Für Menschen mit metabolischem Syndrom sind Hausärztin oder Hausarzt Weichensteller, die viele Folgekomplikationen im Blick behalten müssen. Dazu gehört auch Leberkrebs. Im folgenden Fall findet sich ein typischer Verlauf von Komplikationen, in dem ein wachsamer Hausarzt die richtigen Schlüsse zog.
Bei einem inzwischen 67-jährigen Rentner wurde bereits im Jahr 2014 ein metabolisches Syndrom dokumentiert. Sein Gewicht betrug damals 112 kg bei einer Größe von 1,81 m, das entspricht einem Body-Mass-Index von 34,2 kg/m². Das HbA1c lag mit 6,1 % im Bereich des Prädiabetes, die Blutdruckwerte waren bis 170/95 mmHg deutlich erhöht. Zusätzlich bestand eine Hyperlipoproteinämie. Durch den Hausarzt wurde daraufhin eine medikamentöse Therapie zur Blutdruck- und Lipidsenkung eingeleitet. Weiterhin erfolgte eine Ernährungsberatung und eine Empfehlung zur Gewichtsreduktion. Der Patient nahm 6 kg ab, die Blutdruck- und Lipidwerte besserten sich.
Einschnitt im Leben und Gewichtszunahme
Nach einer Ehescheidung nahm der Patient wieder 8 kg zu, auch die Medikamente wurden von ihm nicht mehr regelmäßig eingenommen. Außerdem entwickelte er einen Diabetes mellitus Typ 2, weshalb eine Diabetesschulung erfolgte und eine antidiabetische Therapie mit Metformin und Sitagliptin begonnen werden musste. Seit der Coronazeit 2020 arbeitete er nur noch im Homeoffice, es kam zu einer weiteren Gewichtszunahme.
In einer 2021 wegen erhöhter Transaminase-Werte im Blut vorgenommenen abdominellen Ultraschalluntersuchung wurde eine deutliche Steatosis hepatis nachgewiesen. Alkohol trank der Patient glaubwürdig aber nur sehr selten. Bei der daraufhin veranlassten Elastografie der Leber wurde eine Fibrose Grad 2–3 diagnostiziert (Abb. 1). Die MASLD (Metabolic dysfunction-associated liver disease) des Patienten hatte also bereits eine deutliche Fibrosierung zur Folge.
Die transiente Elastografie mit dem System Fibroscan ist eine schnelle und nicht strahlenbelastende Ultraschalluntersuchung, mit der die Lebersteifigkeit gemessen werden kann. Bei dieser Methode wird von einer Ultraschallsonde ein Impuls ausgesandt, der sich umso schneller durch die Leber ausbreitet, je weniger elastisch das Gewebe ist. Die Steifigkeit wird in der Einheit Kilo-Pascal (kPa) angegeben.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
Im Jahr 2024 kam es dann kurz vor Ende des Berufslebens des beschriebenen Patienten zur Diagnose einer Leberzirrhose. Sonografisch wurde jetzt auch eine portale Hypertension mit Splenomegalie diagnostiziert. In einer weiteren Elastografie zeigte sich jetzt eine deutlich erhöhte Lebersteifigkeit (Abb. 2). In der Gastroskopie waren Ösophagusvarizen ohne Blutungszeichen erkennbar.
Im Folgejahr wurde bei einer Ultraschallkontrolle durch den Hausarzt der Verdacht auf ein hepatozelluläres Karzinom im rechten Leberlappen geäußert. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) bestätigte diesen Verdacht (Abb. 3). Bei noch ausreichender Leberfunktion konnte das hepatozelluläre Karzinom operativ entfernt werden. Engmaschige bildgebende Verlaufskontrollen sind aber weiterhin notwendig, da bei bestehender Leberzirrhose ein hohes Risiko besteht, dass sich erneut ein maligner Tumor in der Leber entwickelt.



Die Entwicklung einer MASLD ist eine häufige Komplikation des metabolischen Syndroms. Sie betrifft bis zu 80 % der Erkrankten mit einem Diabetes mellitus Typ 2 und einer Adipositas. Auch deshalb ist die frühe und effektive Behandlung bei metabolischem Syndrom bedeutsam. Die hausärztliche Praxis ist zudem ein wichtiger Partner bei der Detektion hepatischer Komplikationen wie Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom, damit therapeutische Maßnahmen so schnell wie möglich eingeleitet werden können.

Der Autor
Dipl. Med. Christoph Hartwig
Abteilung Gastroenterologie, Diabetologie und Hepatologie
Vivantes-Klinikum Neukölln
12351 Berlin
Bildnachweis: Dipl.-Med. Christoph Hartwig; privat