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Kongress-Ticker

Anaphylaxie in der ärztlichen Praxis

Adrenalin nicht erst, wenn nichts mehr geht

Ines Schulz-Hanke

16.7.2026

Wer mehr als anaphylaktische Hautsymptome hat, braucht Adrenalin als Notfallmedikament. Worauf es neben dieser Grundregel noch ankommt, betrifft die Form der Adrenalinapplikation, das aktive Patiententraining und die Zusammenstellung eines Notfallsets.

Bei Anaphylaxien sei wichtig, den potenziell biphasischen Verlauf im Kopf zu behalten, warnte Dr. med. Marcus Dahlheim (Mannheim). Denn es könne mit abklingender Medikamentenwirkung nach einigen Stunden zu einem 2. Schub kommen, wenn sich der Auslöser noch im Körper befindet. Er legte Wert darauf, dass sich zumindest Kinder nach der Erstbehandlung mit Adrenalin noch einmal in der Klinik vorstellen.

Klare Regeln in der Praxis

Haben Betroffene ausschließlich Hautsymptome (generalisierte Urtikaria, Lippenschwellung), sei das Legen eines intravenösen Zugangs empfehlenswert und bei Verschlechterung die Gabe einer isotonen Lösung zum Volumenausgleich, erklärte Dahlheim. Zunächst aber genügten orale Antihistaminika der 2. Generation (bis zu 4-fache Einzeldosis) und Prednison, Prednisolon oder Dexamethason (oral oder i. v.). Ältere Antihistaminika stünden zwar auch i. v. zur Verfügung und wirkten so schneller, könnten jedoch wegen ihrer sedierenden Wirkung als Kreislaufabfall fehlinterpretiert werden und dann zu einer überflüssigen Adrenalingabe führen. Bestehen nicht nur Hautsymptome, sei Adrenalin das Notfallmedikament der ersten Wahl. Bei einer Obstruktion der oberen Atemwege, sei sofort Adrenalin i. m. zu geben und eine Adrenalin-Inhalation zu erwägen. Außerdem sollte die erkrankte Person Sauerstoff erhalten sowie hochdosiert Antihistaminika und Cortison. Bei einer Obstruktion im Bereich der unteren Atemwege sei nach der Adrenalin-Injektion Salbutamol zu inhalieren, anschließend seien Sauerstoff sowie Antihistaminika und Cortison zu ergänzen. Zusätzlich könne man auch hier Adrenalin zur Inhalation geben. Anaphylaktische Herz-Kreislauf-Reaktionen erforderten eine unverzügliche Adrenalininjektion (ggf. Wiederholung nach 5 bis 10 Minuten) und Sauerstoffgabe. Notwendig sei zudem die Gabe eines Vollelektrolyts zum Volumenausgleich (initial 20 ml/kg). Auch hier folgen Antihistaminika und Cortison im nächsten Schritt.

In Studien habe sich bestätigt, dass Adrenalin nach einer Applikation mit der Spritze „etwas weniger schnell anflutet und etwas geringere Spitzenspiegel erreicht“ als mit dem Pen. Bei der Inhalation von ­Adrenalin solle in der Praxis mit einem Mundstück gearbeitet werden, damit es bis in Kehlkopf und ­Lunge gelangt. Inzwischen gebe es auch intranasal anwendbare Formulierungen für ein Körpergewicht ab 30 kg, allerdings sind die Erfahrungen mit Anaphylaxie im akuten Notfall bisher noch sehr begrenzt.

Was gehört ins Notfallset?

Das Notfallset müsse übersichtlich sein und Adrenalin enthalten. Außerdem gehörten Salbutamol und je eine Einmaldosis Antihistaminikum und Cortison hinein, um die richtige Dosierung im Notfall sicherzustellen. Die Patienteninstruktion und ein möglichst häufiges Adrenalin-Pen-Training zu Hause und in der Praxis seien unabdingbar. Der Faktor Zeit ist bei einer akuten anaphylaktischen Notfallsituation bedeutsam. Es muss jeder Handgriff sitzen, um eine lebensbedrohliche Situation rechtzeitig abzuwenden.

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