Das chronische Handekzem (CHE) ist keine einheitliche Entität, sondern ein heterogenes Krankheitsbild mit unterschiedlichen ätiologischen, morphologischen und anatomischen Subtypen. Die Behandlung erfordert eine differenzierte, subtyporientierte und langfristig tragfähige Strategie.
Definiert wird das CHE als Handekzem, das mindestens 3 Monate persistiert oder mindestens zweimal pro Jahr rezidiviert. Gerade diese Heterogenität erschwert die Therapie im klinischen Alltag erheblich: irritative, allergische und atopische Formen können ebenso vorliegen wie hyperkeratotische, vesikuläre oder pulpitische Manifestationen. Entsprechend variabel sind Symptomatik, Krankheitslast und therapeutisches Ansprechen.
Für Betroffene bedeutet CHE weit mehr als eine sichtbare Dermatose. Schmerzen, Rhagaden, Juckreiz und funktionelle Einschränkungen der Hände beeinträchtigen Kommunikation, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität substanziell. Hinzukommt die hohe berufsdermatologische Relevanz: Handekzeme zählen in Deutschland zu den häufigsten gemeldeten Berufsdermatosen.
Therapeutisch gelten topische Kortikosteroide weiterhin als empfohlene Erstlinientherapie, insbesondere bei kurzfristiger Anwendung. Sie können Entzündung, Erythem und Pruritus effektiv reduzieren, sind jedoch für die Langzeitkontrolle nur eingeschränkt geeignet. Im Vortrag wurde deutlich, dass viele Patientinnen und Patienten über Jahre überwiegend steroidbasiert behandelt werden, obwohl der langfristige Nutzen limitiert ist und lokale Nebenwirkungen wie Hautatrophie, Fissuren, Schmerzen und funktionelle Verschlechterungen relevant sein können.
Vor diesem Hintergrund rückt Delgocitinib-Creme in den Fokus. Der topische pan-JAK-Inhibitor ist für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem CHE zugelassen, wenn topische Kortikosteroide nicht ausreichen oder nicht geeignet sind. Laut Studiendaten zeigte Delgocitinib eine rasche klinische Wirksamkeit mit relevanter Verbesserung des Schweregrads sowie eine anhaltende Krankheitskontrolle über längere Zeiträume. Auch Verbesserungen patientenrelevanter Endpunkte wurden berichtet, etwa bei Juckreiz, Schmerz und dermatologischer Lebensqualität. Bemerkenswert ist, dass Effekte über verschiedene CHE-Subtypen hinweg beobachtet wurden, auch wenn hyperkeratotische Formen tendenziell träger ansprachen.
Das Sicherheitsprofil liegt auf Vehikel-Niveau, bei minimaler systemischer Exposition. Damit kann Delgocitinib therapeutisch eine wichtige Lücke zwischen kurzfristiger topischer Steroidtherapie und systemischen Verfahren wie Alitretinoin schließen. Auch der präsentierte Head-to-Head-Vergleich mit Alitretinoin unterstreicht das Potenzial der Substanz.
Insgesamt erfordert die Behandlung des CHE eine differenzierte, subtyporientierte und langfristige Strategie. Topische Kortikosteroide bleiben für die Initialtherapie relevant, für die längerfristige Krankheitskontrolle gewinnen jedoch steroidfreie zielgerichtete Therapien an Bedeutung. Delgocitinib-Creme könnte einen neuen therapeutischen Standard für geeignete Patienten und Patientinnen markieren. rm
Firmen-Symposium LEO Pharma GmbH, Vortrag Dr. med. Maximilian Kovács (Darmstadt)