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Allgemeinmedizin

Funktionsbeeinträchtigungen im Alter

Geriatrische Screenings für die Praxis

1.2.2024

Beginnende Einschränkungen der Alltagskompetenzen älterer Menschen erschließen sich oft nicht auf den ersten Blick. Mit geriatrischen Screening-Instrumenten gelingt es schnell und effektiv, Betroffene mit erhöhtem Risiko zu identifizieren und den funktionellen Status in verschiedenen Bereichen zu erfassen.

Ein geriatrisches Assessment umfasst mehrere ­Stufen, erklärte Sheue-Ju Lin (Mannheim):

· Stufe 1 beinhaltet ein multidimensionales Screening zur Identifikation geriatrischer Risikopatientinnen und -patienten.
· Ergeben sich positive Befunde, empfiehlt sich ein Basis-Assessment: In Stufe 2a werden verschiedene weitere Verfahren eingesetzt, um nachzuweisen oder auszuschließen, dass ein Funktionsbereich therapierelevant betroffen ist. In Stufe 2b erfolgt eine detaillierte Darstellung der Beeinträchtigungen einer Dimension.
· Stufe 3 umfasst ein vertiefendes Assessment für spezielle Fragestellungen.

Screening-Instrumente für die Hausarztpraxis

Verschiedene standardisierte und validierte Screening-Instrumente bieten in der Hausarztpraxis die Möglichkeit, ältere Patientinnen und Patienten mit erhöhter Vulnerabilität schnell und effektiv zu identifizieren, sagte Lin. Geriatrietypische Problemfelder und Risikokonstellationen sowie ein eventueller Behandlungsbedarf können mit wenig Aufwand überprüft werden.

Mit dem geriatrischen Screening nach Lachs z. B. können in 5–12 Minuten typische geriatrische Probleme wie beeinträchtigte Sinnesfunktionen und motorische Fähigkeiten, Inkontinenz sowie psychische und kognitive Faktoren abgefragt werden. Für die Anwendung des strukturierten Fragebogens seien kein wesentlicher Schulungsaufwand und keine spezifischen beruflichen Qualifikationen erforderlich. Das Screening gibt nur einen orientierenden Überblick, ob in einzelnen Problembereichen Auffälligkeiten vorliegen. Bei positivem Befund das Ausmaß von Störungen oder Einschränkungen zu erfassen, erfordert differenziertere Assessment-Instrumente.

Lin stellte verschiedene Instrumente vor, die für ein Assessment der Stufe 2a eingesetzt und innerhalb weniger Minuten in der Praxis durchgeführt werden können. Um eine alltagsrelevante kognitive Störung zu erfassen, hat sich z. B. der Six Item Screener (SIS)bewährt, der leicht erlernbar ist und unabhängig von den seh- und feinmotorischen Fähigkeiten der Betroffenen durchgeführt werden kann. Für die Mobilitätserfassung steht unter anderem der „Timed Up & Go-Test“ zur Verfügung. Dabei soll die Patientin oder der Patient von einem Stuhl mit Armlehnen aufstehen, 3 m hin- und zurückgehen und sich wieder setzen. Je nach Dauer, die benötigt wird, erfolgt eine Einstufung der Alltagsmobilität. Ein Screening auf eine Malnutrition kann mittels Mini Nutritional Assessment (MNA) erfolgen. Zunächst werden bei einer Voranamnese Angaben zu Appetit, Gewichtsentwicklung, Mobilität, akuten Krankheiten, psychischer Situation und BMI (Body-Mass-Index) erhoben. Bei einer Punktzahl, die auf eine Mangelernährung hindeutet, werden Details zu Wohnsituation, Medikamenten, Ess- und Trinkverhalten sowie dem Gesundheitszustand ausgewertet.

56. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte „Screening­diagnostik bei geriatrischen Patienten – was ist sinnvoll?“, Mannheim, Oktober 2023

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