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Allgemeinmedizin

Frühe IL-1-Rezeptor-Blockade

Schwere Verläufe bei COVID-19 verhindern

Martina Freyer

21.7.2021 13:35

In der Studie SAVE-MORE wurde das Potenzial des IL-1-Rezeptor-Antagonisten Anakinra bei stationär behandelten COVID-19-Patienten deutlich: Die frühe Inhibition von Interleukin-1 konnte das Gesamt­ansprechen um 64 % verbessern.

Eine frühe antiinflammatorische Therapie kann bei stationären COVID-19-­Patienten die Hyperinflammation und das Fortschreiten der Erkrankung verhindern: Prof. Evangelos Giamarellos-Bourboulis (Athen) stellte die ­Ergebnisse der Studie SAVE-MORE vor, in der die Wirksamkeit des Interleukin(IL)-1-­Rezeptor-Antagonisten ­Anakinra gezeigt wurde. Der Präsident der European Shock Society und ­Vorsitzende der European Sepsis Alliance betonte, dass man den Antikörper frühzeitig, vor dem Beginn einer Sepsis geben müsse. Damit ließen sich in der Studie SAVE-MORE schwere Verläufe sowie auch ­Todesfälle verhindern.

Reduktion der Mortalität

Der frühzeitige Einsatz von Anakinra plus Standardtherapie reduzierte die Morta­lität um 55 % und verkürzte die durchschnittliche Zeit bis zur Entlassung aus der Intensivstation um vier Tage. Zudem erhöhte sich auch die Zahl der Patienten, die symptomfrei aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, wobei die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung 2,8-mal so hoch war gegenüber Patienten, die Placebo plus Standartherapie erhielten. Insgesamt verbesserte sich bei Patienten, die mit Anakinra plus Standard­therapie behandelt wurden, der klinische Gesamtzustand um 64 % im Vergleich zu denjenigen, die nur die Standardtherapie erhalten hatten.
Giamarellos-Bourboulis beschrieb die Wirksamkeit dieses Therapieansatzes: „Von zwei Patienten rette ich einem das Leben.“ Im Vergleich zur Todesrate von 6,9 % unter Standardtherapie betrug die Mortalität mit der Zugabe von Anakinra nur 3,2 %. Auch bei den schweren und moderaten Verläufen wurde eine ähnliche ­Verbesserung beobachtet.

suPAR als Biomarker für frühzeitige Therapie mit Anakinra

Als Biomarker für den Einsatz von Anakinra hatte sich der lösliche Plasminogen­-Aktivator Rezeptor vom Urokinase-Typ schon in früheren Studien als hilfreich ­erwiesen: suPAR, ein Plasma-Biomarker, der das Ausmaß der Immunaktivierung widerspiegelt und bei verschiedenen Erkrankungen mit einer ungünstigen Prognose assoziiert ist. Patienten mit erhöhten suPAR-Werten wurden als Kandidaten mit erhöhtem Risiko für eine Atemwegsinsuffizienz identifiziert. In der Studie SAVE-­MORE wurden 600 stationäre COVID-19-Patienten randomisiert und mit dem IL-1-Rezeptor-Antagonist Anakinra oder aber als Vergleichsgruppe mit bestmög­licher Standardtherapie behandelt.
Diese Strategie ersetzt keinen der anderen immunmodulatorischen Therapie­ansätze, wie etwa Dexamethason als Standard-of-care für Patienten, die Sauerstoff benötigen. Anakinra wird hier zusätzlich gegeben. Andere Immunmodulatoren wie die Inhibition von IL-6 wären in Patientenpopulationen mit fortgeschrittener Erkrankung indiziert, erläuterte Giamarellos-Bourboulis, etwa bei Patienten, die intensivmedizinisch betreut oder beatmet werden und ­bereits Organdysfunktionen zeigen.
Aktuell ist Anakinra nicht für diese Indikation zugelassen, die Zulassung für ­COVID-19 wird angestrebt.

Virtuelle Pressekonferenz „SAVE-MOORE – Ergebnisse einer Phase-III-Studie zur Prävention von schweren Verläufen einer COVID-19-Pneumonie durch eine frühe, suPAR-basierte IL-1-Rezeptor-Blockade (Veranstalter: Sweidish Orphan Biovitrum GmbH), Juni 2021

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