Endokrinologische und metabolische Erkrankungen hinterlassen auf der Haut häufig charakteristische Spuren und sind so häufig auch ein früh sichtbares Warnsystem systemischer Dysregulation. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Indikationen zusammen.
Zahlreiche Dermatosen sind mit Störungen des Glucose-, Lipid- oder Hormonstoffwechsels assoziiert; einzelne Hautbefunde besitzen dabei eine hohe prädiktive oder zumindest wegweisende diagnostische Relevanz. Für die klinische Praxis ist entscheidend, zwischen unspezifischen Begleitmanifestationen und kutanen Konstellationen mit echter Signalwirkung zu unterscheiden. Zu Letzteren zählen insbesondere Necrobiosis lipoidica, Acanthosis nigricans, eruptive Xanthome, das prätibiale Myxödem, Addison-Hyperpigmentierung sowie die charakteristischen Hautveränderungen bei Hyperkortisolismus und Akromegalie [1-4].
Diabetes mellitus
Die Necrobiosis lipoidica (NL) ist eine chronisch-granulomatöse Dermatose, die klassischerweise an den Unterschenkeln lokalisiert ist und klinisch als gelblich-braune, zentral atrophische, teleangiektatische Plaques imponiert. Sie ist eng mit Diabetes mellitus assoziiert, tritt jedoch nicht ausschließlich bei diabetischen Patientinnen und Patienten auf. Die publizierten Daten zeigen, dass NL zwar selten ist, aber als relativ spezifischer Marker einer diabetischen Stoffwechsellage gilt. Sie kommt bei Menschen mit Diabetes deutlich häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung [1,5]. Pathophysiologisch werden Mikroangiopathie, Immundysregulation, Kollagendegeneration und entzündliche Gefäßschädigung diskutiert [1,5].
Acanthosis nigricans ist einer der wichtigsten kutanen Marker für Hyperinsulinämie und Insulinresistenz.
Dermatologisch relevant ist die Differenzialdiagnose gegenüber Granuloma annulare, nekrobiotischem Xanthogranulom, kutaner Sarkoidose und stauungsassoziierten Veränderungen. Ulzerationen sind eine klinisch bedeutsame Komplikation und können schmerzhaft sein sowie sekundäre Infektionen begünstigen [1,5].
Aus internistischer Sicht sollte beim Erstbefund einer NL eine strukturierte metabolische Abklärung mit Nüchternglucose, HbA1c und Erfassung vaskulärer Risikofaktoren erfolgen. Die Hautläsion selbst ist nicht als zuverlässiger Surrogatmarker der aktuellen glykämischen Kontrolle zu verstehen, wohl aber als Hinweis auf eine diabetische oder prädiabetische Stoffwechsellage [1,5].
Die Acanthosis nigricans (AN) ist eine hyperpigmentierte, samtartig verruköse Plaquebildung, bevorzugt in Intertrigines wie Nacken, Axillen und Leisten. Klinisch ist sie einer der wichtigsten kutanen Marker für Hyperinsulinämie und Insulinresistenz. Der pathogenetische Kern liegt in einer durch Hyperinsulinämie vermittelten Stimulation von IGF-1-abhängigen Signalwegen an Keratinozyten und Fibroblasten, was zu epidermaler Proliferation und papillomatöser Akanthose führt [1,6,7]. Entsprechend findet sich AN gehäuft bei Adipositas, Prädiabetes, Typ-2-Diabetes und polyzystischem Ovarsyndrom [1,6,7].
Ihre Signalwirkung ist besonders hoch bei jüngeren Patientinnen und Patienten, bei denen AN einer manifesten Dysglykämie zeitlich vorausgehen kann. In der dermatologischen Praxis sollte der Befund daher Anlass zu einem gezielten Screening auf Insulinresistenz, metabolisches Syndrom und assoziierte Komorbiditäten geben [6,7]. Wichtig bleibt die Abgrenzung zur paraneoplastischen AN: Ein abruptes Einsetzen, rasche Ausbreitung, Schleimhautbeteiligung, palmare Veränderungen („tripe palms“) oder Gewichtsverlust müssen an eine zugrunde liegende Neoplasie denken lassen [3,6].
Eruptive Xanthome erscheinen als plötzlich auftretende, gelblich-erythematöse, feste Papeln mit entzündlichem Hof, bevorzugt an Gesäß, Schultern, Streckseiten der Extremitäten und am Stamm. Histologisch dominieren lipidbeladene Makrophagen. Klinisch sind sie ein wichtiger Notfallhinweis auf schwere Hypertriglyceridämie, häufig im Kontext eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus, insulinresistenter Stoffwechsellage oder sekundärer Dyslipidämie [8,9].
Gerade bei ausgeprägter Hypertriglyceridämie können eruptive Xanthome dem Auftreten einer akuten Pankreatitis vorausgehen oder parallel dazu bestehen [8,9].
Die dermatologische Diagnose sollte deshalb unmittelbar eine laborchemische Abklärung mit nüchternem Lipidprofil und Glucosestoffwechselparametern auslösen. Eruptive Xanthome sind nicht lediglich kosmetische Läsionen, sondern Ausdruck potenziell vital bedrohlicher metabolischer Entgleisung [8,9].
Schilddrüsenerkrankungen
Das prätibiale Myxödem, auch lokalisierte Schilddrüsendermopathie, ist die charakteristische kutane Manifestation der autoimmunen Schilddrüsenerkrankung vom Morbus-Basedow-Typ. Klinisch finden sich nicht eindrückbare, wächsern wirkende, indurierte Plaques oder Knoten, typischerweise prätibial lokalisiert; in schweren Fällen kann sich eine elephantiastische Form entwickeln [2,10,11]. Pathophysiologisch steht eine Autoimmunreaktion mit Aktivierung von Fibroblasten und vermehrter Synthese von Glykosaminoglykanen im Vordergrund; funktionell bedeutsam sind TSH-Rezeptor-assoziierte Autoimmunmechanismen [2,10].
Nahezu regelhaft besteht eine enge Assoziation zur endokrinen Orbitopathie, oft in schwererer Ausprägung [10,11]. Für die klinische Einordnung ist es wichtig, dass das prätibiale Myxödem eher ein Marker systemischer Autoimmunität als der reinen Schilddrüsenhormonkonzentration ist. Der Befund sollte daher eine endokrinologische Reevaluation einschließlich Autoantikörperprofil und Beurteilung extrathyreoidaler Manifestationen nach sich ziehen [2,10,11].
Vitiligo-Assoziationen
Vitiligo ist zwar keine direkte „Schilddrüsenhautmanifestation“, jedoch eine klinisch hochrelevante Assoziation autoimmuner Schilddrüsenerkrankungen. Systematische Reviews und Metaanalysen zeigen ein erhöhtes Risiko für autoimmune Thyreoiditis, Hypothyreose sowie positive Schilddrüsenautoantikörper bei Patientinnen und Patienten mit Vitiligo [12-14]. Diese Verbindung ist immunologisch plausibel und im Rahmen polyautoimmuner Konstellationen besonders bedeutsam.
In der Praxis sollte Vitiligo daher nicht isoliert, sondern als möglicher Marker systemischer Autoimmunität interpretiert werden. Bei neu diagnostizierter Vitiligo, besonders bei zusätzlicher Familienanamnese, Symptomen einer Thyreopathie oder anderen Autoimmunphänomenen, ist ein gezieltes Schilddrüsenscreening sinnvoll [12-14].
Nebennieren- und Hypophysenerkrankungen
Die Hautveränderungen bei Nebennieren- und Hypophysenerkrankungen sind häufig klinisch richtungsweisend, weil sie direkt aus Hormonexzess oder -mangel resultieren. Bei primärer Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison) ist die diffuse Hyperpigmentierung klassisch. Sie betrifft insbesondere lichtexponierte Areale, Druckstellen, Palmarfurchen, Mamillen, Narben sowie die Mundschleimhaut und entsteht durch ACTH-/MSH-vermittelte Melanozytenstimulation im Rahmen des Cortisolmangels [3,15]. Gerade die mukosale und narbenbetonte Pigmentierung besitzt hohe diagnostische Wertigkeit und kann der systemischen Symptomatik um Monate bis Jahre vorausgehen [15].
Demgegenüber führt Hypercortisolismus, insbesondere beim Cushing-Syndrom, zu einer charakteristischen Kombination aus Hautatrophie, fragiler Haut, lividen Striae, leichter Hämatomneigung, verzögerter Wundheilung, Akne, Hirsutismus, superfiziellen Mykosen und teils AN [3,4]. Dermatologisch besonders suggestiv sind breite, violacee Striae und ausgeprägte Hämatomneigung bei gleichzeitig dünner, verletzlicher Haut [16]. Beim ACTH-abhängigen Hypercortisolismus kann zusätzlich eine Hyperpigmentierung auftreten [3,4].
Unter den Hypophysenerkrankungen ist die Akromegalie dermatologisch besonders markant. Typisch sind grobe Gesichtszüge, Hautverdickung, vermehrte Seborrhö, Hyperhidrose, Cutis verticis gyrata, vergröberte Akren und gelegentlich Skin Tags oder acanthosisartige Veränderungen [3,16]. Diese Veränderungen reflektieren die trophischen Effekte von Wachstumshormon und IGF-1 auf Dermis und Bindegewebe [16]. Da die kutanen Zeichen schleichend entstehen, kommt der dermatologischen Mustererkennung eine erhebliche Bedeutung für die Frühdiagnose zu.
Dyslipidämien und Lipidspeichererkrankungen
Xanthome sind die prototypischen kutanen Marker systemischer Fettstoffwechselstörungen. Ihre Morphologie und Verteilung erlauben oft bereits eine ätiologische Einordnung. Eruptive Xanthome sprechen für schwere Hypertriglyceridämie, tendinöse Xanthome sind typisch für familiäre Hypercholesterinämie, plane oder palmare Xanthome können bei Dysbetalipoproteinämie auftreten [3,8,9]. Dermatologische Sichtbefunde können damit auf ein erhebliches kardiovaskuläres oder pankreatitisches Risiko hinweisen und sollten immer eine differenzierte Lipidanalytik nach sich ziehen [8,9].
Xanthome sind die prototypischen kutanen Marker systemischer Fettstoffwechselstörungen.
Im Spektrum der Lipidspeichererkrankungen bzw. lysosomalen Speicherkrankheiten besitzt v. a. Morbus Fabry eine hohe dermatologische Signalwirkung. Charakteristisch ist das Angiokeratoma corporis diffusum, meist in „bathing-trunk“-Verteilung, oft kombiniert mit Hypo-/Anhidrose, neuropathischen Schmerzen und später multisystemischer Beteiligung. Ein aktueller systematischer Review zeigt, dass Hautmanifestationen bei Fabry häufig sind. Besonders oft werden Schweißanomalien und Angiokeratome berichtet [17]. Gerade weil dermatologische Zeichen der renalen, kardialen oder neurologischen Manifestation vorausgehen können, ist ihre frühzeitige Erkennung diagnostisch hochrelevant [17].
Andere lysosomale Speichererkrankungen können ebenfalls kutane Hinweise geben, jedoch meist weniger spezifisch. Für den klinischen Alltag bleibt daher festzuhalten: Bei ungewöhnlichen Angiokeratomen, früher Dysästhesie, Hypohidrose oder familiärer Organbeteiligung sollte an eine Speichererkrankung gedacht und eine gezielte enzymatische bzw. genetische Diagnostik veranlasst werden [17].

Endokrinologische und metabolische Erkrankungen hinterlassen auf der Haut häufig charakteristische Spuren. Nicht jeder Befund ist pathognomonisch, doch bestimmte kutane Muster besitzen eine hohe Signalwirkung und können eine systemische Erkrankung frühzeitig sichtbar machen. Insbesondere Necrobiosis lipoidica, Acanthosis nigricans, eruptive Xanthome, prätibiales Myxödem, Addison-Hyperpigmentierung sowie die Hautzeichen von Cushing-Syndrom und Akromegalie sollten als diagnostische Marker verstanden werden. Die konsequente dermatologische Mustererkennung kann dadurch nicht nur zur Diagnose, sondern auch zur Prävention metabolischer und endokriner Komplikationen beitragen.
