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Psychische Krankheiten

Stärke von depressiven Menschen betonen hilft Betroffenen

7.4.2026

An Depression erkrankte Menschen beweisen im Umgang mit ihrer Krankheit täglich Stärke, die aber oft nicht als solche wahrgenommen wird. Frühere Studien haben gezeigt, dass sie stattdessen oft einem gegenteiligen Narrativ in der Gesellschaft begegnen, demnach Betroffenen als schwach betrachtet werden. Solche Vorurteile wirken sich auf die Erkrankten negativ aus. Eine nun publizierte Studie zeigt, wie wichtig es für Betroffene ist, dass ihre Kraft betont wird. Wird die Stärke der erkrankten Personen in den Fokus gerückt, steigert dies das Selbstbewusstsein und die Betroffenen können ihre persönlichen Ziele besser erreichen.

Menschen, die mit psychischen Krankheiten wie Depression zu kämpfen haben, zeigen oft viel Stärke im Umgang mit ihrer Erkrankung: Sie stehen morgens auf, obwohl durch ihre Erkrankung der helfende Motivationsschub fehlt; sie lernen, mit negativen Gedanken und Gefühlen umzugehen; und kämpfen sich durch schwierige Phasen. „All das zeugt von beeindruckender Stärke“, sagt die Psychologin und Studienleiterin Christina Bauer von der Universität Wien. Frühere Studien haben gezeigt, dass diese Stärken aber allzu oft in Vergessenheit geraten, wenn über Menschen mit psychischen Erkrankungen gesprochen wird, sie werden stattdessen oft als „Schwächlinge“ dargestellt.

„Es liegt nahe, dass solche Narrative negative Effekte haben: Wir wissen aus früheren Studien, dass Menschen mit Depression oft weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben. In unserer neuen Studie konnten wir nun eindeutig beweisen, wie groß der Einfluss solcher Zuschreibungen sein kann“, so Bauer. In ihrer Studie belegt die Wiener Psychologin zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Österreich, Deutschland, und den USA die Gefahren solcher Narrative – und zeigt, was man dagegen tun kann.

Die Stärken sichtbar machen

Um die Wirkung von solchen Narrativen zu untersuchen, haben Bauer und ihr Team Defizit-Narrative in Experimenten umgedreht: Statt Menschen mit Depression als schwach darzustellen, haben die Forschenden eine kurze Übung entwickelt (ca. 20 Minuten), die die oft vergessenen Stärken von Menschen mit Depression hervorhebt: Wie Menschen mit Depression beispielsweise Durchhaltevermögen, die Fähigkeit mit negativen Emotionen umzugehen, und Stärke im Bewältigen ihrer Symptome zeigen.

In 3 Experimenten mit insgesamt 748 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Depression erlebt hatten, wurden Teilnehmende dazu angeregt, über ihre eigenen Stärken zu reflektieren, die sie im Umgang mit Depression gezeigt haben. Im Vergleich zu einer zufällig zugewiesenen Kontrollgruppe zeigte sich, dass diese einfache Übung das Selbstvertrauen der Teilnehmenden deutlich erhöhen konnte – und zwar unabhängig davon, wie schwer ihre aktuellen Symptome waren.

Mehr Selbstvertrauen, mehr Zielerreichung

Am wichtigsten: Dieses verbesserte Selbstvertrauen hatte auch Konsequenzen für die Fähigkeit der Teilnehmenden, ihre persönlichen Ziele zu verfolgen. In einem längeren Experiment über 2 Wochen zeigte sich, dass Personen, die über ihre Stärken reflektiert hatten, 49% mehr Fortschritt bei einem selbst gewählten persönlichen Ziel machten.

„Sich selbst als stark, statt schwach zu sehen, ist für jeden von uns wichtig, um an uns glauben und unsere Ziele verfolgen zu können. Das gilt eben auch für Menschen mit Depression“, fasst Bauer zusammen. „Wir müssen verstehen, dass Menschen, die mit Depression kämpfen, nicht schwach sind. Solche Narrative können wie selbsterfüllende Prophezeiungen wirken und Menschen daran hindern, ihr volles Potential zu entfalten.“

Hintergrund: Was hinter der 20-minütigen Übung steckt

Die Teilnehmenden bearbeiten eine strukturierte schriftliche Reflexionsübung: Sie lesen kurze Erfahrungsberichte anderer Betroffener, die Depression als belastend, aber zugleich als Quelle entwickelter Fähigkeiten (z. B. Durchhaltevermögen, Umgang mit negativen Emotionen) beschreiben. Anschließend reflektieren sie schriftlich, welche Stärken sie selbst im Umgang mit ihrer Depression entwickelt haben und wie diese Stärken bei der Verfolgung persönlicher Ziele helfen können. Ziel ist eine Verschiebung des Bedeutungsrahmens – weg von „Depression als Schwäche“, hin zu „Depression als Erfahrung mit kompetenzbildenden Anteilen“. Auch ohne solche Übungen anzuleiten, kann es in der ärztlichen Beratung hilfreich sein, Zielhemmnisse nicht ausschließlich symptomatisch, sondern auch narrativ zu betrachten – etwa indem vorhandene Bewältigungsleistungen explizit benannt werden.

Pressemitteilung „Stärke von depressiven Menschen betonen hilft Betroffenen“. Universität Wien, 3.2.2026 (https://www.univie.ac.at/aktuelles/detail/staerke-von-depressiven-menschen-betonen-hilft-betroffenen).

Bauer CA et al.: Depression-Reframing: Recognizing the Strength in Mental Illness Improves Goal Pursuit Among People Who Have Faced Depression. Pers Soc Psychol Bull. 2026 Feb 3:1461672251412492 (DOI 10.1177/01461672251412492).

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