Migräne betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer – hormonelle Schwankungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch gibt es Besonderheiten in der Migränebehandlung aufgrund von verschiedenen Lebensphasen. Eine aktuelle Therapieoption ist die Prophylaxe mit dem CGRP-Antikörper Galcanezumab.
Die medikamentöse Migränetherapie erfolgt stufenweise und unterscheidet zwischen Akut- und Prophylaxebehandlung. In der Akuttherapie werden zunächst nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und Paracetamol eingesetzt; bei moderaten bis schweren Attacken gelten Triptane als Mittel der ersten Wahl. Nicht alle Patienten und Patientinnen sprechen ausreichend darauf an. „Gerade bei Triptanversagen lohnt der Einsatz von Ditanen wie Lasmiditan“, erklärte PD Dr. med. Robert Fleischmann (Greifswald). Es wirkt nicht vasokonstriktiv und erweitert das therapeutische Spektrum bei Personen mit Kontraindikationen oder unzureichender Wirksamkeit klassischer Akutmedikation.
Migräneprophylaxe mit CGRP-Antikörper
Bei häufiger oder stark beeinträchtigender Migräne ist eine prophylaktische Therapie indiziert. Neben etablierten Substanzen wie Betablockern, Antikonvulsiva oder trizyklischen Antidepressiva stehen zudem zielgerichtete Therapien zur Verfügung: monoklonale Antikörper gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor. Der CGRP-Antikörper Galcanezumab ist zugelassen zur Prophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat und zeigte in Studien eine signifikante Reduktion der Migränetage.
PD Dr. med. Bianca Raffaelli (Berlin) erläuterte den Einfluss hormoneller Fluktuationen: „Der Abfall von Estrogenen kann Migräneattacken begünstigen und durch das Zusammenspiel mehrerer Hormone – darunter auch Oxytocin – verändert sich die Migräneanfälligkeit.“ Die Menstruation gilt als häufigster berichteter Trigger: Mehr als 20 % der Frauen mit Migräne erleben Attacken überwiegend im perimenstruellen Zeitraum. Es wird vermutet, dass bei menstrueller Migräne eine Dysregulation des CGRP-Signalwegs vorliegen könnte. In Post-hoc-Analysen der EVOLVE-Studien reduzierte Galcanezumab perimenstruelle sowie nicht-perimenstruelle Migränetage signifikant vs. Placebo. „Migräne ist auch in Schwangerschaft und Stillzeit behandelbar – entscheidend ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung“, sagte Prof. Dr. med. Dagny Holle-Lee (Essen). In der Schwangerschaft bessere sich die Migräne bei 50–75 % der Betroffenen, vermutlich durch stabile Estrogenspiegel. Bei Akutattacken können Paracetamol, Ibuprofen (nur 1. und 2. Trimenon) und Sumatriptan eingesetzt werden; prophylaktisch könnten Magnesium und Metoprolol angewandt werden. In der Perimenopause verschlechtert sich die Migräne häufig erneut. Real-World-Daten zeigen aber, dass Galcanezumab auch bei postmenopausalen Frauen wirksam ist.
Symposium „Migränesprechstunde: Vom allgemeinen Therapie-Update zu Besonderheiten der Migräne bei Frauen“ (Veranstalter: Organon Healthcare GmbH)