Während die Immun-Checkpoint-Blockade die Prognose des Endometriumkarzinoms grundlegend verändert hat, zeichnen sich beim Mammakarzinom neue Wege zur Therapieoptimierung ab: weniger Chemotherapie und bessere Symptomkontrolle. Die wichtigsten Studien vom ASCO 2026 im Überblick.
Ob Patientinnen mit frühem ER-positivem und HER2-negativem Mammakarzinom trotz klinisch hohem Risiko auf Chemotherapie verzichten können, wurde in der internationalen Phase-III-Studie OPTIMA (n = 4 429) untersucht [1]. Im testgesteuerten Arm entschied ein Genexpressionstest über die Chemotherapieindikation: Patientinnen mit niedrigem Rückfallrisiko-Score erhielten nur endokrine Therapie, bei prämenopausalen Patientinnen stets mit ovarieller Funktionssuppression. Im Kontrollarm bekamen alle Teilnehmerinnen Chemotherapie. Nach einem medianen Follow-up von 3,9 Jahren betrug die 5-Jahres-Rate des invasiven-brustkrebsfreien Überlebens (IBCFS) 91,5 % im Kontrollarm und 90,4 % im testgesteuerten Arm (Hazard Ratio [HR] 0,99; Nicht-Unterlegenheit p = 0,013). Dass der Verzicht auf Chemotherapie bei niedrigem Testergebnis dem Standard ebenbürtig war, galt auch für Patientinnen mit 4– 9 befallenen Lymphknoten sowie für Prämenopausale unter ovarieller Suppression. Bisher galten beide Gruppen als klare Kandidatinnen für eine Chemotherapie. Einschränkend ist das kurze Follow-up zu nennen. Bei G3-Tumoren und stärkerem Lymphknotenbefall sollten Langzeitdaten abgewartet werden, so Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss (Heidelberg).
Linderung vasomotorischer Symptome
Vasomotorische Symptome (VMS) unter endokriner Therapie sind häufig und ein wesentlicher Grund für den vorzeitigen Therapieabbruch. Auslöser sind Neurokinin-1(NK-1)- und NK-3-Rezeptoren im Hypothalamus, die unter Estrogenentzug thermoregulatorische Neurone aus dem Gleichgewicht bringen. Elinzanetant (EZN), ein dualer NK-1-/NK-3-Antagonist, hat in OASIS-4 bereits signifikante Wirksamkeit gezeigt. Auf dem ASCO 2026 wurden Subgruppenanalysen nach endokriner Therapieart vorgestellt [2].
Patientinnen unter Tamoxifen, Aromatasehemmer oder mit/ohne ovarieller Funktionssuppression mit mind. 35 moderaten bis schweren VMS pro Woche wurden 2 : 1 auf EZN 120 mg täglich oder zunächst 12 Wochen Placebo randomisiert. In allen Subgruppen zeigte sich nach 12 Wochen eine deutlich stärkere Reduktion des PROMIS-Schlafstörungsscores unter EZN als unter Placebo (unter Tamoxifen -11,0 vs. -4,3 Punkte; unter Aromatasehemmer -10,0 vs. -3,8; unter ovarieller Suppression -10,4 vs. -6,5). Auch der menopausespezifische Lebensqualitätsscore verbesserte sich über alle Domänen. EZN wirkt damit unabhängig vom endokrinen Therapieregime und konnte dazu beitragen, die Adhärenz zu verbessern.
Standard schlägt ADC-Kombination
Mirvetuximab-Soravtansin (MIRV) ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) gegen Folat-Rezeptor alpha (FR-α) mit nachgewiesener Einzelsubstanz-Aktivität beim platinresistenten Ovarialkarzinom. Die randomisierte Phase-II-Studie MIROVA (AGO-OVAR 2.34, n = 145) prüfte erstmals eine MIRV-Kombination mit Carboplatin beim platinsensiblen Rezidiv bei Patientinnen mit hoher FR-α-Expression und einem platinfreien Intervall von mehr als 3 Monaten [3]. Im experimentellen Arm erhielten die Patientinnen Carboplatin plus MIRV, gefolgt von einer MIRV-Erhaltungstherapie. Der Kontrollarm sah Carboplatin mit einem Standardpartner (Paclitaxel, Gemcitabin oder pegyliertes liposomales Doxurubicin) vor, gefolgt von einer optionalen PARP-Inhibitor-Erhaltung.
Progressionsfreies Überleben (PFS) wurde nicht erreicht. Das mediane PFS betrug 9,79 Monate im Kontrollarm und 9,53 Monate im experimentellen Arm (HR 1,00; p = 0,996), trotz einer nahezu doppelt so hohen Ansprechrate unter MIRV (über 60 % vs. ca. 32 %). Dass sich der Ansprechvorteil nicht ins PFS übersetzte, erklärte Dr. med. Katharina Smetanay (Heidelberg) mit dem starken Kontrollarm: Die Kombination aus platinbasierter Chemotherapie und PARP-Inhibitor-Erhaltung sei so wirksam, dass sie den initialen Vorteil der ADC-Kombination kompensierte. FR-α bleibt jedoch ein valides therapeutisches Ziel, zu dem weitere Studien laufen.
Endometriumkarzinom: Heilung rückt näher
Das Endometriumkarzinom ist die häufigste gynäkologische Tumorerkrankung. Beim fortgeschrittenen oder rezidivierten Befund mit Mismatch-Repair-Defizienz (dMMR) bzw. Mikrosatelliteninstabilität-high (MSI-H) ist die Kombination aus Checkpoint-Inhibitor (ICI) und platinbasierter Chemotherapie heute Standard. MSI-H und dMMR sind molekulare Marker, die den Tumor besonders empfindlich für Immuntherapie machen. Die 4-Jahres-Daten der Studien RUBY and NRG-GY018 verleihen dem Kombinationsregime nun neues Gewicht, wie Smetanay betonte.
In der RUBY-Studie (Dostarlimab plus Carboplatin/Paclitaxel) lag die 4-Jahres-PFS-Rate in der dMMR/MSI-H-Population bei 57,9 % unter der genannten Kombination gegenüber 15,7 % unter Placebo [4]. Eine Mixture-Cure-Modell-Analyse ergab, dass 54 % der Patientinnen dieser Subgruppe (95%-KI 35 –72 %) als potenziell geheilt gelten können. NRG-GY018 (Pembrolizumab) bestätigt dies: Nach 48 Monaten lebten 80 % der mit Pembrolizumab behandelten Patientinnen in der dMMR-Kohorte gegenüber 60 % im Placebo-Arm (HR 0,53), obwohl mind. 55 % der Placebo-Patientinnen im Verlauf noch eine Immuntherapie erhalten hatten (Crossover) [5]. Auch in der pMMR-Kohorte – Patientinnen ohne Mismatch-Repair-Defizienz, die generell schlechter auf Immuntherapie ansprechen – war das Gesamtüberleben unter Pembrolizumab um ca. 12 Monate verlängert (46,9 vs. 35,1 Monate; HR 0,84), trotz 57 % Crossover. Für die gynäkologische Praxis bedeutet das: Patientinnen mit dMMR/MSI-H-Endometriumkarzinom sollten frühzeitig an ein onkologisches Zentrum überwiesen werden, um von dieser Therapie zu profitieren.

Die neuen ASCO-Erkenntnisse liefern klare Impulse: OPTIMA erweitert den Verzicht auf Chemotherapie beim frühen Mammakarzinom, EZN lindert vasomotorische Symptome konsistent, MIROVA zeigt, wie hoch der Standard beim platinsensiblen Ovarialkarzinom bereits ist, und die Langzeitdaten zum dMMR-Endometriumkarzinom erlauben, von einem kurativen Potenzial zu sprechen.

Online-Veranstaltung „Highlights der Jahrestagung American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2026“ (Veranstalter: NCT Heidelberg), Juni 2026