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Dermatologie

App-basierte Lösung

Kontaktallergie und Kosmetik: Allergenvermeidung im Alltag

Dr. rer. nat. Wolfram Wiegers

27.5.2026

Nach positivem Epikutantest ist die therapeutische Empfehlung meist eindeutig: konsequente Kontaktvermeidung. Das ist leichter gesagt als getan, weil die Zahl der Inhaltsstoffe in Kosmetika fast endlos ist. Eine App auf Basis der europäischen COSMILE-Allergendatenbank bringt die Spurensuche bequem aufs Smartphone.

Allergische Kontaktekzeme gehören zu den häufigsten chronisch-rezidivierenden Dermatosen in der dermatologischen Praxis [1]. Betroffene müssen Allergenquellen im Alltag erkennen, vergleichen und zuverlässig vermeiden. Das betrifft nicht nur „ein“ unverträgliches Produkt, sondern jede neue Creme, jedes Shampoo, jedes Deo und jede Zahnpasta [2]. Ein einzelner Fehlgriff kann einen Schub provozieren; umgekehrt führt Unsicherheit nicht selten zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität.

Die Anforderungen an die Transparenz steigen dabei stetig: Die Kommissionsverordnung (EU) 2023/1545 vom 26. Juli 2023 ändert die Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 und erweitert die Deklarationspflicht für allergieauslösende Duftstoffe deutlich. Anhang III wurde um 56 zusätzliche Duftstoffallergene ergänzt; damit steigt die EU-Liste von den historisch „26 Duftstoffallergenen“ (formal heute 24, da zwei inzwischen verboten sind) auf 80+ Stoffe bzw. Stoffgruppen – darunter z. B. Menthol, Camphor und Vanillin.

Wichtige Eckdaten und Anforderungen betreffen vor allem die Kennzeichnungspflicht. Duftstoffallergene müssen in der Inhaltsstoff-Liste (INCI) angegeben werden, sobald ihre Konzentration 0,001 % in Leave-on-Produkten bzw. 0,01 % in Rinse-off-Produkten überschreitet. Für die Umsetzung gelten klare Übergangsfristen: Ab August 2026 dürfen nicht konforme Kosmetika nicht mehr in Verkehr gebracht und ab August 2028 nicht mehr verkauft werden.

Primär- und Sekundärprävention

Ziel der Verordnung ist die Primär- und Sekundärprävention von Kontaktallergien. Für Unternehmen folgt daraus die Verpflichtung, Rezepturen und Kennzeichnungen systematisch zu prüfen und anzupassen – und zwar ausdrücklich auch dann, wenn die relevanten Stoffe als natürliche Bestandteile in Rohstoffen vorkommen. Viele dieser Kennzeichnungspflichten betreffen Stoffe, die in der Allergologie seit Langem bekannt sind (wie Perubalsam oder Menthol), bisher aber hinter dem Sammelbegriff „Parfum“ nicht einzeln ausgewiesen werden mussten.

Doch was für den Verbraucherschutz gedacht ist, macht die Inhaltsstoff-Liste zunehmend zu einer schwer lesbaren „Fremdsprache“. Die App „COSMILE Europe“ übersetzt die erweiterte Duftstoffallergen-Liste in eine alltagsnahe Scan-Entscheidung. Duftstoffallergene können markiert werden; beim Produktscan werden sie dann automatisch erkannt. Anschließend liefert die App Informationen zu den Inhaltsstoffen und zu deren Aufgaben in der Formulierung. Wird beim Scan ein markierter Stoff gefunden, zeigt die App dies an und unterstützt im Sinne der Kontaktvermeidung (Abb.).

Damit verschiebt sich der Nutzen der App von der reinen Information hin zur praktischen Umsetzung ärztlicher Empfehlungen: Nach Diagnosestellung erhalten Patienten und Patientinnen die relevanten Allergene und hinterlegen diese in der App. Bei jedem Produktwechsel lässt sich die Zutatenliste dann innerhalb weniger Sekunden prüfen.

Für viele Betroffene beginnt die eigentliche Herausforderung erst nach der Diagnostik: Die Karenzempfehlung muss über Monate und Jahre durchgehalten werden, auch wenn sich Marken, Produktlinien oder Verpackungen ändern. Ein niedrigschwelliger Scan am Point of Sale kann dabei Fehlkäufe reduzieren [3].

In der Praxis kann es helfen, in der Abschlussberatung einen einfachen Workflow zu vereinbaren: relevante Allergene in der App markieren, bei jedem Neukauf scannen und bei Unsicherheit die INCI-Liste (oder einen Screenshot aus der App) zur nächsten Kon­trolle mitbringen. So wird die Verlaufberatung konkreter und Rückfälle lassen sich eher auf potenzielle ­Expositionen zurückführen.

Wichtig bleibt die dermatologische Einordnung: Eine App ersetzt keine Diagnostik, keine differenzierte Bewertung von Expositionswegen und auch keine Therapieentscheidung. Sie kann jedoch helfen, die Lücke zwischen Patch-Test-Befund und Alltagshandeln zu schließen – „Translational Patient Education“ [4]. Damit wird ein Kernproblem der Kontaktallergologie adressiert: Wissen über das Allergen ist nur dann wirksam, wenn es in konsequentes, praxistaugliches Verhalten übersetzt wird.

Inhaltliche Grundlage ist übrigens die europäische COSMILE-INCI-Datenbank, die auf der CosIng-Datenbank der Europäischen Kommission aufbaut. Neben ausführlichen Erklärungen zu den Inhaltsstoffen wurden auch wissenschaftliche Stellungnahmen hinzugefügt. Die Erläuterungen stehen in der App inzwischen in 13 Sprachversionen zur Verfügung. Die App ist kostenfrei, werbefrei und sowohl im Apple App Store als auch bei Google Play verfügbar.

Der Autor

Dr. rer. nat Wolfram Wiegers
Geschäftsführender Gesellschafter
health&media GmbH
Dolivostraße 9
64293 Darmstadt

wolfram.wiegers@health-media.de

  1. Diepgen TL et al., Brit J Dermatol 2016; 174: 319–29
  2. Uter W et al., Contact Dermatitis 2010; 63: 253–61
  3. Tizek L et al., JEADV 2019; 33: 951–6
  4. Mahler V et al., JDDG 2014; 12: 884–91

Bildnachweis: https://cosmileeurope.eu/de/app/; privat

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