Die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten verändere deren Erwartung und damit den Therapieeffekt auf neurobiologischer Ebene, erklärte Prof. Dr. med. Manfred Schedlowski (Essen).
Eine Placebo-Antwort durch positive Erwartungshaltung entstehe im anterioren cingulären Kortex, dorsolateralen präfrontalen Kortex, der Amygdala und im zentralen Höhlengrau. Der Nocebo-Effekt, bei dem eine negative Erwartungshaltung aufgebaut oder eine bestehende Furcht vor nachteiligen Folgen einer medizinischen Maßnahme verstärkt wird, sei weniger gut untersucht. Doch kenne man etwa die Angst vor Nebenwirkungen der Statintherapie: In Studien stamme jeder 2. Fall eines nebenwirkungsbedingten Therapieabbruchs aus der Placebo-Gruppe. Ähnliche Effekte hätte man in Studien zu Antidepressiva oder Impfungen gesehen. Ein gezieltes Erwartungsmanagement könne unbefriedigende Resultate oder Nebenwirkungen reduzieren, die im Nachhinein mehr Aufmerksamkeit erforderten. Es spare letztlich Zeit, die Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten zu erkunden, ausgewogen über Wirkung und Nebenwirkung zu informieren, empathisch zuzuhören, realistische, positive Erwartungen zu stärken sowie auf eine positive Rahmung zu achten.