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Lücke zwischen Zustimmung und tatsächlicher Teilnahme

Vorsorge hoch im Kurs – aber zu selten genutzt

2.11.2026

Gesundheitsvorsorge hat in der deutschen Bevölkerung inzwischen einen hohen Stellenwert erlangt. 78 % der gesetzlich Krankenversicherten zwischen 35 und 75 Jahren halten die von Krankenkassen angebotenen Vorsorgeuntersuchungen für sehr sinnvoll. Weitere 19 % bewerten sie als eher sinnvoll. Damit beurteilen insgesamt 97 % die Angebote positiv. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Befragung im Auftrag der IKK classic unter 1.004 gesetzlich Versicherten im Alter von 35 bis 75 Jahre.

Doch zwischen der grundsätzlichen Zustimmung und der tatsächlichen Teilnahme klafft eine Lücke. Besonders deutlich wird das bei der Darmkrebsvorsorge und beim Hautkrebs-Screening. Während 85 % die Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren kennen, nehmen sie nur 66 % derjenigen, die auf sie Anspruch haben und sie kennen, regelmäßig wahr. Ähnlich sieht es beim Hautkrebs-Screening aus: 83 % kennen die Untersuchung. Regelmäßig nutzen sie jedoch nur 58 % derjenigen, die Anspruch darauf haben und das Angebot kennen.

Am meisten nehmen die Befragten die Zahnvorsorge wahr. Insgesamt 87 % derjenigen, die die Untersuchung kennen und die einen Anspruch darauf haben, gehen regelmäßig zur Kontrolle. Auch den allgemeinen Gesundheits-Check-up nutzen viele: 74 % derjenigen, die ihn kennen und nutzen könnten, nehmen ihn regelmäßig wahr.

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Frauen gehen häufiger zur Vorsorge

Bei der regelmäßigen Teilnahme zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen nehmen Vorsorgeuntersuchungen häufiger wahr. Zur Zahnvorsorge gehen 82 % der Frauen regelmäßig, bei den Männern liegt die Quote bei lediglich 70 %. Auch beim Gesundheits-Check-up liegen Frauen mit 67 % vor den Männern mit 56 %.

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Terminprobleme bremsen Vorsorge

Warum verzichten Menschen trotz der hohen Bedeutung auf Vorsorge? Am häufigsten liegt es an praktischen Hürden. Insgesamt 29 % der Befragten berichten, schon einmal wegen Problemen bei der Terminvergabe auf eine für sie geeignete Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchung verzichtet zu haben.

Für 23 % ist Vorsorge grundsätzlich kein Thema: Sie gehen nach eigenen Angaben nur zum Arzt bzw. zur Ärztin, wenn sie krank sind. Insgesamt 19 % sagen, dass sie bislang weder von ihrer Krankenkasse noch von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt auf Vorsorgeuntersuchungen angesprochen wurden. Jeweils 16 % nennen fehlende Informationen oder Zeitmangel als Grund.

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Persönliche Ansprache kann motivieren

Die Befragung zeigt zugleich, dass Krankenkassen mit gezielter Ansprache Menschen erreichen können. Insgesamt 25 % der Befragten sagen, eine persönliche Einladung ihrer Krankenkasse zu einer Vorsorgeuntersuchung würde sie stark dazu motivieren, regelmäßig entsprechende Angebote wahrzunehmen. Weitere 31 % würden sich dadurch etwas motivieren lassen. Insgesamt könnten somit mehr als die Hälfte der Befragten durch eine persönliche Einladung zumindest teilweise zusätzlich angesprochen werden. Auch ein Bonus der Krankenkasse kann ein Anreiz sein: 29 % würden dadurch stark, weitere 28 % etwas zur regelmäßigen Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen motiviert.

Für die Untersuchung wurden im Auftrag der IKK classic vom 4. bis 10. August 2026 von Forsa insgesamt 1.004 gesetzlich Krankenversicherte im Alter von 35 bis 75 Jahren befragt. Die statistische Fehlertoleranz beträgt in der Gesamtstichprobe +/- 3 Prozentpunkte.

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Hintergrund: Selbstauskunft und Versorgungsrealität

Die IKK-classic/Forsa-Werte beruhen auf Selbstauskünften und sind mit Routinedaten nicht unmittelbar vergleichbar. Diese zeigen jedoch eine deutlich geringere dokumentierte Inanspruchnahme einzelner Früherkennungsangebote.

  • Darmkrebs: Im G-BA-Evaluationsbericht für 2021–2024 lag die Zweijahresteilnahme am immunologischen Stuhltest (iFOBT) bei den über 55-Jährigen zuletzt bei 7,8 % der Männer und 10,1 % der Frauen. Die Vierjahresteilnahme an der Früherkennungskoloskopie betrug 7,37 % bzw. 6,22 %, unterschätzt wegen des regulären Zehnjahresintervalls allerdings die längerfristige Nutzung. 2020–2023 erhielten durchschnittlich 89,5 % der Anspruchsberechtigten ein Einladungsschreiben (G-BA, Evaluationsbericht Darmkrebs 2025; Deutsches Ärzteblatt, 1.6.2026).
  • Hautkrebs: 2022/2023 nahmen nur knapp 28 % der rund 47 Millionen anspruchsberechtigten gesetzlich Versicherten am zweijährlichen Hautkrebs-Screening teil; mehr als 70 % nutzten das Angebot nicht (Barmer-Arztreport 2026; Deutsches Ärzteblatt, 16.3.2026).
  • Einladungen: Laut STADA Health Report 2025 erhalten in Deutschland 48 % der Befragten Einladungen oder Erinnerungen an Vorsorgetermine, gegenüber 54 % im Durchschnitt der 22 untersuchten europäischen Länder (STADA Health Report 2025; Ärzte Zeitung, 26.6.2025).

Damit zeigt sich die von Forsa beschriebene Lücke zwischen hoher Zustimmung und tatsächlicher Inanspruchnahme auch in anderen Datenquellen. Zugleich macht insbesondere die Darmkrebsfrüherkennung deutlich: Einladungen allein reichen offenbar nicht. Gefragt sind eine aktivierende Ansprache und möglichst niedrige Zugangshürden.

Pressemitteilung: „Forsa-Umfrage der IKK classic: Vorsorge ist den Deutschen wichtig – doch viele nutzen die Angebote nicht“. IKK classic, Dresden, 25.8.2026 (https://www.ikk-classic.de/presse/pressemitteilungen/forsa-umfrage-vorsorge-2026-).

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