; Hyperhidrose; Nachtschweiß Gelegentlich: Hypertonie. Warnhinweise: enth. Lactose. Packungsbeilage beachten. Pharmazeutischer Unternehmer: Theramex Ireland Limited, 3rd Floor, Kilmore House, Park Lane, Spencer Dock, Dublin 1, D01 YE64, Irland. Stand: 11/2024.

Verschreibungspflichtig.

Bitte lesen Sie vor Verordnung von Yselty die Fachinformation!

Der Autor

Prof. Dr. med. Thomas Römer
Chefarzt der Frauenklinik in Köln-Weyertal

Herausgeber des Journals DER PRIVATARZT GYNÄKOLOGIE

thomas.roemer@evk-koeln.de

  1. Ahrendt HJ et al., Arch Gynecol Obstet 2016; 293: 1243–53
  2. Foth D et al., Arch Gynecol Obstet 2017; 295: 415–26
  3. Fachinformation Yselty®. Stand der Information: 11/2024
  4. Donnez J et al., Lancet 2022; 400: 896–907
  5. Donnez J et al., Fertil Steril 2025; 123: 1093–100
  6. Keam SJ, Linzagolix: First Approval Drugs 2022; 82: 1317–25

Impressum
Bericht: Prof. Dr. med. Thomas Römer I Redaktion und Konzept: Dr. rer. nat. Reinhard Merz
MiM Verlagsgesellschaft mbH (Neu-Isenburg)
Mit freundlicher Unterstützung der Theramex Germany GmbH (Berlin)

Bildnachweis: privat

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