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Gynäkologie

Kontrazeption im Wandel

Ist die Pille heute Überhaupt noch zeitgemäß?

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

30.3.2026

Die hormonelle Kontrazeption hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Trotz wachsender Skepsis gegenüber hormonellen Methoden – verstärkt durch Diskussionen in sozialen Medien – bleibt die „Pille“ eine zentrale Säule der modernen Empfängnisverhütung.

Das primäre Ziel jeder kontrazeptiven Methode ist die Verhinderung ungewollter Schwangerschaften. Darüber hinaus bieten hormonelle Kontrazeptiva jedoch zahlreiche Zusatznutzen. Dazu gehören beispielsweise eine Verbesserung der Dysmenorrhö, eine Stabilisierung des Zyklus sowie positive Effekte auf androgenbedingte Hautveränderungen. Darüber hinaus werden kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (KOK) auch therapeutisch eingesetzt, etwa bei Endometriose oder beim polyzystischen Ovarialsyndrom. Viele Frauen bemerken diese Effekte erst nach dem Absetzen der Pille: Zyklusstörungen, stärkere Menstruationsbeschwerden oder Hautprobleme können erneut auftreten. Dieser therapeutische Zusatznutzen wird in der öffentlichen Diskussion über hormonelle Kontrazeption häufig unterschätzt.

Heute steht eine große Bandbreite hormoneller Kontrazeptionsmethoden zur Verfügung. Neben der klassischen oralen Einnahme existieren transdermale Systeme, Vaginalringe oder langwirksame Methoden wie Implantate oder hormonhaltige Intrauterinsysteme. Dennoch zeigt sich ein rückläufiger Trend: Seit 2019 ist der Markt für hormonelle Kontrazeptiva um etwa 16 % zurückgegangen. Gleichzeitig gewinnen alternative Methoden wie Kondome an Bedeutung.

Die moderne Pille unterscheidet sich deutlich von den ersten Präparaten der 1960er-Jahre. Ein wesentlicher Fortschritt ist die kontinuierliche Reduktion der Estrogendosis bei gleichzeitig verbesserter Selektivität der eingesetzten Gestagene. Dadurch konnten Nebenwirkungen reduziert und die Verträglichkeit verbessert werden. Neben dem klassischen Ethinylestradiol (EE) stehen heute auch Kombinationen mit natürlicheren Estrogenen wie 17β-Estradiol, Estradiolvalerat oder Estetrol zur Verfügung. Studien zeigen, dass Präparate mit Estradiolvalerat/Dienogest hinsichtlich des venösen Thromboembolierisikos vergleichbar mit klassischen Levonorgestrel-haltigen Pillen sein können.

Neben der kontrazeptiven Wirkung können hormonelle Kontrazeptiva weitere gesundheitliche Vorteile haben – etwa das Risiko für Endometrium- oder ­Ovarialkarzinome zu senken. Zudem können sie Symp­tome bei prämenstruellem Syndrom, Dysmenorrhö, Hypermenorrhö oder dermatologischen Effekten, etwa bei Akne oder Hirsutismus, verbessern.

Wie jede medikamentöse Therapie ist auch die hormonelle Kontrazeption mit Risiken verbunden. Das individuelle Risiko hängt dabei von diversen Faktoren ab, etwa Alter, Rauchen, Adipositas oder genetischer Prädisposition. Eine sorgfältige Eigen- und Familienanamnese ist daher zentraler Bestandteil der Beratung. Die WHO-Kriterien bieten hierfür eine strukturierte Orientierung. Sie klassifizieren Kontrazeptionsmethoden nach Risiko-Nutzen-Verhältnis und ermöglichen eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung.

Meet the Expert „Kontrazeption im Wandel: Ist die Pille noch zeitgemäß“ (Veranstalter: Aristo Pharma GmbH)

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