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Aspekte von Krebs

Onkologische Patienten: Besondere Suizidgefahr bei psychatrischen Erkrankungen

8.4.2022

Krebspatienten, bei denen eine psychiatrische Störung diagnostiziert wurde, haben ein deutlich höheres Mortalitäts- und Selbstverletzungsrisiko als andere Krebspatienten. Erstmals wurde eine britische Studie veröffentlicht, in der dieser Zusammenhang nachgewiesen werden konnten.

Bei Krebspatienten besteht ein anhaltend hohes Suizidrisiko („Krebspatienten haben signifikant erhöhtes Suizidrisiko“). Die Auswirkungen der seelischen Gesundheit auf die Suizid- und Überlebensergebnisse von Krebspatienten sind jedoch weitgehend unklar. Das liegt hauptsächlich an fehlenden Studien mit ausreichender Stichprobengröße.

Im Rahmen der bislang wohl größten bevölkerungsbasierten Studie, durchgeführt in Großbritannien, zeigte sich nun, dass Krebspatienten, bei denen eine psychiatrische Störung diagnostiziert wird, ein deutlich höheres Mortalitäts- und Selbstverletzungsrisiko haben als andere Krebspatienten. Die Autoren der in „Nature Medicine“ veröffentlichten Studie hoffen, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen, in der interdisziplinären Zusammenarbeit psychiatrische Risiken von Krebspatienten früher zu erkennen, Patienten mit hoher Gefährdung zu priorisieren und so kurz- und langfristig das Suizidrisiko zu senken.

Die britische Arbeitsgruppe analysierte elektronische Krankenakten von 459.542 Personen ab 18 Jahren aus zwei großen Datenbanken, die einen Zeitraum von fast 23 Jahren abdecken. Ziel war es, alle Fälle von psychiatrischen Störungen und unnatürlichen Todesfällen durch Selbstverletzung bei 26 Krebsarten zu identifizieren. Die Autoren fanden heraus, dass Patienten, die Chemotherapie, Strahlentherapie und Operationen erhielten, die höchste kumulative Belastung durch psychiatrische Störungen hatten. Patienten, deren Therapie alkylierende Chemotherapeutika beinhaltete, wiesen die höchste Belastung durch psychiatrische Störungen auf. Dagegen hatten Patienten, deren Therapie Kinase-Inhibitoren umfasste, die niedrigste Belastung.

Psychiatrische Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie, bipolare Störungen und Persönlichkeitsstörungen) waren mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko jeglicher Art und einem erhöhten Risiko von Selbstverletzung verbunden, vor allem innerhalb von zwölf Monaten nach Diagnose der psychiatrischen Erkrankung. Patienten, die sich selbst verletzten, starben 6,8-mal häufiger an unnatürlichen Todesursachen als Kontrollpersonen innerhalb von zwölf Monaten nach Selbstverletzung (Hazard Ratio (HR) 6,8; 95%-Konfidenzintervall (KI) 4,3-10,7). Das Risiko eines unnatürlichen Todes nach zwölf Monaten war deutlich geringer (HR 2,0; 95%-KI 1,5-2,7).

Chang WH et al.; Nat Med. 2022 Mar 28 (DOI 10.1038/s41591-022-01740-3 | PMID 35347280).

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