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Gynäkologie

Lange erwartet – jetzt verfügbar

Neue S2k-Leitlinie zur Endometriose Veröffentlicht

25.8.2025

Leitlinien sind das zentrale Werkzeug der evidenzbasierten Medizin. Sie sollen Orientierung bieten, Handlungssicherheit schaffen. Aber in der Praxis warten wir oft lange auf neue Leitlinien. Für die Indikation Endometriose hat das Warten nun eine Ende. Die neue Version erschien im Juni 2025.

Evidenzbasierte Leitlinien entstehen in einem aufwendigen, methodisch geregelten Verfahren. Im Fall der neuen Endometriose-Leitlinie haben rund 40 Fachgesellschaften, Berufsverbände, Patientenvertretungen und Expertengremien mitgewirkt. Klingt beeindruckend – und ist es auch. Doch dieser breite Konsens hat seinen Preis: Zeit. Vom Beginn der Literaturrecherche über die Konsensuskonferenzen bis zur finalen Freigabe durch die AWMF vergehen nicht selten 2 bis 3 Jahre. Das bedeutet: Wenn eine Leitlinie erscheint, ist ihre Literaturbasis im Zweifel schon veraltet.

Im Juni 2025 erschien die neue Version der S2k-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der Endometriose. Sie ersetzt die vorherige Version aus dem Jahr 2020 – und bringt einige wichtige Neuerungen mit:

  • Die Leitlinie betont nun klar, dass Endometriose eine chronische, komplexe, multimodale Erkrankung ist. Neben der hormonellen und operativen Therapie sind jetzt auch die Schmerzmedizin, psychosomatische Begleitung, komplementäre Verfahren und Rehabilitation als gleichwertige Bestandteile der Versorgung verankert.
  • Die Diagnostik wird strukturiert neu bewertet: Der Stellenwert der Bildgebung – insbesondere der transvaginalen Sonografie und der MRT – wurde weiter aufgewertet. Die operative Diagnostik bleibt wichtig, wird aber differenzierter empfohlen.
  • Die Leitlinie enthält jetzt spezifische Tools zur Erhebung der Anamnese und zur Verlaufsbeobachtung. Genannt werden u. a. der „Brief Pain Inventory“, die PHQ-Fragebögen sowie der validierte IEEP-Fragebogen. Diese Instrumente sind nicht nur hilfreich in der Sprechstunde, sondern auch ein wichtiges Argument für die Abbildung komplexer Symptomverläufe im Zuge von Gutachten oder Krankenkassenanfragen.
  • Die Aufnahme moderner oraler GnRH-Antagonisten wie Relugolix und Linzagolix in die Therapieempfehlung. Diese sind schon seit Jahren in der EU zugelassen – teilweise mit „integrierter“ Add-back-Therapie. Ihre Vorteile: orale Einnahme, rascher Wirkeintritt, reversibles Wirkprofil, gute Steuerbarkeit. In der klinischen Praxis – und hier gerade in den Endometriosezentren – sind sie schon längst etabliert.

Aber bis jetzt fehlte die formale Leitlinienempfehlung. Das ändert sich nun. Beide zugelassenen Sub­stanzen – Relugolix und Linzagolix – werden in der neuen Leitlinie als Therapieoption bei symptomatischer Endometriose aufgeführt. Dort steht als Empfehlung 4.E12 (Konsensusstärke +++).

In der symptomatischen medikamentösen Therapie Endometriose-assoziierter Schmerzen sollte als Erstliniensubstanz eingesetzt werden:

  • Ein geeignetes Gestagen (z. B. Dienogest) oder
  • ein GnRH-Antagonist mit oraler Bioverfügbarkeit ggf. mit add-back (z. B. Relugolix + NETA + E2 oder Linzagolix mit add-back), wenn eine Operation mit Diagnose einer Endometriose vorausgegangen ist.

Und in der Empfehlung 4.E13 (++): In der Zweitlinientherapie können eingesetzt werden:

  • Ein GnRH-Antagonist mit oraler Bioverfügbarkeit ggf. mit add-back (z. B. Relugolix + NETA + E2 oder Linzagolix mit add-back),
  • kombinierte orale Kontrazeptiva,
  • andere Gestagene inklusive einer lokalen Anwendung oder
  • GnRH-Agonisten ggf. mit add-back.
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