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Dermatologie

Psoriasis ganzheitlich behandeln

Hautbefund und Wohlbefinden gemeinsam betrachten

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

19.8.2026

Bei der Versorgung von Menschen mit Psoriasis reicht es nicht aus, ausschließlich sichtbare Hautveränderungen zu beurteilen. Entscheidend ist, wie stark die Erkrankung das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden beeinträchtigt. Diese Dimension sollte immer in die gemeinsame Therapieentscheidung einbezogen werden.

Gesundheit bedeutet nicht nur Abwesenheit von Krankheit, sondern auch, sich im Alltag wohl und sozial integriert zu fühlen. Dennoch zeigen Daten der SHAPE-Studie, dass rund 40 % der Betroffenen den Eindruck haben, ihr dermatologisches Behandlungsteam berücksichtige Aspekte der Lebensqualität nicht ausreichend.

Die aktuelle S3-Leitlinie trägt dieser Perspektive Rechnung. Neben PASI, BSA und DLQI sind sogenannte Upgrade-Kriterien relevant. Dazu zählen sichtbare oder schwer behandelbare Lokalisationen wie Kopfhaut, Genitalregion, Handflächen, Fußsohlen und Nägel. Auch bei begrenzter Hautfläche können diese Areale eine erhebliche Krankheitslast verursachen. Kopfhaut-Psoriasis geht beispielsweise häufig mit Juckreiz, starker Schuppung, Blutungen, und Einschränkungen im sozialen Auftreten einher.

Für diese Lokalisation liegen Daten einer randomisierten, doppelblinden Phase-IIIb-Studie mit Tildrakizumab vor. Eingeschlossen waren Patientinnen und Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis und relevanter Kopfhautbeteiligung. Primärer Endpunkt war ein IGA-mod-2011-Score für die Kopfhaut von „erscheinungsfrei“ oder „fast erscheinungsfrei“ bei gleichzeitiger Verbesserung um mindestens 2 Punkte in Woche 16. Sekundär wurden u. a. das PSSI-90-Ansprechen in Woche 12 und 16 sowie das IGA-Ansprechen in Woche 12 erfasst. Unter Tildrakizumab wurden diese Ziele deutlich häufiger erreicht als unter Placebo. Parallel nahm der Juckreiz klinisch relevant ab, und auch die dermatologische Lebensqualität verbesserte sich. Neue Sicherheitssignale traten nicht auf.

Wie eng objektive Krankheitskontrolle und subjektives Wohlbefinden zusammenhängen, zeigen zudem die Ergebnisse der Phase-IV-Studie POSITIVE. In dieser prospektiven, einarmigen Real-World-Studie wurden die Behandelten über bis zu 24 Monate begleitet; zusätzlich wurden Angehörige sowie Ärzte und Ärztinnen einbezogen. Erfasst wurden klinische Parameter, Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden, u. a. mit dem WHO-5-Wohlbefindens-Index.

Zu Studienbeginn lag der mittlere WHO-5-Wert bei 53,7 Punkten und damit unter dem Referenzwert der Allgemeinbevölkerung von etwa 64 Punkten. Bereits nach 16 Wochen stieg er auf 63,2 Punkte, nach 28 Wochen auf 64,9 und bis Woche 104 auf 70,4 Punkte. Parallel gingen die PASI-Werte deutlich zurück. Die Verbesserung zeigte sich bei biologikanaiven ebenso wie bei biologikaerfahrenen Betroffenen. Auch der DLQI nahm signifikant ab.

Die Daten unterstreichen, dass eine erfolgreiche Psoriasis-Therapie mehr bedeutet als eine möglichst erscheinungsfreie Haut. Im Praxisalltag sollte das immer heißen, gezielt nachzufragen: Was belastet die Betroffenen am meisten, was ist ihnen wichtig, und welches Therapieziel möchten sie erreichen? Instrumente wie WHO-5 und DLQI können helfen, diese Dimension systematisch in die gemeinsame Therapieentscheidung einzubeziehen.

Symposium „AD und Psoriasis behandeln: Herausforderungen in der Praxis meistern“ (Veranstalter: Almirall Hermal GmbH)

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