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Dermatologie

Expertenkommentar

Prof. Dr. med. Augustin zu den Psoriasis-Wochen 2021

8.11.2021

Die Redaktion freut sich, Prof. Dr. med. Matthias Augustin als neues Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von DER PRIVATARZT DERMATOLOGIE begrüßen zu dürfen. Lesen Sie hier seinen Expertenkommentar zu den Psoriasis-Wochen 2021.

Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Augustin ist Institutsdirektor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und wissenschaftlicher Leiter zahlreicher Projekte, unter anderem:

  • „Global Psoriasis Atlas“ und WHO-Projekt zur Psoriasis
  • Themenbereich „Methoden“ und „Outcomes“
  • Internationales Projekt „Global Disease burden“
  • Projekt mit weltweit über 170 Organisationen hautkranker Patienten
  • Digitale Medizin
  • Digitales Langzeitprojekt „Telemedizin-eDerm“, Leitfaden „Teledermatologie“ und AWMF-S2k-Leitlinie zur „Teledermatologie“
Expertenkommentar: Psoriasis-Wochen 2021
Am 29.10.2021 wurde wie in jedem Jahr traditionell der Welt-Psoriasis-Tag als Anlass für Aktivitäten von Betroffenen und Versorgenden rund um die Psoriasis genommen. In Deutschland organisieren dies seit Jahren PsoNet, DDG, BVDD und der Deutsche Psoriasis Bund gemeinsam. Wer die Entwicklung hierzu in Deutschland in den letzten 15 Jahren verfolgt hat, der wird staunen: Jahr um Jahr haben sich neue Themen ergeben, hat sich die Versorgung weiterentwickelt und ist vor allem die Arzneimittelforschung in großen Sprüngen vorangekommen. Dies gilt sowohl für die Neuentwicklung moderner Therapeutika wie auch für die Versorgungsforschung über den Einsatz der Innovationen. Wir können heute mit Fug und Recht sagen, dass praktisch jedem Patienten mit Psoriasis vulgaris zu einer verbesserten Lebensqualität und einer Verminderung von Symptomen geholfen werden kann, häufig inzwischen auch zu einer kompletten Erscheinungsfreiheit und vollständigen Wiederherstellung des körperlichen, emotionalen und sozialen Wohlbefindens. Diese Entwicklung ist einhergegangen mit weitreichenden Aktivitäten zur besseren Einordnung und Einsetzbarkeit der weiter wachsenden Therapieoptionen. Waren vor zehn Jahren noch acht Einzelwirkstoffe für die Psoriasis und Psoriasis-Arthritis verfügbar, so sind es heute 24 Wirkstoffe – und ein Großteil davon mit einer hochgradigen Evidenz aus randomisierten Studien wie auch aus Patienten-Registern.

Die deutsche Versorgung der Psoriasis ist von der Welt-Gesundheits-Organisation WHO allen Ländern als Best-Practice-Modell empfohlen worden. Grund hierfür waren die wirksamen aktiven Maßnahmen der Dermatologen, insbesondere die Einführung einer S3-Leitlinie, die Nutzung der Messtools DLQI und PASI, daraus entstehend die Entwicklung einer Mess-Kultur bei Psoriasis, die Anwendung von Therapiealgorithmen durch die niedergelassenen Dermatologen, die Formulierung und Implementierung nationaler Versorgungsziele in 5-Jahres-Stufen seit 2010 und nicht zuletzt die Etablierung des weltweit hoch angesehenen Therapieregisters PsoBest. Möglich wurden diese Entwicklungen auch durch die Einführung von Psoriasis-Netzen und durch das hohe Engagement eines wichtigen Teils der Dermatologinnen und Dermatologen in Praxen und Kliniken in Deutschland. Sie tragen über 90 % der Versorgungslast bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis und haben sich zu Experten nicht nur der leitliniengerechten Therapie mit Systemtherapeutika sondern auch des Screenings auf Komorbiditäten weiterentwickelt.

Der Einsatz dieser Arzneimittel hat bundesweit zu einer messbaren dramatischen Verbesserung der Lebensqualität und der sozialen Situation bei denjenigen Patienten geführt, die leitliniengerecht versorgt werden. Zu dem Licht der erheblich verbesserten Versorgung bei einem Teil der Patienten gehört aber auch noch ein wenig Schatten: außerhalb der Dermatologie wird ein hoher Anteil von Patienten immer noch mit systemischen Glukokortikosteroiden versorgt. Dieser Zustand ist unhaltbar, scheint aber schwer abwendbar zu sein. Innerhalb der Dermatologenschaft müssen wir aber auch kritisch feststellen, dass wir im Fach nicht alle Dermatologen mitgenommen haben und knapp die Hälfte immer noch keine Systemtherapeutika bei Psoriasis einsetzt. Aufgaben verbleiben somit, aber es gibt genügend Best-Practice-Beispiele, wie die moderne leitliniengerechte Therapie der Psoriasis – und zukünftig auch der atopischen Dermatitis und weiterer Entzündungskrankheiten – in die Praxisroutine aufgenommen werden kann. Eine faire Vergütung für die hoch spezialisierte Versorgung ist dabei immer wieder einzufordern.

Zusammengefasst ist die Versorgung der Psoriasis vulgaris ein Modellbeispiel dafür, wie wir als Dermatologen aus dem Fach heraus Innovationen nicht nur aufgreifen, sondern aktiv zur Modernisierung der Versorgung beitragen – der Nutzen liegt bei unseren Patientinnen und Patienten, aber auch bei uns selbst.

Der Experte

Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Augustin
Institutsdirektor Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten
Martinistraße 52, 20246 Hamburg

m.augustin@uke.de

Bildnachweis: privat

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