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Schilddrüse

Gefährlicher Trend: Lugol’sche Lösung

30.8.2021

Im 19. Jahrhundert gelang es dem französischen Arzt Jean Guillaume Lugol, schwer lösliches elementares Jod mithilfe von Kaliumjodid in destilliertem Wasser zu lösen. Diese Lugol’sche Lösung besteht neben dem demineralisierten Wasser aus 5% elementarem Jod und 10% Kaliumjodid.
„Schon ein Tropfen der Lugol’schen Lösung enthält ein Vielfaches der Zufuhrempfehlung für Erwachsene von 200µg Jod am Tag. Ganze 50mg Jod, also 50.000µg, stecken in 1ml der Lösung. Für die orale Anwendung ist sie zudem vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gar nicht zugelassen“, sagt Prof. Dr. med. Roland Gärtner, Endokrinologe an der Universität München und erster Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel e.V. (AKJ).
Immer wieder nehmen Menschen die Lugol´sche Lösung entweder bei einem Jodsättigungstests nach Brownstein und Abraham oder zur individuellen Jodsupplementation oral zu sich. Dies ist jedoch gefährlich.
„Unabhängig davon gilt es zu beachten, dass nur das negativ geladene Jodid aktiv in die Schilddrüse aufgenommen wird. Das positiv geladene Jod hingegen ist ein sehr potentes Oxidationsmittel, welches an alle möglichen Fette sowie Proteine und Kohlenhydrate bindet. Diese jodierten organischen Verbindungen können allergische Reaktionen auslösen, die dann fälschlicherweise als ‚Jodallergie‘ bezeichnet werden“, erklärt der Experte. „Der extrem hohe Jodgehalt kann zu massiven Funktionsstörungen der Schilddrüse führen. Anfänglich kommt es immer zu einer kompletten Blockierung der Schilddrüsenfunktion mit einer temporären mitunter schweren Hypothyreose. Zudem kann bei Patienten mit bestehenden Schilddrüsenerkrankungen wie autonomen Adenomen oder einer Autoimmunthyreoiditis anschließend eine manifeste Hyperthyreose, also eine Überfunktion, auftreten. Diese ist dann nur schwer zu behandeln, da die verfügbaren Medikamente kompetitiv zum Jodgehalt der Schilddrüse wirken.“

Pressemitteilung Arbeitskreis Jodmangel e.V., Juni 2021

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