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GYNÄKOLOGIE

DEGUM-Appell

Auch unter Corona Krebsfrüherkennung fortsetzen

Dr. Klaus Dallibor

24.11.2021

Nach Umfragen in Brustzentren weltweit hatte die Pandemie folgenschwere Auswirkungen auf den Klinikalltag. So wurde bei Brustkrebs allgemein die Strahlen- und Systemtherapie verkürzt und die Zeitspanne zwischen Diagnose und Therapie verlängert. Auch die Nachsorge unterlag Einschränkungen.

Pandemie-verursachte Verschlechterungen in der Versorgung enthalten nach Ansicht von Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin DEGUM [1] „Risiken, die höher einzuschätzen sind, als die Risiken durch eine potenzielle Corona-Infektion“ [2]. In Deutschland haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammografie. Bei dieser Früherkennungsmethode von Brustkrebs handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung. Ergänzend dazu sollte laut der DEGUM auch immer die Ultraschalldiagnostik durchgeführt werden. Die Brustkrebsvorsorge mit ergänzendem Ultraschall ist besonders für Frauen mit erhöhten Risikofaktoren wichtig, etwa für Patientinnen, die bereits einen Brustkrebs hatten oder die familiär vorbelastet sind.

Damit die Therapie beim Brustkrebs erfolgreich ist, sollte dieser möglichst frühzeitig entdeckt werden. Die Corona-Pandemie hat jedoch einen negativen Einfluss auf die medizinische Versorgung. DEGUM-Präsident Prof. Dr. med. Markus Hahn, Department für Frauengesundheit des Uniklinikums Tübingen, brachte die Situation auf den Punkt: „Verzögert man nach Diagnosestellung zum Beispiel die Operation um zwölf Wochen, so bedeutet das, dass pro 1 000 Mammakarzinom-Erkrankungen mit 31 zusätzlichen Todesfällen zu rechnen ist.“ Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung in westlichen Industriestaaten. In Deutschland erkranken daran im Jahr etwa 70 000 Frauen. Hahn wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Früherkennung „in einem sehr frühen Stadium“ hin. Hierbei leistet die Ultraschalldiagnostik nach seiner Darstellung einen wesentlichen Beitrag. In der Realität sei die Mammasonografie in den vergangenen Jahren zu der wichtigsten komplementären Methode in der Abklärung von Brusttumoren geworden. Neben eigenständigen Indikationsbereichen soll Ultraschall bei allen unklaren klinischen, mammografischen und MR-tomografischen Befunden, bei dichtem Brustdrüsenparenchym sowie zur bioptischen Abklärung verwendet werden [3].

Hoher Standard in der Frauenarztpraxis

An den anlasslosen Sonografieuntersuchungen, die keine Kassenleistungen sind, beteiligen sich den Angaben zufolge sowohl Gynäkologen als auch ­Radiologen. Nach einer internen DEGUM-Umfrage verwenden die Gynäkologen durchweg moderne Geräte. Keines davon war über zehn Jahre alt, hieß es dazu. „Wir helfen, Leben zu retten“, sagte Hahn. Dies betrifft insbesondere Intervallkarzinome zwischen den Mammografien. Mit Unverständnis reagierte der Gynäkologe darauf, dass der IGeL-Monitor [4] weiterhin diese Methode mit Bezug auf Nutzen für die Früherkennung und ­das Gesamtüberleben als „unklar“ bewertet habe. Hingegen liege die Möglichkeit der zusätzlichen Erkennung von Karzinomen bei erschwerter Abklärung, nämlich in einer mammografisch dichten ­Brust, ­mithilfe der Mammasonografie bei bis zu 45 %. Als Beleg dafür wurde eine aktuelle Metaanalyse von 23 Studien mit insgesamt 800 000 Frauen angeführt, wonach primäres Ultraschall-Screening bei dichtem Brustdrüsengewebe vergleichbare Ergebnisse in Sensitivität, Spezifität, Krebserkennungs- und Biopsie­rate liefert wie die Mammografie [5]. Hahn forderte daher eine Aktualisierung des IGeL-Monitors. Neben dem Einsatz des Ultraschalls bei der Brustkrebsvorsorge diskutieren die DEGUM-Experten auf ihrer Online-Pressekonferenz darüber, warum die Sonografie bei Knochenbrüchen eine besonders ­genaue Diagnose ermöglicht – und welche Vorteile sie dabei gegenüber dem Röntgenverfahren hat. Auch der Einsatz moderner Ultraschalltechnik bei akuten und chronischen Erkrankungen im Bauchraum ist ein zentrales Thema der virtuellen Veranstaltung.

1 Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin DEGUM, 5. Mai 2021 (unter Benutzung auch der schriftlichen Unterlagen zur Pressekonferenz)
2 Hanna TP et al., Mortality due to cancer treatment delay: systematic review and meta-analysis, BMJ, 2020 Nov 4; 371: m4087
3 Interdisziplinäre S3-Richtlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 0.4., 2017; AWMF-Registernummer: 032-045OL  
4 IGeL-Monitor Aktualisierung: 18.06.2018  
5 Yang L et al., Performance of ultrasonography screening for breast cancer: a systematic review and meta-anlysis, BMC Cancer, 2020 Jun 1; 20: 49

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