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Gynäkologie

ASCO-Highlights 2026

Weitere Optimierungen in der gynäkologischen Onkologie

Yasmin Niederstenschee

19.8.2026

Während die Immun-Checkpoint-Blockade die Prognose des Endometriumkarzinoms grundlegend verändert hat, zeichnen sich beim Mammakarzinom neue Wege zur Therapieoptimierung ab: weniger Chemotherapie und bessere Symptomkontrolle. Die wichtigsten Studien vom ASCO 2026 im Überblick.

Ob Patientinnen mit frühem ER-positivem und HER2-negativem Mammakarzinom trotz klinisch hohem Risiko auf Chemotherapie verzichten können, wurde in der internationalen Phase-III-Studie OPTIMA (n = 4 429) untersucht [1]. Im testgesteuerten Arm entschied ein Genexpressionstest über die Chemotherapieindikation: Patientinnen mit niedrigem Rückfallrisiko-Score erhielten nur endokrine Therapie, bei prämenopausalen Patientinnen stets mit ovarieller Funktionssuppression. Im Kontrollarm bekamen alle Teilnehmerinnen Chemotherapie. Nach einem medianen Follow-up von 3,9 Jahren betrug die 5-Jahres-Rate des invasiven-brustkrebsfreien Überlebens (IBCFS) 91,5 % im Kontrollarm und 90,4 % im testgesteuerten Arm (Hazard Ratio [HR] 0,99; Nicht-Unterlegenheit p = 0,013). Dass der Verzicht auf Chemotherapie bei niedrigem Testergebnis dem Standard ebenbürtig war, galt auch für Patientinnen mit 4– 9 befallenen Lymphknoten sowie für Prämenopausale unter ovarieller Suppression. Bisher galten beide Gruppen als klare Kandidatinnen für eine Chemotherapie. Einschränkend ist das kurze Follow-up zu nennen. Bei G3-Tumoren und stärkerem Lymphknotenbefall sollten Langzeitdaten abgewartet werden, so Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss (Heidelberg).

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Linderung vasomotorischer Symptome

Vasomotorische Symptome (VMS) unter endokriner Therapie sind häufig und ein wesentlicher Grund für den vorzeitigen Therapieabbruch. Auslöser sind Neurokinin-1(NK-1)- und NK-3-Rezeptoren im Hypothalamus, die unter Estrogenentzug thermoregulatorische Neurone aus dem Gleichgewicht bringen. Elinzanetant (EZN), ein dualer NK-1-/NK-3-Antagonist, hat in OASIS-4 bereits signifikante Wirksamkeit gezeigt. Auf dem ASCO 2026 wurden Subgruppenanalysen nach endokriner Therapieart vorgestellt [2].

Patientinnen unter Tamoxifen, Aromatasehemmer oder mit/ohne ovarieller Funktionssuppression mit mind. 35 moderaten bis schweren VMS pro Woche wurden 2 : 1 auf EZN 120 mg täglich oder zunächst 12 Wochen Placebo randomisiert. In allen Subgruppen zeigte sich nach 12 Wochen eine deutlich stärkere Reduktion des PROMIS-Schlafstörungsscores unter EZN als unter Placebo (unter Tamoxifen -11,0 vs. -4,3 Punkte; unter Aromatasehemmer -10,0 vs. -3,8; unter ovarieller Suppression -10,4 vs. -6,5). Auch der menopausespezifische Lebensqualitätsscore verbesserte sich über alle Domänen. EZN wirkt damit unabhängig vom endokrinen Therapieregime und konnte dazu beitragen, die Adhärenz zu verbessern.

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Standard schlägt ADC-Kombination

Mirvetuximab-Soravtansin (MIRV) ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) gegen Folat-Rezeptor alpha (FR-α) mit nachgewiesener Einzelsubstanz-Aktivität beim platinresistenten Ovarialkarzinom. Die randomisierte Phase-II-Studie MIROVA (AGO-OVAR 2.34, n = 145) prüfte erstmals eine MIRV-Kombination mit Carboplatin beim platinsensiblen Rezidiv bei Patientinnen mit hoher FR-α-Expression und einem platinfreien Intervall von mehr als 3 Monaten [3]. Im experimentellen Arm erhielten die Patientinnen ­Carboplatin plus MIRV, gefolgt von einer MIRV-Erhaltungstherapie. Der Kontrollarm sah Carboplatin mit einem Standardpartner (Paclitaxel, Gemcitabin oder pegyliertes liposomales Doxurubicin) vor, gefolgt von einer optionalen PARP-Inhibitor-Erhaltung.

Progressionsfreies Überleben (PFS) wurde nicht erreicht. Das mediane PFS betrug 9,79 Monate im Kontrollarm und 9,53 Monate im experimentellen Arm (HR 1,00; p = 0,996), trotz einer nahezu doppelt so hohen Ansprechrate unter MIRV (über 60 % vs. ca. 32 %). Dass sich der Ansprechvorteil nicht ins PFS übersetzte, erklärte Dr. med. Katharina Smetanay (Heidelberg) mit dem starken Kontrollarm: Die Kombination aus platinbasierter Chemotherapie und PARP-Inhibitor-Erhaltung sei so wirksam, dass sie den initialen Vorteil der ADC-Kombination kompensierte. FR-α bleibt jedoch ein valides therapeutisches Ziel, zu dem weitere Studien laufen.

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Endometriumkarzinom: Heilung rückt näher

Das Endometriumkarzinom ist die häufigste gynäkologische Tumorerkrankung. Beim fortgeschrittenen oder rezidivierten Befund mit Mismatch-Repair-­Defizienz (dMMR) bzw. Mikrosatelliteninstabilität-high (MSI-H) ist die Kombination aus Checkpoint-Inhibitor (ICI) und platinbasierter Chemotherapie heute Standard. MSI-H und dMMR sind molekulare Marker, die den Tumor besonders empfindlich für Immun­therapie machen. Die 4-Jahres-Daten der Studien RUBY and NRG-GY018 verleihen dem Kombinationsregime nun neues Gewicht, wie Smetanay betonte.

In der RUBY-Studie (Dostarlimab plus Carboplatin/Paclitaxel) lag die 4-Jahres-PFS-Rate in der dMMR/MSI-H-Population bei 57,9 % unter der genannten Kombination gegenüber 15,7 % unter Placebo [4]. Eine Mixture-Cure-Modell-Analyse ergab, dass 54 % der Patientinnen dieser Subgruppe (95%-KI 35 –72 %) als potenziell geheilt gelten können. NRG-GY018 (Pembrolizumab) bestätigt dies: Nach 48 Monaten lebten 80 % der mit Pembrolizumab behandelten Patientinnen in der dMMR-Kohorte gegenüber 60 % im Placebo-Arm (HR 0,53), obwohl mind. 55 % der Placebo-Patientinnen im Verlauf noch eine Immuntherapie erhalten hatten (Crossover) [5]. Auch in der pMMR-Kohorte – Patientinnen ohne Mismatch-­Repair-Defizienz, die generell schlechter auf Immuntherapie ansprechen – war das Gesamtüberleben unter Pembrolizumab um ca. 12 Monate verlängert (46,9 vs. 35,1 Monate; HR 0,84), trotz 57 % Crossover. Für die gynäkologische Praxis bedeutet das: Patientinnen mit dMMR/MSI-H-Endometriumkarzinom sollten frühzeitig an ein onkologisches Zen­trum überwiesen werden, um von dieser Therapie zu ­profitieren.

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Die neuen ASCO-Erkenntnisse liefern klare Impulse: OPTIMA erweitert den Verzicht auf Chemotherapie beim frühen Mammakarzinom, EZN lindert vasomotorische Symptome konsistent, MIROVA zeigt, wie hoch der Standard beim platinsensiblen Ovarialkarzinom bereits ist, und die Langzeitdaten zum dMMR-Endometriumkarzinom erlauben, von einem kurativen Potenzial zu sprechen.

  1. Stein RC et al., J Clin Oncol 2026; 44: 500
  2. Soares C et al., J Clin Oncol 2026; 44: 512
  3. Harter P et al., J Clin Oncol 2026; 44: 5506
  4. Powell MA et al., J Clin Oncol 2026; 44: 5501
  5. Eskander RN et al., J Clin Oncol 2026; 44: 5502

Online-Veranstaltung „Highlights der Jahrestagung American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2026“ (Veranstalter: NCT Heidelberg), Juni 2026

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