- Anzeige -
Kongress-Ticker

Mastozytose

Für wen eignet sich die zielgerichtete Therapie?

Ines Schulz-Hanke

16.7.2026

Mastozytose betrifft 1–2 von 10 000 Menschen, etwa 40–50 % haben erhebliche kutane, gastrointestinale und neurokognitive Symptome sowie Allergien. Rund 20–50 % machen im Lebensverlauf mindestens eine (mittel-)schwere Anaphylaxie durch. Was diagnostisch und therapeutisch angezeigt ist, lesen Sie im Folgenden.

In der Allergologie finde man meist indolente systemische Mastozytosen (ISM) wie die kutane und die Knochenmarksmastozytose und keine fortgeschrittenen Mastozytosen, sagte PD Dr. med. Frank Siebenhaar (Berlin). Bei allen Formen vermehren sich die Mastzellen aufgrund einer Gain-of-Function-­Mutation in der Rezeptor-Tyrosinkinase (KIT) übermäßig. Die Serum-Tryptase-Werte können erhöht sein (≥ 20 ng/ml). Menschen mit kutaner Mastozytose entwickeln monomorphe makulopapulöse Läsionen, die hell- bis dunkelrot oder braun sind und 10 bis über 70 % der Haut bedecken (Grad 1–5).

Red Flags und diagnostische Folgeschritte

Diese Läsionen seien auch bei Erwachsenen mit normalem Serum-Tryptase-Wert hochprädiktiv für eine Mastozytose. Rund 20 % der schweren Anaphylaxien liege eine Mastozytose zugrunde, oft eine Knochenmarksmastozytose. Zudem sei die Mastozytose mit einer frühen, oft schlecht zu behandelnden ­Osteoporose assoziiert. Die Bestimmung der Serum-Tryptase und die Frequenz des besonders häufig auftretenden KIT-D816V-Allels im peripheren Blut seien die ersten und wichtigsten Screening-Parameter. Diagnostisch höchst relevant sei das Darier-Zeichen, bei dem nach mechanischer Reizung ausschließlich die Läsionen und nicht die umgebende Haut anschwellen.

Notfallset mit Adrenalin-Injektor und …

Alle Mastozytose-Betroffenen sollen mit einem Notfallset samt Adrenalin-Injektor ausgestattet werden, forderte Siebenhaar. Die individuellen Auslöser seien bestmöglich zu identifizieren und zu meiden, bei Anaphylaxie oder Insektengiftallergie in der Vorgeschichte sei eine spezifische Immuntherapie einzuleiten.

Die Basistherapie umfasse Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren, teils ergänzt um Leukotrienrezeptorantagonisten; bei therapierefraktären Symp­tomen seien zudem kurzzeitig niedrig dosierte Glukokortikoide indiziert. Eine Anti-IgE-Therapie sei off-label bei wiederholten, unkontrollierten Anaphylaxien angezeigt, wenn eine Immuntherapie nicht möglich ist.

Trotz Polypharmazie sei die Symptomlast oft hoch, Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. KIT-Inhibitoren wie Avapritinib können die ursächliche Autoaktivierung der Tyrosinkinase im mutierten KIT-Gen hemmen. In der PIONEER-Studie habe Avapritinib binnen 24 Wochen ISM-Schlüsselparameter sowie -Symptome einschließlich der Hautläsionen signifikant reduziert und die Lebensqualität gebessert – anhaltend und bei geringen Nebenwirkungen. In Phase II bzw. II / III werden inzwischen die selektiven KIT-Inhibitoren Bezuclastinib und Elenestinib untersucht. Symptome und Lebensqualität lassen sich über Labor­werte, den Mastozytose-Aktivitäts-Score, Quality-of-Life-Fragebogen und Mastozytose-Kontroll-Test kontrollieren, die auch in der MASTHAVE-App verfügbar sind. Der Mastozytose e. V. bietet einen Mastozytose-Pass an.

Vortrag „Systemische Mastozytose heute: Welche Patienten profitieren von zielgerichteten Therapien?“

Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

123-nicht-eingeloggt