Die Hoffnung, niedrigdosiertes Aspirin könne bei gesunden älteren Menschen zu einem längeren beschwerdefreien Leben beitragen, wird durch neue Langzeitdaten weiter entkräftet. Die Ergebnisse der ASPREE-XT-Studie, der beobachtenden Nachbeobachtung der großen randomisierten ASPREE-Studie, zeigen klar: Auch über einen Zeitraum von nahezu 10 Jahren lässt sich kein Nutzen von täglich 100 mg Aspirin für die Verlängerung der sogenannten gesunden Lebensspanne nachweisen. Weder ein verzögerter Nachwirkungseffekt (Legacy-Effekt) nach Absetzen des Medikaments noch ein langfristiger Gesamteffekt waren erkennbar.
Bereits die ursprüngliche ASPREE-Studie hatte bei gesunden, eigenständig lebenden (nicht institutionalisierten) älteren Menschen ab 70 Jahren (bzw. ab 65 Jahren bei bestimmten ethnischen Gruppen in den USA) keinen Vorteil von Aspirin gegenüber Placebo auf den primären kombinierten Endpunkt gezeigt, der Tod, Demenz oder anhaltende körperliche Behinderung umfasste. Im Gegenteil war damals ein moderat erhöhtes Sterberisiko unter Aspirin beobachtet worden. Angesichts der langen präklinischen Phase vieler altersassoziierter Erkrankungen, insbesondere neurodegenerativer Prozesse, blieb jedoch offen, ob ein möglicher Nutzen erst zeitverzögert nach Ende der Intervention sichtbar werden könnte.
Diese Frage adressierte die ASPREE-XT-Studie, in der über 15.600 ehemalige Studienteilnehmer im Median weitere 4,3 Jahre nach Beendigung der randomisierten Behandlungsphase rein beobachtend nachverfolgt wurden. Während dieser Nachbeobachtungsphase zeigte sich kein Unterschied zwischen der früheren Aspirin- und der Placebogruppe. Die Ereignisrate für den primären kombinierten Endpunkt betrug 34,37 versus 33,68 pro 1.000 Personenjahre, entsprechend einem nicht signifikanten Hazard Ratio von 1,02. Auch für die einzelnen Endpunkte Tod, Demenz und persistierende körperliche Behinderung ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.
Studie ergab: Aspirin hatte keinen langfristigen Effekt auf die gesunde Lebensspanne
In der Gesamtschau über den gesamten Beobachtungszeitraum von nahezu einem Jahrzehnt – also unter Einbeziehung sowohl der randomisierten Interventionsphase als auch der anschließenden Beobachtungsphase – blieb das Ergebnis konsistent: Aspirin hatte keinen langfristigen Effekt auf die gesunde Lebensspanne. Auch die ursprünglich beobachtete erhöhte Mortalität unter Aspirin wurde durch die längere Nachbeobachtung nicht weiter verstärkt, aber auch nicht in einen Nutzen umgekehrt.
Beachtung verdient eine altersbezogene Subgruppenanalyse: Bei Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die bei Studieneinschluss 80 Jahre oder älter waren, zeigte sich unter Aspirin ein erhöhtes Risiko für den kombinierten Endpunkt. Dieses Signal war statistisch signifikant, muss jedoch zurückhaltend interpretiert werden, da die Studie nicht primär für Subgruppenanalysen dieser Art gepowert war und keine Adjustierung für multiple Vergleiche erfolgte. Gleichwohl fügt sich dieser Befund in die wachsende Evidenz ein, dass der Nutzen-Risiko-Saldo von Aspirin mit zunehmendem Alter ungünstiger wird.
Hinsichtlich der Sicherheit bestätigten die Langzeitdaten die bekannten Risiken: Über den gesamten kombinierten Beobachtungszeitraum hinweg war Aspirin mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutungen assoziiert. Erwartungsgemäß ließ sich dieses Risiko während der reinen Nachbeobachtungsphase nach Absetzen der Medikation nicht mehr nachweisen, was den kausalen Zusammenhang mit der Einnahme unterstreicht.
Für die hausärztliche und allgemeinmedizinische Beratung ergibt sich daraus eine klare Konsequenz. Die routinemäßige Gabe von niedrigdosiertem Aspirin zur Primärprävention bei gesunden älteren Menschen mit dem Ziel, gesundes Altern zu fördern oder Demenz und Behinderung hinauszuzögern, ist nicht wirksam. Die ASPREE-XT-Daten bestätigen, dass sich auch über längere Zeiträume kein Nutzen einstellt, der die bekannten Risiken rechtfertigen würde. Aspirin bleibt damit auf Indikationen der etablierten kardiovaskulären Sekundärprävention beschränkt, bei denen der individuelle Nutzen das Blutungsrisiko überwiegt und eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgt.
Die Ergebnisse entziehen der Vorstellung eines breiten präventiven oder gar „Anti-Aging“-Effekts von Aspirin bei Gesunden eine robuste empirische Grundlage. Für die Beratungspraxis bedeutet dies zugleich Entlastung: Der Wunsch vieler älterer, ansonsten gesunder Patientinnen und Patienten nach einer einfachen pharmakologischen Strategie zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne lässt sich evidenzbasiert beantworten – derzeit nicht mit Aspirin.
Musikbezogene Freizeitaktivitäten und Herz-Kreislauf-Risiko im Alter
In einer Analyse von ASPREE-XT-Daten mit über 10.500 kardiovaskulär gesunden, eigenständig lebenden älteren Erwachsenen zeigte sich zunächst ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Personen, die häufig oder täglich Musik hörten. Nach Adjustierung für Lebensstilfaktoren und klinische Parameter verlor dieser Zusammenhang jedoch seine statistische Signifikanz.
Damit spricht vieles dafür, dass Musikhören keinen eigenständigen kardioprotektiven Effekt hat, sondern eher ein Marker für insgesamt günstigere Verhaltensmuster ist. Für aktives Musizieren fand sich kein Zusammenhang mit kardiovaskulären Ereignissen. Auch Blutdruck und Herzfrequenz veränderten sich insgesamt nicht relevant; einzelne geringe Subgruppeneffekte waren inkonsistent und sind vorsichtig zu interpretieren.
Shah RC et al.: Aspirin and healthy lifespan in older people: main outcome of the ASPREE-XT observational study. Lancet Healthy Longev. 2025 Sep;6(9):100764 (DOI 10.1016/j.lanhl.2025.100764).
* Sulaiman ASS et al.: Do music-related leisure activities influence cardiovascular disease risk, blood pressure and heart rate in older adults? Int J Cardiol Cardiovasc Risk Prev. 2025 Oct 30;27:200538 (DOI 10.1016/j.ijcrp.2025.200538).