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Allgemeinmedizin

So viel Pieks sollte sein

Impfschutz für Risikogruppen

Dr. med. Mana Schmidt-Haghiri

30.1.2026

Die STIKO hat 2025 ein bemerkenswert klares Set aus Standard- und Indikationsimpfungen vorgelegt. Dieser Beitrag fokussiert sich auf die wichtigsten Indikationsimpfungen bei erwachsenen Risikogruppen – Pneumokokken, Herpes zoster, Influenza, RSV und COVID-19 – und fasst die Empfehlungen 2025 praxisorientiert zusammen.

Risikogruppenimpfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Interventionen der modernen Allgemeinmedizin. Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2025 definieren klar, welche Personengruppen aufgrund von Alter, Komorbiditäten, Immundefizienz oder Lebenssituationen ein erhöhtes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe impfpräventabler Erkrankungen haben. Ergänzend werden weitere relevante Indikationsimpfungen kurz eingeordnet. Die Hausarztpraxis ist der zentrale Ort, an dem diese Patienten und Patientinnen identifiziert, beraten und geimpft werden.

Pneumokokken – PCV20 als Standard- und Indikationsimpfung

Es gibt medizinische Bereiche, in denen Fortschritt komplizierter wird – und dann gibt es Pneumokokken. Die Pneumokokken-Impfung ist 2025 sowohl für die Standardimpfung ab 60 Jahren als auch für die Indikationsimpfung von besonderer Bedeutung. Die STIKO empfiehlt den 20-valenten Konjugatimpfstoff (PCV20, pneumococcal conjugate vaccine 20) als alleinige Impfung für alle Personen ≥ 60 Jahre (Standardimpfung) sowie für Risikopersonen ab 18 Jahren mit schweren Grunderkrankungen oder Immundefizienz [1].

Die Einführung von PCV20 erleichtert die Abläufe in der Hausarztpraxis, weil die früher übliche sequenzielle Impfung mit Konjugat- und Polysaccharidimpfstoff bei neu zu impfenden erwachsenen Patientinnen und Patienten nicht mehr erforderlich ist. Besonders profitieren Menschen mit chronischen Herz-, Lungen-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, neurologischen Erkrankungen sowie Patienten und Patientinnen mit Immundefizienz.

Für Personen, die in der Vergangenheit bereits mit 23-valentem Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23: pneumococcal polysaccharide vaccine 23) oder sequenziell (PCV13/PCV15 + PPSV23) geimpft wurden, empfiehlt die STIKO eine zusätz­liche Impfung mit PCV20 im Mindestabstand von 6 Jahren nach der letzten PPSV23-Dosis; bei schwer immunsupprimierten ­Personen kann ein Abstand von ≥ 1 Jahr ausreichend sein [1].

Herpes zoster – Standard ab 60, Indikation ab 18 bei hohem Risiko

Herpes zoster ist eine dieser Erkrankungen, die oft unterschätzt wird. Vielleicht, weil „Gürtelrose“ harmlos klingt. Vielleicht auch, weil die meisten Menschen nur das Bild eines Ausschlags vor Augen haben, nicht aber die Realität der postherpetischen Neuralgie.

Die STIKO empfiehlt den adjuvantierten rekombinanten Herpes-zoster-Totimpfstoff (recombinant zoster vaccine, RZV) als Standardimpfung für alle Personen ≥ 60 Jahre [1]. Darü­ber hinaus wurde die Indikationsimpfempfehlung 2025 deutlich erweitert: Eine Impfung wird nun ab 18 Jahren für Personen mit erhöhter Gefährdung empfohlen [2]. Hierzu zählen insbesondere Patientinnen und Patienten mit Stammzell- oder solider Organtransplantation, systemischer immunsuppressiver Therapie, hämatologischen und soliden malignen Erkrankungen, fortgeschrittener Niereninsuffizienz, HIV-Infektion, schweren chronischen Lungenerkrankungen (z. B. COPD) sowie Diabetes mellitus mit Komplikationen [2].

Das Impfschema umfasst 2 Dosen im Abstand von 2– 6 Monaten; bei anstehender Immunsuppression kann der Abstand auf 1–2 Monate verkürzt werden. Nach durchgemachter Zoster-Erkrankung ist eine Impfung grundsätzlich möglich, ein fester Mindestabstand wird von der STIKO nicht gefordert [1,2].

Die STIKO bleibt also beim Standard ab 60 Jahren, korrigiert aber 2025 einen logischen Fehler im System: Nicht das Alter bestimmt das Risiko – die Immunkompetenz tut es.

Und die Frage „Wann darf man nach Zoster impfen?“ bekommt eine einfache Antwort: Immer, sobald es klinisch sinnvoll ist [1,2].

Influenza – jährliche Impfung für Risikogruppen

Die Influenza-Impfung ist eine der zentralen Maßnahmen zur Prävention von Hospitalisationen und Exazerbationen chronischer Erkrankungen. Die STIKO empfiehlt eine jährliche Impfung für alle Personen ≥ 60 Jahre sowie für Erwachsene mit chronischen Herz-, Lungen-, Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen, für Schwangere ab dem 2. Trimenon, für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und für medizinisches Personal [1].

Seit der Saison 2024/2025 kommen in Deutschland trivalente Influenzaimpfstoffe ohne B/Yamagata-Linie zum Einsatz; die STIKO empfiehlt für Personen ≥ 60 Jahre vorrangig Hochdosis- oder MF-59-adjuvantierte Impfstoffe [1]. Die STIKO bleibt 2025 also bei einer klaren Empfehlung: alle ≥ 60 Jahre sowie Risikopersonen sollen geimpft werden – vorzugsweise mit Hochdosis oder ­MF-59-adjuvantiert [1].

RSV – neue Impfung für ältere und hochgefährdete Menschen

RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) war lange ein Thema für Pädiaterinnen und Pädiater. Epidemiologische Beobachtungen zeigen, dass schwere RSV-Verläufe auch bei älteren Erwachsenen relevant sind. Die STIKO reagiert differenziert:

Sie empfiehlt eine einmalige RSV-Impfung als Standardimpfung für alle Personen ≥ 75 Jahre [1]. Zusätzlich wird eine Indikationsimpfung für 60- bis 74-Jährige empfohlen, wenn eine schwere Form einer Grunderkrankung vorliegt (z. B. schwere chronische Herz-, Lungen-, Nieren-, neurologische oder hämato-onkologische Erkrankung, Diabetes mit Komplikationen, schwere Immundefizienz) und/oder wenn die Betroffenen in einer Pflegeeinrichtung leben [1,2].

Der optimale Zeitpunkt ist der Spätsommer/Herbst, um einen Schutz in der folgenden RSV-Saison zu gewährleisten – also dann, wenn Praxen sowieso im Impfmodus sind. Besonders profitieren Patientinnen und Patienten in höherem Alter mit schwerer COPD, Herzinsuffizienz oder anderen schweren Grund­erkrankungen.

COVID-19 – Basisimmunität und jährliche Impfung für Risikogruppen

Die STIKO führt das Konzept der Basisimmunität ein. Sie besteht aus mindestens 3 Antigenkontakten, davon mindestens einer durch Impfung [1].

Die STIKO definiert also eine Basisimmunität gegen COVID-19 als das Vorliegen von mindestens 3 SARS-CoV-2-Antigenkontakten, von denen mindestens einer durch eine Impfung erfolgt sein muss [1]. Bei bislang ungeimpften und nicht infizierten Erwachsenen wird diese Basisimmunität in der Regel durch 3 Impfstoffdosen erreicht; der Abstand zwischen der ersten und zweiten Dosis sollte 4–12 Wochen, der Abstand zwischen der zweiten und dritten Dosis mindestens 6 Monate betragen [1].

Für Risikogruppen – insbesondere Personen ≥ 60 Jahre, Menschen mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Personen mit Immundefizienz sowie ausgewählte Beschäftigte im Gesundheitswesen – empfiehlt die STIKO eine jährliche Auffrischimpfung im Herbst mit einem an die aktuell zirkulierenden Varianten angepassten Impfstoff [1].

Entgegen mancher Aussage ist COVID-19 nämlich noch weit davon entfernt, „einfach nur eine Erkältung“ zu sein, zumindest bei Menschen mit Komorbiditäten.

Umsetzung in der Hausarztpraxis

Für die praktische Umsetzung der STIKO-Empfehlungen ist es entscheidend, Risikopatientinnen und -patienten systematisch zu identifizieren und Impflücken gezielt zu schließen. Bewährt haben sich opportunistische Impfchecks bei jedem Arztkontakt, strukturierte Impfsprechstunden im Herbst sowie klar definierte Abläufe im Praxisteam.

Die gleichzeitige Verabreichung von Totimpfstoffen (z. B. Influenza, COVID-19, Pneumokokken, Herpes zoster) ist meistens möglich und kann genutzt werden, um die Impfquote in Risikogruppen zu erhöhen. Eine gute Dokumentation, Recall-Systeme und die regelmäßige Schulung des Teams sind weitere Bausteine für eine hohe Impfakzeptanz.

FAZIT:

Die STIKO-Empfehlungen 2025 bieten eine klare, evidenzbasierte Grundlage für den Schutz vulnerabler Erwachsenengruppen vor schweren Verläufen impfpräventabler Erkrankungen. Besonders die Einführung von PCV20 als einheitlichem Pneumokokkenimpfstoff, die Erweiterung der Herpes-zoster-Indikationsimpfung ab 18 Jahren, die neue RSV-Impfung für ältere und schwer erkrankte Personen sowie das Konzept der Basisimmunität und jährlichen Auffrischimpfung bei COVID-19 erleichtern die Umsetzung in der hausärztlichen Versorgung.

Durch strukturierte Abläufe, proaktive Ansprache von Risikopatientinnen und -patienten, Nutzung von Simultanimpfungen und ein gut eingespieltes Praxisteam können Hausärztinnen und Hausärzte entscheidend dazu beitragen, Morbidität, Hospitalisation und Sterblichkeit in vulnerablen Gruppen zu reduzieren.

Die STIKO-Empfehlungen 2025 liefern alles, was man braucht, um Risikogruppen zuverlässig vor schweren Erkrankungen zu schützen. Der Rest ist schlicht: machen!

Die Autorin

Dr. med. Mana Schmidt-Haghiri
Fachärztin für Allgemeinmedizin
MVZ München Zentrum
80333 München

schmidtmana@googlemail.com

  1. Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2025. Epidemiologisches Bulletin, 2025; 4
  2. Robert Koch-Institut. Erweiterung der Herpes-zoster-Indikationsimpfempfehlung für Personen ≥ 18 Jahre mit erhöhtem Erkrankungsrisiko. Epidemiologisches Bulletin, 2025; 45
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