Eine aktuelle Übersichtsarbeit bestätigt eine deutliche Verschiebung im Erregerspektrum genitaler Herpesinfektionen. Während weltweit weiterhin Herpes-simplex-Virus-2 (HSV-2) dominiert, verursacht in den USA mittlerweile HSV-1 mehr als die Hälfte der neuen genitalen Infektionen mit im Schnitt milderem, seltenerem Rezidivverlauf.
Global bleibt HSV-2 jedoch die häufigste Ursache genitaler Herpesinfektionen, mit einer weltweiten Seroprävalenz von 17,1 % bei Frauen und 9,3 % bei Männern. Da die meisten Infektionen ohne Symptome verlaufen, wissen viele Betroffene nichts davon. So nimmt auch die Häufigkeit neonataler Herpesinfektionen (etwa 1 von 2 000 Geburten) zu. Eine antivirale Suppressionstherapie wird bislang nur bei bekannter rezidivierender Herpesanamnese empfohlen. Therapeutisch bleiben Aciclovir, Valaciclovir und Famiciclovir oral wirksam (topisch nicht ausreichend). Resistenzen entstehen vor allem bei immunsupprimierten Patienten und Patientinnen. Als Reservetherapie steht das nierentoxische, nur intravenös verfügbare Foscarnet zur Verfügung. Neue orale Wirkstoffklassen sowie Impfstoff-, Antikörper- und Genediting-Ansätze befinden sich in der Entwicklung. Eine ursächliche Heilung ist derzeit nicht möglich.
Collins-Ogle M et al., Curr Opin Infect Dis 2026; 39(1): 61–6