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Allgemeinmedizin

ASCO-Highlights 2026

Neue Maßstäbe in der gastrointestinalen Onkologie

Yasmin Niederstenschee

28.9.2026

Ein oraler Wirkstoff verdoppelt das Überleben beim Pankreaskarzinom nahezu, eine neue Antikörper-Kombination beim Magenkarzinom wirkt unabhängig vom Tumormarker PD-L1 und für das kolorektale Karzinom rückt die blutbasierte Therapiesteuerung näher an die Praxis.

Aus Sicht von Prof. Dr. Dr. med. Christoph Springfeld (Heidelberg) lieferte die RASolute-302-Studie das wichtigste Ergebnis des gesamten Kongresses [1]. RAS(Rat Sarcoma)-Gen-Mutationen ­treiben das Bauchspeicheldrüsenkarzinom in über 90 % der Fälle an. Daraxonrasib ist ein oral verfügbarer Wirkstoff, der den aktiven Zustand von mutierten und normalen RAS-Genen gleichzeitig hemmt. In der randomisierten Phase-III-Studie (n = 500) verdoppelte Daraxonrasib das mediane Gesamtüberleben (OS) bei vorbehandeltem metastasiertem Pankreaskarzinom im Vergleich zur Chemotherapie nahezu: 13,2 vs. 6,6 Monate (Hazard Ratio [HR] 0,40; p < 0,0001). Das progressionsfreie Überleben (PFS) stieg von 3,5 auf 7,3 Monate, die Ansprechrate von 12 % auf 33 %.

Schwerwiegende Nebenwirkungen traten mit ­Dara­xonrasib seltener auf als mit Chemotherapie (43,6 % vs. 57,5 %); häufigste höhergradige Ereignisse waren Hautausschlag und Stomatitis. Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen waren selten (1,2 % vs. 11,2 %). Die Autorengruppe sieht die Datenlage als Beleg für einen neuen Therapiestandard in der Zweitlinie. Eine Zulassung in den USA wird für die nächsten Monate erwartet, während der europäische Zulassungsprozess voraussichtlich länger dauern wird. Parallel dazu laufen bereits weitere Studien, in denen Daraxonrasib in Kombination mit einer Chemotherapie geprüft wird. Sie könnten ­Betroffenen zusätzliche Behandlungsfortschritte eröffnen.

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Magenkarzinom
Neue Antikörper-Kombination überzeugt

Ein Update der HERIZON-GEA-01-Studie wurde von Prof. Dr. med. Georg Martin Haag (Heidelberg) präsentiert [2]. In der Studie wurde der bispezifische Antikörper Zanidatamab – ein Molekül, das gleichzeitig zwei verschiedene Andockstellen des HER2-Rezeptors blockiert – in Kombination mit Chemotherapie und dem Checkpoint-Inhibitor Tislelizumab beim HER2-positiven Magenkrebs oder Krebs des Mageneingangs untersucht. Verglichen wurde mit dem bisherigen Standard Trastuzumab plus Chemotherapie. Bei einem medianen Beobachtungszeitraum von 26 Monaten verlängerte die Dreifachkombination das PFS (12,4 vs. 8,1 Monate; HR 0,63; p < 0,001) sowie das OS (26,4 vs. 19,2 Monate; HR 0,72; p = 0,004) signifikant. Bemerkenswert ist, dass ­dieser Vorteil in der Subgruppenanalyse unabhängig vom PD-L1(Programmed Death-Ligand 1)-Status bestand. Das sei bei Pembrolizumab (Keynote-­811) anders, welches vorwiegend PD-L1-positive Patienten und Patientinnen begünstigte. PD-L1 gilt in der Onkologie als zentraler prädiktiver Biomarker, mit dem sich beurteilen lässt, wie gut ein Tumor voraussichtlich auf eine Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren ansprechen wird. Zanidatamab ist in der Europäischen Union für die genannte Indi­kation noch nicht zugelassen.

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Kolorektales Karzinom
Bluttest steuert die Therapie

Dr. med. Sebastian Dieter (Heidelberg) beleuchtete zwei Studien zum kolorektalen Karzinom. Die Studie GALAXY (CIRCULATE-Japan) lieferte neue Daten zu einem möglichen Paradigmenwechsel in der adjuvanten Therapie nach operativer Entfernung des Tumors [3]. Die Analyse bezog 1 034 Patientinnen und Patienten mit radikal reseziertem Darmkrebs (Stadium I–IV) ein, die 4 Wochen nach der Operation keine nachweisbare zirkulierende Tumor-DNA im Blut hatten. Bestimmt wurde dies mittels des sogenannten Signatera-Assays, einer Art Bluttest auf Tumorreste (Liquid Biopsy).

Erkrankte, die beim zweiten Messzeitpunkt nach 12 Wochen positiv wurden, profitierten deutlich von der adjuvanten Chemotherapie (HR 0,3; p = 0,017). Das 2-Jahres-Überleben ohne Krankheitszeichen betrug 45,5 % bei Chemotherapie vs. 9,8 % bei ­alleiniger Beobachtung. Betroffene, die an beiden Zeitpunkten negativ blieben (n = 998), hatten unabhängig vom Einsatz einer Chemotherapie ähnlich gute Verläufe. Dies sei ein Hinweis darauf, dass diese Patientinnen und Patienten möglicherweise keine Chemotherapie benötigten. Die serielle Blutmessung könnte so eine präzisere Risikoabschätzung ermöglichen als die bisher verwendeten klinisch-pathologischen Parameter. Eine prospektive Bestätigung steht noch aus.

Die zweite Studie, BREAKWATER Kohorte 3, adressierte Personen mit einer seltenen Mutation (BRAF V600E) im metastasierten Darmkrebs [4]. Die Subgruppe hat eine besonders ungünstige Prognose (ca. 8–10 % aller Fälle). Die Kombination aus den zielgerichteten Wirkstoffen Encorafenib und Cetuximab plus dem Chemotherapieschema FOLFIRI verdoppelte in der Erstlinie verglichen mit der Standardchemotherapie nahezu das mediane PFS: 15,2 vs. 8,3 Monate (HR 0,44; p = 0,0002); die Ansprechrate betrug 64,4 % vs. 39,2 %. Das OS war numerisch verbessert (18-Monatsrate: 72 vs. 54,5 %; HR 0,56), die Auswertung ist allerdings noch nicht final. Die Kombination ist bereits in internationale Leitlinien eingegangen, in Europa für diese Indikation aber noch nicht zugelassen. Sie ist besonders relevant für Patienten und Patientinnen, die in der adjuvanten Situation bereits Oxaliplatin erhalten haben und dann ein Rezidiv entwickeln, denn durch den Austausch von FOLFOX gegen FOLFIRI bleibt eine wirksame Chemotherapieoption erhalten.

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Der ASCO 2026 hat für Tumoren des Magen-Darm-Trakts gleich mehrere potenzielle Therapiewechsel offenbart. Besonders hervorzuheben ist Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom, bei dem ein solcher Überlebensgewinn bislang selten erreicht wurde. Beim Magenkrebs eröffnet Zanidatamab eine neue zielgerichtete Option, die unabhängig vom PD-L1-Status wirkt. Für den Darmkrebs gibt es neue Erkenntnisse zu blutbasierter Therapiesteuerung und neuen Wirkstoffen. Für die hausärztliche Praxis sind diese Entwicklungen vor allem bei der Beratung betroffener Patienten und Patientinnen relevant. Mehrere dieser Therapien sind in Deutschland noch nicht zugelassen, aber in greifbarer Nähe.

  1. Wolpin BM et al., J Clin Oncol 2026; LBA5
  2. Rha SY et al., J Clin Oncol 2026; 4010
  3. Yokota M et al., J Clin Oncol 2026; 102
  4. Kopetz S et al., J Clin Oncol 2026; LBA3503

Online-Veranstaltung „Highlights der Jahrestagung American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2026“ (Veranstalter: NCT Heidelberg), Juni 2026

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