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Kongress-Ticker

Neurodegenerative Erkrankungen

Bei der Amyotrophen Lateralsklerose tut sich was!

20.1.2026

Bei der amyotrophen Lateralsklerose sind neue Entwicklungen zu vermelden: So wurde erstmals eine Klassifikation der Phänotypen entwickelt und bei genetisch bedingten ALS-Formen zeichnen sich vielversprechende Therapien ab.

Mit der Zulassung des Medikaments Riluzol und dem US-Film „Lorenzos Öl“ im Jahre 1995 wurde die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) einem breiten Publikum bekannt. Doch danach wurde es ruhig um die ALS – auch in der Forschung. Erst mit einer „Ice Bucket Challenge“ 2015 kam wieder Schwung in die Sache. Und das gleich auf mehreren Ebenen: Bei der Klassifikation und den Therapieoptionen.

Denn ALS ist nicht gleich ALS. Damit die Erscheinungsbilder der ALS wissenschaftlich untersucht werden können, bedarf es einer Klassifikation der Phänotypen. Diese hat jetzt ein Forscherteam um Prof. Dr. med. Thomas Meyer von der Charité Berlin erarbeitet: die OPM-Klassifikation [1]. Kern sind 3 Faktoren, die mit der Abkürzung zusammengefasst werden:

  • Beginn (Onset): In welcher Körperregion treten die ersten Symptome auf?
  • Progression (Propagation): Wie schnell geht die ­Erkrankung von der ersten betroffenen Region auf andere Körperteile über?
  • Motoneuronen-Involvierung, d. h. Dysfunktion der oberen und unteren Motoneurone.

Diese Einteilung soll Forschenden helfen, bei den Untersuchungen nicht „Äpfel mit Birnen“ zu vergleichen, sondern Erkrankungsfälle, bei denen etwa ein ähnlicher Verlauf zu erwarten ist.

Mit ASO gegen genetische ALS

Bei der ALS werden aber noch andere Faktoren unterschieden: Die meisten Betroffenen erkranken im höheren Lebensalter zwischen 60 und 80 Jahren an ALS, die mit fortschreitenden Lähmungen einhergeht, und sterben letztlich an der Atemlähmung. Bei jüngeren Patienten bzw. Patientinnen liegt oft eine genetische Ursache vor, z. B. Mutationen im Superoxid-Dismutase-1-Gen. SOD1 codiert ein Protein, das Motoneurone zerstört. Das Antisense-Oligonukleotid (ASO) ­Tofersen, bindet an die mRNA des SOD1-Gens und bremst so die Produktion des SOD1-Proteins. Und das funktioniert auch klinisch: 16 Betroffene mit SOD1-ALS erhielten über 11 Monate alle 4 Wochen intrathekal Tofersen. Als Biomarker für den Grad der Schädigung und Neurodegeneration dient dabei die Konzentration der Neurofilament-Leichtkette (NfL) im Liquor. Bei 58 % der Untersuchten kam es zu einem signifikanten NfL-Rückgang. Dies korrelierte auch mit der klinischen Besserung, denn 60 % der Teilnehmenden berichteten eindeutige Verbesserungen der Zielsymptome [2]. Meyer erläuterte aktuelle Ergebnisse einer Phase-II-Studie bei SOD1-ALS mit einem monoklonalen Antikörper (AP-101), der auf fehlgefaltete SOD1-Proteine abzielt und sie „abräumt“. Untersucht wurde AP-101 bei 52 Personen mit sporadischer oder SOD1-ALS. Nach 12-monatiger Behandlung mit AP-101-Infusionen wurden Verbesserungen in den Punkten Überleben, nicht invasive Beatmung sowie eine Stabilisierung der klinischen Krankheitsstadien und der Neurofilament-Biomarker beobachtet.

  1. Meyer T et al., Neurol Res Pract 2025; 7: 27
  2. Meyer T et al., Muscle Nerve 2024; 70: 333–45

Online-Pressekonferenz „Perspektivwechsel: Neues zu neurologischen Erkrankungen“

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