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Dermatologie

Mykosen bei Sportlern

Erkennen und behandeln

Elke Engels

30.8.2021

Sportler sind für Pilzinfektionen besonders anfällig. Bei ihnen werden häufig superfizielle Pilzerkrankungen respektive Dermatomykosen diagnostiziert, die auf der Haut bzw. Schleimhaut, im behaarten Bereichen und auf Nägeln auftreten können.

Sportlern haben eine vermehrte Schweiß­sek­re­t­ion, was die Haut aufweicht und die Widerstandskraft gegen Erreger reduziert. Interdigitalräume der Finger und Zehen sind deshalb besonders angreifbar. Hinzu kommt, dass beispielsweise bei Laufsportarten im Fußbereich Mikrotraumen auftreten, die Epidermis und Nagelplatten schädigen und so das Infektions­risiko erhöhen. Auch Stop-and-go-Bewegungen wie beim Tennis oder häufiger Wasserkontakt wie bei Schwimmern schwächen Haut- und Nagelareale.

Sportartenspezifische Infektionen

Bei manchen Sportarten häufen sich bestimmte Pilzinfektionen. So sind bei Ringern oder Judosportlern sehr oft Infektionen durch Trichophyton tonsurans zu beobachten, auch als Ringerpilz (Tinea corporis gladiatorum) bezeichnet. Die Infektion kann am ganzen Körper auftreten, ausgenommen sind Füße, Hände, Kopfhaut und Leistenbereich. Die Übertragung erfolgt meist indirekt über kontaminierte Matten beim Training oder Wettbewerb. Auch eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist möglich. Dabei begünstigen kleine Hautläsionen, die beispielsweise durch Reibung auf der Matte entstehen, das Eindringen der Dermatophyten.

Fallbeispiel: Tinea corporis

Ein 22-jähriger Patient litt seit mehreren Wochen unter münzförmigen, rötlichen Hautveränderungen mit randbetonter Schupp­ung im Bereich beider Arme mit zunehmender Ausdehnung und Vergrößerung (Abb. 1). Begleitend bestand starker Juckreiz. Der Arzt stellte eine weitere Läsion im Bereich der rechten Flanke fest. Bislang erfolgte die Lokal­therapie mit einer gentamicinhaltigen Creme so­wie mit Glukokortikoidcremes, allerdings ohne Erfolg. Es bestand kein Tierkontakt. Dies ist wichtig abzuklären, da Dermatophyten häufig durch Tiere wie Meerschweinchen, Hamster oder Kaninchen auf den Menschen übertragen werden. Im Anam­nese­gespräch stellte sich jedoch heraus, dass der Patient aktiv Judosport betreibt. Drei ­Wochen zuvor hatte er an einem internationalen Judo-Meeting teil­genommen.

Der Verdacht: Ringerpilz
Durch die mikrobiologische Untersuchung konnte Trichophyton tonsurans als Erreger der Pilzinfektion identifiziert werden. T. tonsurans ist ein anthropophiler Dermatophyt, der als hochkontagiös eingestuft wird. So kommt es manchmal zu kleinen Epidemien bei Sportarten mit engem Körperkontakt.

Systemische und lokale Therapie erforderlich

Aufgrund der Ausdehnung der Pilzinfektion leitete der Arzt eine systemische Therapie mit Terbinafin 250 mg/Tag über 14 Tage ein, die um eine lo­kale Kombina­tionstherapie ergänzt wur­de. So wurde der Patient angewiesen, eine Flupred­niden und Mico­nazol enthaltende Creme zwei­mal täglich dünn aufzutragen. Wichtig ist dabei, dass der Patient informiert wird, dass die Hände nach dem Auftragen gründlich gewaschen werden müssen. Unter der Therapie mit der Wirkstoffkombination Flupredniden und Miconazol kam es beim Patienten zu einer raschen Linderung des quälenden Juckreizes und einem Rückgang der Entzündung. Dies ist ein wichtiges Therapieziel, denn durch Kratzen kann es zu einer weiteren Ausdehnung der Infek­tion ­kommen. Durch den Einsatz des topischen Antimykotikums ist darüber hinaus mit einer reduzierten Umgebungs­kontamination zu rechnen, die ein ­weiteres Über­tragungsrisiko minimiert. Ein wichtiger Hinweis für den Patienten ist die Desinfektion der Kleidung, insbesondere auch der Sportkleidung, unter Verwendung benzalkonium­chloridhaltiger ­Hygienespüler. Bei der Nachkontrolle drei Wochen später war der mykologische Befund negativ, die Infektionsherde waren bereits deutlich verblasst (Abb. 2).

Topische Kombination breit wirksam

Mit der Kombination aus dem mittelstark wirksamen Hautkortikoid Flupredniden und dem Antimykotikum Miconazol können die primären für den Patienten belastenden Therapieziele Entzündungshemmung und Juckreizstillung bei Pilzinfektionen schnell ­erreicht werden. Miconazol zählt zur Gruppe der Breit­spektrum-Imidazol-Antimykotika und wirkt gegen Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze. Darüber hinaus konnte (in vitro) eine gegen grampositive Bakterien gerichtete antibakterielle Wirkung nachgewiesen werden. Miconazol kann dementsprechend auch zur lokalen Therapie von dermatologischen Mischinfektionen (Bakterien und Pilze) verordnet werden. Die Wirkung von Miconazol erfolgt aufgrund unterschiedlicher Angriffspunkte. Der Wirkstoff greift in die Ergosterolsynthese ein und fördert eine Anreicherung von Hydrogenperoxid. Je nach Konzentration wirkt Miconazol fungistatisch oder fungizid. Flupredniden gehört in die Klasse der mittelstarken Glukokortikosteroide. Die antiallergischen, juckreizstillenden, antiproliferativen und antiphlogistischen Eigenschaften gelten durch verschiedene Studien als gesichert. Der Wirkstoff weist eine gute Bioverfügbarkeit auf. Er dringt nach ­topischer Applikation schnell in die Hornschicht ein und reichert sich in Form eines Depots in der Hautbarriere an.

Fazit

Sportler sind häufig von Pilzerkrankungen betroffen, die je nach Ausprägung den ­gesamten Organismus belasten. Neben sport­­art­spezi­fischen Infektionen wie dem Ringerpilz treten häufig auch Fuß- und Nagelpilzinfektionen auf.

Literatur in der Redaktion

Bildnachweis: Prof. Dr. med. Peter A. Mayser

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