Der Markt für Arzneimittel der Selbstmedikation (OTC) nimmt einen enorm wichtigen Stellenwert in der Apotheke ein: Mehr als jede zweite Arzneimittelpackung, die in Apotheken verkauft wird, ist verschreibungsfrei. Die neuen „OTC-Daten 2026“ des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) zeigen, wie unterschiedlich sich dieser Markt im letzten Jahr entwickelt hat: Zuwächse bei Mineralstoffen und Vitaminpräparaten – Verluste bei Hustenmitteln aufgrund der schwachen Erkältungssaison im Herbst 2025.
Die Menschen vertrauen auf hochwertige verschreibungsfreie Arzneimittel aus der Apotheke: Im Vorjahr wurden 941 Millionen Packungen in stationären Apotheken und im Apotheken-Versandhandel verkauft. Die TOP fünf Produktgruppen waren 2025 Husten- und Erkältungsmittel, gefolgt von Mineralstoffen/Vitaminen/Nahrungsergänzungsmitteln, den Produkten der Kategorie Schmerzmittel/Muskel/Gelenke, Produkten für den Verdauungstrakt und Hautmitteln. „Die Apotheke vor Ort ist für OTC-Hersteller der wichtigste Partner. 77 % aller Packungen werden in der Offizin gekauft“, sagt Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des BPI.
Umsatz: OTC-Markt wächst auch in 2025
Der Markt mit OTC-Arzneimitteln legte im Vorjahr leicht zu: 11,5 Milliarden Euro wurden in Apotheken und im Versandhandel umgesetzt. Das entspricht einer Steigerung um 2,6 % gegenüber dem Vorjahr.
Ein Blick auf die tatsächlich verkauften Packungen im Vorjahr zeigt, dass der Absatz durchwachsen war. Je nach Sortiment waren die Hersteller der Selbstmedikation unterschiedlich von den Marktentwicklungen betroffen.
Die absatzstärkste Produktkategorie im OTC-Markt sind mit etwa einem Drittel aller Packungen die Erkältungsmittel. Somit hängt die jeweilige jährliche Segmententwicklung stark von dieser Produktkategorie ab. Die schwache Erkältungssaison im Herbst 2025 bewirkte einen Rückgang von 3,2 % in der Offizin und im Apothekenversandhandel bei verkauften Packungen gegen Husten, Schnupfen und Atemwegsinfekte. Übrigens verzeichnete diese Kategorie auch im Mass Market ein Minus von 1,6 %.
Andererseits konnten sich Hersteller von Vitaminen und Mineralstoffen im vergangenen Jahr freuen, da diese Kategorie in der Apotheke um 7,5 % zulegte. Insgesamt ging der Absatz im Jahr 2025 um 1 % zurück, in der Offizin-Apotheke stärker als im Versandhandel.
Insgesamt konnte sich die Apotheke vor Ort nach Umsatz im Segment für verschreibungsfreie Arzneimittel absolut steigern – beim Absatz ist sie jedoch prozentual rückläufig. Der Apothekenversandhandel konnte 2025 seinen positiven Trend sowohl beim Umsatz als auch Absatz fortsetzen. Für die ärztliche Praxis bedeutet das: Ein wachsender Teil der Medikation findet außerhalb der Verordnung statt – und bleibt ohne gezielte Nachfrage häufig unsichtbar.
Hintergrund: Immer nach OTC und NEM fragen: sie sind kein „Nebenbei“ – sie sind Teil der Medikation
Klinisch relevant sind u. a.:
Konsequenz: Eine vollständige Medikamentenanamnese ist ohne systematische Abfrage von OTC und NEM unvollständig.
OTC-Daten 2026 zum Bestellen oder als Download: https://www.bpi.de/bibliothek/otc-daten
Pressemitteilung: „Neue Daten zu verschreibungsfreien Arzneimitteln: Gesamtumsatz wächst, insbesondere bei Vitaminen und Mineralstoffen“. Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Berlin, 14.4.2026 (https://www.bpi.de/newsroom/news-details/neue-daten-zu-verschreibungsfreien-arzneimitteln-gesamtumsatz-waechst-insbesondere-bei-vitaminen-und-mineralstoffen-1).