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Kongress-Ticker

128. Kongress der DGIM

Biologika: Therapeutische Optionen bei chronischen Haut- und Gelenkerkrankungen

Dr. med. Christine Adderson-Kisser

1.6.2022

Sowohl bei den chronischen Formen der Urtikaria, die in 60% der Fälle länger als ein Jahr und in 18% sogar über acht Jahre andauert, als auch bei der Psoriasis, die mit einer erhöhten Mortalität einhergeht und für die Patienten mental und physisch belastender ist, als es Diabetes mellitus II, Krebs oder Arthritis sind, muss frühzeitig adäquat therapiert werden.

Die Urtikaria ist definiert als das Vorliegen von Quaddeln, die sich mit Schwellung, Rötung und Juckreiz für max. 1 Tag präsentieren, und/oder eines Angioödems, eröffnete PD Dr. med. Undine Lippert (Göttingen) das Thema. „Finden Sie blutige Kratzspuren, Schuppung oder Blasen, liegt keine Quaddel vor“. Generell unterscheidet man bei den chronischen Formen die chronisch spontane Urtikaria (csU) von der chronisch induzierbaren Urtikaria (CindU). In der Diagnostik gelte das Prinzip „Weniger ist mehr!“ – auch wenn der Druck durch die Patienten hoch ist, so die Expertin. Können bei der CindU die Quaddeln durch mechanische oder Temperaturreize provoziert werden, ist die Ursachenforschung bei der cSU meist schwieriger. Hier sollten entzündliche Erkrankungen und Infekte ausgeschlossen werden (BSG/CRP; Diff.-BB; Helicobacter pylori im Stuhl; zahnärztliches und HNO-Konsil) und ggf. verdächtige Medikamente abgesetzt werden. Da eine Allergie nur sehr selten Ursache einer Urtikaria ist, sollte eine diesbezügliche Diagnostik nur bei klaren anamnestischen Hinweisen vorgenommen werden, betonte Lippert. Weiter empfehle sich die Bestimmung von Anti-TPO (Ausschluss Autoimmunthyreoiditis) und des Gesamt-IgE, dessen Bestimmung seit 2022 wieder in der Leitlinie empfohlen wird, um eine Erhöhung des noch nicht solitär messbaren auto-Anti-IgE auszuschließen.

Bei der akuten Urtikaria (≤ 6 Wochen) besteht meist kein Handlungsbedarf, bei csU und CindU aufgrund der starken Einschränkung der Lebensqualität durch Juckreiz und Schwellungen, v.a. im Gesicht, allerdings schon. Therapeutisch reichen dabei H1-Antihistaminika der 2. Generation bei 40–50 % der Patienten auch nach Dosissteigerung auf das Vierfache (off-label) nicht aus. Im nächsten Schritt kann daher bei Patienten über zwölf Jahren zusätzlich Omalizumab 300 mg s.c. alle vier Wochen gegeben werden – bis zu 600 mg s.c. alle zwei Wochen. Kommt es nach sechs Monaten zu keiner Besserung, erfolgt die Umstellung auf H1-Antihistaminika plus Ciclosporin A (off-label). Empfohlen sind das Therapiemonitoring durch ein Patiententagebuch (nur für CsU: Urtikaria-Aktivitäts-Score [UAS7]) sowie Kontrolltests in der Praxis (Urtikaria-Kontrolltest [UCT-Test]).

Zum Thema Psoriasis berichtete Prof. Thomas Dirschka (Wuppertal), dass uns heute neben Kortison, Licht und Ditranol für jeden Patienten unter Berücksichtigung seiner Begleiterkrankungen ein breites Armamentarium für die Behandlung zur Verfügung stehe. Gerade bei jungen Patienten mit (mittel)schwerer Psoriasis liege ein erhöhtes Myokardinfarktrisiko vor (30 J.: 3,1-faches Risiko), auf das konventionelle Therapeutika wie Acitretin und Ciclosporin A keinen Einfluss hätten. Hier helfen die Biologika, wie TNF-alpha-, IL-12/23- und IL-17-Inhibitoren. „Hit hard and early!“ ist daher Dirschkas Apell für eine frühzeitige systemische Therapie. Kann unter Methotrexat nur in 50 % ein PASI-75 erreicht werden, sieht es für die Biologika schon bedeutend besser aus: In der CLEAR-Studie wurde unter dem IL-17-Inhibitor Secukinumab nach 16 Wochen Therapie in 79,0 % ein PASI-90 erreicht (vs. 57,6 % unter Ustekinumab; p < 0,0001), ein PASI-100 sogar in 44,3 % vs. 28,4 %. Auch die Nagelpsoriasis war unter Secukinumab über 32 Wochen komplett behandelbar.

Die um 3,5–4,4 Jahre reduzierte Lebenserwartung von Psoriasispatienten verschlechtert sich durch Vorliegen einer Psoriasisarthritis (PsA) noch weiter, erklärte PD Dr. med. Frank Behrens (Frankfurt am Main). Daher sei es entscheidend, diese frühzeitig zu verhindern. Studien ergaben, dass der Einsatz von Biologika zu einer signifikant geringeren Entwicklung einer PsA führt als die Behandlung mit konventionellen bzw. topischen Therapeutika (Inzidenz 1,81 [95%-KI 0,04–10]) vs. 9,5 [95%-KI 1,9–27,5] bzw. 7,4 [95%-KI 5,8–9,4] pro 1000 Patienten/Jahre). Ebenfalls wichtig zu wissen: Bei Wirbelsäulenbeteiligung helfen die konventionellen Mittel nachweislich gar nicht, so Behrens. Reichen NSAIDs in Maximaldosierung therapeutisch nicht aus, muss als Ersttherapie gleich ein Biologikum (TNF- oder IL-17-Inhibitor) eingesetzt werden – auch wenn das momentan offiziell noch Off-Label-Use ist.

Industriesymposium „Chronische Haut- und Gelenkerkrankungen im Praxisalltag frühzeitig erkennen und umfassend behandeln“ des DGIM 2022 (Veranstalter: Novartis Pharma GmbH), Wiesbaden, Mai 2022

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