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Kongress-Ticker

Krebsfrüherkennung

Polygene Risikoscores

Barbara Hauter

4.8.2022

Viele Red Flags für erbliche Tumorerkrankungen sind bekannt: mehrere Betroffene in einer Familie, früher Erkrankungsbeginn, beidseitiger Brustkrebs, mehrere Tumoren zeitgleich in einem Organ. 13 Gene wurden als Core- oder Hauptgene identifiziert.

Besonders hohe Tumorneigung ist mit BRCA1 und -2 sowie mit RAD51C und -D verbunden. Seltene Tumorsyndrome zeigen TP53, PTEN, STK11, CDH1 und NBN. Eine mittlere Tumorneigung liegt vor bei CHEK2, PALB2, BRIP1, ATM und BARD1.

Bei gesunden Verwandten ersten Grades gilt: Sind mindestens zwei Frauen mit Mammakarzinom vor dem 51. Geburtstag oder eine Frau mit Mammakarzinom und eine mit Ovarialkarzinom bekannt, sollte getestet werden. Trotz dieses Vorgehens werden aber nur ca. 50 % der erblich Belasteten identifiziert. Deswegen wird in Tübingen nicht nach einzelnen Genen gesucht, sondern das gesamte Genom sequenziert und der polygene Risikoscore (PRS) mit betrachtet. Gleichzeitig wird auch immer eine RNA-Sequenzierung mit angeboten, die Aufschluss z. B. über die Hoch- und Runterregulierung von ­Genen gibt.  

Durch die Genomsequenzierungen werden Genkombinationen erkannt, die einzeln im Gegensatz zu den Hauptgenen nur eine geringe Ausprägung haben, aber gemeinsam das Risiko hochtreiben. 300 Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) wurden untersucht und über 40 polygene Risikoscores für Brustkrebs identifiziert, abhängig von der Herkunft der Patientinnen. Beispiel: CHEK2-Mutationen mit einem hohen PRS führen zu einem hohen Erkrankungsrisiko, mit einem niedrigen PRS ist das Risiko trotz ­Mutation ähnlich dem in der Normalbevölkerung. Diese Untersuchung ist weniger relevant für bereits Erkrankte als für die Entscheidung, wie viel Vorsorge im individuellen Fall getroffen werden muss.

Je nach PRS sollte zum Beispiel die Risikogruppe 3 mit 30 Jahren oder 5 Jahre vor dem frühesten ­Erkrankungsalter in der Familie mit intensiver ­Vorsorge beginnen und MRT und Ultraschall jährlich plus eine Mammografie alle 1–2 Jahre ab 40 Jahren erhalten. Die Patientinnen der Hochrisikogruppe würden bereits mit 30 ins Vor­sorge­screening­programm aufgenommen, Frauen mit einem niedrigen PRS von unter 20 % müssten ­dagegen erst mit 70 beitreten.

Vortrag Prof. Dr. med. Olaf Rieß (Tübingen): Polygene Risikoscores. Ein erster Erfahrungsbericht

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