Der World Happiness Report 2026 kommt beim Thema Social Media und Heranwachsende zu einer ungewöhnlich deutlichen Einschätzung: Intensive Nutzung sozialer Netzwerke ist kein bloßes Freizeitverhalten, sondern ist in westlichen Ländern konsistent mit einem schlechteren seelischen Wohlbefinden verknüpft.
Für 15- bis 16-Jährige zeigen PISA-Daten aus 47 Ländern: Die Lebenszufriedenheit ist am höchsten bei weniger als einer Stunde täglicher Social-Media-Nutzung und nimmt mit jeder weiteren Stunde ab. Besonders ausgeprägt ist dieser Zusammenhang bei Mädchen in Westeuropa und englischsprachigen Ländern; hier liegt der Unterschied zwischen weniger als einer und mehr als sieben Stunden Nutzung pro Tag bei nahezu einem Punkt auf der 0-bis-10-Skala. Bei Jungen findet sich ein ähnliches Muster vor allem in diesen Regionen.
Das Autorenkapitel von Jonathan Haidt und Zachary Rausch geht darüber hinaus und bündelt unterschiedliche Evidenzlinien – von Befragungen über Längsschnittdaten bis hin zu natürlichen Experimenten. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Social Media für Kinder und Jugendliche derzeit nicht als hinreichend sicher gelten kann. Beschrieben werden sowohl direkte Risiken wie Cybermobbing oder sexuelle Grenzverletzungen als auch indirekte Zusammenhänge mit Depressionen und Angststörungen, insbesondere bei intensiver Nutzung.
Zeitlich fällt dieser Befund mit einem zweiten Trend zusammen: In Nordamerika, Australien/Neuseeland und Westeuropa sind Lebenszufriedenheit und psychische Gesundheit Jugendlicher seit den frühen 2010er-Jahren rückläufig – parallel zur Verbreitung von Smartphones und dauerhaft verfügbaren Social-Media-Angeboten. Der Report betont, dass mehrere Faktoren beteiligt sind; die Daten sprechen jedoch dafür, dass Social Media hierzu einen relevanten Beitrag leisten könnte.
Geringe Nutzung ist meist unproblematisch
Für die Praxis wichtig ist die Differenzierung nach Nutzungsart: Aktivitäten wie Kommunikation, Lernen oder eigenes Erstellen von Inhalten sind eher mit höherer Lebenszufriedenheit assoziiert, während intensives passives Konsumieren („Scrolling“) und stark algorithmisch kuratierte Inhalte häufiger mit ungünstigen Werten einhergehen. Problematische, suchtähnliche Nutzung ist in 43 untersuchten Ländern konsistent mit mehr psychischen Beschwerden verbunden und betrifft besonders häufig sozial benachteiligte Jugendliche.
Für die hausärztliche Versorgung ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Social-Media-Nutzung sollte bei entsprechenden Symptomen systematisch erfasst werden – ähnlich wie Schlaf, Medienkonsum insgesamt oder psychosoziale Belastungsfaktoren. In der Beratung kann eine pragmatische Einordnung helfen: Geringe Nutzung ist meist unproblematisch, während hohe tägliche Nutzungszeiten deutlich häufiger mit Belastungen einhergehen. Ziel sollte eine Reduktion exzessiver Nutzung, feste bildschirmfreie Zeiten – insbesondere vor dem Schlafen – sowie eine Verschiebung von passivem Konsum hin zu aktiver, sozial eingebundener Nutzung sein. Aus Sicht der Report-Autoren und -Autorinnen gehören tägliche SocialMediaZeiten jenseits von rund drei Stunden, insbesondere bei Mädchen, zu den klarsten verhaltensbezogenen Risikofaktoren für ein vermindertes Wohlbefinden im Jugendalter.
Helliwell JF et al.: World Happiness Report 2026. University of Oxford: Wellbeing Research Centre. 2026 (ISBN 979-8-2513794-7-1, URL worldhappiness.report).