Wer bei älteren Patientinnen und Patienten vor allem an zu viele Arzneimittel denkt, greift zu kurz. Eine Auswertung der NAKO-Gesundheitsstudie mit mehr als 54.000 Menschen zeigt, dass Über-, Unter- und Fehlversorgung gleichzeitig weit verbreitet sind: Insgesamt 26 % erhielten mindestens ein potentiell ungeeignetes Arzneimittel, knapp jeder Fünfte war unterversorgt und fast jeder Vierte überversorgt.
Besonders auffällig waren die Versorgungslücken bei chronischen Erkrankungen. Mehr als jeder zweite Teilnehmende mit Osteoporose erhielt keine empfohlene medikamentöse Therapie, bei Vorhofflimmern waren fast 40 % unterversorgt. Gleichzeitig fanden sich häufig Arzneimittel ohne ausreichende Indikation, vor allem niedrig dosierte Acetylsalicylsäure, Protonenpumpenhemmer und Hormonersatzpräparate.
Die Autoren und Autorinnen sehen deshalb regelmäßige strukturierte Medikationsanalysen nicht nur als Instrument zum Absetzen unnötiger Arzneimittel. Ebenso wichtig sei die Frage, ob notwendige Therapien fehlen oder bisher ungeeignete Wirkstoffe eingesetzt werden. Besonders aufmerksam sollte nach Ansicht des Autorenteams bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson, Epilepsie, Depression, Osteoporose, COPD oder Vorhofflimmern geprüft werden.
Weitere Informationen: Die FORTA-Liste steht online als PDF zur Verfügung unter https://www.umm.de/docs/klinikum/Med_4/FORTA-Liste_2021.pdf oder als App zur Verfügung.
Pressemitteilung: „Medikamentöse Versorgung im Alter: zu wenig, zu viel oder ungeeignet“? NAKO Gesundheitsstudie, Heidelberg, 19.5.2026
* Degen M et al.: Factors associated with potentially inappropriate medication use, medication underuse and overuse in older adults in the German National Cohort. J Intern Med. 2026 Jun;299(6):754-775 (DOI 10.1111/joim.70097).